Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Von Mimimis, Miasanmias, Managern, Medien und Moosröschen

Die Mimimis unter den wahren und falschen Fans und die Mimimis beim DFB/der DFL und den Medien haben dieser Tage ja wieder richtig viel zu tun. Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC hat wieder neue Maßstäbe gesetzt und dem Herrn Niersbach vom guten und gerechten DFB eine Steilvorlage geliefert, die der auch nicht ungenutzt liegen lässt. Allüberall werden im Minutentakt Artikel rausgehauen, Bandbreite von “Emotionen respektieren” bis “alle lebenslanges Stadionverbot”, da muss ich nicht auch noch in epischer Breite einsteigen. Ist auch meines Erachtens nach überflüssig. Keiner hat auch nur den Hauch einer Ahnung, wie man dem beikommen kann, beide Seiten stellen nur immer wieder fest, wie es NICHT geht. Was ja nicht weiterhilft. Und so werden wir dann gespannt warten, was der DFB diesmal aus dem Zylinder zieht. Analog zu einem Bierbecherwurf, der eine Platzsperre “wert” war, müsste es für gestern eine Deutschlandsperre werden. Aber mit Relationen hat es der DFB ja noch nie gehabt, drum darf man gespannt sein, was für eine Wurst da aus der Strickliesel rauskommt. Zum Thema Pyrotechnik möchte ich an dieser Stelle mal die Berliner Pyronale im September empfehlen, das ist das, was die Bezeichnung PyroTECHNIK tatsächlich auch verdient. Nuff said.

*Edit: Im “Brennpunkt” in der ARD liess der DFB-Vertreter keinen Zweifel daran, dass die Maßnahmen Stehplätze weg, Zäune hoch und noch härteres Durchgreifen die Zukunftsmusik sind. War klar, oder?

Aber immerhin hat dieses unterhaltsame Relegationsspiel den Fans des FC Hollywood die Möglichkeit gegeben, mal durchzuatmen und einen hämefreien Tag zu geniessen. Wer das DFB-Pokal-Endspiel gesehen hat, weiss, was ich meine. Mia san mia und waren die bessere Mannschaft. Hat einer so ähnlich gesagt. Was immer sein Bewusstsein getrübt haben mag, an dem “glücklichen” 5:2 ist nicht mehr zu rütteln. Ich persönlich fand das Spiel sehr unterhaltsam, was aber mehr am BVB gelegen hat, der aus wenig Ballbesitz viel machte. Dieses Ballbesitz wird mehr und mehr überbewertet. Wenn man nichts draus macht, hat man am Schluss halt nur… mehr Ballbesitz gehabt. Mir würden 5% Ballbesitz reichen und pro Prozent ein Tor und kein Gegentor. Wäre doch düpierend.
Macht allerdings jetzt das kommende CL-Endspiel des FC Bavaria gegen Chelsea noch attraktiver. Hat Chelsea aus dem Anschauungsstück gelernt? Bleibt Bayern bei der Strategie, die bessere Mannschaft zu sein, egal, wie das Spiel verläuft? Wer wird die meisten Klatschpappen haben und hat Robben endlich ein Shirt in seiner Größe an? Wir wissen es nicht. Aber bald. Wir = ich. Und Sie.

Manager kommen und gehen. In unserem Fall gehen sie. Er. Helmut Schulte. Das Sauerländer St. Pauli-Gestein. “Ur” klingt immer so nach Alter Stamm und Harald Stender. Mir tut es persönlich leid, weil ich ihn geschätzt habe. Vor allem wegen seiner Fachkompetenz, die ihm kaum abzusprechen ist.

Als langjährigen St. Paulianer erfüllt mich die Trennung mit Wehmut. Von der Abstiegszone in der 2.Liga habe ich die Mannschaft über den Aufstieg in die 1. Bundesliga bis jetzt ins Spitzenfeld der 2.Liga begleitet. Wer nicht einschätzen kann, was ich geleistet habe, dem kann ich nicht helfen

Quelle: Transfermarkt.de

Aber selbst das findet der eine oder andere unverschämt. Frage mich warum, hab ich den einen oder anderen auch gefragt, aber keine Antwort bekommen. Das Zitat enthält Tatsachen. Der sportliche Aufstieg und viele gute Spieler, die kamen, sind Helmut Schulte zuzuschreiben. Dass ein Sportchef weder die Aufgabe noch die Zeit hat, mit der Mannschaft einmal die Woche die Namen zu tanzen, um es atmosphärisch hübscher zu gestalten, ist eigentlich selbstredend. Das Namentanzen sollte man dem Teammanager überlassen, der in meinen Augen so ein bisschen die Muddi sein müsste. Empathisch. Vertrauenswürdig. Im Geiste ein Sonnenschein, wie ich eine positive Ausstrahlung nennen würde. So einer wie Schulle zum Beispiel. Aber wir haben einen, der stattdessen seinen eigenen Namen am liebsten tanzt, ihn lieber auf seine Autogrammkarten kritzelt und im Glanze seiner kürzlichen Medienpleiten erstrahlt. Wie er sich schreibt? Wie König, nur mit B.

Der neueste Knaller ist die Feststellung, man wolle “Stillschweigen bewahren”, woraus die Mopo umgehend “schmutzige Wäsche” macht. Was impliziert, dass es sehr wohl welche gegeben hat. Die man eben nur nicht waschen will. Also den Mantel des Stillschweigens darüberhüllen. Prima. Anstatt ein Statement auf der Ebene sportlicher und funktionaler Differenzen abzugeben, suggeriert man persönliches Fehlverhalten mit dieser schmutzigen Wäsche und öffnet -wieder mal- der Spekulation Tür und Tor. Was hat er bloss gemacht, der Schulte? Eine Spielerfrau beglückt? Herrn Schubert gewürgt? Morgens zu spät gekommen? Einem Spieler das Auto geklaut? Diese Außendarstellung des Vereins ist eine einzige Katastrophe. Diesen Satz kann ich mittlerweile in jeden zweiten Artikel reinkopieren. Und es gelingt ihnen immer noch, einen draufzusetzen. Jedes Mal. Um auf Schulte zurückzukommen: das Timing ist grandios. Und die Interimslösung ein Traum in wachsweich. Wer noch von den goldenen Zeiten eines Holger Stanislawski als Sportchef schwärmt, an dem dürfte komplett vorbeigegangen sein, dass sich seither einiges geändert hat. Nicht zum besseren, sondern zum härteren. Ich sehe einen erfolgreichen (und ich messe den sportlichen Erfolg) Sportchef als abgeklärten, kompromisslosen, weitestgehend emotionslos-sachlichen Vertreter, dem es nicht darauf ankommt, dass man ihn mag, sondern dass die Ergebnisse stimmen. Das hat der kantige Sauerländer gemacht und das hat er gut gemacht. Aufgrund der Kantigkeit kann ich mir auch vorstellen, dass er bei dem ein oder anderen Mimimi von Spielern nicht angemessen reagiert hat. Zumindest nicht für die Vertreter der Blümchen-von-der-Bewußtwerdungskirche-Fraktion. Dafür haben wir aber andere. Oder könnten wir haben, wenn man sie mal liesse (schließe Kreis zu Schulle).
Ein Sportchef muss auch mit Spielern, die bei ihm einen Vertrag unterschrieben haben, nichts mehr weiter veranstalten. Dafür gibt es einen Trainer, einen Co-Trainer und einen Team-Manager. Also gäbe, wenn man einen gescheiten Teammanager installieren würde. Die Hintergründe dieser Entlassung und dieser in meinen Augen schäbigen Verhaltensweise werden wir wohl nicht erfahren. Es sei denn, jemand Internes süffelt wieder Plauderwasser und steckt den bösen Medien Details. Oder die Medien denken sich eben selbst was aus, dass sie das wild spekulierend können, dafür hat unser Grüßorth ja mit der schmutzigen Wäsche gesorgt. Danke auch dafür.

Wo wir gerade bei den Medien sind, also den Bösesten der Bösen: die “Falschmeldung” von Schuberts Entlassung, die Richtigstellung von Schuberts angeblicher Entlassung und die Bekanntgabe von Schuberts Nicht-Entlassung waren ein Sahneschnittchen. Ich als Medien hätte jetzt einen richtigen Krötenhals auf meinen Informanten. Obwohl ich wahrscheinlich wüsste, dass der Informant zu diesem Zeitpunkt richtig lag. Aber bei unserem Kirmeskarussell-Präsidium -jede Drehung eine neue Überraschung- würde ich als Informant lieber auch keinen mehr informieren. Was heute stimmt, kann morgen ein Skandal sein. Ein Entenskandal. René Marik würde sagen “Maulwurfn hier”, denn dass die Lokalpresse mit Informationen gefüttert wird, wird sicher niemand bezweifeln. Und natürlich möchte jeder der erste sein. Quote. Print wie Fernsehen. Was dieser Medienhype bewirkt, haben wir dann gestern wieder gesehen. Die hammerhärtestekultigstespannendstekrasseste Liga allerzeiten. Mit Einschaltquote. Alles richtig gemacht, die Initiative “Pyro legalisieren…” hat sicher wieder total positiven Auftrieb in der Öffentlichkeit bekommen gestern. Nicht.

Wozu braucht es eigentlich eine Relegation? Ich finde, 34 Spieltage sind ausreichend, um den Status als “die drei schlechtesten und die drei besten” zu zementieren. Relegation ist für die Medien, für den Kommerz, die Werbung. Nicht für uns. Zumindest nicht für die von uns, die mit einem Abstieg einfach nicht umgehen können. Für die nicht, für die Abstieg das Ende der Welt as we know it bedeutet. Das Leben zu Ende ist. Der Verein am Boden.
Wo waren wir denn mal? Fast pleite. Und heute bauen wir ein neues Stadion, haben knapp den Aufstieg in die 1. Liga verpasst und alles ist gut. Könnte gut sein. Wenn nicht gerade aus dem Magischen FC der Tragische FC wird, wie jetzt. Eins steht fest: meine Stimme bekommt dieses Präsidium nicht mehr. Einmal reicht.

Und zu guter Letzt:

Und dann war da noch die Sache mit Naki…

Deniz Naki verlässt also den Verein. Nicht wirklich glücklich, weil er wäre gern geblieben. Das kann man aus den Interviews deutlich hören. Und ich gebe zu, ich mag ihn, diesen hitzköpfigen, hochemotionalen Gefühlssturm auf zwei Füßen. Und niemals werde ich den Moment vergessen, der auf meinem Lieblingsbild of all times perfekt eingefangen wurde:

Ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich an die Szene denke und was dem vorangegangen ist. Diese Bilder bleiben in meinem Kopf und ich danke Deniz Naki für einen der großartigsten Fussballmomente meines Lebens. Keine Frage, durch diese Aktion hat er sicher in den noch zu schreibenden Geschichtsbüchern des FC St. Pauli verewigt und in den Herzen aller, die wissen, was dieser Tag dort bedeutet hat. Das mag Ihnen jetzt pathetisch erscheinen, ist es vielleicht auch, aber dann ist es halt so. Ein bisschen Pathos hat noch nie geschadet.

Aber -es war klar, dass ein Aber kommt, nicht wahr?- für mich ist es ok, dass er geht. Er geht, weil er sportlich in den letzten Jahren keine nennenswerte Entwicklung durchgemacht hat. Klar, er verbreitet Unruhe, wirbelt vogelwild umher – aber darüber hinaus ist es eben… nicht ausreichend. Da wir nach wie vor ein Fussballverein sind und es uns einfach auch nicht leisten können, alle zu behalten, an denen unser Herz aus was für Gründen auch immer hängt, muss dann eben immer mal wer gehen. Ansonsten hätten wir eine Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 50, wenn sie alle geblieben wären. Unruhe hat auch ein Morike Sako immer verbreitet, allerdings war der “außersportlich” auch tadellos. Kann man jetzt bei Deniz Naki nicht so sagen. Er hatte Disziplinprobleme unter Stanislawski und hatte sie auch unter Schubert. Wenn man den Medienberichten Glauben schenkt -und in diesem Fall scheint es mir wahrscheinlich, dass es sich so abgespielt haben könnte- kam Naki zum Training vor dem Paderborn-Spiel mal wieder zu spät, dreissig Minuten, und hatte dann noch einen dreisten Spruch Richtung Trainer auf Lager. Sollte es so gewesen sein, hätte er sein Abschiedsspiel von der Bank oder sogar von der Tribüne gesehen. Ja, klingt hart, aber wir reden hier von einem Fussballprofi, der mit der Disziplin so seine Probleme hat. Weder der letzte noch der jetzige Trainer haben das offenbar in den Griff bekommen, vielleicht schafft es der nächste. Oder die Zeit. Oder beides.

Ich mag den Deniz wegen seiner emotionalen, kantigen, unbequemen Art, manchmal habe ich das dringende Bedürfnis, ihm über den Kopf zu streicheln, wenn er so herzzerreissend weint wie am Sonntag. Oder auch mal vor Wut weint wie auch schon oft. Und wegen der Aktion in Rostock wird er auch immer einen Platz in meinem Herzen haben. Aber eben nicht mehr im Kader des FC St. Pauli zum jetzigen Zeitpunkt. Er hatte die berühmten 5 Minuten, die einen Fussballer des FC Sankt Pauli unsterblich machen. Er hatte ein Stadion, dass total “Naki” war. Solche Erlebnisse bleiben vielen Spielern verwehrt, er hatte sie und wird sie sicher auch nie vergessen.
Aber Fussballprofi sein ist eben auch kein Ponyhof und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Wir haben Lelle gehen lassen und auch Eger. Und Ralle. Und Ian und Jimmy und und… und so geht es weiter mit dem Kommen und Gehen. Das ist für mich ok. Es wurde ihm kein Vertrag angeboten, weil er sportlich nicht den Ansprüchen genügt. Nicht, weil man ihn verletzen wollte oder persönlich düpieren. Auch mit einer Ablehnung muss er lernen fertigzuwerden, genauso, wie er mit der ungeheuer herzlichen Akzeptanz und dem positiven Hype um ihn fertigwerden musste. Falls er das überhaupt schon ist.

Was die “Sperre” der Nummer 23 betrifft: da würden mir auf Anhieb einige Nummern einfallen, die mit der Begründung “für einen besonderen Spieler” schon hätten gesperrt werden müssen. Es haben sich schon viele in unsere Herzen gebolzt und sind da auch noch. Mindestens ja mal wohl alle Spieler der Jahrhundertelf. DAS wäre einge Begründung. Aber die Nummern gehen weiter. Und das ist gut so.

Wenn es überhaupt einen gibt, bei dem ich die Nummernsperre unterstützen würde, dann wäre das allenfalls Fabian Boll. Der ist für mich St. Pauli. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Also machs gut, Deniz Naki, die besten Wünsche für die Zukunft und nochmal danke. Du weisst schon….

Diese verrückten Paulis wieder

Dieser Tweet fasst die Situation beim FC Sankt Pauli sehr treffend zusammen, wie ich finde:

Wie soll man da blogtechnisch noch nachkommen? Seit letztem Donnerstag wurde das, was schon seit Monaten gärt, medientechnisch Mach-beschleunigt. Da kommt der Herr Wöckener mit einer “Pommes Braun-Weiß” fast gleichzeitig mit BILD-Spekulationen über Trainer-Ärger im FCSP-Paradies raus, die eigentlich so keiner richtig verstehen mag, weil am sportlichen Erfolg liegt es ja nun nicht, wenn man sich Spiele, Ergebnisse und und ansieht. Dass es “menschelt” oder auch “unmenschelt”, ist eine andere Baustelle, an der man schon viel länger mal hätte tätig werden können, aber auch Spekulationen über ein grottiges Timing sind irgendwie hinfällig.

Dann gewinnt der Magische FC am Sonntag souverän, befreit und beflügelt gegen Paderborn mit 5:0 und kurz danach verkündet die SportBild die Trainerentlassung. Auf diesen Zug springen sie dann nacheinander auf, das Abendblatt, die Welt Online, die Mopo – nur das Präsidium schweigt. Beharrlich. Da haben wir also gefühlt seit Sonntag 17.00 Uhr keinen Trainer mehr, der eine Teil versteht es, der andere nicht, der eine weiss mehr als der andere oder weniger oder nichts von den Hintergründen.

Was aber auch dann ganz schnell alles egal ist, denn es kommt die Pressekonferenz des Präsidiums mit dem Trainer. Und ohne den Sportdirektor und schwupps haben wir wieder einen Trainer. Oder anders: wir haben wieder einen Trainer, den wir nie nicht hatten. Können Sie mir folgen? Ich bewundere Sie.

Dass der Sportdirektor bei einer Pressekonferenz, in der es um wesentliche sportliche Entscheidungen geht, fehlt, mag dem einen oder anderen merkwürdig erscheinen. Mir übrigens auch. Aber das spielt keine Rolle, das fällt bei dem Rum-Geeiere des Präsidiums auch gar nicht weiter auf. Herr Schubert schlägt sich verbal gut, aber seinen Umgang mit Presse und Fans hat ja auch keiner jemals kritisiert, der ist -vor allem im Vergleich mit dem Herrn Orth- vorbildlich. Ganz anders als unsere Mediengranate aka Christian Bönig, der einen Sportchef ankündigt, der gar nicht kommt, dem Hernr Spies einen Gernot unterschiebt und auch ansonsten ein wunderbares Beispiel dafür ist, wie man es nicht macht. Und von dem Rest der anwesenden Medien-Profis bin ich auch nicht ganz so begeistert. Wenn ein Herr Schubert sagt, das Verhältnis zu Sportchef Schulte wäre genauso wie gestern, würde ich doch mal fragen, wie es gestern war. Unbequeme Fragen, um diese Stammelei mal ein bisschen konkreter zu machen, bleiben aus. Und alle sind zufrieden. Tatsächlich? Wirklich alle?

Ich persönlich finde es ok, dass man Schubert eine Chance gibt. Meinem Kenntnisstand nach lag es am zwischenmenschlichen Bereich, den man bemängelt hat und wenn man mal klare Kante macht und die Probleme auf den Tisch legt, ergibt sich durchaus im einen oder anderen Fall die Möglichkeit, die Dinge zum Besseren zu ändern. Über was man nicht spricht, kann man nicht ändern. Warum man so unfassbar lange gewartet hat, obwohl sich das seit Monaten abzeichnete, kann ich nicht sagen. Eine hohe Schmerzgrenze, extreme Leidensfähigkeit oder erstmal abwarten, wie das sportlich läuft? Was da maßgeblich war, ist schwer einzuschätzen. Wir werden sehen, was in der Sache Schubert weiter passiert. Die Quellen der SportBild und Co. waren nicht so richtig zuverlässig, aber es dringt ja immer mal was von der aktuellen Stimmungslage durch, früher oder später. Und ab 3. August werden wir spätestens sehen, wie die Spieler am Start sind. Mental. Was mir gerade so einfällt: der Teammanager in Personalunion Pressesprecher müsste doch eigentlich von den Befindlichkeiten der Mannschaft schon länger Kenntnis gehabt haben. Kommen sich da die Posten in die Quere oder hat er einfach nicht hingeschaut? Wobei dann wieder die Frage ist, ob eine solche Personalunion überhaupt wünschenswert ist und wenn es sie dann schon gibt, sie irgendwie doch nichts nützt bezüglich der schnelleren und kürzeren Kommunikationswege?

Sie sehen, es geht wieder um alles, nur nicht ums Sportliche. Das nervt. Echt.

Edit: Wusste doch, die Omma hatte Recht: alles kommt zu dem, der warten kann. In diesem Fall eine umfangreiche Linksammlung zu diesem und anderen Themen bei @derUebersteiger

22.04.2012 FC Sankt Pauli vs. Hansa Rostock 3:0

Was für eine Freude! Nicht nur, dass man endlich mal wieder über etwas Sportliches schreiben kann, sondern dass es viele erfreuliche Dinge gab am Spieltag. Sports first.

Doppelpack von Ebbe, wunderbar. Wer noch vor kurzer Zeit meinte, wir bräuchten neue Stürmer, senke sein Haupt und schweige. Der, den wir haben, kann es ganz gut. Hätte es sogar noch deutlich besser gekonnt, die 100%ige und die zwei Minuten später 200%ige hätte er reinmachen müssen. Auch mein kleiner Fin hätte nach dieser prima Doppelaktion, in der er seine Gegenspieler wunderbar ausgetanzt hat, den Ball eintüten müssen. Hat er nicht, hat er aber dafür später. Was mich wie immer besonders freut. Tschauner im Tor hat was Beruhigendes für mich, ich glaube aber, dass, wenn er mal so richtig gefordert würde, er noch mehr aufdrehen könnte. Der Mann, auf dessen breites Kreuz locker ein Doppelname aufs Trikot passen würde, tut mit seiner souveränen, unaufgeregten Präsenz sehr gut. Nicht nur meinen Nerven. Heute hat mir die Mannschaft gut gefallen. Weniger die Fehlpässe und das Verdaddeln, sondern der ständige Druck und Zug nach vorne, immer wieder anrennen, versuchen, den Rostockern keine größeren Räume lassend, Bälle zurückerobernd, die man verdaddelt hat und das 90 Minuten lang. Von einem Sitzplatz in der Nord ganz oben im Gebälk aus betrachtet, kann man die Raumaufteilung, die Spielzüge und die Bewegung sehr gut sehen, ein anderes “Guckerlebnis” und kein schlechtes.

Dieses Spiel war aus vielen Gründen wichtig. Koggeversenken ist so ziemlich das wichtigste in einer Saison, in der der HSV nicht zu einem Pflichtspiel zu Gast ist, schürt bei vielen noch das Quentchen Relegationshoffnung und hatte aufgrund der äußeren Umstände, der Aussperrung der Gästefans und all der Diskussionen um Support, Solidarisierung und Polizei noch eine besondere Bedeutung. Wieviele St. Paulianer tatsächlich draußen geblieben sind, konnte man der Optik im Stadion nicht gut entnehmen. Die Süd war relativ gut gefüllt, wahrscheinlich mit etwas mehr Raum für den Einzelnen, aber nicht leer bzw, halbleer. Ein größerer Fleck leere Business Seats -die geradezu nach Rückbau betteln- aber ansonsten…

Die Stimmung. Was soll man sagen? Es gab sie. Keine schlechtere und keine bessere als sonst, eben anders. Einzelne Bereiche schienen die Möglichkeit des ungehemmten Aufblühens zu nutzen, selten habe ich die Haupttribüne so entfesselt erlebt, nachdem klar war, dass sie tatsächlich mitmachen sollten. Natürlich ist es schwer, ohne “Koordinator” so auf Anhieb alle Gesänge und Wechselgesänge hinzubekommen in gewohnter Qualität. Aber es gab das Aux Armes, es gab Wechselgesänge mit allen Kurven, es gan “das ganze Stadion” und dazwischen sehr viel spielbezogenen Support. Daraus abzuleiten, dass USP überflüssig ist, ist genauso falsch wie zu behaupten, dass es ohne USP nicht geht. Wenn sich diese Erkenntnis durchsetzt, gibt es vielleicht eine Möglichkeit, allen Supportwilligen Räume zu lassen, um das große Ganze wieder zu vereinen. Der eine mag spielbezogenen Support, der andere USP-Gesänge und es kann beides nebeneinander existieren. Wenn die einen sich etwas zurücknähmen und dafür die anderen etwas mehr aus sich herauskämen – es wäre unfassbar gut.

Alles in allem war das ein ungewöhnliches, aber sehr erkenntnisreiches Stadionerlebnis heute mit sehr viel Fussball. Auch mal schön.

Zu dem “draußen” kann ich nicht viel sagen, von der Polizeipräsenz habe ich weder auf dem Hinweg noch auf dem Rückweg viel bemerkt, es war nicht mehr und nicht weniger als sonst bei Fussballspielen, wenn man die “Hot Zone” umgangen hat. Was aber nach übereinstimmenden Berichten das für mich erstaunlichste ist, ist, dass die Demo der Hansa Rostock Fans absolut zwischenfallfrei und friedlich abgelaufen sein muss. Da muss ich hier an dieser Stelle zugeben, dass ich das niemals für möglich gehalten hätte und gerade deswegen den Demonstranten der Rostock-Fans größten Respekt zolle. Es freut mich für die paar Rostocker, die ich kenne bzw. mit denen ich näheren Kontakt habe, besonders. Und in diesem Fall freue ich mich auch, dass ich mich geirrt habe und sich diese Spirale zumindest an dieser Stelle nicht weitergedreht hat. Kompliment an die Koordinatoren der Demo und die Teilnehmer. Ehrlich. Ebenfalls Respekt für die, die tatsächlich das ganze Spiel draußen geblieben sind, um für ihre Ideale einzutreten. Ob man die Ansichten über das wie und wann teilt oder nicht, weiß man doch um das Opfer, das dafür gebracht wurde, nämlich dieses Spiel nicht zu sehen. Das verdient Anerkennung, ohne wenn und aber.

Was sich ansonsten abgespielt haben mag, kann ich nicht einschätzen. Es gibt wie immer Berichte von Fans und Berichte der Polizei. Das eine Video mit der jungen Frau, dass dutzendfach bei Twitter und Facebook verbreitet wurde, kann ich nicht einordnen. Frage mich nur, warum sie da nicht weggegangen ist, warum sie nicht mit dem großen Typ, der sie dort weg holen wollte, mitgegangen ist. Was genau sich da abgespielt hat, gibt das Video nicht her. Wie sagte @ChrissiHH so treffend: beide “Seiten” tragen da offenbar nicht zur Deeskalation bei. Das ominöse Flugbaltt der Polizei an die Anwohner des Viertels, das mit großer Empörung verbreitet wurde, habe ich im Viertel nirgends gesehen, auch am Wohnhaus selbst nicht und auch nicht auf dem Hin- oder Rückweg. Vermute ein eskalierendes Fake dahinter, mittlerweile sind sich die Ursprungsverbreiter auch nicht mehr so sicher, was die Echtheit angeht.

Da fällt mir eine kleine Begebenheit aus Frankfurt, beim nachgewiesen friedlichen Umfeld ein, als wir den Gästbelock betreten wollten. Da standen ein paar Uniformierte, einer davon mit einem Aufnäher “BESI” auf der Jacke. Als ihn einer von uns ansprach, weil er wissen wollte, was das bedeutet, ging im gleichen Moment ein angespannter Ruck durch die Polizisten. Als wäre man drauf gefasst, dass es gleich Ärger gibt. Als dann die harmlose Frage kam und man auch noch scherzte, liess die Körperspannung sofort nach. Wenn man bedenkt, dass das im Umfeld von friedlichen Fangemeinden dennoch so ist, kann ich mir ungefähr vorstellen, wie dünn das Nervenkostüm aller Beteiligten in Situationen wie heute sein muss.

Schade, dass offenbar -die Berichte widersprechen sich auch nicht von offizieller und Fan-Seite- wieder ein paar verstrahlte (scheinbar trittbrettfahrende) Krawallbrüder, die “dem Umfeld des FC St. Pauli zuzuordnen sind” (ist man aber schon, wenn man ein Totenkopf-T-Shirt-trägt), die Gelegenheit genutzt haben, ihrem Erlebnisdrang mit Team Green freien Lauf zu lassen. Sollten tatsächlich Feuerwerkskörper auf die Pferde der Reiterstaffel geworfen worden sein, ist das allerdings ganz mies und geht überhaupt nicht.

Was ansonsten da genau wo passiert ist und wer da einen Laden entglast hat, wer Flaschen geworfen hat und und und, weiss ich nicht. Verschwörungstheorien, dass Polizisten in zivil die Gelegenheit genutzt hätten, durch die Landenentglasung wieder etwas mehr Hass zwischen St. Pauli und dem HSV zu schüren, halte ich allerdings für abwegig. Ist nur meine Meinung, aber wer auch immer es war, hat dafür gesorgt, dass in Kürze wahrscheinlich das Jolly Roger auch wieder Ziel von Attacken wird. Auge um Auge. Das übliche.

Ebenfalls überrascht haben mich die ersten Blogberichte zum Spiel und den äußeren Umständen, die ich gelesen habe. Hätte ich auch in dieser erfreulich sachlichen und vor allem objektiven Art nicht erwartet. Wir hatten wohl heute alle zumindest Freigang aus dem Denkgefängnis und da schliesse ich mich auch nicht aus.

Einge ganz besondere Blogempfehlung gilt dem Hanseator und seinem Bericht als Gästefan am Millerntor auf der Gegengeraden.

Ich gestehe: ich verstehe es nicht, dieses St. Pauli

Nun ist es also wieder so weit. Ein weiteres Kapitel in der Rubrik „Demonstrationen für Fanrechte am Beispiel von Hansa Rostock“.

Vorgeschichte ist schnell erzählt und hinlänglich bekannt: Polizei in Hamburg will keine Rostocker Fußballgäste, erwirkt Verfügung auf Sperre des Gästekontingents. Der FC St. Pauli (zu Recht) geht vors Verwaltungsgericht, um gegen diesen nicht akzeptablen Eingriff vorzugehen und verliert. Auch die nächste Instanz, das Oberverwaltungsgericht sieht es, zwar abgemildert, aber dennoch ähnlich, eine Einigung auf der Grundlage eines Vorschlages, Gästekarten ja, aber nicht an Leute aus der Gewalttäterdatei Sport und an Stadionverbotler, kommt nicht zustande. Mit den Stadionverbotlern hätte man sich wohl abfinden können, die –zu Recht inhaltlich beanstandete- Datei mochte dann aber niemand als Grundlage heranziehen, selbst die Polizei war begrenzt überzeugt von der Datei. Ende vom Lied: Gästekartensperre bleibt, zu einem späteren Zeitpunkt wird dann St. Pauli im Sinne aller Fußballfans weiter gerichtlich vorgehen, um ein Grundsatzurteil zu erwirken. So far, so good. Es ist richtig, dass der FC St Pauli das macht, es ist mehr als nur bedenklich, wenn die Polizei willkürlich Fußballfans al gusto aussperren kann und das mit gerichtlichem Segen. Und ja, dagegen sollte man vorgehen. An dieser Stelle darf ich kurz meinem Erstaunen Ausdruck verleihen, dass dieses für die beiden beteiligten Vereine hochbrisante Thema von anderen Vereinen eher randnotizartig, wenn überhaupt, bedacht wird. Und ich dachte, das geht alle an. Aber gut, es beschränkt sich vieles zuweilen auf den eigenen kleinen Kosmos. Und wer nicht betroffen ist, muss sich auch nicht betroffen geben. Soviel zum vereinsübergreifenden Solidargedanken in der Bundesliga 1 und 2.

Aber das spannende Thema kommt ja noch: die von Rostocker Fans geplante und auch beantragte Demonstration durchs Viertel am Sonntag. Auf der einen Seite werden sich schon die Hände gerieben, weil man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass es Ärger geben wird. Wahrscheinlich sogar mehr als wenn sie als Gäste zugelassen werden. Vermutlich. Und dann ätschbätsch wird die Polizei schon sehen, was sie davon hat. Oder? Ich halte das für einen Irrtum, denn die Polizei hat sich eine bequeme win-win-Situation geschaffen. Gibt es Ärger, wie man ihn kennt, sind sie bestätigt worden in ihrer Auffassung, dass Fußballfans nichts als Ärger machen und die Öffentlichkeit steht einmal mehr hinter der Ordnungsmacht. Gibt es jedoch keinen Ärger –das ist natürlich ein total theoretisches Szenario- könnten sie stolz behaupten, dass ihre Massnahme gezogen hat. Keine Gästefans, kein Ärger. Und das wird ihnen auch keiner schlechtreden können.

Was nun allerdings die Aufrufe zur Solidaritätsbekundung angehen (vor der Südkurve am Millerntorplatz Treffen mit den Rostocker Demonstranten) oder auch die Mitteilung, dass innerhalb des Stadions auf Choreo und die üblichen Supportbemühungen verzichtet werden soll (formerly known as Stimmungsboykott), ist das allerspannendste Thema.

Wer von den geschätzten Lesern noch die Bilder des letzten Spiels in Rostock vor Augen hat, wo eine Tribüne voller „normaler“ Rostock-Fans gejohlt und applaudiert hat, als Leuchtspur in den St. Pauli-Block flogen, wo dem Rassismus gehuldigt wurde durch das Werfen ganzer Obstlädenausstattung an Bananen, wo kleine Glasflachmänner einträchtig vereint mit Feuerzeugen, Handys und sonstigem, was schön fliegt, einträchtig beieinander lagen, wo rechtes Gesocks sich ungehindert tummelt und den Verein nach wie vor als Plattform benutzt, der fragt sich, ob das die Fans sind, mit denen man sich zwingend solidarisieren muss. Da ich hier allein schreibe und auch keine ominösen Mitarbeiter beschäftige, die mich mehr erscheinen lassen als ich bin, kommt meine Meinung so ganz allein daher, ohne die vermeintliche Macht des Pluralis Majestatis: ich muss das nicht. Auch nicht für Fanrechte. Wer Fanrechte für so wichtig hält, dass er Rassismus, Homophobie, rechtsradikales Gewürm und alles andere, was die Rostocker Fanszene in Teilen so zu bieten hat, mal eben vergessen kann, der Fanrechte wegen, der möge sich solidarisieren. Das ist das schöne an der Meinungsfreiheit: man muss das nicht gut finden, man kann es sogar Scheiße finden, aber deswegen muss man auch das ertragen. Das kann nicht jeder, das sage ich aus Gründen, über die ich ein andermal sprechen möchte.

Jetzt an dieser Stelle nur eins noch: was glaubt der geneigte Leser hier, den ich einem eher gemäßigten Fußballfanbereich zuordnen möchte (ohne Sie der BILD- Affinität zu bezichtigen), wer da so an Demonstranten kommt? Leute wie Sie und ich oder eher doch der Typ aufgeregter Suptra, ergänzt durch den Typ Nazi, der sich gerne zum Zeckenklatschen anschließt, oben drauf noch der allgemein stressbereite Homophobe, der den schwulen Hamburgern mal zeigen will, wo die Rostocker Harke hängt? Und das im Gemenge mit der Problemfanklientel des FC St. Pauli. Jaaawohl, die haben wir auch. Und die Trittbrettfahrer verschiedenster Couleur, die diesen Anlass eventuell dankbar für sich nutzen könnten/würden/werden…

Diese Klientel haben wir alle schon kennengelernt, aber jetzt wegen der Fanrechte, machen wir uns mit ihnen gemein? Nein danke. Wäre das bei einem Verein wie Paderborn oder dem FSV Frankfurt passiert, wäre ich die erste, die Gästefans über den Zaun heben würde. Aber warum passiert das bei solchen Vereinen nicht? Weil sie nicht über Jahre in Vorlage getreten sind.

Der Versuch, aus der Polizei Hamburg den Grundübeltäter zu machen, ist irgendwie seltsam. Wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Was war zuerst da, der gewaltbereite Fußballfan, wie er sich früher noch mit seinesgleichen separat getroffen hat zum gegenseitigen Vermöbeln –was leider gänzlich aus der Mode gekommen zu sein scheint, da traf es wenigstens nur die richtigen- oder die Polizei mit Gefahrenabwehrmaßnahmen? Ja, auch die Polizei macht Fehler, unbestritten, aber so groß können die Fehler für mich nicht sein, dass ich mich mit „denen“ solidarisiere und alles vergesse, was war. Unterstützung für den FC St. Pauli bei seinem Kampf vor Gericht – ja. Unterstützung bei einer vollständigen Revision der Gewalttäterdatei Sport (man kann da übrigens mit einem Formular Auskunft ersuchen und im Falle des Falles Antrag auf Löschung stellen. Das waren letztes Jahr z.B. 5 Ersuchen und 5 Löschungen, soweit ich dieser Anfrage an den Bundestag zum Thema entnehmen konnte.) – ja. Aber ich gehe am Sonntag ohne Umweg ins Stadion und werde die Mannschaft, die die Unterstützung ja sonst immer so extrem dringend braucht, dann nach Kräften anfeuern. Und ich gehe nicht davon aus, dass man einen Fehler ein zweites Mal macht und Leute davon abhalten will, das Stadion oder die Tribünen zu betreten. Das wäre auch wirklich dumm und kommt sicher nicht so. Aber once bitten, twice shy, so ist das eben bei den ewig Gestrigen wie uns. Äh, mir.

Mir tun die Anwohner leid, die sich in IHREM Viertel nicht gefahrlos werden bewegen können wegen der Demonstration. Aber die Leute im Viertel und ihre Sorgen sind vielen Leuten, die das als „ihr“ Viertel bezeichnen, ohnehin eher egal, es sei denn, es hat mit dem FC St. Pauli zu tun. Den handelsüblichen Ottenser, Barmbeker, Alsterdorfer, Harburger (beliebigen Stadtteil einsetzen) interessieren die S.O.S. St. Pauli Veranstaltungen zum Thema Gentrifizierung, Esso-Häuser, BNQ eher wenig bis nicht. „Ihr“ Viertel ist das Heiligengeistfeld inklusive Stadion, Domschänke und Jolly Roger und damit erschöpft es sich bei den meisten schon. Oder wieso sind die Viertel-Veranstaltungen immer so leer, die nichts mit Fußball und Party zu tun haben?

Ach wissen Sie, wenn man damit mal angefangen hat, was sich ales so widerspricht oder selbst in de Schwanz beisst, kommt man vom Hundertsten ins Tausendste und da habe ich nicht mal das Thema Selbstgerechtigkeit, Meinungsterror und das gute alte „Du hast St. Pauli nicht verstanden“- Gimmick angefasst. Dann bis später mal. Und zum Abschluss genießen Sie einfach diesen wunderbaren, völlig zusammenhanglos unter einen Artikel geklatschten Kommentar eines Menschen, der vielleicht am Sonntag neben Ihnen marschiert. Oder Ihnen alternativ eine Bierflasche über den Kopf zieht.

Sollten Sie Informationen wie den Link zur kleinen Anfrage an den Bundestag wegen der Gewalttäterdatei haben oder Links zu Videos oder anderen Texten oder was auch immer, do not hesitate to contact me.

Ach ja: am Wochenende bin ich übrigens 4 Stunden mit einem der “normalen” Rostock-Fans Zug gefahren. Der würde da nie hinfahren am Sonntag. Meine Rostock-Fan-Stallkollegin auch nicht. Nur mal so nebenbei…

Lesenswert wegen der eigenen Gedanken, aber auch wegen der interessanten Linksammlung am Ende ist @derUebersteiger im Blog.

*important* Spendenaktion beim Union-Spiel am Dienstag #fcsp

AVE MTZ RIPO – SPENDENSAMMLUNG BEIM UNION-HEIMSPIEL
 
+++ Verbreitet diesen Aufruf über alle Kanäle +++ Beim Heimspiel in die gelben Eimer spenden +++ Entwickelt eigene Ideen +++
 
Liebe Sankt Pauli Fans!
 
Eure Solidarität ist gefragt! Spendet für die Rettung des MTZ Ripo!
 
Der MTZ Ripo ist ein weißrussischer Fußballklub (seit 2009 offiziell Partizan) aus der Hauptstadt Minsk. In den vergangenen Jahren entwickelte sich dort eine antifaschistische Fankurve, die nicht nur einen Freiraum für fußballbegeisterte Jugendliche mit subkulturellem und politischen Hintergrund bot, sondern auch in ihrer Größe und ihrem Organisationsgrad eine absolut positive Ausnahme in einem repressiven, autoritären Staat darstellt und ein Unikum für den gesamten Ostblock ist.
 
Doch nun droht dem Verein das Aus! Und das wollen wir gemeinsam verhindern! Im Dezember 2011 gab der ehemalige Klubbesitzer  und Sponsor Vladimir Romanov seinen Ausstieg bekannt, die Suche nach einem Nachfolger verlief erfolglos. In der von Fans ins Leben gerufenen Rettungskampagne „SAVE MTZ“ (zu finden auf: http://savemtz.blogsport.eu ) wird nun Geld gesammelt, um den Verein retten und für den Spielbetrieb in der Zweiten Liga anmelden zu können. Dafür werden insgesamt 80.000 Euro benötigt (Registrierung in der Liga, laufende Kosten usw.), 10.000 bis zur Mitte dieses Monats. Daran wollen auch wir uns beteiligen!
 
Aus diesem Grund wird beim Spiel gegen Union Berlin in allen Stadionbereichen gesammelt und wir rufen euch auf, an der Spendenkampagne teilzunehmen! Unterstützt die Rettung des MTZ Ripo!
 
Es wird im Stadion Sammlungen an den Eingängen geben. Darüber hinaus werden in den verschiedenen Stadionbereichen gelbe Eimer an den Zaun gehängt, in die gespendet werden kann. Helft mit, diese Kampagne in den Tagen bis zum Spiel bekannt zu machen, so dass idealerweise jeder Fan bereits im Vorfeld weiß, was es mit er Aktion auf sich hat und sich beteiligen kann!
 
Unterstützt die antifaschistische Fans mit dem Blick auf die eigenen Wurzeln unserer Fanszene! Solidarität ist eine Waffe! Linke Fankultur in Minsk darf nicht sterben! SAVE MTZ RIPO!
 
Ultrà Sankt Pauli
 
Hintergrundinfos kfindet ihr unter anderem hier:
_ Interview in „BASCH“ #11
_ http://savemtz.blogsport.eu
_ http://partizan-minsk.blogspot.de/
Außerdem ist ein Paypal-Konto eingerichtet, auf das ihr ebenfalls Spendenbeträge einzahlen könnt: szymon666@poczta.onet.pl (bitte mit angeben „For MTZ“)

Dies und jenes und das und dies, nicht nur #fcsp

Manchmal kann ich einfach nicht strukturiert. Zur Zeit ist es wieder so weit.

Erzgebirge Aue : FC Sankt Pauli 2:1 – Aue hat verdient gewonnen. Nicht weil sie über weite Strecken die bessere Mannschaft waren, sondern weil sie, wo es drauf ankam, die bessere Mannschaft waren. Unser Spiel würde ich so im mittleren Zweitligabereich ansiedeln und wenn sich das nicht noch wesentlich ändert, sind wir da, wo wir sind, auch goldrichtig. Mal davon abgesehen, dass ich drei andere Mannschaften heißer auf Direktaufstieg und Relegation handeln würde, gehen mir diese „letzte Viertelstunde-Gegentore“ (mittlerweile sind es schon 8 Stück) wirklich auf die Nerven. Die Rapid- Viertelstunde finde ich super, die St. Pauli-Viertelstunde ätzt.

Auch ätzend fanden wahrscheinlich unsere Profis ihre Rückreise von Aue. Unvorsichtigerweise wurde offenbar die Polizei nicht darüber informiert, dass statt im Mannschaftsbus per Zug gereist werden sollte, dementsprechend frohlockten Anhänger von Lok Leipzig über eine relativ polizeifreie Spielzone auf dem Hauptbahnhof (Achtung, Konzernlink!) , sie selbst waren auch auf der Rückreise von einem Spiel. Vielleicht hätte unseren Profis mal jemand sagen sollen, dass es ein wenig gewagt ist, in manchen Gebieten im St. Pauli Trainingsanzug aufzutreten. Auch wenn der eine oder andere der Meinung ist, dass es ja auch eindeutig keine gute Idee ist, zum Beispiel nachts in einer leicht erkennbaren Kleingruppe nach Rostock zu fahren –und das anscheinend normal findet-, finde ich das genauso wenig natürlich wie dass eine Fußballmannschaft scheinbar auch nicht überall in Trainingsanzügen unterwegs sein darf. Solche Zustände quasi als Normalzustände zu klassifizieren und die, die wahrscheinlich zu naiv/einfältig/dumm sind zu glauben, dass es doch eigentlich nur um Fussball geht und vielleicht auch bei ihren eigenen Vereinen solche Verhaltensmuster gar nicht kennen, als selbst schuld zu belächeln, ist irgendwie … bedenklich. Selbst Christian Bönig wundert sich, dass es offenbar nicht möglich ist, überall so unbehelligt durch die Lande zu ziehen. Willkommen in der Welt der mitreisenden Fans, Herr Bönig. Aber letztendlich lernen sie es ja alle… irgendwann. Auswärts oder auch zu Hause.

Sicher, ich halte mich auch nicht in ausgewiesenen und bekannten Gefahrenzonen auf, wenn ich es vermeiden kann, aber langsam fehlt mir eine Übersichtskarte, wo ich wann warum und wie genau so nicht sein darf. Das ist Fußball hier!

Wie gut, dass der DFB nicht für Strafen am Leipziger Bahnhof verantwortlich zeichnet, es wäre ein Teilausschluss der Mannschaft beim nächsten Spiel durchaus möglich gewesen, gerade Herr Boll, der das ja alles besser wissen müsste und die Kollegen ja mal hätte vorwarnen können und nix gemacht hat (böswilliger Eventtourismus?) dürfte mit mindestens einem Spiel Sperre rechnen. Analog zu Podolski, der ja auch nix gemacht hat.

Konnte ja auch keiner wissen, dass Aue Air Base schon geschlossen hatte und diese erstligaambitionierten Spieler unbedingt ICE fahren wollten, wenn sie schon nicht fliegen durften. Nachlässig vom Verein.

 Entschuldigung, ich kann diesen DFB einfach nicht mehr ernst nehmen, das führt dann zu solchen Sachen….

Schade, dass es, wenn ich nicht falsch liege, wohl nicht zu einem Relegationsduell zwischen dem HSV formerly known as Nummer 1 im Norden kommen wird. Der HSV scheint sich mehr Mühe zu geben, das verwirklichen zu wollen als wir. Schön wäre aber auch eine Relegation HSV gegen Greuther Fürth. Würde mich zum Mitsummen der Kleeblatthymne bereiterklären und wer die kennt, weiß, was das für ein Opfer ist.

Apropos Opfer: der Herr Fink aka Noch-Trainer des HSV, hatte ja gerade erst eine großartige Idee: Bußgeld in die Mannschaftskasse für Gegentore. Zur Zeit sieht es allerdings nicht so aus, als wäre für die Mannschaft mehr drin als ein SMS bei McDo und das müsste schon jemand mitleidssponsern. Aber ist als Gegenprogramm zu vergnatzten Ansagen, die anscheinend auch nichts bringen oder zu in dunkelsten Szenarien heraufbeschworene Abstiegsdrohungen mal was anderes. Was ganz anderes.

Dann habe ich hier dank Herrn @keanofcu noch einen Artikel über Jugendkultur, im speziellen die Ultras, gelesen, dem – sogar- ich in großen Teilen zustimmen kann. Die historischen Zitate sind ganz groß, Zeiten ändern sich, manches aber eben nie.

Bedenklich fand ich die stellenweise arge Vermischung zwischen den Gewaltbereiten und den Ultras, zwischen Revolutionären und tumben Toren.

Und auch

Ein gewisses Maß von Toleranz und Freiheit gehört zur Definition von Demokratie, für alles andere gibt es Regeln und Gesetze. Gegen Täter, nicht gegen Jugendbewegungen mit tausenden Mitgliedern.

Ein ganz gefährliche Aussage, wie ich finde, wenn man das „Jugend“ vor Bewegung weg lässt. Und die Anzahl der Mitglieder finde ich auch nicht unbedingt relevant, eine Bewegung rechtfertigt sich nicht durch eine erhebliche Anzahl von Mitgliedern, sie kann dadurch sogar eher noch gruseliger werden. Jugend rechtfertigt vieles, auch vieles, was in dem Bericht angeführt wird und vieles werden auch einige der Älteren unter uns rückblickend auf die eigene Jugend wiederentdecken. Aber auch Jugend kann Täter sein. Und auch unter den Ultras gibt es viele, die das jugendliche Alter schon längst hinter sich gelassen haben. Zumindest laut Personalausweis, was einige angeht.

Aber auch dieser Autor hat leider keine wirklich brauchbaren Vorschläge, wie man die, die unter dem Deckmantel der revolutionären Jugend (positiv gemeint) tumben Toren und Schläger heraussortiert. Wie viele andere auch, bei denen man immer nur liest, wie es nicht geht, aber nie, wie es geht. Bisher ist das mit der Selbstreinigung nicht zufriedenstellend gelaufen, auch weil man sich gerne mal untereinander solidarisch schützt, wo man vielleicht abgrenzen sollte. Schwierig. Insbesondere, wo ja immer noch das Urteil des DFB gegen den Kassenrollenwerfer aussteht. Wenn diesem -und damit uns allen- vom DFB signalisiert wird, dass ehrliches Gerademachen nichts wert ist, dann wird sich der DFB noch wundern. Und wir alle uns mit.

Wie auch immer, der Artikel ist lesenswert. Schon wegen der Zitate durch die Jahrtausende.

Meinen persönlichen Vogel abgeschossen hat allerdings das Aktuelle Sportstudio des ZDF inklusive seines Sprechers Michael Steinbrecher. Warum, lesen Sie am besten bei @heinzkamke im Blog und stellungnehmend dazu natürlich auch beim Blog Aktion Libero.
 
An besagter Twitterdiskussion mit dem @ZDFSportstudio war ich beteiligt, als es erst hiess, man habe kein sendefähiges Foto und dann plötzlich nur noch lapidar in der Sendung erklärt wurde, man wolle solchem Schwachsinn kein Forum bieten. Wenn man zukünftig Schwachsinn wie Platzstürmen, Auseinandersetzungen zwischen Fussballfans, Pyroshows und ähnlichem auch kein Forum mehr bietet – ok. Aber bisher war man sich nicht zu preiswert, diesen Themen mit sendefähigen Fotos und Bildaufnahmen zu unterlegen und sich über den Schwachsinn forumsartig zu echauffieren. Sorry, ZDF Sportstudio, da mag ich ein Moralapostel sein -wird mir ja öfter gerne mal attestiert- aber dann ist das eben so. Schwachsinn macht man durch weitestgehend unter den Teppich kehren nicht besser. Das Anprangern von menschenfeindlichen -in diesem Fall homophoben- Sprüchen auf großen Bannern empfinde ich als Verpflichtung. Hat nicht Herr Zwanziger sich das Thema ans Revers getackert? Und nicht drüber reden oder mal eben in zwei Nebensätzen hilft?

Und sicher haben nicht 72.000 BVB-Fans dieses Banner hochgehalten und die Aussagen, ob es im Block zu Randalen unter den Fans wegen der Banneraufschrift oder der Sichtbehinderung wegen des Banners gekommen sind, lassen eine Wertung derer, die drumrumstanden nicht eindeutig zu. Fakt ist, es wurde von wahrscheinlich mehr als einem angefertigt, ins Stadion gebracht (man könnte sich vorher sowas ja mal zeigen lassen als Ordner, oder? Die Stadionordnung des BVB gibt das ja her…), von etlichen entrollt und nach Kommentaren auf diversen anderen Plattformen ist anzunehmen, dass es von etlichen auch goutiert wird. Und dagegen muss man vorgehen. Egal, ob beim BVB gegen Homophobie, beim FC Kaiserslautern gegen antisemitische Sprüche, bei anderen gegen Rassismus – und jeder Verein hat sie, diese widerwärtigen, ekelhaften… sorry… Gestalten. Wir auch. Sie trauen sich vielleicht nur nicht ganz so unterm Stein hervor. Nichtsdestoweniger gibt es auch bei uns -und das aus Gründen- vereinsseitig schon mahnende Aufrufe, wenn Sie mal das Kleingedruckte unter der Auswärtskartenbestellung und dem Zahlungshinweis lesen.

So. Das wars erstmal.

EDIT: nicht ganz. Das ZDF hat reagiert, Artikel von Ronny Blaschke hier.

12.03.2012 FC Sankt Pauli vs. Karlsruher SC 1:0

via @FrauRaus via mopo

Das war dann auch das Highlight des gestrigen Spiels, soweit man das auf 100cm Diagonale bei sport1 sehen konnte. Dass es Moritz Volz gemacht hat, freut mich besonders. Damit erschöpft sich die Freude über das Spiel auch schon. Karlsruhe war schlecht und St. Pauli ein Tor besser. Einen Aufstiegskandidaten habe ich da nicht spielen sehen, was mich persönlich ja auch nicht weiter stört. Das Fehlpassfestival in einer Relegation und das Thema ist spätestens da durch. Hatte mich eigentlich gefreut, nach all den “außersportlichen” Berichten der letzten Zeit mal wieder über Fussball zu schreiben, aber davon wurde wenig gezeigt. Problemanalyse gefällig? Hier.

Doch, etwas Erfreuliches gab es noch: während des Spiels verbreitete sich die Nachricht, dass Florian “Lele” Lechner ein neues Engagement hat, nachdem er bei Karlsruhe so lieblos behandelt wurde. Man munkelt, aber schon recht laut, dass er in der MLS zu New England Revolution geht. Würde mich wirklich freuen, wenn er dort sein Glück fände.

Ansonsten war das Fussballwochenende nicht schlecht. Kogge mit 1:5 von Frankfurt versenkt, die Ereignisse am Rande erwartungsgemäss hässlich, der HSV verliert gegen Schalke (zur eklatanten Heimschwäche kommt jetzt offenbar noch ein Auswärtsdefizit dazu), Paderborn schafft leider nur ein Unentschieden, ein prima Unentschieden für den SC Freiburg, dem ich allein schon wegen seines außerordentlich sympathischen Trainers einen Verbleib in Liga 1 wünsche. Die Miasanmias sind wegen eines Barca-Ergebnisses wieder in Partystimmung -ich konnte die depressive FCB-Timeline auch nur noch schwer ertragen- und der kleine FSV zieht sich an den eigenen Haaren aus dem Abstiegssumpf. Wenn er so weiter macht. Ich kann mich da total mitfreuen :-)

Und bei Yorkshire St. Pauli hab ich gar nicht mal so schlecht abgeschnitten im Tippspielorakel :-)

Das sagen die anderen hier oder hier oder auch hier und hier.

Äpfel, Birnen, Obstsalat – Das #FCSP- #Hansa Rostock-Problem “damals” und “heute”

Gleich vorneweg (wie auch im vorangegangenen Beitrag): diese “Idee” von der Hamburger Polizei ist ebenso gefährlich wie absurd. Aber…

… ebenso gefährlich wie absurd sind die Vergleiche zwischen dem leeren Gästeblock seinerzeit und der angedrohten Gästesperre per Unterlassungsverfügung jetzt. Das sind nicht die Geister, die man damals rief, die Gemeinsamkeit besteht lediglich darin, dass die Polizei keine Rostocker Gästefans am Millerntor will. Damals nicht, heute nicht. Damit hat es sich im Grunde auch schon.

Wir erinnern uns an “damals”. Als der Druck auf den Verein wegen Vorfällen rund um das Hinspiel bei Hansa Rostock und seine Problemfans, endlich was zu unternehmen, darin resultierte, dass eine Vereinbarung zwischen Polizei und Corny Littmann gab, von der Polizei iniitiert*, das Gästekontingent zu beschränken. Das heisst, die Polizei wollte das Gästekontingent auf 0 beschränken, Littmann diskutierte da noch 500 Tickets für Rostock heraus. So die offizielle Version, an der ich persönlich nicht zweifle. Was heute jetzt natürlich noch glaubwürdiger wirkt, wo die Polizei erneut auf die gleiche Idee gekommen ist. Damals entschloss sich Hansa Rostock, die 500 Gästekarten nicht anzunehmen, die Beweggründe waren vielfältiger Natur.

Diese Entscheidung wurde nicht von allen St. Paulianern zornig-erregt aufgenommen und es entbrannte eine heftige Diskussion über die sogenannten “Fanrechte”. Wer hier schon länger mitliest, kennt meine Meinung zu dem Thema. Ich fand die Entscheidung zu die Redurzierung des Gästekontingents, die von Littmann unterstützt wurde, in Ordnung. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch nicht vergessen, wie es beim Hinspiel in Rostock war. Stichwort stürzende Puppen, Affenlaute, Feuerzeuge und sonstiges.

In der Folge kam es dann zur berühmten Blockade der Süd, wo im Rahmen der Zwangssolidarisierung durch Aussperrung ein Zeichen gesetzt werden sollte. Dachten sich die aktiven Fans. Dachten viele andere aus oben genannten Gründen aber nicht und so eskalierte die Situation damals erwartungsgemäss. In der Folge gab es eine Menge halbherziger Erklärungen, Pro-forma-Entschuldigungen, aber nie die wirkliche Einsicht, dass diese Blockade einfach falsch war. Dokumentiert ist das übrigens auch in dem Extra-Goodie des neuen Films “Das ganze Stadion”. Nachhaltig zum Ausdruck gebracht wird da das Unverständnis, wie man sich da als Fan nicht freiwillig solidarisieren konnte, bei einem so guten Zweck wie Fanrechten. Sah ich damals anders, sehe ich heute noch genauso und würde unter den gleichen Umständen das selbe wieder tun.

Heute liegt die Sache meines Erachtens nach anders. Heute entscheidet die Polizei gänzlich ohne Absprache und ohne aktuellen Anlass einfach mal präventiv eine Gästesperre, auch nicht als Folge von Gesprächen mit dem Präsidium, sondern in Form einer Unterlassungsverfügung. Diesmal soll der Verein gezwungen werden, diese Maßnahme zu ergreifen. Der Verein sieht das zu Recht als Präzedenzfall, denn so war es nicht damals. Zumindest herrschte bezüglich einer Reduzierung des Gästekontingents zwischen Polizei, Vereinsführung und auch großen Teilen der Fanszene Konsens. Das ist diesmal anders. Und deswegen erlaube ich mir auch diesmal, anderer Meinung zu sein als damals. Dieses Vorgehen stellt für mich einen bisherigen Höhepunkt der Willkür der Ordnungsbehörden dar, den man so auch bei aller Abneigung gegen den Verein vom Ostseestadion davon losgelöst betrachten kann. Weil diese Willkür jederzeit überall auf jeden Verein, den die Polizei als Problemverein klassifiziert, anwendbar wäre, wenn man dem so stattgeben würde. Und das kann ich nicht gutheissen. Nicht, weil es Hansa Rostock betrifft und viele Fans dieses Vereins (aber auch viele FCSP-Fans, die Auseinandersetzungen nicht grundsätzlich abgeneigt sind), sondern weil es jeden beliebigen Fussballverein betreffen könnte. Deswegen wäre ich in diesem Fall zu Solidaritätsbekundungen bereit. Das hat aber nichts mit den Geistern zu tun, die Hansa Rostock durch sein bundesweit auffälliges Verhalten selber gerufen hat, sondern mit der generellen Bereitschaft zu willkürlichen Anordnungen seitens der Ordnungsbehörden.

Interessant sind jetzt zwei Dinge: was erreicht der Verein mit der Prüfung auf Verwaltungsrechtsmässigkeit und entsprechenden Gegenmaßnahmen? Und wenn es zu einer Gästesperre kommen sollte, welche Art von Solidaritätsveranstaltung käme in Frage, ohne dass ähnliche Fehler wie damals gemacht werden?
Ich kann mir gut vorstellen, dass eine weitaus breitere Fanbasis diese Aussperrung anders wertet als die vom März 2010 und dass das deutlich differenzierter betrachtet wird und dementsprechend die Bereitschaft zu Solidaritätsaktionen größer sein dürfte. Eben weil man die Problematik übergreifend sieht. Anders als damals.

Wie gesagt, ich schliesse mich dem kopfschüttelnden Unverständnis über diese offenbar nicht abgesprochene Zwangsmaßnahme an, aber ein Vergleich mit damals und heute ist einfach nur… Obstsalat.

Edit:
* Darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen, wer die Idee damals hatte. Dass Littmann nicht dementiert hat auf Nachfrage, heisst nicht, dass er es war. Littmann hat vieles nicht dementiert oder bestätigt auf Nachfrage. Wichtig ist mir, dass damals ein Konsens zwischen Vereinsführung und Polizei bestand, der in der Höhe allerdings dann umstritten war.

Öfter mal was Neues. Heute: die Polizei in Hamburg

Wahrscheinlich, weil der DFB noch dammit beschäftigt ist, gegen den Einspruch des Magischen FC zum Thema 5.800 Stehplätze sperren vorzugehen, springt die Hamburger Polizei derweil in die Bresche und hat per Untersagungsverfügung den Verkauf von Gästetickets an Hansa Rostock verboten. Mehr dazu hier.

Warum nicht gleich die Stehplatzsperre auch anlässlich dieses Spiels, dann die Nord-Sitzer auf die Süd-Steher umlagern (die sind ja frei, wenns nach dem DFDB geht) und die komplette Nord (Gäste keine, Steher gesperrt, Sitzer umgetopft) mit behelmtem Team Green füllen? Das würde dann sogar fast aussehen wie eine Choreo und man könnte es als Betriebsausflug auch noch von der Steuer absetzen vielleicht?

Langsam braucht der Verein eine extra Abteilung, um mit diesen Dingen fertigzuwerden, man kriegt nicht mal eins vom Tisch, da ist das nächste am Start. Ist das Zermürbetaktik oder doch einfach nur komplett bescheuert alles?

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