Auf dem gestrigen Schweinske-Cup kam es zu schweren Ausschreitungen zwischen Fans des VfB Lübeck, vermuteten HSV-Hools und Anhängern des FC St. Pauli.
Macht man sich aus Berichten wie diesem im Abendblatt, diesem in der Mopo, diesem im Spiegel, einem Video bei Hamburg1 und dem Augenzeugenbericht von magischerfcblog ein gemischtes Bild, kommt man den Tatsachen näher, dass eneut zu Ausschreitungen unter Fussballfans verschiedener Vereine gekommen ist. Statt das Problem als solches zu verstehen, wird überall die Gelegenheit genutzt, mit der Vereinsbrille bewaffnet die Schuld an Randalen rund um den Fussball einzelnen Gruppen und Vereinen zuzuweisen und sich im Bewusstsein der eigenen vermeintlich weissen Weste genüsslich zurückzulegen. Das „die sind sonst nie da“- und „es sind immer die anderen“-Prinzip.
Journalistische Recherche wird da auch gern mal ausser Acht gelassen, obwohl es klare Aussagen des Einsatzleiters gibt
HSV- und Lübeck-“Fans“ suchen Konfrontation
Und auch die Polizei zeigte sich erschrocken von den Vorfällen. „In diesem Fall war es so, dass wir 700 Fans des FC St. Pauli hatten und etwa 120 Fans des VfB Lübeck verstärkt durch etwa 40 bis 50 Fans des HSV. Die letztgenannten Fans haben relativ schnell in der Halle an allen möglichen Orten die Konfrontation mit den St. Paulianern gesucht. Wir hatten heute eine Gewaltbereitschaft, die wir in dieser Form bisher nicht hatten“, erklärte Einsatzleiter Robert Golz.
Quelle (Edit: interessanterweise ist der Text um einiges gekürzt worden mittlerweile, diese Passage fehlt nun)
aber wo FC St. Pauli draufsteht, ist für die Medien auch zwingend Randale drin. Und natürlich ist auch im Fanumfeld des FC St. Pauli Randale drin, aber wenn es soweit ist, dass die blosse Anwesenheit einer Fangruppierung bereits eine Provokation darstellt -und das gilt nicht nur für die gestern beteiligten Gruppen gestern abend- muss man sich fragen, wo das Ende der Spirale erreicht ist. Wenn der erste im Stadion oder davor stirbt? Ihm der Schädel eingeschlagen wird, weil er die falschen Farben trägt? Oder in einer Rangelei um ein Banner zu Tode kommt? Oder der erste während eines Blocksturms zu Tode gequetscht wird? Hört es dann auf? Wahrscheinlich auch nur so lange, bis Gras drüber gewachsen ist, und dann geht es weiter wie gewohnt. Weil wir es hier anscheinend mit Menschen zu tun haben, deren Hirn, sofern vorhanden, im Umfeld um den Fussball komplett aussetzt. Wie will man die erreichen? Über polizeiliche Maßnahmen und Gefahrenabwehrtechniken- und taktik kann ich nichts sagen, anscheinend war das gestern auch wieder kein geglückter Einsatz -soweit man den vielen Augenzeugenberichten Glauben schenkt und es sind verlässliche (für mich persönlich relevante) darunter.
Wenn Situationen entstehen, in denen Helfer zu Angreifern, Angreifer zu Opfern, Opfer zu Tätern werden, steht man nur noch hilflos davor. Weit entfernt von einer Lösung und eine Diskussion über die Frage, wer angefangen hat, steht doch im Grunde auch nicht mehr zur Debatte. Die Gewaltbereitschaft im Fussball bundesweit ist kein vereinsspezifisches Problem, es gibt sie überall. Jeden Tag woanders. Jeden Tag wieder. Was bleibt, ist Ratlosigkeit. Und die Angst, dass einer stirbt.
Edit: Viele Fragen und mögliche Antworten hier -vielleicht des Rätsels Lösung? Und hier ein durchaus auch eigen-fankritischer Beitrag bei Sitz[Blog]ade.