Licht und Schatten

2009 November 13
von jekylla

Leider habe ich urlaubsbedingt das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf verpasst, mittlerweile aber fast alles nachgelesen, Bilder gesehen, Berichte gehört – und „verpasst“ scheint es selten so gut zu treffen wie in diesem Fall. Die Fortunaten anscheinend tolle Gäste, die Stimmung grandios und alle waren anscheinend Naki an dem Tag. Ich wäre wirklich gern dabei gewesen.

Und wie dicht liegt Freude und Trauer zusammen. Im weit entfernten Dubai erfuhr ich vom tragischen Tod von Robert Enke und war fassungslos. Bin es eigentlich noch. Wie hoffnungslos verzweifelt muss ein Mensch sein, diese Art des Sterbens zu wählen. Überhaupt die Entscheidung zu treffen, dass das Leben keinen Sinn mehr hat.

Und wie furchtbar sinnlos es uns erscheint, die nicht mit dieser Krankheit kämpfen. Und schon gar nicht in einem Umfeld arbeiten, in denen einen Krankheit wie Depressionen oder auch das Bekenntnis, homosexuell zu sein, das Ende der Karriere bedeuten. Wir reden hier nicht von exotischen Befindlichkeiten, aber im Fußball sind sie das wohl. Sofort fiel mir Sebastian Deisler ein, der für sich einen anderen Weg aus der Krise gefunden hat, offensiv mit seiner Krankheit umgegangen ist und den Schritt aus dem Umfeld heraus gemacht hat, der vielleicht letztendlich für ihn auch lebensrettend war. Robert Enke hat das nicht geschafft.

Dass er bei seinen Fans beliebt war, glücklich verheiratet mit einer starken Frau an seiner Seite und gerade eine kleine Tochter adoptiert hat, hat die dunkle Seite in ihm nicht aufwiegen können. Die Tatsache, dass er -und das wohl zu Recht- geglaubt hat, mit einem „Outing“ seine Situation noch zu verschlimmern und es nicht geschafft hat, sich die Hilfe zu suchen, die er gebraucht hat, macht mich wütend. Wütend auf das Umfeld, das so ein Verhalten geradezu zwanghaft bedingt, wütend auf… wie nennt man das, wenn eine zerbrechliche Seele oder eine andere sexuelle Orientierung ein Zeichen für ein Weichei ist, das im Fußball nichts zu suchen hat? Was läuft da schief in diesem „Männersport“, der Menschen an den Rand der Verzweiflung und schlußendlich in den Tod treibt? Sind Sie mal ehrlich, würden SIE sich als schwul outen, wenn Sie Profifußballer wären? Auch wenn Sie beim FC Sankt Pauli spielen, der sich den Kampf gegen Homophobie ja aufs Banner geschrieben hat, müssten Sie auch auswärts. Stellen Sie sich das vor. Wie lange würden Sie das durchhalten? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie immer den markigen, unverwüstlichen Ballkameraden geben müssten, auch wenn in Ihrem Innern diese Ängste toben, diese Zweifel? Und Sie können außer mit der engsten Familie mit niemandem darüber reden?

Es tut mir unendlich leid um Robert Enke, der ein sehr warmherziger und liebenswerter Mensch gewesen sein muss. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber alles, was man über ihn liest, entspricht dem Bild eines großherzigen jungen Mannes, der noch so viel Lebenszeit hätte haben müssen. Für sich, seine Familie. Jetzt packen alle aus seinem beruflichen Umfeld die Betroffenheitsschals aus. Aber wird das etwas ändern? Für die, die weiterhin „undercover“ versuchen müssen, zu überleben? Wird sich durch den sinnlosen Tod von Robert Enke etwas ändern? Ihm nachträglich ein Sinn verliehen durch ein gravierendes Umdenken? Ich würde es mir wünschen, aber ich glaube es nicht. Am übernächsten Wochenende werden also alle Bundesligavereine mit Trauerflor spielen, es wird Gedenkminuten geben, es wird noch viel über Robert Enke geschrieben werden in den nächsten Tagen. Und dann? Back to business as usual. Oder?

In eigener Sache II

2009 November 6
von jekylla

Werde die Diskussion in den Beiträgen leider für einige Tage nicht verfolgen können, aber da ich durch den bisherigen Verlauf davon ausgehen kann, dass sich hier erwachsene Menschen austauschen, wird eine Moderation auch nicht benötigt. Ich danke den Kommentatoren für die vielen guten Beiträge.

In eigener Sache

2009 November 5
von jekylla

Das alles hier weiter unten ist meine persönliche Meinung zu den Vorfällen und den Reaktionen der Beteiligten. Es gibt sicherlich die eine oder andere Äußerung, die jemand besser informiert widerlegen, korrigieren, richtigstellen, entschärfen kann. Ich bin Kritik immer offen und auch in der Lage zu reflektieren, auch wenn das angesichts meiner emotionalen Emails vielleicht nicht so aussehen mag.

Ich habe als Fan dieses Vereins allerdings die Überzeugung entwickelt, dass ich eine eigene Meinung haben darf – auch wenn sie vielleicht manchmal verschroben, sozialromantisch, unpopulär, antimainstreamig, zu emotional, zu pragmatisch etc. etc. ist.

Ich schätze die kritischen Auseinandersetzungen der Fans mit sich selbst, dem Verein und ihrem Umfeld und ebenso das Herzblut, das die Fans für ihre Überzeugungen und ihre Unterstützung für den Magischen FC vergießen.

Hier in diesem privaten Blog erlaube ich mir, diese Meinung ebenso zu vertreten wie im Fanforum und gestatte ebenso jedem, mich und/oder meine Ansichten hier zu kritisieren, sonst dürfte ich hier keine Kommentare zulassen oder müsste moderieren.

Ich gestatte auch dem User „AFDFCH“, sich so zu äußern, wie man das eben kennt, ich war immer der Ansicht, Kommentatoren qualifizieren und disqualifizieren sich selbst durch ihre Einträge. Zensur ist hier kein Thema, es sei denn, es handelt sich um Übergriffe, die jedem normalen Forumsdisclaimer zuwiderhandeln.

Ich glaube auch nicht, dass diese Mails etwas bewirken werden, aber sie haben bewirkt, dass ich mich besser gefühlt habe, nachdem ich sie geschrieben habe und diesen Egoismus nehme ich mir hier, in meinem virtuellen „Zuhause“ einfach mal heraus, bin aber jederzeit bereit, meine hier geäußerten Meinung auch von Angesicht zu Angesicht zu vertreten.

Das nur mal nebenbei.

Mail an den FC Sankt Pauli in Sachen Deniz Naki

2009 November 4
von jekylla

Sehr geehrte Herren Littmann, Schulte, Stanislawski und Bönig,

wie Sie sicher bereits bemerkt haben, hat das Geschehen rund um das Spiel in Rostock und insbesondere der Vorfall um den Spieler Deniz Naki einiges Aufsehen erregt.

Ich bin Vereinsmitglied, Dauerkarteninhaber und verbringe einen großen Teil meiner Freizeit mit der Unterstützung des Vereins und aus Begeisterung führe ich auf privater Basis ein Fan-Blog des FC Sankt Pauli.

Ich habe das Spiel „nur“ im Fernsehen gesehen, weil für mich eine Mitfahrt unter den bekannten Umständen nicht in Frage kommt. Ich habe die aufgeheizte Atmosphäre durch Vor-Ort-Berichte per Telefon/SMS mitgeteilt bekommen und in der Fernsehübertragung des DSF genug gesehen, um zu wissen, dass die Stimmung erwartungsgemäss emotional geprägt war. Den Torjubel von Deniz Naki habe ich gesehen, die Geste, die er gemacht hat, habe ich letzte Woche bei meinem Chef im Teammeeting auch schon gesehen, da hiess sie „Klappe halten“, weil er einen Anruf erhielt und sein eigenes Wort nicht verstand.

Was immer Deniz Naki wirklich damit gemeint haben könnte, ist mittlerweile ohnehin nur noch Spekulation. Dass diese Geste -so ausgelegt, wie sie das wurde- mit einer Strafe zu belegen ist, ist unstrittig. Dass diese Strafe in dieser Höhe vom DFB angesetzt würde, ist nicht angemessen.
Hätte der Schiedsrichter das gesehen und eine rote Karte vergeben, wären es zwei Spiele gewesen. Wenn man berücksichtigt, dass Naki sich danach öffentlich entschuldigt hat und die Drei-Spiele-Sperre angeblich noch die milde Variante war, frage ich mich, wo die Verhältnismässigkeit bleibt.

Dieser noch sehr junge Mann hat wahrscheinlich das erste Mal in seiner Fußballkarriere in einem so hasserfüllten Umfeld spielen müssen. Dass angesichts der Vorberichterstattung und der sich bewahrheitenden Umstände die Gemüter erhitzen, sollte niemanden wundern. Dass die Spieler mit Sicherheit das unsäglich schlechte Transparent und die Gummipuppe zum Unfall des Fans „Mini“ vor Augen hatten, Hetzgesänge und 90minütiges Scheiss-St.Pauli das Spiel begleiteten, dass in einigen Ecken (so im Hansa Rostock Forum zu lesen) das U-Bahn-Lied abgesungen wurde, dass Naki nach eigener Aussage als „Kanake“ beschimpft wurde, geht in Ihrer Entschuldigung völlig unter. Dass nach dem Spiel ca. 24 verletzte Polizisten auf das Konto Rostocker Hools gehen, entgleitet angesichts Ihrer fast büßerisch daherkommenden Kotaus fast der allgemeinen Aufmerksamkeit. Sie haben durch Ihr bisheriges Verhalten dazu beigetragen, dass eine unbedachte Geste alles andere überlagert. Sie machen Deniz Naki zum Sündenbock und lassen zu, dass das Umfeld, das wesentlich dazu beigetragen hat, dass es so weit gekommen ist, sich im Mantel des Schweigens verhüllen kann.

Wo ich hinschaue, lese und höre ich nur: „St. Pauli entschuldigt sich, Deniz Naki entschuldigt sich“ – hat Hansa Rostock sich in dieser fast peinlich-devoten Form bei St. Pauli entschuldigt für die rassistischen Übergriffe gegen Morike Sako letztes Jahr? Sind von Hansa Rostock-Seite irgendwelche nennenswerten Anstrengungen unternommen worden, auf diese unhaltbaren Zustände einzuwirken? Wir erinnern uns zum Teil gern an die darauffolgende Pyro-Aktion am Millerntor, die uns letztlich beim Siegen half, dennoch kann ich mich nicht erinnern, dass auf den wortgewaltigen offenen Brief von Ihnen, Herr Littmann, der die Vorfalle rückhaltlos aufgeklärt sehen wollte, irgendeine erhellende Antwort kam. Weder vom DFB noch von Rostock. Das haben Sie im Sande verlaufen lassen, weil Sie den DFB und seine seltsamen Entscheidungen ja schon länger kennen.

Ich habe heute eine Email an den DFB geschrieben (den Wortlaut können Sie im Blog nachlesen unter http://santapauli.wordpress.com/2009/11/04/mail-an-den-dfb-zur-sperre-des-spielers-deniz-naki/), die Reaktion des DFB ebenso.

Dass wir von dem frischgebackenen Leo-Baeck-Preisträger nichts anderes erwarten, ist sicher verständlich. Der Außenwirkung muss man Genüge tun, indem man sich per Lippenbekenntnis von Rassismus und Homophobie in Fussballstadien distanziert. Das macht der Herr Zwanziger gut, es ist bisher noch jeder drauf reingefallen, auch die Preisverleiher wieder. Dass die Realität des Herrn Zwanziger sich anders darstellt, fällt aber uns Fans auf.

Honi soit qui mal y pense, die Montagabend-Spielansetzung vermittelt fast den Eindruck der Methode. Braucht man das Derby zum Statuieren von Exempeln?
Anscheinend. Und in diesem Fall arbeitet mein Verein, meine Vereinsvertreter dieser Taktik auch noch zu.
Es kann nicht sein, dass ein junger Spieler, der in der Hitze des Gefechts etwas Unüberlegtes und Dummes tut, jetzt mit Hilfe meines Vereins zum übelsten Unhold, der je durch die Bundesliga gegeistert ist, abgestempelt wird.

Um es an dieser Stelle klarzustellen: die Pyro-Aktion im Gästeblock ist nicht akzeptabel. Es ist verboten und ebenfalls zu ahnden.
Die Geste Deniz Nakis ist nicht akzeptabel, wenn man sie als „Kehle durchschneiden“ interpretiert und ebenfalls zu ahnden. Das Plakat „Follow your leader..“ auf unserer Seite ist ebenso verzichtbar, ich heisse nicht alles gut, was bei uns Fans kreiert wird.
Aber bitte doch Strafen in einer Verhältnismässigkeit, die man nachvollziehen kann! Ich sehe Sie alle vor meinem geistigen Auge sich im Staube vor dem DFB winden für eine Aktion, die in einem anderen Spiel maximal einen Verweis durch Karte gegeben hätte. Wobei es in einem anderen Spiel nicht soweit gekommen wäre. Dass es so kam, wie es kam, ist vom DFB durch die Spielansetzung begünstigt worden, das bestätigt auch, was die Vorfalle nach dem Spiel angeht, die Polizei. Man hat das Gefühl, es kam, wie es kommen sollte.
Deniz Naki jetzt für drei Spiele wegen grober Unsortlichkeit zu sperren UND ihn von Vereinsseite mit einer Geldstrafe zu belegen, ist nicht im Rahmen der nachvollziehbaren Maßregelungen, es dazu aber noch so weit kommen zu lassen, dass diese Geste alles überlagert, was auf Rostocker Seite zu sehen und zu hören war an groben Unsportlichkeiten, ist enttäuschend und wird von Ihnen allen unterstützt.

Lesen Sie im St. Pauli Forum im Deniz Naki-Thread bei Fußballgötter und Sie werden sehen, wie die Fan-Seele kocht. Obwohl sich alle einig sind, dass Strafe sein muss. Es sieht so aus, als hätte der DFB es jetzt sogar geschafft, den Verein und seine Fans gegeneinander aufzubringen. Lassen Sie sich nicht zu Handlangern dieses pseudo-politically-korrekten Herrn Zwanziger machen, der den Verein und auch Sie instrumentalisiert, um Preise zu erringen, die er als Allerletzter verdient hätte.

Zeigen Sie mal Flagge. So wie Deniz.

Mit freundlichen Grüßen

Mail an den DFB zur Sperre des Spielers Deniz Naki

2009 November 4
von jekylla

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe soeben von der 3-Spiele-Sperre gegen Deniz Naki vom FC St. Pauli wegen unsportlichen Verhaltens beim Spiel gegen Hansa Rostock erfahren, in erster Linie ging es dort um die „Halsabschneider“-Geste.

Ich habe mich schon bei den Ausschreitungen im letzten Jahr in Rostock über die lasche Verfahrensweise des DFB, der sich sein Engagement gegen Rassismus ja weithin sichtbar auf die Fahne schreibt, gewundert, aber das Urteil setzt Ihnen ja nun die Krone auf. Die der Ignoranz, der Unverhältnismässigkeit und der Doppelzüngigkeit.
Ebenfalls äußerst moderat bis „beide Augen zugedrückt“ ging es seitens des DFB gegen die Groß-Pyroaktion und die offen zur Schau getragene Lust auf Randale beim Spiel in Hamburg letzten März zu.

Dass Sie bei diesen Plakaten http://www.suptras.de/bilder/fotos/0910/pauliheim/index.php?picno=3 kein unsportliches Verhalten entdecken können, dem der Verein, vertreten durch seine Ordner, ein schnelles Ende hätte setzen müssen, und auch nicht in den rassistischen Anfeindungen, denen sich im letzten Jahr Morike Sako und dieses Jahr auch Deniz Naki ausgesetzt sahen, ist mir unerklärlich. Das Absingen vom U-Bahn-Lied im Fanblock und Anfeindungen über 90 Minuten sind offenbar etwas, was ein Spieler klaglos hinnehmen muss.

Wir sprechen hier von einem sehr jungen Mann, der mit einer solchen von Haß zersetzen Atmosphäre in seiner erst kurzen Karriere noch nie konfrontiert worden ist und dem die Spieldauer einiges an Contenance abverlangt hat. Dass er -zugegeben- überreagiert hat, ist unbestritten, aber eine Sperre von drei Spielen ist ebenso überzogen wie Ihre Reaktion in Richtung Rostock so gut wie nicht existent ist.

Dass Sie damit das Gefahrenpotenzial zwischen den Fangruppen vergrößern, scheint Ihnen nicht bewusst zu sein.
Mit einer Strafe hatten alle gerechnet und das ist angemessen, so darf ein Spieler nicht vorgehen. Aber hätte Schiedsrichter Kinhöfer die Aktion bemerkt und mit gelber oder auch roter Karte geahndet, wäre es auf maximal zwei Spiele Sperre hinausgelaufen und weiteres Vorgehen des DFB wäre nicht nötig gewesen.

Davon abgesehen, dass Ihre Glaubwürdigkeit ohnehin schon stark gelitten hat, vermitteln Sie nun den Eindruck, als würden Sie die „Ausfälle Ost“ weitgehend tolerieren.
Ebensogut könnten Sie den Verein Hansa Rostock dazu auffordern, den Ordnungsdienst anzuweisen, Plakate mit grob unsportlichen Inhalten (siehe Beispiele oben) entfernen zu lassen. Das könnte einer Deeskalation eher nützen, als Ihre merkwürdige Ansicht zu angemessenen Bestrafungen.
Dem DFB, der ach so engagiert gegen Rassismus ist, ist im Grunde egal, dass ein farbiger Spieler wie Morike Sako Affengeräusche und andere rassistische Anfeindungen hinnehmen muss, dass ein U21-Nationalspieler aufgrund seines Namens ebenso in die Ausländerschublade gestopft und dementsprechend verhöhnt wird, daß es mittlerweile ligaweit vermehrt Ärger gibt, wo Hansa Rostock mit seinen Fans auftaucht und der Verein vom DFB in keiner Weise dazu aufgefordert wird, Maßnahmen zu ergreifen.

Dass diese Mail bei Ihnen wahrscheinlich inhaltlich nicht mal ankommt, geschweige denn einer Antwort wert ist, ist mir schon beinahe klar, aber ich muss es trotzdem loswerden. Scheiss-DFL war gestern…

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Ich erwarte keine Antwort oder allenfalls eine standardisierte, automatisierte Mail, ungefähr so wie im letzten Jahr nach Rostock. Ohne freundliche Grüße und bar jeder Hochachtung, sehr emotional, aber so ist das nun mal, wenn die Ungerechtigkeit einen quasi anbrüllt.

Noch nicht dazu gekommen bin ich, auch meinem Verein, dem ich einen großen Teil meiner Freizeit und auch meines Geldes widme, eine Email zu schreiben. Inhaltlich schon etwas zusammengefasst hat es der User Linkskurve aus dem St. Pauli-Forum, mit dessen freundlicher Genehmigung ich das hier schon mal als Einstimmung veröffentliche:

Ich entschuldige mich hiermit in aller Form für meinen Verein, den FC St. Pauli, der menschenverachtende Transparente („Hals- und Beinbruch“), beleidigende, sowie nazistische Parolen unwidersprochen toleriert und in aller Öffentlickeit stehen lässt, der sich weder hinter seine friedlichen Fans, noch hinter seine jungen Spieler stellt, die einen Fehler gemacht haben, aber geschützt werden müssten. Der Verein wurde somit Teilhaber dieser Parolen. Deeskalation JA, reflexartiges Einknicken und Abgabe aller Überzeugungen: NEIN!

Herr Littmann, Herr Stanislawski, Herr Böning, Herr Schulte – heute abend kriegen Sie dann auch Post von mir.

Edit: Der Verlag, der das wunderbare Buch herausgebracht hat, twitterte gerade folgendes:

HoffmannCampe

As expected die standardisierte Antwort des DFB:

Sehr geehrter Fußballfan,

danke für Ihre Mail. Das Urteil im Fall Deniz Naki können Sie hier nachlesen:

http://www.dfb.de/index.php?id=500014&tx_dfbnews_pi1[showUid]=20573&tx_dfbnews_pi4[cat]=145

Der Spieler, der sich auch entschuldigt hat, und der FC St. Pauli haben diesem Urteil zugestimmt.

Ferner möchten wir Sie davon in Kenntnis setzen, dass der DFB-Kontrollausschuss wegen der Vorkommnisse auf den Rängen während des Spiels FC Hansa Rostock – FC St. Pauli bereits Ermittlungsverfahren eingeleitet und beide Vereine zu zeitnahen Stellungnahmen aufgefordert hat. Sollten hier in den nächsten Tagen Urteile ergehen, so vermelden wir dies ebenfalls automatisch im News-Bereich von www.dfb.de.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre DFB-Pressestelle

Textbaustein-Ende.

Es ist vollbracht! Hansa Rostock vs. FC Sankt Pauli 0:2

2009 November 2
von jekylla

FCSPHRO1
frisch aus Rostock von Stefan Groenveld Photography

Mast-, Schot- und Schiffbruch!!
Kogge versenkt.

Zugegebenermassen hätte auch ein Unentschieden dem Spiel entsprochen, aber wer bin ich denn, dass ich mich darüber beschwere, dass Lehmann mit dem von Walke bezeichneten „Sonntagsschuss“ so richtig abgeledert hat und wie schön, dass Naki den Joker heute gegeben hat.

Da sass ich nun hier, mit Schal und Kappe und Hühnersuppe und heulte. Dass ich das noch erleben darf…

Bescheuert -und da sind wir uns alle einig- die Pyro- und Bölleraktion nach dem Lehmann-Tor. Man kann nicht auf der einen Seite wegen Cottbussern und Rostockern heulen und dann selbst… Stani hat Recht, das sind nicht die hellsten Kerzen am Weihnachtsbaum. Da wird sicher noch intern einiges geklärt.

Egal, und der Naki in uns allen hätte auch gern den Rostockern freundlich zugewunken :-)
Über das hirnlose Interview von Naki breite ich mal den Mantel des Schweigens…
..andererseits… wenn man als Spieler dieses Bild vor Augen hatte die ganze Zeit -menschenverachtender und erbärmlicher geht es eigentlich auch nicht- denke ich mir, ach, Deniz, geht klar. Das mit der Fahne. Nicht diese Halsabschneider-Geste.

WIR HATTEN CHANCE!!! UND HABEN GENUTZT!!

Nach“spiel“:
Die Ostseezeitung berichtet:

22:30 Uhr: Die Polizei setzt unmittelbar vor der DKB-Arena Wasserwerfer gegen Anhänger des FC Hansa Rostock ein.

22:40 Uhr: Einsatzkräfte der Bundespolizei gehen vor der Nordtribüne der DKB-Arena gegen Hansa-Anhänger vor.

23:05 Uhr: Aus den Reihen von Fans fliegen Steine. Anlass der Auseinandersetzung war offenbar der Versuch, eine von der Polizei gesperrte Straße in der Nähe des Stadions zu durchbrechen.

23:14 Uhr: Mehrere randalierende Fans sind bereits festgenommen worden.

23:38 Uhr: Polizisten tragen einen verletzten Kollegen aus der Menge.

00:10 Uhr: Die letzten friedlichen Fans dürfen endlich die Parkplätze am Stadion verlassen. Seit Abpfiff mussten die Anhänger ausharren, weil die Polizei sämtliche Straßen um die Arena gesperrt hatte.

00:21 Uhr: Die ersten Einsatzkräfte rücken ab. Es kehrt Ruhe ein. Nur vereinzelt sind noch Martinshörner zu hören.

Wie gut, dass Stani sich in diesem Punkt geirrt hat. Wir haben gewonnen und Rostock brannte nicht.

Sehr gut das Riesenbanner in HRO NordOst „Rivalität ja, Gewalt nein“ und offenbar haben Teile des Block 1 mit engagierten „Nazis raus“-Rufen auch Flagge gezeigt. Mal abgesehen von diesen sterbenslangweiligen, im fünfminütigen Abstand wiederholten „Scheiss-St.Pauli“-Chants hat HRO an Liedgut nicht sonderlich viel zu bieten. Ach ja, das „Hier regiert der FCH“ ist gottseidank zum Ende hin wieder zu einem „Hier krepiert der FCH“ geworden. :-)

Dies und das zu Hansa Rostock

2009 Oktober 29
von jekylla

Da ich keinen „Vorbericht“ zu diesem Spiel schreiben werde, einfach eine kleine Sammlung von Links zum Thema. Sportlich, humoristisch und … Sonstiges.

Mein Lieblingscartoon zum immer wieder gern verwendeten Spruch „Deutsche, wehrt Euch, geht nicht zu St. Pauli“ eindeutig hier, Bildausschnitte großklicken.

Oder hier, nach diesem wundervollen Gästebucheintrag bei @unverlierbar, der Anlass war zur Erstellung dieses schönen Transpi-Vorschlags.

Dann hätten wir noch die „Plakat für Rostock“-Aktion, es werden noch Dichter und Texter gesucht für eine leider nur theoretisch durchführbare Aktion

Die Vorstellung, den Erlebnisorientierten, die jetzt schon die Herrenaccessoire-Geschäfte stürmen, um gürtelmässig gerüstet zu sein, den Spass zu verderben, wäre es wirklich wert. Zumal Presse und Fernsehen dieser Aktion wohl gehörige Aufmerksamkeit widmen würden. Positive Presse im Zusammenhang mit einem St. Pauli-Rostock-Spiel, wann hätte es das jemals gegeben? Ein leerer Gästeblock, bis auf ein schönes Transpi, ein paar dumme Gesichter – was für ein Szenario.

Aber wir lesen dann lieber wieder ganz erschüttert/entrüstet/erstaunt/überrascht die vielen hässlichen Schlagzeilen „the day after“.

to be continued

Ein Plakat für Rostock…

2009 Oktober 28
von jekylla

dürfen Sie bei robjoker entwerfen. Es winken zwar keine Preise -zumindest jetzt noch nicht- aber diese Alternative scheint dem einen oder anderen eine bessere zu sein als wieder mal dieses „Highlight“ zu erleben.

Mein Vorschlag, doch mal das Unerwartete zu tun, kam erwartungsgemäß nur bei denen an, von denen ich es ohnehin vermutet hätte. Daran hätte sich auch nichts geändert, wenn er nicht so kurzfristig erfolgt wäre. Die Lust auf Randale und die Spannungsverzückung ist dann wohl doch zu groß, um mal alte Wege, die nirgendwohin geführt haben, zu verlassen und kreativ zu werden und vor allem auch dabei beachtet zu werden. und nicht nur als Mitkrawallskis.

Das Blogposting nach dem Spiel könnte ich wohl schon jetzt entwerfen, wenn ich die Links zu den einschlägigen Medien schon hätte mit den Überschriften wie „Erneut Krawalle in Rostock“, „Verletzte und Festnahmen beim/vor dem/nach dem Spiel im Ostseestadion“, „Unverbesserliche Fußballfans randalieren erneut in Rostock“ etc etc etc.

Was wäre das für ein wunderbares Betätigungsfeld für die semi- und vollprofessionellen Texter, die die Tribünen bevölkern!! Schade eigentlich… aber machen Sie doch einfach mit :-)

25.10.2009 FC St. Pauli vs. Energie Cottbus oder ‘“Alles halben Kram“

2009 Oktober 25
von jekylla

Eine Menge Fallobst, eine Menge nicht genutzter Chancen, Mathias Hain einmal großartig pariert, bescheuerte Zündelhonks in der Gästekurve – ein in der 1. Halbzeit total unaufgeregtes Spiel gegen unangenehme Cottbusser. Nicht, weil sie gut gespielt hätten, im Gegenteil, aber sie waren so spieldestruktiv, dass unsere Helden um eine Antwort lange verlegen blieben.

Und nein, die „Ossis“ sind sicher nicht alle so. Und ja, „Problemspiele“ gibt es nun mal überwiegend mit diesen Vereinen. Und nein, die Ordner haben wieder nicht souverän reagiert. Und ja, auch die Polizei -in Hülle und Fülle in der Pufferzone anwesend- hat außer Maulauffenfeilzuhalten während der Bengaloauktion auch nichts getan.

Dass mit Gegenständen auf Spieler geworfen wird, ist absolut inakzeptabel, dass ein Spieler, der den Gegenstand zur Beweissicherung aufhebt, auch noch von einem gegnerischen Spieler daran gehindert wird, ebenso. Anfangs dachte ich noch, endlich mal eine Gästekurve, die man auch mal hört, Lärm gemacht haben sie ja wirklich, aber als dann die Zündelei wieder… ach, ich hab eigentlich keine Lust, das wieder zu thematisieren.

Macht auf jeden Fall wirklich Lust auf Hansa Rostock. Was ich nicht verstehe, warum kann man nicht einfach vier Leute ins Ostseestadion schicken, die ein riesengroßes Transparent in der Gästekurve aufstellen mit einem passenden Spruch und dann einfach wieder gehen? Dann stünde in einer leeren Gästekurve nur dieses Transparent und die Rostocker müssten sich einfach nur gegenseitig die Köpfe einkloppen. Für mein Empfinden ist jeder einzelne Euro für Gästetickets, Getränke und Wurst ein verschwendeter Euro, den gönne ich denen einfach nicht. Ich bin sicher, die Mannschaft würde das verstehen und nicht schlechter spielen, als wenn 1.500 Leute mitfahren, die dabei noch ihre Gesundheit riskieren. Aber da es genauso erlebnisorientierte Auswärtsfahrer auf „unserer“ Seite gibt, wird es nie zu so einer Demonstration des Unwillens kommen. Obwohl diese Aktion sicherlich mehr Beachtung fände als das geplante zwanzigminütige DSF-Traditionsschweigen, das vom DSF tradiotionsgemäss totgeschwiegen wird und demzufolge beim nicht informierten Fussballfan nicht mal ankommt. Eine komplett leere Gästekurve hingegen… jaja, ich weiß. Träum weiter, Dornröschen…
Wer glaubt, mit dem Absingen von „Who the f*** is Hansa Rostock“ aber lieber sämtliche Klischees erfüllen zu müssen -wie schon in Oberhausen, so auch heute-, der wird auch nicht in der Lage sein, ausgetretene Pfade zu verlassen. Erfreulich, dass sich dazu nicht alle hergeben.

Dieses Deja-vu-Feeling heute, als der Gästeblock rauchte, war wirklich unangenehm. Und was dieser verschärfte Ordneraufmarsch vor der Gegengerade lange nach Abpfiff sollte, erschliesst sich mir auch nicht. Ist das die neue „Hot Zone“ und es hat nur keiner mitgekriegt? Und warum tauscht man mit einer Cottbusser Mannschaft, die das Verhalten ihrer Fans offenbar nicht weiter bemerkenswert fanden, auch noch Trikots und macht in just diesen Trikots auch noch die Abschiedsaufnahmen für die Haupttribüne? Auf Trikots von dieser Mannschaft würde ich jedenfalls dankend verzichten. Schauspielertruppe übelster Sorte. Wobei ihre Nummer 15, Alexander Bittroff, anscheinend gern bei St. Pauli anheuern würde oder wie sollte man sein konsequentes Passspiel zu uns anders deuten? An seinem künstlerischen Eindruck bei seinen „Aua, ich wurde gefoult, Schiri, schau doch mal, wie ich hier liege“-Aktionen muß er allerdings noch arbeiten.

Die halbwüchsigen Auswechselspielerbuben, die sich in Halbzeit eins hinter Tremmel warmgemacht haben, sahen nicht so aus, als wüssten sie schon, für was für eine Truppe und vor allem für was für „Fans“ sie da spielen.

Ach ja, das Spiel. Schlechter Kick. Wenigstens nicht verloren. Hatten alle irgendwie einen gebrauchten Tag erwischt. Einzig über Rouwen Hennings habe ich mich wieder sehr gefreut, er hat da zusammen mit Sako nochmal Leben reingebracht in die Partie, aber der Rest mit Höhen und Tiefen. Mehr Tiefen. Tja, das ist also die Heimschwäche jetzt. Andererseits, vielleicht nicht schlecht, dann geht man nicht überheblich, sondern gewarnt in diese Montagsspiel, das mir jetzt schon Bauchschmerzen bereitet und ich fahre nicht mal hin.

Eine weitere Spielimpression aus meiner Bezugsgruppe, zu der sich heute auch @pauliane gesellte, die den beschwerlichen Weg mit dem SPM-Bus auf sich nahm und sich zu uns gesellte, finden Sie hier.

Und wie immer mein persönliches Highlight in der Spielnachbetrachtung, der Podcast vom AFM Webradio!!

Die Jahrhundertelf

2009 Oktober 20
von jekylla

Rene Martens bat anlässlich der vierten Auflage seines Buches „Wunder gibt es immer wieder“ um die Aufstellung einer Jahrhundertelf. Die Anfrage ging an diverse Blogger, die sich mit dem Thema FC Sankt Pauli beschäftigen.

HIER sein Beitrag zum Ergebnis