Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Braunweiß met Schwarzweißblau – mit ohne Ball!

Ich wollte ja schon länger mal einen ganz bestimmten Artikel aus ganz bestimmten Gründen schreiben, aber irgendwie kam immer was dazwischen. Aber nachdem am vergangengen Wochenende zwei meiner geschätzten HSV-Follower wieder mal dokumentiert haben, dass Fußball durchaus mehr ist als nur Rivalität zwischen den Farben, muss ich noch ein Ereignis aus der letzten Saison erzählen. Serviehinweis: wer nun an alten Feindbildern zu sehr hängt und meint, wir brauchen alle mehr Haß, sollte exakt HIER aufhören zu lesen.

Vor etwa zweieinhalb Jahren stieß ich durch Zufall -und Interesse- auf das Blog eines HSV-Fans. Natürlich liest man auch hin und wieder über St. Ellingen nach, so auch dieses Blog. Die Lektüre war interessant, gut geschrieben, zeugte von Fußballsachverstand und auch einem wachen Kopf dahinter. Umso überraschter war ich, als ich feststellte, dass diese sehr “erwachsene” und ausgefeilte Schreibe einem zu dieser Zeit 16jährigen gehörte und da ich weiß, wie man sich als Blogneuling über Feedback freut, habe ich ihn kontaktiert. Aus diesem Kontakt entspannt sich ein sehr reger Mailaustausch über Fußball an sich und natürlich die beiden Vereine im Speziellen.

Irgendwann entstand die Idee, dass man ja auch einmal gemeinsam ans Millertor gehen könnte, damit er sich mal ein Bild davon machen kann, wie das so bei uns ist. Es ergab sich dann tatsächlich aber erst im letzten Spiel der letzten Saison, das “um die goldene Zitrone”-Spiel gegen Paderborn.
Wir trafen uns mit dem Rest der Bezugsgruppe wie immer am üblichen Treffpunkt, selbstverständlich stellte ich ihn als “die Gastraute” des heutigen Spieltags vor, er wurde begutachtet, innerhalb weniger Sekunden für gut befunden und außer ein paar wenigen Flachsereien war das Thema dann auch schon durch.

Erstmals seit sechs Jahren mal wieder auf der Haupttrbüne, bedauerlicherweise im Block direkt neben den Gästen angesiedelt, mussten wir -ich gebe zu, auf Irrwegen- erstmal die richtige Anstehschlange finden. Dem HSV-Blogger war das wohl ungewohnt ungeordnet, um es vorsichtig auszudrücken, in St. Ellingen ist das mit dem Einlass offenbar sortierter. Ich beobachtete auch, wie er sich umschaute. Das Publikum ist beim FC St. Pauli anscheinend doch etwas… bunter, anders kann ich mir den Gesichtsausdruck nicht erklären :)

Bei einem gepflegten Astra sahen wir ein gepflegtes Spiel, mein geschätzter Begleiter wurde sogar das eine oder andere Mal beim Anfeuern der Braunweißen erwischt, sie hatten aber auch einen guten Tag erwischt. Der ausgelassenen Stimmung konnte er sich auch gar nicht entziehen, spätestens, als es ein paar halbentkleidete Paderborner (was ja nun wirklich niemand sehen wollte) total originell fanden, das übliche “Scheiß St. Pauli” anzustimmen. Außer einem fröhlichen Winken aus dem Eck und einem “Scheiß St. Pauli” als Antwort nahm das erwartungsgemäß keiner aus unserer Kurve ernst, was wie schon bei anderen Gelegenheiten die Paderborner Gesichter passend zur Idee machte: dumm.

Wir hatten Spaß und ich habe auch zwischendurch völlig vergessen, dass ich ja eine Raute neben mir hatte. Zumindest waren wir voll konzentriert auf das Geschehen auf dem Rasen und guckten beide einfach… Fussball. Mit all seinen am Millerntor üblichen Randerscheinungen.

Nach dem Spiel traf der HSV-Blogger dann an der Domschänke den Rest der Bezugsgruppe, unter anderem einen Herrn im Schabenkostüm (Zecke war aus)

und viele andere entspannte Fans auf ein après-Astra. Natürlich entwickelten sich ein paar Unterhaltungen über die jeweiligen Vereine, Unterschiede, Spannungen etc. Aber wir kamen alle überein, dass es auch so prima geht. So wie an diesem Tag. Ich freue mich, dass es also tatsächlich zu dem lang geplanten Besuch von @bloghsv kam, der hier unter “Und täglich grüßt das Murmeltier” immer noch genauso interessant bloggt wie am Anfang.

Ich hab ihn gebeten, doch mal kurz aus seiner Sicht den Besuch am Millerntor kurz zu beschreiben. Hier sein “Auswärtsbericht”:

Am Ende eines jeden Tages steckt unter jedem getragenen Trikot auch nur ein Mensch. Das war schon immer mein Credo und in der letzten Saison hatte ich nun endlich die Chance, selbiges zu überprüfen.

Mit der geschätzten Jekylla stand ich schon länger in Kontakt. Für viele Leute trennen uns aufgrund ‘unserer’ Vereine Welten, aber ich finde uns eint die Heimatstadt der Vereine.
Ich, ein Fan vom Hamburger Sportverein.
Sie, ein Fan von Sankt Pauli.
Blau und Schwarz gegen Braun und Weiß. So sagt man jedenfalls.

Schon früh wurde der Plan eines Stadionbesuchs ‘bei d e m anderen Verein’ geschmiedet.
Am Ende der letzten Saison konnte dieser Plan endlich umgesetzt werden. Letzter Spieltag, letztes Heimspiel. Ort: Millerntor. Gegner: SC Paderborn.

Die Chancen auf den Relegationsplatz waren nur noch minimal, allenfalls ein extrem hoher Sieg hätte bei passender Konstellation gereicht.

Egal, ich war einfach baff, vom Kontrast. Ich kann das nicht an Details wie den Fans oder anderen Dingen in Stadionnähe festmachen.
Dieser Stadionbesuch fühlte sich aber einfach ganz anders an.
Als wir nach überstandenem hektischen Gewusel endlich unsere Plätze einnahmen, konnte ich das Stadion selber ausführlich betrachten.

Wenn man vorher nur den Volkspark kannte, war das ein Kulturschock, doch das meine ich nicht negativ. Ich mag beide Stadien, beide haben ihre Eigen- und Schönheiten.

Das Spiel war genauso hochklassig wie der Plan an sich. Sankt Pauli gewann mit 5:0, die Paderborner hatten wenig zu melden. Und ich war mittendrin.

Daumen hoch für die Coolness der Hamburger, wenn die Paderborner ein ‘Scheiß Sankt Pauli’ anstimmten. Beifall gab es für diese Rufe. Unbezahlbar waren die Gesichter der verdutzten Paderborner Fans. Später schlossen sich die Fans von Sankt Pauli den Schmähgesängen sogar an! Sowas hatte ich noch nicht erlebt.
Ich glaube ich werde nie wieder so verwirrte Gesichter sehen! :)

Das gesamte Drumherum stimmte. Besondere Spieler wie beispielsweise ein Deniz Naki wurde verabschiedet, die Gegengerade offiziell verabschiedet, und ich war mittendrin.

An diesem Tag durfte ich viele neue Menschen kennenlernen. Die von einigen Personen so scharf verstandene Grenze zwischen beiden Vereinen verschwand an diesem Tag. Für mich existiert sie eigentlich gar nicht.

Selbstverständlich war ich an jenem Tag ‘DIE Raute!’, aber bis auf berechtigten Flachs gab es nicht Einen, der irgendetwas auszusetzen hatte. Warum auch?! Unter jedem Trikot steckt nur ein Mensch.

Ich bin Jekylla dankbar für dieses Erlebnis. Gerne wieder.

Danke, Erik, ebenfalls gerne wieder ;)

Neuaufgerollt: die Kassenrolle und was aus ihr wurde

Am Anfang war die Empörung ja unglaublich groß. Was wurden Blogartikel, Facebookeinträge, Forumskommentare, Twittertweets und Online-Medien-Kommentare abgegeben wegen unseres Kassenrollenwerfers. Sie erinnern sich? Nein? Ach. Ich könnte Sie jetzt mit Links ertränken, aber lesen Sie noch mal hier und versuchen, die damalige Empörung neu zu beleben. Nur für einen Moment. Es war ja vielen mal totaaaaal wichtig. Der DFB, der arme Kerl, der böse Verein etc etc. Zumindest bis Gras drüber gewachsen ist.

Und hier können Sie lesen, ob es englischer Zierrasen oder Rollrasen geworden ist.
Oder auch hier beim Verein selbst.

Da hat sich also jemand im Verein richtig reingehängt, um diese (mindestens) 50.000-Euro-Kuh vom Eis zu kriegen. Und ich unterstelle mal, dass es demjenigen ein persönliches Anliegen war, dazu beizutragen, dass der Junge mit einem tiefdunkelblauen Auge davon kommt. Denn ohne entsprechendes Engagement eine Versicherung dazu zu kriegen, einen Schaden zu übernehmen – Sie wissen, dass man bereits Schwierigkeiten hat, selbst wenn man eindeutige Ansprüche stellt… wie auch immer, derjenige hat einen großartigen Job gemacht, es ist glimpflich ausgegangen für alle Beteiligten und wer wie ich auch gerne mal die Keule gegen den Verein auspackt, muss dann auch mal damit raus, wenn etwas gut gelaufen ist. Sogar sehr gut. Ich habe eine Ahnung, wem Martin R. das zu verdanken hat und sage muchas gracias auch an dieser Stelle. Well done!

Update: Die Steine des Anstosses

Ich hatte ja beim Verein nachgefragt, wie sich das mit den Gedenk-/Danksagungssteinen auf dem Südkurvenvorplatz verhält. Ich kann mir denken, dass dem einen oder anderen die aktuelle sportliche Situation mehr beschäftigt, aber dieses Thema lag mir vor ein paar Wochen am Herzen und tut es das noch, auch wenn ständig eine neue Sau durchs St. Pauli-Dorf getrieben wird. Während ich also auf Antwort wartete, hat @MikeGlindmeier mal nachgeforscht.

und

Nachdem ich also nun die gewünschten Antworten vom Verein erhalten habe, kann ich dazu Folgendes sagen: Herr Glindmeier hat Recht. Teilweise. Die Steine waren aber kein Geschenk des Vereins an die Projektverantwortlichen, sondern in der Tat auf Initiative der Geschäftsstelle und privat initiierte Geburtstagsgeschenke.

Bleibt ausser dem eigentlichen Thema des Anstosses auch die Frage nach der Berechtigung der Aufschrift “Der FC St. Pauli dankt…” im Zusammenhang mit privat initiierten Geburtstagsgeschenksammlungen und anschliessende Verlegung im öffentlichen Raum zur Beantwortung offen.

Die aktuelle Lage ist also die, dass der Weg über Antrag zur Entfernung der Steine über die Jahreshauptversammlung wird gehen müssen. So sei es.

Pokal, Liga und anderes Gesummsel

DFB-Pokal also eine Runde weiter. Preiset die Herren! Das war ein kurzes Stimmungshoch, dem aber der Ligaalltag ernüchternd auf dem Fuße folgt. Über die Spiele kann man als Zuhausesitzer weniger sagen als wenn man sie im Stadion live gesehen hat, aber der Eindruck einer nicht engagierten Truppe (mit Einzelausnahmen) scheint kein örtlich begrenzter zu sein. Ich gebe zu, ich bin gelangweilt. Der Fußball, den der FC St. Pauli im Moment spielt, langweilt mich. Ich entdecke Verhaltensweisen an mir, die vor ein, zwei, drei und mehr Jahren undenkbar gewesen wären. Da hätte ich mir die Herzklappen verbeult, um rechtzeitig zum Spiel am AFM-Radio zu sitzen, eine Fußballkneipe zu entern, einen Stream zu suchen. Und heute? Komm ich halt zu spät. Oder gar nicht. Schaue es mir später an. Wenn überhaupt. Fahre bei schönem Wetter lieber auf den Ponyhof nach der ersten Halbzeit, um später festzustellen, dass ich nichts verpasst habe.

Ich werde mit den neuen Spielern emotional nicht warm und kann dem Konzept von André Schubert -sofern es eines ist- nichts abgewinnen. Ich bereite mir das Vergnügen, den HSV zu belächeln für das frühe Pokal-Aus, für den gewaltig vergeigten Auftakt gegen eine nicht sonderlich starke Nürnberger Mannschaft und sehe interessiert zu, wie der andere Hamburger Fussballverein -meiner- eine Liga weiter unten nichts als das Erreichen der 2. Pokalrunde voraus hat. Immerhin waren wir so bescheiden, nicht gleich die Einkünfte der ersten drei Runden mit einzuplanen, weil ein Weiterkommen eher in die Rubrik “would be nice, but…” einzuordnen war. Nun haben wir es geschafft und in der nächsten Runde fahren wir nach Stuttgart. Und dass wir in der momentanen Verfassung nichts reißen werden- ich gehe einfach mal davon aus. Und das Schlimme ist: ich leide zur Zeit nicht. Ich hatte schon vor Monaten das Gefühl, dass irgendwas nicht läuft und das habe ich noch, diesmal aber mit Belegen. Es läuft nicht. Und wie mir mal ein weiser alter Mann sagte: wer nichts erwartet, wird nicht enttäuscht. Demzufolge bin ich ziemlich gelassen und verlagere den Schwerpunkt meines sportlichen Lebens auf die Do-it-yourself-Seite.

Das mag Sie als Fussballfan nicht weiter interessieren, aber ich habe einen Hochleistungssportler auf dem Ponyhof stehen, der mir täglich zeigt, wie man sich engagiert einsetzt. Der seinen Job ernstnimmt, der sich motivieren lässt und trotz seines fortgeschrittenen Alters högschde Konzentration an den Tag legt. Woran liegt das? Ich versuche ihn als Trainer täglich zu motivieren. Ich achte darauf, dass seine Kondition meinen Anforderungen entspricht. Ich sorge für alternativen Freizeitausgleich und achte auf ausgewogene Ernährung. Ich verschaffe ihm Erfolgserlebnisse und angemessene Belohnung. Aber ich erwarte dafür, dass er 22 Stunden am Tag Freizeit hat, in den zwei Stunden, in denen ich mit ihm arbeite, Einsatz. Wenn die Grundbedingungen stimmen, erwarte ich Einsatz. Und da ich davon ausgehe, dass die Grundbedingungen beim Team des FC St. Pauli stimmen, mangelt es mir am Ende an ebendiesem Einsatz. Und an der Motivation. Das soll nicht heißen, Schubert raus, wie es schon mehr als vereinzelt gefordert wird. Obwohl es mir lieber gewesen wäre, statt Schulte wäre Schubert gegangen, aber das ist ja nun kalter Kaffee. Ich glaube nicht, dass seine Vorstellungen, die sicherlich den hohen Ansprüchen, die der Verein geäußert hat, mit dieser Truppe durchführbar sind. Ich habe weder den Eindruck, dass die Zusammenstellung gelungen ist noch, dass sein Konzept funktioniert. Man wirft ihm Paderbornisierung vor, Beamtenfußball und dergleichen. Ich glaube nicht, dass er das will, aber ich glaube, dass bei der Mannschaftszusammensuchung weniger darauf geachtet wurde, dass es nicht nur sportlich, sondern auch menschlich passt. Ich vermisse die Emotionen, das Gefühl der “11 Freunde”, den Spaß am Fußball. Wo ist er hin, der Spaß? Heute irgendwie für mich unvorstellbar, dass diese Mannschaft zusammen Torjubel einstudiert. Die Leichtigkeit, die Freude ist dahin. Zumindest kommt es mir so vor.

Wir Fans gehen ja überall mit hin, wenn uns wenigstens der Kampf und der Wille gezeigt wird. Das Gewinnenmüssen war es beim FC St. Pauli nie so. Aber auch davon sehe ich nichts. Emotionslos runtergespielt und das nicht mal gut. Gestern in der Sportschau fiel vom Kommentator des Spiels der für mich passendste Satz: “Was ist bloß mit dem FC St. Pauli los? Nichts.” Genau. Nichts ist mit uns los. Und dieses lähmende Gefühl überträgt sich zur Zeit auch auf mich. Und das, wo mir erstmals wieder eine Dauerkarte ins Haus steht. Ich müsste hibbeln und vor Aufregung umherspringen, wann sie denn nun endlich kommt, die Dauerkarte und mich auf das erste Heimspiel nach Jahren mit Dauerkarte auf der neuen Gegengerade freuen wie Bolle. Und? Mein vordringlichster Gedanke beim Thema Dauerkarte: jedes zweite Wochenende wird sie billiger. Und mit dem Bloggen hier ist es ähnlich wie bei den Spielern: ich bin lustlos, motivationslos und ideenlos. Frage mich nach dem Sinn des Ganzen hier, so ähnlich wie @heinzkamke dort. Es gibt zur Zeit wenig, dass ich im Fußball-Kontext wirklich mit großem Interesse verfolge, ich folge kaum Links, lese wenig bis gar keine anderen Blogs… ok, das mag dem Umstand geschuldet sein, dass mich das restliche Leben zur Zeit sehr in Beschlag nimmt, aber dennoch, es ist etwas anders im Moment. Bei der Mannschaft wie auch bei mir.

Ich glaube nicht, dass es letztendlich um den Abstieg geht, den Klassenerhalt werden wir schon schaffen, aber das angestrebte Ziel der ersten fünfzehn wird sich die Vereinsführung abschminken können. Selbst die moderaten 25 von Helmut Schulte werden schwer bis eher unwahrscheinlich. Macht mir aber nichts. Erstmals selbst begutachten werde ich diese Truppe, die mir einfach nicht ins Herz gehen will, in Köln. Und vielleicht ergreifen sie mich ja dort. Wenigstens ein bisschen.

Aber halt, etwas wichtiges gibt es doch: das AFM-Radio, dass mich seit Jahren überall hin begleitet, braucht Spenden. Und wenn jemand mein mühsam verdientes Geld verdient, dann sind es Wolf Schmidt&Co. DAS ist Herz, DAS ist Leidenschaft und eine braunweiße Welt ohne das AFM-Webradio ist möglich, aber unvorstellbar. Selbst Muddi mit ihren 70 Jahren hat spontan noch was draufgelegt, seit ich sie in Dubai zwangsver-AFMt habe, ist sie selbst leidenschaftliche Anhängerin und hört sogar ohne mich zu :)

Bitte hier entlang für Einzelheiten und vor allem die Bankverbindung. Ein geschätzer Mit-Twitterer wollte als Basisbetrag die 19,10 plus für jedes geschossene Tor vom letzten Samstag mit extra 10 Euro spenden. Vielleicht macht er es ja auch für die zwei Cottbusser Tore. Einfach, weil sie es verdienen! Walk on!

Die Steine des Anstosses…

Ich hätte jetzt lieber über das Spiel am Samstag geschrieben. Andererseits gab es da nun auch nicht sonderlich viel Herausragendes zu berichten und dann kamen eben noch die Steine dazwischen. Welche Steine, fragen Sie sich?

Ich muss gestehen, dass mich erst der Artikel von Lichterkarussell darauf gebracht hat, dass es sie überhaupt gibt, denn an der Stelle, wo sie liegen (Südkurvenvorplatz, Nähe Geschäftsstelleneingang), komme ich nur höchst selten vorbei. Dazu muss ich sagen, dass ich zu den anderen im Artikel gemachten Vorwürfen nichts sagen kann, mangels ausreichender Information zu den jeweiligen Themen, mir ging es direkt nur um die Steine. Die ich bis dahin eben nicht kannte. Aber als ich es las und sie dann sah (hier am Beispiel Vierkant)

war ich entgeistert. Meine spontane Assoziation -und da bin ich nicht alleine- : Stolpersteine! Ins Pflaster eingelassene Danksagungsgedenksteine zu Lebzeiten für zwei Vereinsangestellte! Nun sei mal dahingestellt, ob man für die Tatsache, dass man seinen Job gut gemacht hat, nun zwingend eine Ehrung braucht. Auch wenn unser hoch geschätzter Pressesprecher die teilweise Fertigstellung der Gegengerade als “kleines Weltwunder” bezeichnet, ist es doch schlichtweg ein Stadion. Nicht mehr und nicht weniger. Und nicht das Tadj Mahal am Millerntor und auch nicht der Burj Khalifa vom Heiligengeistfeld. Ein Stadion.

Aber gut, wenn man ein Lobpreisungsmosaik irgendwo im Stadion anpinnt oder eine Tafel an die Wand – das ist eine Sache. Aber einen Pflasterstein, der für viele sofort ein unangenehmes Gefühl ist, weil Gedenk-Steine im Pflaster “besetzt” sind. Von den Stolpersteinen eben. Zum Thema hat der Verein kurioserweise selbst noch im März einen informativen Artikel auf der Homepage gepostet. Aber irgendwie ist das Empfinden da an den Entscheidern völlig vorbeigegangen. Für mich ist und bleibt das respekt- und instinktlos und ich wüsste gerne, wessen Idee das war und wer diese Idee gutgeheißen hat, so dass sie umgesetzt wurde. Weniger wohlwollende Zeitgenossen vermuten sogar, dass die zu Ehrenden sich selbst ein Denkmal gesetzt haben, ohne Zustimmung des Vereins, aber das will ich -noch- nicht glauben. Zumal ich immer der Ansicht war, dass so eine Steinlegung auch der Zustimmung der Stadt bedarf, aber da mag ich mich irren.

Auf jeden Fall ist mein persönliches Empfinden, dass durch diese Pflastersteinverlegung das Prinzip der Stolpersteine an sich ins Lächerliche gezogen wird. Mit diesen Steinen wird an von Nazis Verfolgte und Getötete erinnert, wie bei diesem hier in der Simon-von-Utrecht-Straße in Hamburg.

Selbst für die rassistisch verfolgten Brüder Lang gab es “nur” eine Gedenktafel

was natürlich völlig korrekt ist. So, wie es ist.

Wissen Sie, während ich hier schreibe, schwillt mir eigentlich immer mehr der Kamm. Aber um diese Energie in geeignete Aktivitäten zu kanalisieren, habe ich beschlossen, bei der diesjährigen JHV einen Antrag auf Entfernung der Lobespflastersteine zu stellen. Nicht der Personen wegen, sondern der Form der Ehrung wegen.

Ein paar Unterstützer, die das ebenso unangemessen, unangebracht, respektlos und instinktlos finden wie ich, gibt es schon. Es gibt aber auch andere Meinungen, die ich Ihnen nicht vorenthalten will. Zu der Ankündigung des JHV Antrags gab es im Forum folgende Meinung:

Willst du uns mit solchen belanglosen Anträgen zu Tode langweilen? Die Steine sind zwar völlig daneben, aber Anträge sollten erst ab einer gewissen Relevanz gestellt werden.
Solche Anträge bewirken nämlich nur, dass alle bei wirklich wichtigen Anträgen schon so genervt bzw. müde sind, dass einige rein willkürlich die Hand heben oder sie grundsätzlich ablehnen, weil man bei der Annahme sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen müsste.

Daneben sind sie also schon, die Steine, und zwar ziemlich, aber dennoch belanglos. Und vor allem viel unwichtiger als die wirklich wichtigen Anträge. Ich erspare uns jetzt die Vermutung, was für wichtige Anträge der Verfasser da meinen könnte. Relevanz hat ein Antrag dann, wenn ihn jemand stellt, formuliert und vorträgt. Und bei diesem hier erwarte ich gerade beim FC St. Pauli eine erhöhte Sensibilität fürs Thema und das ist hier nicht passiert.

Da ich es wie immer genau wissen will, habe ich an geeigneter Stelle heute morgen nachgefragt und erhielt die umgehende Antwort, man würde sich darum kümmern und mir alsbald die Informationen geben. Da ich bei dieser geeigneten Stelle weiss, dass es sich nicht um leere Versprechungen handelt, warte ich nun gespannt auf Fakten.

Für mich steht jedenfalls fest, dass diese Steine weg müssen.

Für den leider kürzlich verstorbenen Günter Peine hingegen erwarte ich baldmöglich eine Ehrung.

7 Fragen und ein Regenschirm – Hallo, Herr Dr. Stenger, diese Polizeiwache da…

Worum es insgesamt geht, lesen Sie am besten bei den Sozialromantikern nach, die Petition hat mittlerweile 1.661 Zeichner.

Ich frage mich, wo diese 1.661 Zeichner die letzten fünf+ Jahre waren, denn die Planungen für dieses Projekt laufen schon länger, aber es ist müßig, über verlorene Zeit zu sinnieren. Der Ist-Zustand: die Wache kommt. Nun gab es daraufhin Stürme der Empörung, heiße Diskussionen auf Facebook, twitter und Blogbeiträge, es wurden Vorschläge gemacht, die von Ticketpreiserhöhung über Spendenaktionen gingen – alles gut und schön, aber mir war es wichtig, erstmal ein paar Fragen beantwortet zu bekommen, die für mich die Situation, den Handlungsbedarf sowie die Handlungsmöglichkeiten klarer machen.

Da ich schon immer der Ansicht war, dass Spekulationen, was-wäre-wenns, Annahmen, Mutmaßungen und Wünsche nicht sonderlich weit bringen, wenn man nicht an die Quelle geht, habe ich Herrn Dr. Gernot Stenger einfach mal angeschrieben. Als ich das das letzte Mal gemacht habe, hat das gut funktioniert und ich habe ihm folgende Fragen gestellt (es sind nur sechs Fragen, aber die Reminiszenz an die vor Urzeiten erfolgreiche gleichnamige Fernsehsendung mochte ich einfach).

1. Sind die Mietverträge für die Polizeiwache schon unterschrieben, wenn ja, welche Laufzeit haben sie und können sie unter Umständen -definiere welche- vorzeitig gekündigt werden?

Der Mietvertrag ist noch nicht unterschrieben, aber er wird voraussichtlich eine Festlaufzeit von 20 Jahren haben. Dies beruht auf den alten Absprachen mit der Freien Hansestadt Hamburg (FHH), die uns damals den Zuschuß von 5,5 Mio gewährt hat.

2. Die von Ihnen genannte Summe von EUR 600.000 umfasst genau welche Kosten?

Die 600.000 Euro sind ein im günstigsten Fall klaffendes Loch in der Finanzierung des Umbaus der alten Domwache. Der betrag kann auf 1,1 Mio ansteigen, wenn einige günstige Prämissen nicht haltbar wären, z.B , daß wir keine zusätzliche Fläche vom Domreferat benötigen. Es kommt eine jährliche Unterdeckung von bis zu 30.000 Euro hinzu, die noch mal größer wird, wenn wir keine Museumszuschüsse bekommen.

3. Wenn es den Fans gelänge, durch eine Spenden-/Sammelaktion die nötige Summe x (?) aufzubringen, um die Kosten für eine Errichtung der Domwache zu tragen, wäre ein Auszug dann möglich?

Ein Auszug wäre möglich, aber unwahrscheinlich. Deshalb war ich auch so da hinterher, denn man müßte später zusehen, wie man die dann verlassenen Räume wieder nutzt. Ich könnte im Moment den Fans auch nicht zuverlässig sagen, was wir wirklich benötigen, und jährlich neu zu kommen mit Sammelaktionen halte ich nicht für seriös.

4. Wurden Maßnahme angedacht seitens ds Vereins, die erforderliche Summe über eine Erhöhung der Eintrittspreise abzufangen bzw. wäre es möglich, durch einen Mitgliederentscheid auf der JHV einen späteren Auszug der Polizei zu arrangieren?

Wir haben natürlich auch auf eine Erhöhung geschaut, aber die müßten wir on Top zumuten, wir haben wie üblich erhöht und/oder umgruppiert, und wir haben erhöht, um die Kosten für die Klappsitze (berechtigte Forderung der Stadionbau AG) aufzubringen. Ein Mitgliederentscheid muß mE auch Rücksicht darauf nehmen, daß der Verein sich 2006/2007 verpflichtet hat gegenüber der FHH. Die Stadionwache in der Gegengerade ist ja absolut nicht neu, das steht seit über 5 Jahren fest, ich habe „nur“ versucht, das nochmal aufzubohren, und die vielgescholtene Polizei war flexibel genug, mir dafür grünes Licht zu geben !

5. Welche Erfordernisse wären noch zu bedenken, um einen Einzug zu verhindern bzw. einen Wiederauszug zu erreichen und um welchen Gesamtbetrag und welche erforderlichen Genehmigungen würde es sich da handeln?

Siehe oben. Wir brauchen außer den Finanzen noch die Genehmigung der FHH, der DKB, wir müssen vermutlich Fläche vom Dom bekommen, die Polizei müßte der zeitlichen Verschiebung zustimmen, die Sprinkenhof AG als Eigentümer müßte mitspielen (auch die waren in den Gesprächen sehr entgegenkommend, allerdings auch im eigenen Interesse !), und wir müßten die Klippe umschiffen, daß wir eine neue Finanzierung für Infrastruktur auf uns nehmen, die bei der Anleihe nicht angekündigt war.

6. Wäre im Falle eines Wiederaufstiegs eine Budgetplanung diesbezüglich eine Option?

Das könnte sich so ergeben, wäre dann eine Maßnahme, die ich vermutlich mit dem Umbau der NordT in Zusammenhang bringen würde, denn dann wären wir auch zB beim Museum weiter, könnten auf deren Miete schielen, vielleicht in Ruhe ein anderes Konzept für die bereits gebaute Wache entwerfen usw. Soll heißen : Ich gebe noch lange nicht auf, aber im Moment müssen wir das so laufen lassen.

Und nun die Frage an mich 7. Was nun?

Nichts nun. Ich sehe anhand dieser Ausführungen wenig Möglichkeiten, das Projekt Domwache zu diesem Zeitpunkt noch zu verhindern. Das hätte man früher angehen müssen -und ich meine nicht alle 4.678 Zeichner, sondern die, die dem Verein und der Planung dieses Projekts näher standen zu einem Zeitpunkt, wo man eventuell noch Änderungsmöglichkeiten gehabt hätte.

Was mich aber mehr umtreibt, ist die Frage, wie hoch denn zum Beispiel die Beteiligung an einer Sependenaktion wäre. Wieviele St. Paulianer (und damit meine ich alle, die ins Stadion gehen) sich überhaupt daran stören, dass die Polizei dort einzieht. Wievielen wäre es so wichtig, dass sie dafür eine Ticketpreiserhöhung in wohlwollend in Betracht ziehen würden?

Und was nun, da es wohl -zunächst- unabwendbar ist? Wird man vielleicht die zwangsweise entstandene Möglichkeit nutzen, um etwas mehr den Dialog zu suchen mit Team Green/Blue? Wäre es eine Option, aus der Not eine Tugend zu machen? Es heisst immer, wir müssen reden. Dann sollten wir das auch tun. Gerade, weil das Verhältnis zur Polizei in den letzten Monaten stimmungsmäßig ungefähr da angekommen ist, wo es nicht mehr weiter abwärts geht.

Wenn man Dinge nicht mehr ändern kann (Errichtung der Domwache), sollte man, statt blindem Aktionismus zu verfallen, der am Ende ohnehin ausser Folklore nichts bringt, vielleicht eher Konzepte entwickeln, wie man sich den Feind zum Freund macht. Zumindest den in direkten Umfeld. Wenn man den Feind nicht besiegen kann, verbünde man sich mit ihm. Sunzi hat zwar im Original gesagt, man solle ihm dann ausweichen, aber ich tendiere mehr zu Napoleons Auslegung.

Man kann natürlich auch den Jolly Rouge herauskramen, der Vollständigkeit halber und um den Protest zu zementieren, aber ich persönlich tendiere mittlerweile mehr zum Dialog. Dem Dialog des Unvermeidlichen. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Das mag dem einen oder anderen zu pragmatisch, zu bourgeois, zu wenig kriegerisch erscheinen, aber das mag an den Erfahrungen des Lebens liegen, dass manche Dinge im eher Stillen vorangetrieben durchaus erfolgreicher sein können als großes Römpömpöm. Zumal wir ja auch nicht mehr wirklich die Wahl haben.

Von Mimimis, Miasanmias, Managern, Medien und Moosröschen

Die Mimimis unter den wahren und falschen Fans und die Mimimis beim DFB/der DFL und den Medien haben dieser Tage ja wieder richtig viel zu tun. Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC hat wieder neue Maßstäbe gesetzt und dem Herrn Niersbach vom guten und gerechten DFB eine Steilvorlage geliefert, die der auch nicht ungenutzt liegen lässt. Allüberall werden im Minutentakt Artikel rausgehauen, Bandbreite von “Emotionen respektieren” bis “alle lebenslanges Stadionverbot”, da muss ich nicht auch noch in epischer Breite einsteigen. Ist auch meines Erachtens nach überflüssig. Keiner hat auch nur den Hauch einer Ahnung, wie man dem beikommen kann, beide Seiten stellen nur immer wieder fest, wie es NICHT geht. Was ja nicht weiterhilft. Und so werden wir dann gespannt warten, was der DFB diesmal aus dem Zylinder zieht. Analog zu einem Bierbecherwurf, der eine Platzsperre “wert” war, müsste es für gestern eine Deutschlandsperre werden. Aber mit Relationen hat es der DFB ja noch nie gehabt, drum darf man gespannt sein, was für eine Wurst da aus der Strickliesel rauskommt. Zum Thema Pyrotechnik möchte ich an dieser Stelle mal die Berliner Pyronale im September empfehlen, das ist das, was die Bezeichnung PyroTECHNIK tatsächlich auch verdient. Nuff said.

*Edit: Im “Brennpunkt” in der ARD liess der DFB-Vertreter keinen Zweifel daran, dass die Maßnahmen Stehplätze weg, Zäune hoch und noch härteres Durchgreifen die Zukunftsmusik sind. War klar, oder?

Aber immerhin hat dieses unterhaltsame Relegationsspiel den Fans des FC Hollywood die Möglichkeit gegeben, mal durchzuatmen und einen hämefreien Tag zu geniessen. Wer das DFB-Pokal-Endspiel gesehen hat, weiss, was ich meine. Mia san mia und waren die bessere Mannschaft. Hat einer so ähnlich gesagt. Was immer sein Bewusstsein getrübt haben mag, an dem “glücklichen” 5:2 ist nicht mehr zu rütteln. Ich persönlich fand das Spiel sehr unterhaltsam, was aber mehr am BVB gelegen hat, der aus wenig Ballbesitz viel machte. Dieses Ballbesitz wird mehr und mehr überbewertet. Wenn man nichts draus macht, hat man am Schluss halt nur… mehr Ballbesitz gehabt. Mir würden 5% Ballbesitz reichen und pro Prozent ein Tor und kein Gegentor. Wäre doch düpierend.
Macht allerdings jetzt das kommende CL-Endspiel des FC Bavaria gegen Chelsea noch attraktiver. Hat Chelsea aus dem Anschauungsstück gelernt? Bleibt Bayern bei der Strategie, die bessere Mannschaft zu sein, egal, wie das Spiel verläuft? Wer wird die meisten Klatschpappen haben und hat Robben endlich ein Shirt in seiner Größe an? Wir wissen es nicht. Aber bald. Wir = ich. Und Sie.

Manager kommen und gehen. In unserem Fall gehen sie. Er. Helmut Schulte. Das Sauerländer St. Pauli-Gestein. “Ur” klingt immer so nach Alter Stamm und Harald Stender. Mir tut es persönlich leid, weil ich ihn geschätzt habe. Vor allem wegen seiner Fachkompetenz, die ihm kaum abzusprechen ist.

Als langjährigen St. Paulianer erfüllt mich die Trennung mit Wehmut. Von der Abstiegszone in der 2.Liga habe ich die Mannschaft über den Aufstieg in die 1. Bundesliga bis jetzt ins Spitzenfeld der 2.Liga begleitet. Wer nicht einschätzen kann, was ich geleistet habe, dem kann ich nicht helfen

Quelle: Transfermarkt.de

Aber selbst das findet der eine oder andere unverschämt. Frage mich warum, hab ich den einen oder anderen auch gefragt, aber keine Antwort bekommen. Das Zitat enthält Tatsachen. Der sportliche Aufstieg und viele gute Spieler, die kamen, sind Helmut Schulte zuzuschreiben. Dass ein Sportchef weder die Aufgabe noch die Zeit hat, mit der Mannschaft einmal die Woche die Namen zu tanzen, um es atmosphärisch hübscher zu gestalten, ist eigentlich selbstredend. Das Namentanzen sollte man dem Teammanager überlassen, der in meinen Augen so ein bisschen die Muddi sein müsste. Empathisch. Vertrauenswürdig. Im Geiste ein Sonnenschein, wie ich eine positive Ausstrahlung nennen würde. So einer wie Schulle zum Beispiel. Aber wir haben einen, der stattdessen seinen eigenen Namen am liebsten tanzt, ihn lieber auf seine Autogrammkarten kritzelt und im Glanze seiner kürzlichen Medienpleiten erstrahlt. Wie er sich schreibt? Wie König, nur mit B.

Der neueste Knaller ist die Feststellung, man wolle “Stillschweigen bewahren”, woraus die Mopo umgehend “schmutzige Wäsche” macht. Was impliziert, dass es sehr wohl welche gegeben hat. Die man eben nur nicht waschen will. Also den Mantel des Stillschweigens darüberhüllen. Prima. Anstatt ein Statement auf der Ebene sportlicher und funktionaler Differenzen abzugeben, suggeriert man persönliches Fehlverhalten mit dieser schmutzigen Wäsche und öffnet -wieder mal- der Spekulation Tür und Tor. Was hat er bloss gemacht, der Schulte? Eine Spielerfrau beglückt? Herrn Schubert gewürgt? Morgens zu spät gekommen? Einem Spieler das Auto geklaut? Diese Außendarstellung des Vereins ist eine einzige Katastrophe. Diesen Satz kann ich mittlerweile in jeden zweiten Artikel reinkopieren. Und es gelingt ihnen immer noch, einen draufzusetzen. Jedes Mal. Um auf Schulte zurückzukommen: das Timing ist grandios. Und die Interimslösung ein Traum in wachsweich. Wer noch von den goldenen Zeiten eines Holger Stanislawski als Sportchef schwärmt, an dem dürfte komplett vorbeigegangen sein, dass sich seither einiges geändert hat. Nicht zum besseren, sondern zum härteren. Ich sehe einen erfolgreichen (und ich messe den sportlichen Erfolg) Sportchef als abgeklärten, kompromisslosen, weitestgehend emotionslos-sachlichen Vertreter, dem es nicht darauf ankommt, dass man ihn mag, sondern dass die Ergebnisse stimmen. Das hat der kantige Sauerländer gemacht und das hat er gut gemacht. Aufgrund der Kantigkeit kann ich mir auch vorstellen, dass er bei dem ein oder anderen Mimimi von Spielern nicht angemessen reagiert hat. Zumindest nicht für die Vertreter der Blümchen-von-der-Bewußtwerdungskirche-Fraktion. Dafür haben wir aber andere. Oder könnten wir haben, wenn man sie mal liesse (schließe Kreis zu Schulle).
Ein Sportchef muss auch mit Spielern, die bei ihm einen Vertrag unterschrieben haben, nichts mehr weiter veranstalten. Dafür gibt es einen Trainer, einen Co-Trainer und einen Team-Manager. Also gäbe, wenn man einen gescheiten Teammanager installieren würde. Die Hintergründe dieser Entlassung und dieser in meinen Augen schäbigen Verhaltensweise werden wir wohl nicht erfahren. Es sei denn, jemand Internes süffelt wieder Plauderwasser und steckt den bösen Medien Details. Oder die Medien denken sich eben selbst was aus, dass sie das wild spekulierend können, dafür hat unser Grüßorth ja mit der schmutzigen Wäsche gesorgt. Danke auch dafür.

Wo wir gerade bei den Medien sind, also den Bösesten der Bösen: die “Falschmeldung” von Schuberts Entlassung, die Richtigstellung von Schuberts angeblicher Entlassung und die Bekanntgabe von Schuberts Nicht-Entlassung waren ein Sahneschnittchen. Ich als Medien hätte jetzt einen richtigen Krötenhals auf meinen Informanten. Obwohl ich wahrscheinlich wüsste, dass der Informant zu diesem Zeitpunkt richtig lag. Aber bei unserem Kirmeskarussell-Präsidium -jede Drehung eine neue Überraschung- würde ich als Informant lieber auch keinen mehr informieren. Was heute stimmt, kann morgen ein Skandal sein. Ein Entenskandal. René Marik würde sagen “Maulwurfn hier”, denn dass die Lokalpresse mit Informationen gefüttert wird, wird sicher niemand bezweifeln. Und natürlich möchte jeder der erste sein. Quote. Print wie Fernsehen. Was dieser Medienhype bewirkt, haben wir dann gestern wieder gesehen. Die hammerhärtestekultigstespannendstekrasseste Liga allerzeiten. Mit Einschaltquote. Alles richtig gemacht, die Initiative “Pyro legalisieren…” hat sicher wieder total positiven Auftrieb in der Öffentlichkeit bekommen gestern. Nicht.

Wozu braucht es eigentlich eine Relegation? Ich finde, 34 Spieltage sind ausreichend, um den Status als “die drei schlechtesten und die drei besten” zu zementieren. Relegation ist für die Medien, für den Kommerz, die Werbung. Nicht für uns. Zumindest nicht für die von uns, die mit einem Abstieg einfach nicht umgehen können. Für die nicht, für die Abstieg das Ende der Welt as we know it bedeutet. Das Leben zu Ende ist. Der Verein am Boden.
Wo waren wir denn mal? Fast pleite. Und heute bauen wir ein neues Stadion, haben knapp den Aufstieg in die 1. Liga verpasst und alles ist gut. Könnte gut sein. Wenn nicht gerade aus dem Magischen FC der Tragische FC wird, wie jetzt. Eins steht fest: meine Stimme bekommt dieses Präsidium nicht mehr. Einmal reicht.

Und zu guter Letzt:

Und dann war da noch die Sache mit Naki…

Deniz Naki verlässt also den Verein. Nicht wirklich glücklich, weil er wäre gern geblieben. Das kann man aus den Interviews deutlich hören. Und ich gebe zu, ich mag ihn, diesen hitzköpfigen, hochemotionalen Gefühlssturm auf zwei Füßen. Und niemals werde ich den Moment vergessen, der auf meinem Lieblingsbild of all times perfekt eingefangen wurde:

Ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich an die Szene denke und was dem vorangegangen ist. Diese Bilder bleiben in meinem Kopf und ich danke Deniz Naki für einen der großartigsten Fussballmomente meines Lebens. Keine Frage, durch diese Aktion hat er sicher in den noch zu schreibenden Geschichtsbüchern des FC St. Pauli verewigt und in den Herzen aller, die wissen, was dieser Tag dort bedeutet hat. Das mag Ihnen jetzt pathetisch erscheinen, ist es vielleicht auch, aber dann ist es halt so. Ein bisschen Pathos hat noch nie geschadet.

Aber -es war klar, dass ein Aber kommt, nicht wahr?- für mich ist es ok, dass er geht. Er geht, weil er sportlich in den letzten Jahren keine nennenswerte Entwicklung durchgemacht hat. Klar, er verbreitet Unruhe, wirbelt vogelwild umher – aber darüber hinaus ist es eben… nicht ausreichend. Da wir nach wie vor ein Fussballverein sind und es uns einfach auch nicht leisten können, alle zu behalten, an denen unser Herz aus was für Gründen auch immer hängt, muss dann eben immer mal wer gehen. Ansonsten hätten wir eine Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 50, wenn sie alle geblieben wären. Unruhe hat auch ein Morike Sako immer verbreitet, allerdings war der “außersportlich” auch tadellos. Kann man jetzt bei Deniz Naki nicht so sagen. Er hatte Disziplinprobleme unter Stanislawski und hatte sie auch unter Schubert. Wenn man den Medienberichten Glauben schenkt -und in diesem Fall scheint es mir wahrscheinlich, dass es sich so abgespielt haben könnte- kam Naki zum Training vor dem Paderborn-Spiel mal wieder zu spät, dreissig Minuten, und hatte dann noch einen dreisten Spruch Richtung Trainer auf Lager. Sollte es so gewesen sein, hätte er sein Abschiedsspiel von der Bank oder sogar von der Tribüne gesehen. Ja, klingt hart, aber wir reden hier von einem Fussballprofi, der mit der Disziplin so seine Probleme hat. Weder der letzte noch der jetzige Trainer haben das offenbar in den Griff bekommen, vielleicht schafft es der nächste. Oder die Zeit. Oder beides.

Ich mag den Deniz wegen seiner emotionalen, kantigen, unbequemen Art, manchmal habe ich das dringende Bedürfnis, ihm über den Kopf zu streicheln, wenn er so herzzerreissend weint wie am Sonntag. Oder auch mal vor Wut weint wie auch schon oft. Und wegen der Aktion in Rostock wird er auch immer einen Platz in meinem Herzen haben. Aber eben nicht mehr im Kader des FC St. Pauli zum jetzigen Zeitpunkt. Er hatte die berühmten 5 Minuten, die einen Fussballer des FC Sankt Pauli unsterblich machen. Er hatte ein Stadion, dass total “Naki” war. Solche Erlebnisse bleiben vielen Spielern verwehrt, er hatte sie und wird sie sicher auch nie vergessen.
Aber Fussballprofi sein ist eben auch kein Ponyhof und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Wir haben Lelle gehen lassen und auch Eger. Und Ralle. Und Ian und Jimmy und und… und so geht es weiter mit dem Kommen und Gehen. Das ist für mich ok. Es wurde ihm kein Vertrag angeboten, weil er sportlich nicht den Ansprüchen genügt. Nicht, weil man ihn verletzen wollte oder persönlich düpieren. Auch mit einer Ablehnung muss er lernen fertigzuwerden, genauso, wie er mit der ungeheuer herzlichen Akzeptanz und dem positiven Hype um ihn fertigwerden musste. Falls er das überhaupt schon ist.

Was die “Sperre” der Nummer 23 betrifft: da würden mir auf Anhieb einige Nummern einfallen, die mit der Begründung “für einen besonderen Spieler” schon hätten gesperrt werden müssen. Es haben sich schon viele in unsere Herzen gebolzt und sind da auch noch. Mindestens ja mal wohl alle Spieler der Jahrhundertelf. DAS wäre einge Begründung. Aber die Nummern gehen weiter. Und das ist gut so.

Wenn es überhaupt einen gibt, bei dem ich die Nummernsperre unterstützen würde, dann wäre das allenfalls Fabian Boll. Der ist für mich St. Pauli. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Also machs gut, Deniz Naki, die besten Wünsche für die Zukunft und nochmal danke. Du weisst schon….

Diese verrückten Paulis wieder

Dieser Tweet fasst die Situation beim FC Sankt Pauli sehr treffend zusammen, wie ich finde:

Wie soll man da blogtechnisch noch nachkommen? Seit letztem Donnerstag wurde das, was schon seit Monaten gärt, medientechnisch Mach-beschleunigt. Da kommt der Herr Wöckener mit einer “Pommes Braun-Weiß” fast gleichzeitig mit BILD-Spekulationen über Trainer-Ärger im FCSP-Paradies raus, die eigentlich so keiner richtig verstehen mag, weil am sportlichen Erfolg liegt es ja nun nicht, wenn man sich Spiele, Ergebnisse und und ansieht. Dass es “menschelt” oder auch “unmenschelt”, ist eine andere Baustelle, an der man schon viel länger mal hätte tätig werden können, aber auch Spekulationen über ein grottiges Timing sind irgendwie hinfällig.

Dann gewinnt der Magische FC am Sonntag souverän, befreit und beflügelt gegen Paderborn mit 5:0 und kurz danach verkündet die SportBild die Trainerentlassung. Auf diesen Zug springen sie dann nacheinander auf, das Abendblatt, die Welt Online, die Mopo – nur das Präsidium schweigt. Beharrlich. Da haben wir also gefühlt seit Sonntag 17.00 Uhr keinen Trainer mehr, der eine Teil versteht es, der andere nicht, der eine weiss mehr als der andere oder weniger oder nichts von den Hintergründen.

Was aber auch dann ganz schnell alles egal ist, denn es kommt die Pressekonferenz des Präsidiums mit dem Trainer. Und ohne den Sportdirektor und schwupps haben wir wieder einen Trainer. Oder anders: wir haben wieder einen Trainer, den wir nie nicht hatten. Können Sie mir folgen? Ich bewundere Sie.

Dass der Sportdirektor bei einer Pressekonferenz, in der es um wesentliche sportliche Entscheidungen geht, fehlt, mag dem einen oder anderen merkwürdig erscheinen. Mir übrigens auch. Aber das spielt keine Rolle, das fällt bei dem Rum-Geeiere des Präsidiums auch gar nicht weiter auf. Herr Schubert schlägt sich verbal gut, aber seinen Umgang mit Presse und Fans hat ja auch keiner jemals kritisiert, der ist -vor allem im Vergleich mit dem Herrn Orth- vorbildlich. Ganz anders als unsere Mediengranate aka Christian Bönig, der einen Sportchef ankündigt, der gar nicht kommt, dem Hernr Spies einen Gernot unterschiebt und auch ansonsten ein wunderbares Beispiel dafür ist, wie man es nicht macht. Und von dem Rest der anwesenden Medien-Profis bin ich auch nicht ganz so begeistert. Wenn ein Herr Schubert sagt, das Verhältnis zu Sportchef Schulte wäre genauso wie gestern, würde ich doch mal fragen, wie es gestern war. Unbequeme Fragen, um diese Stammelei mal ein bisschen konkreter zu machen, bleiben aus. Und alle sind zufrieden. Tatsächlich? Wirklich alle?

Ich persönlich finde es ok, dass man Schubert eine Chance gibt. Meinem Kenntnisstand nach lag es am zwischenmenschlichen Bereich, den man bemängelt hat und wenn man mal klare Kante macht und die Probleme auf den Tisch legt, ergibt sich durchaus im einen oder anderen Fall die Möglichkeit, die Dinge zum Besseren zu ändern. Über was man nicht spricht, kann man nicht ändern. Warum man so unfassbar lange gewartet hat, obwohl sich das seit Monaten abzeichnete, kann ich nicht sagen. Eine hohe Schmerzgrenze, extreme Leidensfähigkeit oder erstmal abwarten, wie das sportlich läuft? Was da maßgeblich war, ist schwer einzuschätzen. Wir werden sehen, was in der Sache Schubert weiter passiert. Die Quellen der SportBild und Co. waren nicht so richtig zuverlässig, aber es dringt ja immer mal was von der aktuellen Stimmungslage durch, früher oder später. Und ab 3. August werden wir spätestens sehen, wie die Spieler am Start sind. Mental. Was mir gerade so einfällt: der Teammanager in Personalunion Pressesprecher müsste doch eigentlich von den Befindlichkeiten der Mannschaft schon länger Kenntnis gehabt haben. Kommen sich da die Posten in die Quere oder hat er einfach nicht hingeschaut? Wobei dann wieder die Frage ist, ob eine solche Personalunion überhaupt wünschenswert ist und wenn es sie dann schon gibt, sie irgendwie doch nichts nützt bezüglich der schnelleren und kürzeren Kommunikationswege?

Sie sehen, es geht wieder um alles, nur nicht ums Sportliche. Das nervt. Echt.

Edit: Wusste doch, die Omma hatte Recht: alles kommt zu dem, der warten kann. In diesem Fall eine umfangreiche Linksammlung zu diesem und anderen Themen bei @derUebersteiger

22.04.2012 FC Sankt Pauli vs. Hansa Rostock 3:0

Was für eine Freude! Nicht nur, dass man endlich mal wieder über etwas Sportliches schreiben kann, sondern dass es viele erfreuliche Dinge gab am Spieltag. Sports first.

Doppelpack von Ebbe, wunderbar. Wer noch vor kurzer Zeit meinte, wir bräuchten neue Stürmer, senke sein Haupt und schweige. Der, den wir haben, kann es ganz gut. Hätte es sogar noch deutlich besser gekonnt, die 100%ige und die zwei Minuten später 200%ige hätte er reinmachen müssen. Auch mein kleiner Fin hätte nach dieser prima Doppelaktion, in der er seine Gegenspieler wunderbar ausgetanzt hat, den Ball eintüten müssen. Hat er nicht, hat er aber dafür später. Was mich wie immer besonders freut. Tschauner im Tor hat was Beruhigendes für mich, ich glaube aber, dass, wenn er mal so richtig gefordert würde, er noch mehr aufdrehen könnte. Der Mann, auf dessen breites Kreuz locker ein Doppelname aufs Trikot passen würde, tut mit seiner souveränen, unaufgeregten Präsenz sehr gut. Nicht nur meinen Nerven. Heute hat mir die Mannschaft gut gefallen. Weniger die Fehlpässe und das Verdaddeln, sondern der ständige Druck und Zug nach vorne, immer wieder anrennen, versuchen, den Rostockern keine größeren Räume lassend, Bälle zurückerobernd, die man verdaddelt hat und das 90 Minuten lang. Von einem Sitzplatz in der Nord ganz oben im Gebälk aus betrachtet, kann man die Raumaufteilung, die Spielzüge und die Bewegung sehr gut sehen, ein anderes “Guckerlebnis” und kein schlechtes.

Dieses Spiel war aus vielen Gründen wichtig. Koggeversenken ist so ziemlich das wichtigste in einer Saison, in der der HSV nicht zu einem Pflichtspiel zu Gast ist, schürt bei vielen noch das Quentchen Relegationshoffnung und hatte aufgrund der äußeren Umstände, der Aussperrung der Gästefans und all der Diskussionen um Support, Solidarisierung und Polizei noch eine besondere Bedeutung. Wieviele St. Paulianer tatsächlich draußen geblieben sind, konnte man der Optik im Stadion nicht gut entnehmen. Die Süd war relativ gut gefüllt, wahrscheinlich mit etwas mehr Raum für den Einzelnen, aber nicht leer bzw, halbleer. Ein größerer Fleck leere Business Seats -die geradezu nach Rückbau betteln- aber ansonsten…

Die Stimmung. Was soll man sagen? Es gab sie. Keine schlechtere und keine bessere als sonst, eben anders. Einzelne Bereiche schienen die Möglichkeit des ungehemmten Aufblühens zu nutzen, selten habe ich die Haupttribüne so entfesselt erlebt, nachdem klar war, dass sie tatsächlich mitmachen sollten. Natürlich ist es schwer, ohne “Koordinator” so auf Anhieb alle Gesänge und Wechselgesänge hinzubekommen in gewohnter Qualität. Aber es gab das Aux Armes, es gab Wechselgesänge mit allen Kurven, es gan “das ganze Stadion” und dazwischen sehr viel spielbezogenen Support. Daraus abzuleiten, dass USP überflüssig ist, ist genauso falsch wie zu behaupten, dass es ohne USP nicht geht. Wenn sich diese Erkenntnis durchsetzt, gibt es vielleicht eine Möglichkeit, allen Supportwilligen Räume zu lassen, um das große Ganze wieder zu vereinen. Der eine mag spielbezogenen Support, der andere USP-Gesänge und es kann beides nebeneinander existieren. Wenn die einen sich etwas zurücknähmen und dafür die anderen etwas mehr aus sich herauskämen – es wäre unfassbar gut.

Alles in allem war das ein ungewöhnliches, aber sehr erkenntnisreiches Stadionerlebnis heute mit sehr viel Fussball. Auch mal schön.

Zu dem “draußen” kann ich nicht viel sagen, von der Polizeipräsenz habe ich weder auf dem Hinweg noch auf dem Rückweg viel bemerkt, es war nicht mehr und nicht weniger als sonst bei Fussballspielen, wenn man die “Hot Zone” umgangen hat. Was aber nach übereinstimmenden Berichten das für mich erstaunlichste ist, ist, dass die Demo der Hansa Rostock Fans absolut zwischenfallfrei und friedlich abgelaufen sein muss. Da muss ich hier an dieser Stelle zugeben, dass ich das niemals für möglich gehalten hätte und gerade deswegen den Demonstranten der Rostock-Fans größten Respekt zolle. Es freut mich für die paar Rostocker, die ich kenne bzw. mit denen ich näheren Kontakt habe, besonders. Und in diesem Fall freue ich mich auch, dass ich mich geirrt habe und sich diese Spirale zumindest an dieser Stelle nicht weitergedreht hat. Kompliment an die Koordinatoren der Demo und die Teilnehmer. Ehrlich. Ebenfalls Respekt für die, die tatsächlich das ganze Spiel draußen geblieben sind, um für ihre Ideale einzutreten. Ob man die Ansichten über das wie und wann teilt oder nicht, weiß man doch um das Opfer, das dafür gebracht wurde, nämlich dieses Spiel nicht zu sehen. Das verdient Anerkennung, ohne wenn und aber.

Was sich ansonsten abgespielt haben mag, kann ich nicht einschätzen. Es gibt wie immer Berichte von Fans und Berichte der Polizei. Das eine Video mit der jungen Frau, dass dutzendfach bei Twitter und Facebook verbreitet wurde, kann ich nicht einordnen. Frage mich nur, warum sie da nicht weggegangen ist, warum sie nicht mit dem großen Typ, der sie dort weg holen wollte, mitgegangen ist. Was genau sich da abgespielt hat, gibt das Video nicht her. Wie sagte @ChrissiHH so treffend: beide “Seiten” tragen da offenbar nicht zur Deeskalation bei. Das ominöse Flugbaltt der Polizei an die Anwohner des Viertels, das mit großer Empörung verbreitet wurde, habe ich im Viertel nirgends gesehen, auch am Wohnhaus selbst nicht und auch nicht auf dem Hin- oder Rückweg. Vermute ein eskalierendes Fake dahinter, mittlerweile sind sich die Ursprungsverbreiter auch nicht mehr so sicher, was die Echtheit angeht.

Da fällt mir eine kleine Begebenheit aus Frankfurt, beim nachgewiesen friedlichen Umfeld ein, als wir den Gästbelock betreten wollten. Da standen ein paar Uniformierte, einer davon mit einem Aufnäher “BESI” auf der Jacke. Als ihn einer von uns ansprach, weil er wissen wollte, was das bedeutet, ging im gleichen Moment ein angespannter Ruck durch die Polizisten. Als wäre man drauf gefasst, dass es gleich Ärger gibt. Als dann die harmlose Frage kam und man auch noch scherzte, liess die Körperspannung sofort nach. Wenn man bedenkt, dass das im Umfeld von friedlichen Fangemeinden dennoch so ist, kann ich mir ungefähr vorstellen, wie dünn das Nervenkostüm aller Beteiligten in Situationen wie heute sein muss.

Schade, dass offenbar -die Berichte widersprechen sich auch nicht von offizieller und Fan-Seite- wieder ein paar verstrahlte (scheinbar trittbrettfahrende) Krawallbrüder, die “dem Umfeld des FC St. Pauli zuzuordnen sind” (ist man aber schon, wenn man ein Totenkopf-T-Shirt-trägt), die Gelegenheit genutzt haben, ihrem Erlebnisdrang mit Team Green freien Lauf zu lassen. Sollten tatsächlich Feuerwerkskörper auf die Pferde der Reiterstaffel geworfen worden sein, ist das allerdings ganz mies und geht überhaupt nicht.

Was ansonsten da genau wo passiert ist und wer da einen Laden entglast hat, wer Flaschen geworfen hat und und und, weiss ich nicht. Verschwörungstheorien, dass Polizisten in zivil die Gelegenheit genutzt hätten, durch die Landenentglasung wieder etwas mehr Hass zwischen St. Pauli und dem HSV zu schüren, halte ich allerdings für abwegig. Ist nur meine Meinung, aber wer auch immer es war, hat dafür gesorgt, dass in Kürze wahrscheinlich das Jolly Roger auch wieder Ziel von Attacken wird. Auge um Auge. Das übliche.

Ebenfalls überrascht haben mich die ersten Blogberichte zum Spiel und den äußeren Umständen, die ich gelesen habe. Hätte ich auch in dieser erfreulich sachlichen und vor allem objektiven Art nicht erwartet. Wir hatten wohl heute alle zumindest Freigang aus dem Denkgefängnis und da schliesse ich mich auch nicht aus.

Einge ganz besondere Blogempfehlung gilt dem Hanseator und seinem Bericht als Gästefan am Millerntor auf der Gegengeraden.

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