Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Fans, Fanatiker und Fussballzauber

Mir war gerade ein bisschen retro seasonal. Aus aktuellem Anlass, den „Fan“-Krawallen in Klagenfurt und Frankfurt, unabhaengig von der Nationalitaet peinlich und abstossend. Zu dem Thema hatte ich das schon mal geschrieben und in den Entwuerfen vergessen. Ab damit ins Sommerloch.

Hooligans
Quelle: vienna.at

Nach dem Spiel gegen Kickers Offenbach stand wieder einmal Fansupport zur Diskussion. Man kann drueber streiten, was man unter „asozial“ und „niveaulos“ oder „angemessen“ und „fussballkonform“ bezeichnen darf, aber Fangesaenge wie AWH und Hasstiraden -gegen wen auch immer- sind einfach nicht mein Ding. Man kann provozieren, Stimmung anheizen, die Mannschaft anfeuern, den Gegner verunsichern, aber manches muss einfach nicht sein. Auch die „lilaweisse Osna*******“ gehoert dazu, die aus dem eigenen Lager kam.

Es gibt eine Menge Fussballfans, die vor und nach dem Spiel mit gegnerischen Fans feiern, waehrend des Spiels aber kein Pardon und keine Freunde kennen. Aber ohne dass es Feinde sind. Hass ist ein grosses Wort, mit dem immer gerne kokettiert wird. Ich finde Rivalitaet, Kampfgeist und feurigen Support absolut korrekt, aber mit Hass darf das nichts zu tun haben. Ich glaube, fuer manche ist die Grenze einfach zu fliessend, sie koennen nicht unterscheiden, wo die Rivalitaet aufhoeren muss.

Die hoert spaetestens bei Fascho-Spruechen, rassistischen Beleidigungen und solchen Chants wie AWH auf, zu taetlichen Uebergriffen darf es keinesfalls kommen. Ich bin der Ansicht, dass die, die sich pruegeln, den Fussball nur als Vorwand fuer ihre generelle Gewaltbereitschaft vorschieben und das hat mit Fan-Tum nichts mehr zu tun. Wenn sich die wenigstens noch separat anrandalieren wuerden, waere es mir ja auch egal, sollen sie sich die Koeppe einschlagen, es trifft dann auf beiden Seiten nicht die Falschen. Aber unschuldige Bystander in diese Pruegeleien zu verwickeln oder billigend in Kauf zu nehmen, dass diese verletzt werden, geht gar nicht.

Das erinnert mich an den Vorfall in der Strassenbahn nach dem Spiel gegen FC Koeln, wo so ein paar geistesschwache Vollhonks die Scheiben einschlugen, Feuerwerkskoerper in die Bahn warfen, so das Ding in Brand setzten und dabei billigend in Kauf nahmen, dass nicht nur das Ziel ihrer hirnbefreiten Attacke -ein paar St. Pauli Ultras- verletzt wurde, sondern auch unbeteiligte Passagiere und in der nachfolgenden Pruegelei das Ganze noch auf die Spitze getrieben haetten, wenn die Polizei das nicht relativ schnell im Griff gehabt haette.

Ich hasse es, wie Schlachtvieh auf einem Parkplatz zusammengetrieben zu werden und mit Polizeieskorte Marke „Rundum sorglos“ zum Stadion gefuehrt zu werden. Wieviel schoener ist sowas wie in Mainz am letzten Spieltag, wo sich die Fans vor dem Stadion mischten und gemeinsam feierten oder auch in Moenchengladbach, wo man zwar ein Auge auf die Fans hatte, aber da letztendlich vor und nach dem Spiel alles auch problemlos durcheinander lief. Oder in Wiesbaden, wo man mit einem netten Transparent begruesst wird und die Polizeipraesenz gerade mal erkennbar war, aber eigentlich nicht noetig. DAS sind die Fussballspiele, in deren Dunstkreis ich mich gerne aufhalte. Ich will keine Steine in Fanbusse und vor dem Spielende weghasten muessen aus Angst, da noch Pruegel zu kassieren, wahrscheinlich unabhaengig vom Spielausgang. Da gruselt es mich jetzt schon vor einer ganz bestimmten Paarung, bei der ich unumwunden zugeben muss, mich da wohl nicht einzufinden. Einfach so, weil mir meine persoenliche Sicherheit dann doch noch mehr bedeutet als ein Fussballspiel.

Davon abgesehen wuerde ich das „denen“ goennen, ein Stadion ohne gegnerische Fans. Vielleicht wuerden sie sich in ihrem besoffenen Kopf dann selbst untereinander die Rohrstoecke auf den Schaedeln… und auch ohne die Einnahmen aus dem Gaesteblock… merkt man, dass ich gerade ein bisschen die Contenance verliere? Macht nix, man kann nicht immer politically correct sein.

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2 Gedanken zu „Fans, Fanatiker und Fussballzauber

  1. Ja, Krawalle sind nationalitätenunabhängig peinlich und vor allem ärgerlich. Ich kann menschen nicht leiden, die meinen sie müssten sichdurch Gewalt – ob gegen Dinge oder gegen Menschen – profilieren. Und noch mehr kann ich es nicht leiden dass diese verhaltensauffälligen sich ausgerechnet Fußballereignisse aussuchen um sich abzureagieren.

    Bitte entschuldigen Sie, wenn ich gleich etwas explizit werde.
    Aber: Was die „Beschimpfungen“ angeht sehe ich das etwas differenzierter. Liegt vielleicht auch an der jeweils persönlichen Bewertung der Begriffe. „Scheisse“ ist für mich ein Allerweltswort. Es wird genutzt wenn der Kaffee alle ist, das Handy vergessen, das Klo besetzt. Und damit hat es für mich keinen intensiv negativen Wert mehr. Kreativ war das ganze nicht, aber den negativen Hype fand ich doch etwas überzogen.

    Auch AWH ist – ohne Frage niveaulos und so gar nicht meins – aber am Ende doch nur dumm und langweilig. Aufregen würde ich mich über Faschosprüche. Keine Frage. Aber die Welt hat sich glaube ich einfach weiter gedreht was die Nutzung bestimmter Begriffe angeht. Schauen Sie auch nach Amerika. Fuck ist dort so dermassen präsent. Auch wenn es ausgebiept wird.

    Letzter Punkt: Verbale Entgleisungen sind *nie* ein Argument für Gewalt. Wer sich von sowas derart provozieren lässt sollte evtl. doch mal über eine Therapie nachdenken. Dazu gefällt mir die Attitüde die wir einst im Stadion hatten. Beschimpfungen durch die Gästekurve? Klasse. Applaus im ganzen Stadion.

  2. Werden Sie nur explizit, keine Entschuldigung noetig!

    Zustimmung eigentlich durchweg. Wobei „lilaweisse Osnasch***“ fuer mich mit dem normalen Shysse nichts mehr zu tun hat. Dumm und langweilig und aggressiv-provokant gehen ja meistens irgendwie einher. Kommen aus der gleichen Ecke. Deswegen mache ich da keinen so grossen Unterschied.

    Therapievorschlaege taeten da gut, aber man muss auch einsehen, dass man eine braucht und an dieser Einsicht duerfte es da grossflaechig mangeln, befuerchte ich.

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