Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Was nun, Herr Zwanziger?

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Unglaubliche Vorfälle im Ostseestadion bei der Partie Hansa Rostock gegen FC St. Pauli. Nachdem es bereits im Vorfeld zu Ausschreitungen zwischen den Fans gekommen war, verliessen Trainer und Mannschaft des FC St. Pauli nach rassistischen Ausfällen gegenüber dem farbigen Spieler Morike Sako geschlossen das Spielfeld.

Beim Stand von 2:0 in der 68. Minute kam es von Rostocker Seite zu rassistischen Beschimpfungen Sakos. Dieser versuchte zunächst unbeeindruckt davon weiterzuspielen, als jedoch zu den Rufen noch deutliche Affengeräusche erklangen und auch der Schiedsrichter keine Veranlassung sah, einzugreifen, rief der Trainer des FC St. Pauli, Holger Stanislawski, seine Mannschaft an die Seitenlinie. Nach Rücksprache mit dem dazugekommenen Schiedsrichter, der offenbar keine Anstalten machte, die Geschehnisse in den Griff zu bekommen, verliessen Stanislawski und seine Mannschaft den Platz Richtung Kabine, unter frenetischem Beifall ihrer Fans in der Gästekurve.

Stanislawski: „Es kann einfach nicht angehen, dass eine Gastmannschaft in dieser Art und Weise behandelt wird. Meine Spieler und ich sind uns einig, dass wir als Mannschaft füreinander einstehen und es ist nicht akzeptabel, dass sich Mo dem aussetzen muss ohne jegliche Gegenwehr. Weder der Stadionsprecher noch der Schiedsrichter sahen sich in der Lage, diesem Treiben ein Ende zu setzen und da ist es für uns ganz klar, dass wir unter diesen Umständen lieber die drei Punkte in Rostock lassen als das zu tolerieren. Mir persönlich sind die Konsequenzen, die unser Verhalten möglicherweise von Seiten des DFB nach sich zieht, angesichts der Tatsache, dass gerade der DFB sich auf die Fahne geschrieben hat, gegen Rassismus unerbittlich vorzugehen, schlichtweg egal. So etwas ist nicht tolerierbar und meine Mannschaft und ich müssen das nicht hinnehmen.“

Der Kapitän des FC St. Pauli, Fabio Morena, ist der gleichen Ansicht.
Morena: „Als Herr Stanislawski uns an die Seitenlinie rief, hatte ich schon so eine Ahnung, um was es ging. Ich habe selbst die ganze Zeit schon gedacht, Mensch, da muss doch jemand was unternehmen, aber nichts ist passiert. Ich stehe voll und ganz hinter der Entscheidung und bin froh, dass wir das Spiel abgebrochen haben. So etwas hat Mo nicht verdient, keiner hat so etwas verdient und uns ist eine Strafe in dem Zusammenhang auch egal. Sollen sie doch.“

So und ähnlich lauten die Stellungnahmen der Spieler zur Entscheidung des Spielabbruchs.
Auch der Präsident des FC St. Pauli, Corny Littmann, begrüsst das Verhalten seines Trainers und er Mannschaft. „Es ist nicht hinnehmbar, dass es im Rahmen eines Fussballspiels zu solchen Auswüchsen kommt. Die Wechselgesänge an die „schwulen Hamburger“ -und das sage ich nicht nur, weil ich homosexuell bin- sind bereits jenseits der akzeptablen Schmähgesang-Grenze, aber schlimmer noch ist für mich der offen zur Schau gestellte Rassismus von Rostocker Hooligans und da ist es mir egal, ob das „Fans“ oder „Nicht-Fans“ sind. Ich sehe der Stellungnahme des DFB gelassen entgegen, obwohl ich wie in der Vergangenheit nicht das erwarte, was der DFB eigentlich als verantwortliches Organ leisten müsste. Es wird wohl so ausgehen, dass wir wegen des unerlaubten Spielabbruchs eine Strafe werden bezahlen müssen, natürlich sind die Punkte weg, aber das ist es uns einfach wert. Jemand muss ein Zeichen setzen und das sind dann nun eben wir. Wenn man immer über mögliche Konsequenzen nachdenkt, verpasst man auch mal eine Gelegenheit, sich deutlich zu positionieren. So eine Gelegenheit haben wir heute ungewollt bekommen.“

Der Trainer von Hansa Rostock, Frank Pagelsdorf, wollte sich auf unsere Nachfrage nicht äußern, ebensowenig der Sicherheitschef des Vereins, Jörg Hübner, dem vermehrt Versagen in der Organisation und dem Einsatz des Ordnerteams vorgeworfen wird.

Die Fans des FC St. Pauli tragen diese Entscheidung mit und sind begeistert davon, wie ihre Mannschaft in dieser Situation reagiert hat. Stimmen aus der Gästekurve:
„Stani hatte völlig Recht, man muss einfach mal deutlich machen, so geht das nicht. Als ich mitbekommen habe, dass die das Spielfeld verlassen, nachdem das mit Mo immer schlimmer geworden ist, dachte ich, mein Gott, was ist das für ein geiler Verein, den ich da liebe.“

„Als sie vom Spielfeld runtergingen, hab ich Gänsehaut bekommen, das war ein unglaublicher Moment und ich war so stolz auf die Truppe und meinen Verein und ich bin froh, dass ich heute mitgekommen bin, obwohl ja im Vorfeld schon klar war, dass es sicher Ärger geben würde, aber allein das hier heute mitzuerleben, wie die zusammenhalten gegen diese Idioten, das ist der Hammer.“

Man darf gespannt sein, wie der DFB auf diese Geschehnisse reagiert und welche Regularien da wohl greifen mögen, aber eins steht fest: der FC St. Pauli hat heute Fußballgeschichte geschrieben und klar und deutlich signalisiert, dass für Rassismus im Stadion kein Platz ist. Man möchte sich wünschen, dass diese klare Position honoriert wird statt bestraft, aber auch wenn das eine vielleicht finanziell teuer Angelegenheit werden mag -beim DFB weiss man nie-: der FC St. Pauli hat heute bewiesen, dass „united we stand“ nicht nur eine Phrase ist. Bei St. Pauli ist das Programm.

Natürlich handelt es sich bei diesen „Nachrichten“ um schlichte Fiktion und natürlich hat sich das nicht so abgespielt. Ausser den rassistischen Ausfällen gegenüber Sako. Und natürlich hat keiner der Beteiligten das ausgesagt. Nur bei Pagelsdorf konnte ich bei der Wahrheit bleiben, der hat ja nichts gesagt. Aber so etwas würde ich mir wünschen als Reaktion auf die Vorfälle im Ostseestadion, das wäre eine Möglichkeit gewesen zu sagen „NEIN, nicht mit UNS“ und so etwas würde auch zu dem Verein passen. Das ist eine Fiktion, wie man sich wehren kann, fernab von Erwägungen von Konsequenzen. Was soll schon passieren und vor allem: wäre es das nicht wert gewesen, angesichts des Medienechos, das es mit Sicherheit gegeben hätte? So etwas ist noch nie dagewesen, aber es scheint an der Zeit zu sein, dass so etwas mal passiert. Und ich weiß, würde ich in der Gästekurve stehen und die Mannschaft würde geschlossen das Spielfeld verlassen, um zu zeigen, dass sie füreinander einstehen als Mannschaft – ich weiss, ich hätte geweint.

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11 Gedanken zu „Was nun, Herr Zwanziger?

  1. Ich hätte sicher mitgeheult. Leider nur ein Traum. Im Profifußball wird er nie wahr und im Amateurbereich nur mit Strafen belohnt. Trotzdem: Danke für den Bericht und Traum.

  2. Gern geschehen. Ich hab da diesbezüglich einige. Träume. Und wenn sie schon nicht wahr werden, träume ich sie trotzdem gern mal zwischendrin.😉

  3. stunner sagte am :

    ja ist ein schöner feuchter traum😉
    nur leider würden bei einem solchen verhalten der mannschaft die rassistischen schmähgesänge sehr schnell zunehmen, weil man so ja leicht an die punkte kommen würde.

  4. Das käme dann nun wieder auf die nicht zu Ende geträumte Reaktion des DFB an.

  5. Ja, das hätte man sich gewünscht, so eine Zuspitzung, die das Thema „zwanzläufig“ zur Diskussion bringt. Habe übrigens sowohl in der FR, der Sueddeutschen oder dem HA vergeblich auf einen Hinweis auf Corny Littmanns Brandbrief gewartet.

    Ich habe heute Nacht geträumt, dass wir Paulianer am Sonntag gegen Aachen ienfach die ganze Zeit selbst „Scheiß St. Pauli“ singen. Das wäre doch eine schöne Selbstdeutung des Begriffes😉

  6. sehr interessanter Beitrag

    vor allem, weil ich vom tatsächlichen Geschehen nichts wusste und so dachte, es wäre wirklich so gewesen^^
    aber wäre wirklich interessant so ein Ausgang

  7. Ich betrachte das mal als Kompliment😉
    Komischerweise kann ich mir dieses Szenario wirklich gut vorstellen, es ist ja nicht so abwegig. Beim Magischen FC ist nichts wirklich undenkbar, das lässt der Phantasie eben manchmal freien Lauf.

  8. Le Roi sagte am :

    International hat es das nach meiner Erinnerung auch schon gegeben. Aber mir will beim besten Willen nicht mehr einfallen wo. Italien? Spanien?

    Wenn ich das in D jemand zutraue, dann wirklich Stani und unserem Verein. Wobei ich in HRO nicht war und so nicht beurteilen kann, wie ausgeprägt die Rufe waren.

  9. Robsen sagte am :

    Ich muss mal ein Kompliment loswerden: Ein Spitzenartikel! dickes Lob!

  10. Vielen Dank, Robsen, freut mich. Ich favorisiere dieses Szenario immer noch. Insbesondere mit Ausblick auf übermorgen wäre es nicht schlecht gewesen…

  11. tom sagte am :

    Schöner Beitrag,
    eine kleine Ergänzung hinsichtlich der Einleitung vielleicht noch:

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