Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Die kleine Bierbecherwerflaus

frei nach Loriot und Bernhard Grzimek
Ich hätte das ja gerne als Podcast gelesen, aber wie Sie sehen, habe ich es nicht gemacht. Aber vielleicht mach ichs noch.

„Heute möchte ich mit Ihnen über die kleine Bierbecherwerflaus sprechen. Dieses possierliche Tierchen ist leider in Europas Stadien trotz aller Bemühungen noch nicht ganz ausgestorben. Wie schon bei so vielen Geschöpfen auf der Erde hat Mensch durch übertriebene Kultivierung diese Spezies zunächst explosionsartig vermehrt.

Auch mit bloßem Auge ist die kleine Bierbecherwerflaus leicht zu erkennen. Bis vor einigen Jahren lebte die kleine Bierbecherwerflaus noch zu Tausenden in deutschen Stadien und schüttete hektoliterweise Bier über schutzlose Umstehende, teils aus Freude über ein Tor, teils aus Ärger über eine Schiedsrichterentscheidung. Dabei scheint es der kleinen Bierbecherwerflaus auch völlig egal zu sein, dass es ihr Geld ist, was sie in Bierform über der Menge verteilt. Die schlaue kleine Bierbecherwerflaus aus dem Aachen-Spiel hatte sich sogar in weiser Voraussicht zwei Bier mitgebracht, um noch eins übrig zu haben, wenn das erste geworfen wäre.

Auch mahnende Worte haben bei der kleinen Bierbecherwerflaus keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, so kann man also davon ausgehen, dass die Evolution bei der kleinen Bierbecherwerflaus eine gewisse Erkenntnisresistenz eingearbeitet hat. Zumindest bei diesem Exemplar war das deutlich erkennbar. Aber trotzdem, meine Damen und Herren, werden die Bemühungen zur Ausrottung der kleinen Bierbecherwerflaus unvermindert weitergehen.“

Schade, dass ich kein Bier mehr übrig hatte, weil ich es lieber trinke. Ich hätte gerne der kleinen Bierbecherwerflaus das zurückgegeben, was sie so voreilig über die Menge goß. Am besten trichterartig in den Kragen eingefüllt.
Ich bekenne mich hier als Unterzeichnerin der Initative gegen Becherwürfe.

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4 Gedanken zu „Die kleine Bierbecherwerflaus

  1. Bierbecherwerfen ist neben verbalen Ausbrüchen (die es zum Glück am Millerntor seltener gibt) mit das Asozialste, was Menschen im Stadion tun können. Auch wenn ich noch so viel Verständnis für Wut oder sonstige Emotionen aufzubringen vermag, fehlt mir jedes Verständnis für das Mit-Bier-Bespritzen der unter der Wurfkurve Stehenden.

    Bravo, dass Sie uns Einblick in das schäbige Treiben der kleinen Bierbecherwerflaus gegeben haben und möge diese fiese Spezies bald auf der Liste der bedrohten Wurfarten stehen.

  2. Abgesehen davon, dass offenbar 3,50 Euro für einen Becher Bier für die Flitzpiepen eindeutig nicht teuer genug sind, finde ich das überdies höchst merkwürdig, dass man seiner Freude oder seinem Ärger durch Rumschütten von Bier auch noch auf Fan-Kollegen Ausdruck verleihen muss. Und witzig ist auch anders.
    Und wer einmal einen halbvollen Becher auf den Kopf gekriegt hat, wird das ähnlich sehen.

    Unter Artenschutz fällt die gemeine Bierbecherwerflaus bei mir jedenfalls nicht.

  3. feyenoorder sagte am :

    sehr rührend geschrieben dafür ein dickes lob aber eigentlich macht grade das bunte flair an bierbecherflausen.studenten und andere glaubens und lebensrichtungen den flair am millerntor aus …viva sankt pauli ^^

    • Ich nehm sie alle, die flairigen Studenten, Punker, Banker, Girlies und Hausfrauen, Buddhisten, Katholiken und Freidenker, die Hausbesetzer, die Villenbewohner und die Hausbootfahrer, die Fischerchöre, die Meckerecken und auch die Business-Seats – aber nicht die Bierbecherwerfer, da bin ich bockig😉

      Viva St. Pauli trotzdem!

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