Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Schiffe versenken – das war ein Dreier! FCStP vs. HRO

tafel

Was hatte ich den ganzen Tag ein mulmiges Gefühl. Schon morgens um 9 dem Team Green an der Davidwache beim Beladen der Mannschaftswagen mit allerlei Utensilien zugesehen, die waren für alles gerüstet. So was macht nicht gerade entspannt, das steht fest. Das war eher wie ein Termin beim Zahnarzt, vom Wohlgefühl her gesehen.

Vor dem Spiel Verteilung von kleinen braunen Fahnen auf der Süd. Rechts vom Tor. Kurz danach erkannt, wofür die Plastikabsperrungen gen Mitte des Blocks gedacht waren: weiße Fahnen, rote Fahnen, weiße Fahnen und wieder braune Fahnen. Konfetti zu Hell´s Bells, Fahnenmeer – großartige Anfertigungsleistung aller Beteiligten. Ich suche noch ein Bild davon, war ja selber mittendrin.

fahnenmeerrostock
Danke an Twitterer markymarked

Und dann die erste Halbzeit. Kaum, dass sie begonnen hatte, schien das Spiel schon vorbei. Den Geschwindigkeitsrekord für zwei Gegentore erneut lässig unterboten, eine unterirdische Leistung einer Mannschaft, die wieder mal nur den Körper, aber anscheinend nicht die Köpfe mit aufs Feld gebracht hatte, ein planos umherirrender Hühnerhaufen. Dazu geschlossener und für die geringe Gästeanzahl beeindruckender Support der Gästekurve, die hatten ja nur ihre Schals. Und zwei Transpis. „lieber die Kogge in Seenot als auf der Alster im Tretboot“ fand ich sogar noch ganz witzig, das andere -irgendwas mit Muschis- dann eher wieder HRO-style, aber damit konnte man soweit gut leben. Aber leider war auch die Rostocker Mannschaft auf dem Platz eine geschlossene Einheit. Besonders auffällig gleich von Anfang an der Finne mit der Nummer 15 und der Fin mit der 27.

Also zur Freude des hoffnungsvollen Dieter Eilts, der gerne seinen Job behalten würde, alle mit 0:2 in die Kabine. Stani nach gefühlten drei Minuten wieder da, mit versteinertem Gesicht. Was hat er in der kurzen Zeit gesagt? „Jungs, Ihr geht mir sowas von auf die Nüsse, mehr hab ich nicht zu sagen?“ Viellleicht sowas in der Art, dazu aber dann auch DREI Neue auf dem Patz beim Einlauf zur zweiten Habzeit: Brunnemann, Bruns und Hennings für Trojan, Ludwig und Schultz.

Das war kaum zu glauben, das würde wohl auf der Fußballschule keiner empfehlen, was für ein Risiko! Und wie sauer muss Stani gewesen sein, um das zu riskieren? Aber breite Zustimmung von den Rängen, zumindest rund um mich herum wurde die Herausnahme von Trojan und Ludwig begeistert aufgenommen, Kapitän ist jetzt Boll. Zurückgekommen sind die zwei Rasenkasper auch nicht, die Plätze auf der Auswechselbank blieben leer. Gleich Duschen und heim?

Egal. Bevor man intensiver drüber spekulieren kann, Pyroaktion im Gästebock. Rote und grüne Raketen, Bengalos, Rauch im Stadion – der ansonsten völlig überforderte Schiri Wingemann (wer auf die Idee gekommen ist, einen 29jährigen mit 13 Bundesligaspiel-Erfahrungen bei so einer Partie einzusetzen, verdient auch den „Danger Seeker des Jahres“) unterbricht das Spiel, schickt alle in den Gang. Erst nach Ansprache von Rostocks Trainer und dem herbeigeflitzten Rydlewicz wieder Ruhe im Block, das Team Green und die zahlreich erschienen Gelbbejackten hätten das wohll alleine auch nicht in den Griff gekriegt.

Und alle wieder auf den Platz und inmitten der Rauchschwaden steht der Mannschaftskreis, inklusive der drei Neuen und ich krieg alleine beim Betrachten dieses Bides (mit freundlicher Genehmigung von Twitterer fcstpauli) schon wieder Gänsehaut,

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und schwört sich neu ein und der Rauch verzieht sich und was dann auf dem Platz stand, war eine kompett ausgewechselte Mannschaft, im wahrsten Sinne des Wortes. Bis dato waren nur der kleine Hoilett und Sako irgendwie als dauerhaft bemüht aufgefallen, aber was dann kam, das fasse ich bis jetzt noch nicht. Brunnemann, gelaufen, gerannt, gekämpft, gebissen, gegrätscht, mit blutigem Knie -so Bruce Willis-mäßig, wie ich es mir gewünscht hatte- und Hoilett immer noch schnell wie ein Pfeil und Hennings so kopfballstark, wie ich ihn vorher noch nicht gesehen habe und alle anderen mit Druck, mit Herz, mit Willen. Und dann fällt Brunne im Strafraum (in der Nachbetrachtung war das kein Elfer, aber der nicht gegebene für das Foul an Hennings kurze Zeit später gleicht das wieder aus) und ungaublicherweise geht Sako auf den Elferpunkt und man denkt „Oh mein Gott Sako????“ und dann spürt man diesen besonderen Moment, das ist symbolhaft, Sako soll es machen und er macht ihn! 1:2 und das Millerntor ist ein Hexenkessel, wir haben wieder Hoffnung und weiter gehts, sie lassen nicht nach, das ist der Hammer!

Das Stadion ist wieder wach, der Millerntor-Roar zurück und ein bißchen Hoffnung auch und wir schreien und sie laufen und pressen und auf einmal können sie Kurzpässe und auch, wenn viel danebengeht, sie geben alles. Alle.
Und dann nickt der der kleine Hoilett per Kopf einen Aufsetzer ein, cool und abgeklärt und der Ausgleich ist da und mein Trommelfell platzt und die Kurve expodiert und das Stadion minus Gästekurve ist ein einziger Jubelschrei und es ist unglaublich! Und im Stillen wäre man zufrieden, wenn das Unentschieden gehalten werden könnte, aber bei Rostock geht nichts mehr zusammen, also weiter, Jungs, siegt für uns! Und irgendwann wird Eger böse gelegt und verletzt sich am Fuß, aber auswechseln ist ja nicht mehr, also Zähne zusammenbeissen und weiter und er macht das auch, so wie sich das gehört, echte Kerle eben, Aufgeben geht jetzt nicht.

Und dann vor dem Rostocker Tor Gewusel, Rothenbach, Hennings, Hoilett und der Torwart und auf einmal versenkt ihn der kleine Hoilett und es steht 3:2 in der 83. Minute und jetzt hab ich Tränen in den Augen, weil Rumschreien allein einfach für den Druck nicht mehr ausreicht und alle liegen sich in den Armen und das Wunder vom Millerntor ist perfekt. Jetzt nur noch die paar Minuten durchhalten und die Kogge ist versenkt, das hätte doch nach fünf Minuten niemand mehr geglaubt!!!

Erneut Pyroaktion in der 86. Minute, nur kurz. Was sind das für Hohlköpfe, die bei einer 2:0 Führung mit sowas einen Spielabbruch riskieren? Wo bei ihnen soviel auf dem Spiel steht. Der Trainer, der Klassenerhalt, der Absturz in die Unendlichkeit der nächsten oder auch übernächsten Liga, man weiss es ja nicht genau und dann bin ich nach wie vor der Meinung, dass alle bei uns -Mannschaft wie Fans- durch diese Pyro erst wieder richtig wach geworden sind, da ging ein Ruck durch die Massen und selbst ich habe dann „Scheiss Hansa Rostock“ oder „Who the f***“ gerufen, ich weiss es gar nicht mehr.

Gott, war das aufregend! Das war nervenzerfetzend, unglaublich, unfassbar, so wundervoll und wenn ich bis gestern abend nicht mehr wusste, warum ich mir das antue, die Antwort sind diese zweiten 45 Minuten.

Aber ich hätte es wissen müssen, denn der Mann, der St. Pauli noch nie am Millerntor hat verlieren sehen, Herr Markus, war ja dabei, das konnte nicht schiefgehen und er hat sich auch während der desaströsen 1. Halbzeit nach Kräften bemüht, den Optimismus hochzuhalten und es ist Magie, seine Serie hält!!!!

Niemand siegt am Millerntor, jedenfallls nicht, wenn Herr Markus dabei ist!!!

Und dann kommt der Schlusspfiff. Wir haben es geschafft. Sie haben es geschafft!

Von der dritten Halbzeit haben wir nichts mitbekommen, die berichteten Ausschreitungen von Vollspacken beider Lager fanden vorwiegend an der Feldstr. statt, wir sind an der Domschänke vorbei schnurstracks zum wohverdienten Vollbier in der „Scheune“ gelaufen.

So ganz hab ich das ja immer noch nicht verinnerlicht, dass ich bei diesem Jahrhundertsieg dabei sein durfte. Was für ein Gefühl.

Und unbedingt lesen: Gegengeraden-Gerd!!!

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12 Gedanken zu „Schiffe versenken – das war ein Dreier! FCStP vs. HRO

  1. Piet sagte am :

    Ein Spielabbruch hätte den Idioten Recht geschehen, aber ich freue mich wie ein Schneekönig, mit einer solchen zweiten Halbzeit gewonnen zu haben! Was für ein Spiel – ja, Gänsehaut! Sako, Hoiett, Brunne, lasst euch küssen!

  2. Piet, das hab ich auch gedacht, Spielabbruch wäre gerecht gewesen, aber dieser Sieg ist tausendmal besser so, erkämpft und sowas von GRANDE!

    Baltasar, heute morgen aufgewacht, dran gedacht und da war sie wieder, die Gänsehaut!

  3. Pingback: Mut & Moral am Millerntor: Meine Serie hält auch bei St. Pauli - Rostock » Text & Blog – Das Weblog von Markus Trapp

  4. Unglaublich, was wir da erlebt haben. Ich bin sehr froh, dass wir das gestern zusammen erlebt haben. Die Tiefen und – die dadurch ja erst so geilen – Höhen. Dass meine Serie hielt, ist da nur ein nettes Detail. Aber, was der Trainer und die Mannschaft (letztere aber erst in Hälfte zwei) da hingelegt haben, darf getrost als großartig, genial und göttlich bezeichnet werden.

    Ich habe das Spiel heute Morgen nochmal komplett auf Premiere gesehen und habe – zeitversetzt um einen halben Tag – unsere Gefühle nochmal durchlebt. Als Fazit bleibt nur die Frage: «Wie geil war das denn?!»😉

  5. Ich hoffe, die Aufnahmen sind im Kasten vom Jahrhundertspiel🙂

  6. Pingback: Kaperfahrt auf einem Freibeuter… eine Chronik « Moppelkotze::Blog

  7. Wg. „Jahrhundertspiel im Kasten“: Zum Glück bin ich heute morgen schon früh aufgestanden, die Wiederholung des Spiels kam nämlich bereits um 9:00 Uhr. Ja, hat alles geklappt.😉

  8. Ich krieg schon vom lesen Gänsehaut😉

  9. Ring2 sagte am :

    Vielen Dank für diesen feinen Bericht. Habe das AFM Radio via phonecaster zuletzt doch noch empfangen. Das war schon enorm, was da vom Millerntor rüberkam

  10. Klasse Bericht, dankeschön! Bin ja immer noch sprachlos (doch, gibt’s :-)), aber legt sich hoffentlich … Was’n Drama!

  11. Pingback: Hyde and Seek

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