Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

St. Pauli-Netpirate vor Ort

Diesen Bericht des gestrigen Abends schrieb Frank, ein Mitglied der Netpirates-Fan-Community in unserer Mailinglist.
Mit freundlicher Erlaubnis hier veröffentlicht.

Markus schrieb: Ich glaube, wir haben heute Abend ein kleines Fußball-Wunder erlebt

Ja, in der Tat. Das war die Entschädigung für alles, was der leidgeprüfte Auswärtsfahrer sonst geboten bekommt. Unser ganz persönliches Wunder ist heute Morgen um 7 Uhr mit frischen Brötchen zu Ende gegangen – nach dem totalen Verkehrschaos rund um einen der neuen Tivoli-Parkplätze und zwei Stunden Schlaf auf einem Rastplatz bei Würzburg.

Die Stimmung gestern Abend war grandios – das war mit das Beste, was ich erlebt habe in all den Jahren, in denen ich dem magischen FC hinterherreise.

Umso größer war der Schock, als sich im Block die Nachricht verbreitete, dass zwei Fans über die Brüstung am „Marathontor“ gestürzt waren. Von einer Sekunde auf die andere herrschte nach dem ausgelassenen Jubel Totenstille und Betroffenheit – die Leute hat das Unglück wirklich mitgenommen. Auch uns ist die Sache extrem nah gegangen. Wir haben nur fünf Meter über der Stelle gestanden, an der sich der Zwischenfall ereignet hat.

Was wirklich wieder einmal nur noch zum Kotzen war: Genauso schnell wie die Helfer waren die Gaffer von der Haupttribüne da. Und die Foto- und Kameraleute… Die hat der Block aber sehr schnell vom Versuch abgebracht, das Geschehen medienwirksam zu inszenieren.

Die Mannschaft war – und das war umso „erfreulicher“, so weit nach diesem tragischen Vorkommnis davon die Rede sein kann – extrem besorgt und hilfsbereit. Fabio Morena und Ralph Gunesch beispielsweise waren minutenlang vor dem Block und haben wie eine Hand voll anderer Spieler ihre Solidarität mit den Fans gezeigt.

Das hat uns ziemlich imponiert. Und, ja, irgendwie war es schön, zu sehen, dass es im modernen Fußball doch noch so etwas ähnliches wie Zusammengehörigkeit zwischen den „Gutverdienern“ auf dem Rasen und dem „normalen“ Volk auf den Rängen gibt. Dass Aussagen wie die von Stani, er tausche die Tabellenführung gerne ein gegen die Gesundheit dieses Menschen, nicht nur Lippenbekenntnisse vor Kameras und Mikrofonen sind.

Das ist St.. Pauli – und auch deswegen bin ich seit Jahren diesem Club treu.

Wir sind auf der Rückfahrt an einer Raststätte kurz hinter Aachen den Spielern begegnet, die sich – verdientermaßen nach dieser Leistung🙂 – mit allerlei ungesundem Chips- und Schokokram eingedeckt haben. „Ralle“ und Matthias Hain haben bei der Gelegenheit erzählt, dass es dem Fan, der in Aachen in die Tiefe gestürzt war, nach den ersten Schreckensmeldungen im Stadion den Umständen entsprechend besser ging und er außer Lebensgefahr sei.

Die Jungs, das war ihnen anzusehen, waren wirklich angeschlagen und haben nicht einfach nach der Devise gehandelt: „Haken drunter, ab nach Hause, war ja nur irgendein Fan“. Das soll nicht überzogen klingen: Aber es hat nach diesem Schock im Stadion gestern Abend wirklich gut getan, zu erleben, dass es noch echte Emotionen gibt in diesem knallharten, glatten Profigeschäft. Dass da keine Maschinen auf dem Platz stehen, die einfach nur funktionieren, sondern Menschen mit Gefühlen.

Ich weiß nicht, wer die beiden waren, die da gestern verunglückt sind. Ich hoffe nur, dass sie schnell wieder gesund werden – speziell der St. Paulianer, der mit schweren Verletzungen aus dem Stadion fortgebracht werden musste.

Alles Gute von uns unbekannterweise an dieser Stelle!

So schnell kann ein 5:0 auf einmal ganz schnell zur unbedeutenden Nebensache werden…

Voran FC St. Pauli!

Frank

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7 Gedanken zu „St. Pauli-Netpirate vor Ort

  1. Jan sagte am :

    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Ich war auch im Stadion und fand die Reaktionen der Mannschaft, des Trainerstabs und der St. Pauli Fans wirklich menschlich…
    Aber ich hatte es ehrlich gesagt von unseren Spieler nicht anders erwartet. Es gibt einen Grund warum die alle gerade bei uns spielen.
    In diesem Sinne

    Aux Armes

    • Sie sprechen mir auch aus der Seele. Das ist unser St. Pauli.

      • ganz im ernst. ich glaube jeder spieler jeder mannschaft weltweit hätte sich im hautnahem angesicht solch einer tragödie so verhalten. unsere spieler jetzt deswegen so hochzujubeln, als ob sie sich quasi als einzige mannschaft ever so „menschlich“ verhalten, das treibt mir grad bisschen die zornesröte in die birne.

        so sehr ich dem fan schnellst- und vollständigstmögliche genesung wünsche, nahezu so sehr wünsche ich mir, diesen anlass nicht dazu auszunutzen sich als st.pauli fan über andere zu erhöhen, weil wir + die mannschaft + der verein als solcher ja so supidupi emotional, solidarisch und menschlich sind, viel mehr als all die anderen und deswegen weiß ich besserfan warum ich hier steh…

        tschuldigung, aber auch das musste mal raus.

        • Nix tschuldigung, immer raus damit, wir sind hier nicht bei BLÖD..

          Es ist wohl eher das Gefühl, überhaupt irgendwelche Emotionen festzustellen, Anteilnahme, Mitgefühl, Empathie. Vielleicht erwartet man im Profifußball so etwas überhaupt nicht mehr. Eher so wie „oh, das ist ja jetzt scheiße mit dem Fan und jetzt aber ab in die Kabine“ oder ähnliches.
          Es gibt auch Leute, die mit dieser Situation ganz anders umgehen. Passiert, notiert, Thema durch, weiter mit dem Leben und die davon sichtbar relativ unberührt bleiben. Was nun wieder ich gar nicht verstehen kann.
          Und ich glaube nicht -zumindest sage ich das mal für mich- dass sich ein St. Pauli-Fan damit erhöhen will. Eher die (erneute) Feststellung, dass man Anhänger eines Vereins und einer Mannschaft ist, denen so etwas nahe geht. Und die nicht gleich zur Tagesordnung übergehen à la shit happens.

          Als „einzige Mannschaft ever“ – das sehe ich nicht so. Nur, DASS sie Anteil nehmen. So selbstverständlich ist das nicht. Und ich glaube nicht, dass sich jeder Spieler weltweit so verhalten hätte. Genausowenig, wie alle Fans davon so betroffen sind. Manchen ist es schlicht weg egal. Und den Eindruck vermittelte die Mannschaft wohl nicht.

          Genauso berührt mich die Anteilnahme anderer Fans, gerade von Vereinen wie dem HSV oder auch Hansa Rostock. Dass im Angesicht so eines Unglücks Animositäten oder „Haß“ keine Rolle mehr spielen bei den meisten. Sicher nicht bei allen…….
          Ich glaube auch, dass bei „großen“ Vereinen die gefühlte Nähe von Mannschaft und Fans doch eher in Gefahr ist, alles unpersönlicher und „distanzierter“ wird.
          So wie wir eben angesichts der Bilder im Express und der BLÖD empört waren, Emails geschrieben haben, Blogartikel, auf twitter getobt – und angesichts anderer grausamer Bilder von weit entfernten Katastrophen eben nur kurz zucken und in der Tagesordnung weitermachen. Man ist deutlich betroffener, weil es sich eben im unmittelbaren Kreis abspielt. Eben nicht unpersönlich ist. Ist das bei Fußballstars, die kaum noch Kontakt zu Fans haben, nicht wahrscheinlich ähnlich?

  2. und ich „unterstelle“ mal z.b. auch einem david beckham, dass, wenn ihm ein fan beim jubeln aus 6 metern höhe vor die füße fällt, er ebenso geschockt sein würde und anteil nehmen würde. vielleicht habe ich einfach nur eine zu gute meinung von den menschen ;o) aber wie gesagt, ich glaube nicht, dass wir uns als verein durch mehr empathie auszeichnen als andere vereine, was man eben u.a. daran sieht, dass selbt hsv- und rostock-fans mitfühlend sind.

    wie auch immer. hauptsache der jung wird bald wieder ganz gesund!

    • Jan sagte am :

      Auch ich wollte mich hier als St. Pauli Fan nicht über irgendwen stellen und denke, dass auch genug Leute aus Aachen von dieser Sache sehr betroffen sind, was ja auch von Vereinsseite bereits kommuniziert wurde.
      Ansonsten schliesse ich mich an und wünsche dem Menschen alles alles erdenklich Gute und eine schnelle Genesung

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