Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

23.01.2010 FC St. Pauli vs. Aachen 1:0

Eiseskälte erwartete mich in Hamburg am Millerntor. Dazu gut aufgelegte und fahnentechnisch sehr gut bestückte Aachen-Fans, der Anmeldezettel für die Südkurven-Quasi-Dauerkarte für die nächste Saison, wegen der Abholung ein neuer ‚Standplatz fast direkt hinter dem Tor, Astra, das im Becher gefriert und Eiseskälte. Wie gesagt.

Nach dem 5:0 im Hinspiel und dem im Anschluss daran folgenden schlimmen Unfall von „Mini“ war das irgendwie ein besonderes Spiel im Vorfeld, mal abgesehen davon, dass ein Sieg uns näher an die Tabellenspitze aka „die Region“ bringen würde.

Aber erst gab es in der Eisekälte etwas Herzerwärmendes. Mini sollte ein paar Worte an die Fans richten über Stadionmikro, aber die Emotionen überwältigten ihn, er musste leider abbrechen. Unter Applaus drehte er eine Stadionrunde, vorbei am Aachener Fanblock, die ihn genauso herzlich begrüssten wie der Rest des Stadions. Und dann wurde das YNWA angestimmt und ich hatte auf einmal so eine Art verschleierte Sichtbehinderung, das war eindeutig der emotionale Moment des Tages und im Nachhinein betrachtet auch der einzige. Mini bedankte sich mit gemalten Transpis bei allen und da das Spiel pünktlich beginnen musste, wechselte er danach noch ein paar Worte mit Wolf vom AFM-Webradio, die Worte, die er einfach nicht rausbrachte vor Rührung und noch ein paar mehr. Zu hören hier.

Zum Auftakt war der Aachener Fanblock vollgefüllt mit schwarz-gelben Fahnen, die bisher homogenste und blockkompletteste Präsentation, zumindest der Stehblock war vollständig mit Fahnen besetzt, sah toll aus.

Bild by Bezugsgruppenmitglied  textundblog

Und dann der erste Auftritt vom Ex-Rostocker Bastian Oczipka, der mir ganz gut gefallen hat, vor allem in der ersten Halbzeit. Gutes Ballgefühl, Übersicht beim Anspiel – ein ansprechender Auftakt. Insbesondere bei einem Spiel, das nach dem Tor von Max Kruse -schönes Ding!- extrem abflachte. Nach der Halbzeitpause kamen 11 wie ausgewechselte druckvolle Aachener zurück und 11 vogelwild umherbolzende St. Paulianer, selbst Hain erlaubte sich einen eleganten Abstoß ins Aus. Da lief nichts mehr zusammen, hoch und weit, unsortiert… ein optisches Trauerspiel. Die Devise war Ergebnis halten, aber selbst darum hatte ich bis zum Abpfiff Angst. Und nicht nur ich war ein bißchen unzufrieden, auch bei Stani zeigte sich durchaus leichte Verärgerung

Mit freundlicher Genehmigung von Stefan Groenveld

Aus den Fanreihen, besonders aus der Süd, kamen dann die ersten „Aufwachen“-Chöre. Über die sich Stani im Interview mit der MoPo echauffierte. In diesem Fall nicht unberechtigt, weil wach waren sie schon, es lief eben nur miserabel. Anlässe für „Aufwachen“-Rufe gab es zuhauf in der letzten Saison bei den verpennten Auswärtsspielen, aber dieses Spiel gehörte m.E. nicht in diese Kategorie. Es lief einfach in der 2. Halbzeit für die Aachener und vielleicht ist unsere Mannschaft jetzt auch an dem Punkt angekommen, wo das Nachdenken über den weiteren Verlauf beginnt und vielleicht auch behindert. Das lockere Aufspielen nach oben ist vorbei, jetzt spielen sie mit erheblicher Erwartungshaltung. EIGENER Erwartungshaltung. Die Mannschaft ist heiß auf den Aufstieg und weiß, wenn nicht jetzt, wann dann? Verkrampfung ist das. Und Aachen ist auch keine Truppe, die man locker abkocht. Hat man ja gesehen.

Wie auch immer, drei Punkte, nicht schön, aber zählbar. Tabellenzweiter also jetzt, mit einem Punkt Rückstand auf Kaiserslautern, die zuhause gegen den Tabellenletzten Ahlen nur einen Punkt holen konnten.

Nochmal zum vorübergehenden Stehplatzwechsel: da stehen wir definitiv zukünftig nicht mehr. In der Nachbarschaft eine äußerst trinkfreudige Gesellschaft, die vorwiegend mit dem Holen von Bier und in zweiter Linie mit dem wieder Wegbringen des Bieres beschäftigt war, zumindest des Teiles, der unterwegs nicht verschüttet ging oder beim damit Hüpfen großzügig rechts/links verteilt wurde. Daß diese Truppe viel vom Spielgeschehen mitbekommen hat, wage ich zu bezweifeln. Zumindest tendenziell immer weniger. Da ist das Partygeschehen eindeutig wichtiger als auffem Platz und das hat schon ein bißchen genervt. Da gefällt mir unser üblicher Platz doch deutlich besser, da wird auch gesungen und gehüpft, aber das Spiel steht im Vordergrund, da fühle ich mich wohl, da will ich wieder hin.

Hatte ich die Eiseskälte erwähnt? Erst in der „Scheune“ sind unsere Extremitäten wieder aufgetaut, Gott, war das KALT! Auch nach Spielende deutlich zu erkennen an der äußerst zügigen Verabschiedung der Mannschaft und am ebenso zügigen Räumen der Tribünen, zum Feiern war das Spiel ohnehin nicht so geeignet und im Übrigen eben einfach zu kalt.

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16 Gedanken zu „23.01.2010 FC St. Pauli vs. Aachen 1:0

  1. Sie sind wieder zurück?
    Also die Anzeichen deuten so darauf hin.

    In Ihrem Stadion gibt es Eventfans? Die hätte ich nun da nicht erwartet.

    Das von Mini zu hören ist sehr toll, auch aus der Entfernung und ohne ihrem Verein so wirklich was zu wünschen sind solche Unglücksfälle immer eine schlimme Nachricht und solch positiver Ausgang stimmt einen dann auch positiv.

    • Doch doch, wir haben auch Eventfans. Und ich war stellenweise so auf Zinne, dass ich mich -wo ich ein ansonsten doch sehr friedfertiger Mensch bin *hust* – zu einem klassischen Ellbogencheck habe hinreißen lassen, nachdem ich das fünfte mal seinen Ellbogen in der Schulter hatte und das dritte Mal Biergeplätscher auf der Jacke. Und den Ratschlag, einfach weniger zu saufen, dann bräuchte er auch nicht so oft Richtung Toilette, konnte ich ihm auch nicht ersparen. Aber verstanden hat er das Prinzip wohl nicht mehr in seinem Zustand.

      Ja, das mit Mini war schon schön und ich bin immer noch beeindruckt, wieviel Anteil am guten Ausgang Alemannia Aachen hatte. angefangen mit dem erstversorgenden und wohl lebensrettenden Mannschaftsarzt, mit der Betreuung der Angehörigen durch den Verein, die Solidaritätsbekundungen der Aachener Fans – also da wird einem echt warm ums Herz.

      Und ich bin so halb zurück. Zumindest hier musste ich mal was bloggen, so lange die Erinnerung noch frisch ist.

      Und Sie feiern Ihren Neuerwerb?😉

    • Asch, Eventfans gibt es schon länger. Die arbeiten und knechten tagsüber in Werbeagenturen und gehen dann schön rebellisch von ihrer Designer-Wohnung in der Marktstraße (Schanze ist inzwischen für Werber zu teuer) ans Millerntor.

      Die Regionalliga hatte auch was Gutes🙂

      • Die sahen allerdings optisch nicht mal aus wie Eventfans. Oder sie waren einfach gut verkleidet. Auf jeden Fall nervig.

        Sagen wir dann eventuell nächstes Jahr „Zweite Liga hatte auch was Gutes“ ?😉

  2. sparschaeler sagte am :

    dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer das ich immer noch nichts mit den eventfans anfangen kann. ich empfehle denen eine sky sportsbar in der nachbarschaft, da gehen sie den fans die auch am spiel interessiert sind nicht auf die nerven.

    • Sie wissen, ich löse Konflikte gerne verbal, aber da hatte ich schon mal das Gefühl, so ein linker Haken könnte doch mal Probleme schneller beseitigen….

      Das war eindeutig der falsche Platz für Fans, die in erster Linie das Spiel sehen wollen, aber so weiß man seinen „alten“ Platz dann auch mal mehr zu schätzen🙂

  3. Eventfans? Sind das die, die nur eventuell kommen?

  4. *hust* der Blick zu dem Ellenbogencheck war viel ähm.. beeindruckender. Aber die Damen und Herren da rechts von uns gingen auch mal einfach gar nicht. Was man so aus meiner Warte sah… Bier reinbringen, zweimal hüpfen, Bier alle, nachholen. Geschätzte 5 Mal pro Halbzeit. Hallo? Fußball?!

  5. unverlierbar sagte am :

    Zitat von Fan-Sprecher Tilman M. Brauns zum Aachen-Spiel:
    „Irgendwann wollte man bei dieser Kälte nur noch nach Hause“

    • Das war aber auch… obwohl, das Letztsaisonspiel gegen den FSV Frankfurt in der Commerzbank Arena hatte ich noch kälter in Erinnerung. Mag aber daran gelegen haben, dass bei zu viel Platz im Stadion die Kälte mehr durchzieht als beim Sardinenstehen Süd.🙂

  6. Pingback: Aachen - Blog - 25 Jan 2010

  7. Piet sagte am :

    Mir ist es kom-plett schleierhaft, wie man bei der Kälte überhaupt auch nur entfernt an Bier denken konnte. Ich fröstle ja jetzt noch beim Gedanken an vergangenen Samstag.😉 Aber in dem Punkt, dass solche Party-Gänger einfach nur nerven, sind wir uns einig. Haben wir gegenüber, also auf der Nord, nach meiner Beobachtung aber auch nur recht wenige, Gott sei Dank.

    Was die Aufwachen-Rufe anbelangt: Die fand ich auch unpassend, „konzentriert euch und vertraut auf euer Können“ hätte es besser getroffen. Ist halt nicht so griffig.

  8. Was der Artikel – in Bezug auf die beiden abgebildeten Fotos, von denen eines von mir ist – auch schön verdeutlicht: was einen guten Fotografen von einem schlechten unterscheidet.😉

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