Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Fanrechte – Protest: gute Absicht und falsche Wirkung?

Am Sonntag wird also protestiert. Für die Erhaltung der Fanrechte, gegen Sippenhaftung, gegen Polizeiwillkür, gegen Corny Littmann. Dass die Lager mittlerweile gespalten sind, kann man leicht feststellen und das liegt nicht ursächlich an den hehren Absichten der Protestierenden, sondern dass mit Hansa Rostock ein sehr unglücklicher Mitstreiter an Bord gekommen ist. Und am Timing. Und am Konzept.

Jemand, der mit einer deutlich größeren Lobby schon seinerzeit protestierend an der Startbahn West in Frankfurt umhergelaufen ist, obwohl ihm klar war, dass der Bau nicht zu verhindern war –ich- und auf einigen anderen Demonstrationen, versucht jetzt mal anhand leicht nachvollziehbarer Argumente eine Erklärung, warum auch dieser Protest wahrscheinlich im Sande verlaufen wird und weswegen ich nach tagelanger Lektüre von Zeitungsartikeln, Blogeinträgen, Stellungnahmen, Flugblättern, Pressemitteilungen zu dem Schluss gekommen bin -für mich allein- diesen Protest am Sonntag nicht zu unterstützen, sondern mich auf den Fußball meiner Mannschaft konzentrieren werde bei diesem nicht ganz unwichtigen Spiel. Und ich werde den Sieg auch nicht als „unredlich“ empfinden, nur weil keine gegnerischen Gäste zur Unterstützung der Mannschaft da sind.

Der Protest ist auf eine ganz bestimmte Klientel bezogen, nämlich den Fussballfan, der regelmäßig ins Stadion geht. Das grenzt den Kreis der wirklich Betroffenen unter Deutschlands Fußballfans erheblich ein. Die Masse der Fußballfans geht unregelmäßig über selten bis gar nicht ins Stadion, schwenkt alle vier Jahre bei Bedarf ein Deutschlandfähnchen und ist ansonsten mit der Sportschau zufrieden. Es fehlt der „Betroffenheitsfaktor“.

Wir erinnern uns an die Protestaktionen gegen die Anstoßzeiten, die mittlerweile fast ausschließlich vom FC Sankt Pauli bzw. den Fans noch fortgeführt werden mit der Intensität aus den Anfängen? Das DSF hat mit vielfältigen technischen Möglichkeiten dafür gesorgt, dass die Protestaktionen da blieben, wo sie stattfanden: im Stadion. Plakate wurden nicht gezeigt, geschickte Kameraschwenks konnten das zum größten Teil verhindern, und die Tonsteuerung hat sowohl die Scheiß-DSF Rufe als auch das 20minütige Schweigen ins akustische Nirwana geschickt. Ähnlich wird auch die Protestaktion am Sonntag verlaufen: die geplante Großchoreo, die es vielleicht wegen Farbenpracht noch ins Fernsehen geschafft hätte, weicht einer Protestkundgebung, die vor den Augen von knapp 20.000 St. Paulianern und eventuell 7 Rostockern stattfinden wird. Die wohl nicht mal bleiben werden. Die Kameras des DSF werden vielleicht mal draufhalten, aber gesendet wird da nichts. So lange es keine Krawalle gibt. Und innerhalb des Stadions sind diese eher unwahrscheinlich. Also fehlt erneut die Öffentlichkeitswirksamkeit.

Der „einfache“ Fußballfan und Schrebergärtner sieht in der öffentlichen Berichterstattung brennende Fanblöcke und vermummte Chaoten, die mit Fahnenstangen bewaffnet Rasenplätze stürmen. Das findet er relativ gruselig. Dann hört er, dass der Verein Hansa Rostock durch eine gewisse Konsequenz im Bereich Auffälligkeiten über Jahre hinweg anscheinend eher milde bestraft wurde. Das findet er unglaublich. Dann hört er, dass der DFB nun hart durchgreift am Beispiel Hansa Rostocks. Das findet er gut. Und dann hört man am Rande, dass St. Pauli Fans sich mit den verbannten Rostockern wegen irgendwelcher Fanrechte solidarisieren. Und das versteht er nicht. Und er versteht auch nicht, wieso der Präsident des FC Sankt Pauli nun der Bösewicht ist, weil er die Bösewichter nicht in sein Stadion lassen will. Und jetzt denken Sie das mal konsequent und einfach weiter, so wie der einfache Fußballfan: spinnen die, die St. Paulis?

Kurz zusammengefasst: es gibt keine Öffentlichkeitswirksamkeit der Plakat- und Gesangs-Protestaktionen durch die Medien, selbst wenn vereinzelt Fotos der geplanten Proteste in Zeitungen auftauchen, werden sie durch passende Texte relativiert. Es wird keine groß angelegten Erklärungen geben für Bild- und Tonberichte, weil so gut wie keine gezeigt werden. Das ist eine kuschelige kleine Demo fürs Protokoll. Sicher wird das Thema an sich weiterdiskutiert. Im „Doppelpass“, bei 90elf im Bolzplatz, bei 11Freunde, in ein paar Blogs, in den Sportteilen einiger Zeitungen. Also in einem überschaubaren Kreis. Öffentlichkeitswirksam bleibt das Durchgreifen des DFB, denn beim Thema „Gewalt“ reagiert der normale Bürger ganz schlicht: die will er nicht. Und wer etwas dagegen tut, hat die Bonuspunkte auf seiner Seite.

Und was hat das mit Hansa Rostock zu tun?
Die Wirksamkeit einer Demonstration hängt in hohem Maße von den Adressaten ab und wie man deren Unterstützung für das Anliegen gewinnen kann. Das wird in diesem –wie auch im 12.30 Fall- nicht passieren. Und das in erster Linie, weil man sich mit einem brother in arms solidarisiert, der diese „arms“ über einen sehr langen Zeitraum auch benutzt hat. Und weil man darüber hinaus auch nicht gerade den Ruf der friedlichen Fußballfans hat. Und warum? Öffentlichkeitswirksame Darstellung. Hatten wir ja schon weiter oben.
Da demonstriert also ein nicht ganz unproblematischer Fankreis gegen eine Beschränkung des Gästekontingents für einen noch problematischeren Fankreis. Denken Sie sich mal etwas weg aus unserem Fußballkokon und fragen sich, was für ein Eindruck da entsteht. Bei jemandem, der nur in der Zeitung liest darüber, nur Fernsehbilder sieht. Randale-Affine unterstützen Randale-Affine, damit sie auch weiterhin Randale machen können?

Bevor Sie jetzt aufschreien: ich hab mal umfangreich dieser Tage im weiteren Kollegenkreis nachgefragt, bei allen „Stadien“ des Fußballinteresses. Man hat kein Verständnis dafür (selbst wenn man den Kern der Sache erläutert, Stichwort Fanrechte), dass man das ausgerechnet am Beispiel eines Vereins wie Hansa Rostock durch Schulterschluss demonstriert. Das ohnehin geringe Verständnis weicht dem Unglauben. Und schließlich und endlich geht es ja ohnehin nur um Fußballfanatiker und der DFB und die Polizei haben Recht, wenn sie Unschuldige beschützen wollen. Und dieser Präsident ist ganz schön mutig, sich gegen diese offenbar ziemlich wütenden Fans durchzusetzen.

Wozu das alles? Eine Demonstration oder Protestaktion, die sich wie in diesem Fall, gegen die Polizei und gegen den in der Öffentlichkeit agierenden DFB richtet, ist dann erfolgreich, wenn es gelingt, große Teile der Öffentlichkeit für sein Anliegen zu erreichen, zu überzeugen und als Unterstützung zu gewinnen. Ist das nicht der Fall, dient eine Demonstration lediglich der Beruhigung des eigenen Egos (ich hab immerhin protestiert) und der Zurschaustellung der Ablehnung im Kreis der Interessierten. Eine weitere Wirkung hat es beim 12.30-Projekt nicht gegeben und wird es hier auch nicht geben. Auch, wenn es im konkreten Fall um einen anderen, nicht als von gewaltbereiten Fans durchsetzten Verein ginge, der jetzt Unterstützung einer Fangemeinde bekommt, die auch nicht nur Wattebällchen wirft im Umfeld, gegangen wäre, wäre das nicht anders, aber diese Tatsache verurteilt das im Ansatz zum Scheitern. Der vermeintliche Bundesgenosse, Leidensgenosse, wird hier zum Torpedo der guten Absicht. Für wirksame Demonstrationen braucht es nicht nur ein paar Papp-Plakate und Flyer, sondern brauchbare und glaubwürdige Bundesgenossen, funktionierende Medienverbindungen (das DSF kommt ja wohl wegen bestehender Spannungen nicht mehr in Frage) und eine breite Öffentlichkeit, die für das Anliegen gewonnen werden kann. Und es wäre hilfreich, wenn bei dem Projekt keine wirtschaftlichen Interessen eine Rolle spielen.

Haken Sie mal ab, was in diesem Fall von den notwendigen Punkten erreicht wird. Darum glaube ich, dass das Hornberger Schießen noch eine Erfolgsknaller dagegen. Und wenn es dann noch am Rande des Spiels zu Ausschreitungen kommen sollte, ist das Kind nicht nur in den Brunnen gefallen, sondern das Schiff mit Mann und Maus untergegangen. Weil man sich für durchaus berechtigte Forderungen den falschen Verbündeten ausgesucht hat.

Ich entschuldige mich mal gleich für den wieder -und ich verspreche letzten- sehr langen Text. Bei denen, die es dennoch bis hier runter geschafft haben😉

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38 Gedanken zu „Fanrechte – Protest: gute Absicht und falsche Wirkung?

  1. St. Pokal sagte am :

    Danke für diesen Artikel mit dem du mir komplett aus der Seele gesprochen hast… Mehr gibt es dazu nicht zu sagen!

  2. Gegengeradefan sagte am :

    Es ist unfassbar, wie sehr du doch mit deinen Artikeln den Nagel auf den Kopf triffst. Da kann der Text gern ein wenig länger sein. Im Gegensatz zu einigen Zeitungsartikeln schaffe ich es immer bis zum Schluss…😀

    Bei deinem Beispiel mit dem Kind und dem Brunnen bzw. dem Schiff mit Mann und Maus hättest du das Schiff auf Grund der Aktualität des Artikels auch „Kogge“ nennen können…😉

  3. Piet sagte am :

    Eigentlich erwarte ich bei Ihnen (im Gegensatz zu manch Blättchen) nichts anderes als Qualität.

    Ja, es trifft den Nagel auf den Kopf, weswegen ich zwar durchaus für eine Fanrechte-Demo bin, aber zu einem anderen Termin und bundesweit, als Angelegenheit aller Vereine, nicht aber als (gem)einsame Aktion mit den Rohrstöckern.

    • Sie gehen da auch mit viel zu viel Berechnung an die Sache ran. Und St. Pauli sind Sie auch nicht, so.

      Sorry, das war unsachlich.
      Ich habe mich ja auch nur gefragt, wohin Aktionismus auch führen könnte. Bei aller guten Absicht.

  4. Pek sagte am :

    Zum Glück ist und war nicht jeder so kalkulierend (und resignierend), ob und wann protestiert wird. Man kann eben nicht jedesmal haushoch gewinnen, wenn man für eine Sache eintritt und auch die Sonne strahlt nicht immer nur am wolkenlosen Himmel. Für mich ist es relativ eindeutig, dass die Entwicklung ohne Widerstand dahin geht, dass die Vereine mal einzelnen Personen gehören, dass Auswärtsfans verboten, dass Stehplätze abgeschafft, dass Eintrittskarten verteuert, dass Zuschauer genacktscannt, dass Tapeten und Gesänge zensiert werden, dass die Spiele nur im payTV stattfinden…und, und, und. Dass insgesamt der (Profi-)Live-Fußball entwurzelt, sprich dem Pöbel und der Jugend weg genommen wird. Einiges wurde dafür schon auf den Weg gebracht. Muss halt jeder für sich entscheiden, wie lange man warten will. Vielleicht gefällt’s ja sogar.

    • Piet sagte am :

      «Muss halt jeder für sich entscheiden, wie lange man warten will. Vielleicht gefällt’s ja sogar.»

      Ah, wer eine andere Meinung vertritt, ist nicht nur nicht plietsch genug, sondern vielleicht sogar nicht mal St. Pauli genug. Ich geh mal wieder zu curi0us, mich ’ne Runde schämen.

    • So lange es nur keine Wirkung hat, ist das eine Sache. Eine negative Wirkung zum Nachteil des Anliegens sollte man trotz allen Enthusiasmus auch mit einkalkulieren bei den Überlegungen, wie man so etwas wirksam gestaltet. Aber das ist ja nur meine Meinung. Zu kalkulierend, mag sein, aber Erfolg ist manchmal ja nicht ganz unwichtig. Es sei denn, man begnügt sich damit, einfach mal seine Meinung gesagt zu haben.

      Aber stimmt, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Das hat mit Resignation nichts zu tun, wenn man den Weg falsch findet, übrigens.

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  6. Ein echt guter Artikel, der die Lage ausgezeichnet zusammenfasst. Und niemals, niemals, niemals für lange Texte entschuldigen – solange sie diese Qualität liefern, dürfen sie gern seitenlang weitergehen. Die ADS-Häschen, die nach spätestens 140 Zeichen hibbelig werden, dürfen nicht die Messlatte legen!

    Ich bin ja bekanntlich so ein Gelegenheitsfan und so eine gesetzenstreue, Gewalt ablehnende Bürgerin. Und ich kann zwar die Argumentation nachvollziehen, aber habe kein Verständnis für die Demonstranten. Weil ihr Ansinnen vielleicht lauter und ehrbar sein mag, aber das Ergebnis nur in weiterer Gewalt mündet. Das ist eben der Nebeneffekt des Fanatismus. Und Kollateralschäden werden auf beiden Seiten erfahrungsgemäß achselzuckend in Kauf genommen. Tja, dann… Pech gehabt, würde ich sagen.

    • ADS-Häschen ist aber jetzt auch schön🙂

      Am Sonntag werden wir ja dann sehen, inwieweit der 5-Minuten-nach-Spielbeginn erst auf die Tribüne gehen mehrheitsfähig ist. Ich kann nur hoffen, dass denen, die sich nicht beteiligen wollen, streßfrei Einlaß gewährt wird.

      Wenn es in diesem Zusammenhang noch zu Scharmützeln zwischen den Fans untereinander käme, wäre alles ad absurdum geführt. Große Verantwortung für die Veranstalter.

  7. Wozu das alles? Eine Demonstration oder Protestaktion, die sich wie in diesem Fall, gegen die Polizei und gegen den in der Öffentlichkeit agierenden DFB richtet, ist dann erfolgreich, wenn es gelingt, große Teile der Öffentlichkeit für sein Anliegen zu erreichen, zu überzeugen und als Unterstützung zu gewinnen. Ist das nicht der Fall, dient eine Demonstration lediglich der Beruhigung des eigenen Egos

    Veto manchmal kann man durch demonstrationen oder protestactionen menschen, die sich mit das thema nicht vorher auseinander gesetzt haben, dazu bringen sich gedanken darueber zu machen bzw eine neue betrachtungs winkel zu bekommen…. auch wenn es in diesem fall auch nur eine kleine, im stadium ansaessige, menschen menge ereichen wuerde koennte es sein das sie es wiederum anderen mitteilen, damit multipliziert sich die anzahl deren die ereicht wird…

    Für wirksame Demonstrationen braucht es nicht nur ein paar Papp-Plakate und Flyer, sondern brauchbare und glaubwürdige Bundesgenossen

    stimmt, ich finde trotzdem das, wenn man von seine protest ueberzeugt ist, jede moeglichkeit genutzt werden sollte um die breite masse anzusprechen… ansonsten wurdest du jede unterschriften sammel aktion als sinnlos darstellen… aber recht hast du damit das eine organisiertere protest aktion hilfreicher waere…

    ich gehe erstmal in der verdienten feierabend und wochenende… viel spass am sonntag, und selbstverstaendlich 3 punkte fuer uns!!!

  8. Ihrem Veto stimme ich an dem Punkt zu, an dem durch die Protestaktionen diese Öffentlichkeit auch wirksam erreicht wird. Und nicht nur die, die es ohnehin schon wissen. Oder die vielgescholtenen Logenbewohner, denen es eh egal ist.
    Das ist eben das, was ich in diesem Fall bezweifle, daher wäre eine organisierte Protestaktion wie Piet schon schrieb, der Sache wahrscheinlich dienlicher gewesen. Ob und inwieweit das trotzdem oder auch nicht der Fall sein wird, werden wir ja merken. Im Nachspiel.

    Selbstverständlich 3 Punkte. Schönes Wochenende!

  9. Sicher hast du in vielen Punkten recht, besonders wie die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ausfallen wird.

    Andererseits, was ist die Alternative? sich vom Präsidenten nach Strich und Faden verarschen zu lassen und dabei selig zu grinsen?

    Und wenn dieser Protest nur den einen Zweck erfüllt, Corny wieder ein kleines Stückchen zu zermürben, dann hat es sich bereits gelohnt. Jeder Tag, den der Polizeipräsident Fanpräsident früher zurücktritt, ist ein gewonnener Tag!

    Guten Abend

    • Gegengeradefan sagte am :

      Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wo dein Hass auf Corny herkommt… Willst du etwa in die glorreiche Weiser Zeit zurück? Verein der Pleite ist und nur mit viel Aufwand und Schützenhilfe von den „verhassten Bayern“ vor dem Lizenzentzug bewahrt werden konnte? Ein schönes aber marodes Stadion, mit dem man die geltenden Auflagen der Zugehörigkeit des Profifussballs nicht erfüllen kann?

      Ich finde bei aller teilweise auch berechtigten Kritik an Corny darf man nicht vergessen, dass er viel für den Verein getan hat! Mich freut es jedenfalls, dass es den Verein – auch dank seiner Hilfe – überhaupt noch gibt. Dieses schnöde Antikommerz geht mir ehrlich gesagt auf die E***!!!

      Du kannst natürlich mal ein schlüssiges Konzept vorschlagen, wie man Dauerhaftigkeit, Überlebensfähigkeit und Antikommerz unter einen Hut bringen kann. Ich bin gespannt. Trotz des viel bemäkelten Kommerzes ist unser geliebter Verein einer der wenigen die immer noch ihren eigenen Weg gehen und anders ist als die Anderen. Sei doch froh, dass es das überhaupt noch gibt.

      • Tresen Olli sagte am :

        Zunächst einmal frage ich mich, wo du in meinem Komentar Hass entdeckst. Das ist mir ehrlich gesagt ein zu starker Begriff, der meine zugegebenermaßen vorhandene Abneigung bei weitem übertrifft.

        Als nächstes habe ich mich doch schon extrem gewundert, an welcher Stelle du eine Komerzialisierungskritik findest. Das ist nochmal ein ganz anderes Thema. Aber wo wir schon dabei sind, der Verein hat diesen hohen Vermarktungsstandard mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht aufgrund des lausigen Drittligafußballs, den wir über Jahre hinweg ertragen mussten, geschweige denn, des tollen Präsidenten wegen, sondern, so meine These, wegen der andersartigen, progressiven und innovativen, aber eben auch kritisch-kreativen Fanszene.

        Da sollte jeder mal drüber nachdenken, wo das wirkliche Kapital des Klubs liegt, bevor er das beliebte Totschlagargument aus dem Hut zaubert, was Corny so alles geleistet hat. Seine Verdienste sind genauso wenig bestritten, wie die Tatsache, dass er sich, nicht zum ersten Mal, über getroffenen Absprachen hinweggesetzt hat. Was nützt der ausführlichste Dialog, wenn der getroffene Konsens anschließend schlichtweg ignoriert wird?

        Nichts liegt mir ferner als einen direkten Vergleich zu ziehen, aber dieses Argument erinnert mich unweigerlich an den Satz:

        Im dritten Reich war auch nicht alles schlecht!

        • Gegengeradefan sagte am :

          Ich war nicht dabei bei den „Vereinbarungen“ und kenne ehrlich gesagt nur die jeweils subjektive Seite der beteiligten Personen. Für mich hört es sich überwiegend (außer aus der Sicht der Ultras) danach an, dass der Verein keine große Wahl hatte…

          Aber außer anderen Fans ihre Meinung aufzudrücken, Gespräche seitens des Vereins auszuschlagen und sich als die Alleinherrscher im Stadion zu fühlen ist bei den Ultras nicht wirklich viel dahinter. Jetzt haben sie es endlich geschafft, dass die Fanszene sich wirklich in zwei Lager spaltet. PRIMA!

          Darüber reden oder gar eine Selbsterkenntnis, das die zu solchen Maßnahmen führenden Aktionen aber immer aus den Reihen der Ultras kommen )ja, auch bei uns) das wird natürlich ignoriert.

          Auf deinen drittes Reich Kommentar einzugehen verbietet mir die Höflichkeit.

    • @TresenOlli

      „..Corny ein kleines Stückchen zu zermürben..“

      Der Plan ist ja super aufgegangen. Dem „Erzfeind“ Flakmunition frei Haus zu liefern ist in der Tat das probate Mittel.

      Um Corny zu „zermürben“, müssen manche aber noch ein paar Jahre Lebenserfahrung sammeln..

    • Eine gewählten Amtsträger durch grenzwertige körperliche Bevormundungen der eigenen Leute stürzen zu wollen, erscheint mir arg weitweg von jeglicher Legitimität.

  10. Pingback: Meine sehr verehrten Damen, Herren und Kinder. « HansCustom

  11. Waren Sie heute eigentlich in der Süd?

    • Ich hab es versucht. Als USP es gestattete, durfte ich dann auch rein. Ausführlicher Bericht folgt.
      Heute hat nicht nur Hansa Rostock verloren.

      • Gegengeradefan sagte am :

        Ich sehe es ganz genau so wie du. Bin schon jetzt auf den Kommenden Beitrag gespannt. Danke, dass es deinen Blog gibt. Hatte schon Angst, dass die Ultras irgendwann den Verein vollständig übernehmen und über alles bestimmen wollen/werden. Anscheinend bin ich doch nicht allein. Hab ich dir aber auch schon mal gesagt.😉

  12. Aha. Twitter gelesen. Jetzt noch mal zurück in RL.

  13. moin sagte am :

    Danke für diesen Beitrag! Du sprichst mir aus der Seele!

  14. Björn sagte am :

    Das hast Du alles schön durchdekliniert mit der Medienwirksamkeit von Protesten für Fanrechte, und wie sich gezeigt hat lagst Du völlig daneben.

    – dsf und sky haben gesendet, spiegel online hat geschrieben und, und, und….

    – nicht nur der normale Fußballkonsument ist nicht an Fanrechten interessiert, sondern auch der normale Stadionbesucher nicht. Der will kein Recht, der will Bier, Wurst und Spiele. Fanrechte sind deshalb das Recht einer Minderheit, die sich beim Fußball ausdrücken will und das auch auswärts.

    – leider hat sich am Sonntag gezeigt, dass diese Minderheit am Millerntor von den übrigen Besuchern nicht einmal fünf Minuten Solidarität erwarten darf. Das ist armselig, und ich habe keine Sympathie mit der Streikbrechermentalität, die sich in der Süd entladen hat.

    – Für den erfolgreichen Versuch, die Zugänge zur Süd blockieren habe ich ebensowenig Verständnis. Es war gefährlich, selbstherrlich und überdies kontraproduktiv. Statt einer gelungenen Aktion für Fanrechte haben wir jetzt eine gespaltene Fanszene. Die Plastikliga darf sich auf uns freuen.

    • Ja, wie sich gezeigt hat, liegt die wahre Medienwirksamkeit nicht in der Aktion für die Fanrechte, sondern in der Willkür von USP. Vielleicht sollten Sie die einschlägigen Medienberichte mal lesen, dann dürfte Ihnen auffallen, dass die Protestaktion an sich keinen mehr weiter interessiert.
      Sicher hat USP die Medien für sich interessieren können. Nur eben ganz anders als geplant.
      Glückwunsch auch Ihnen, da Ihre Mentalität ja hiermit ausreichend dokumentiert wird.

      Vielleicht hätte diese Minderheit Solidarität erwarten dürfen. Aber NIEMALS erzwingen.

      • Björn sagte am :

        Ihr letzter Satz bringt es auf den Punkt. Die Medienberichte habe ich alle gelesen, allerdings auch die Sky-Aufzeichnung gesehen: Dort hat man sehr wohl die leere Fankurve registiert.

        Dass der Preis dafür zu hoch war, das ist wohl unser kleinster gemeinsamer Nenner.

        • Immerhin.
          Danke der Medien weiss jetzt auch jeder, wie die Leere der Fankurve erreicht wurde.

        • Hansi Bargfrede sagte am :

          Es scheint mir vor allem das Problem zu sein, dass der Hintergrund der Aktion unzureichend kommuniziert worden ist. Den meisten Fans war es nicht einleuchtend, dass sie sich plötzlich mit dem Erbfeind Rostock solidalisieren sollte. Unter der Voraussetzung konnte man bereits im Vorfeld keine ungeteilte Solidarität erwarten. Dies hätte USP bedenken müssen, ehe sie sich des Solidartätsdiktats schuldig machten. Solidarität kann man nicht erzwingen, nicht mal für fünf Minuten, sondern nur erbitten.
          Ich habe das Spiel bei Liga total gesehen, weil ich nicht bereit war, unter den unklaren Vorgaben in´s Stadion zu kommen. Die leere Stehtribüne war erst Thema, als berichtet wurde, dass Mitarbeiter des Senders beobachtet haben, dass (Zitat): „einige Fans andere Fans am Betreten der Tribünen hinderten“ (Zitat Ende). Den Hintergrund dafür konnte der Kommentator auch später nicht erklären.
          Während der fraglichen fünf Minuten meine ich, natürlich sensibilisiert, einen lautstarken support aus der Gegengrade und vor allem der Nord ausgemacht zu haben, der die ganze Zeit anhielt. Nachdem sich die Stehtraversen der Südtribüne gefüllt hatten, was auch konkret im Bild festgehalten wurde, änderte sich der support in ein lautstarkes „Sch*** USP“, aus allen Stadionbereichen.
          Vom großartig angekündigten „Aux Armes“ im Gegenecho mit der Nordtribüne war nicht mal ansatzweise die Rede. Erst nach etwa ´ner halben Stunde war es zaghaft und ausschließlich von den Stehtraversen der Süd zu hören.
          Im NDR wurde ausschließlich über das Spiel, das 2:0, den direkten Aufstiegsplatz und schwerpunktmäßig über den skandalösen Platzverweis von Fabian Boll berichtet. Die FC St. Paulifans waren weder im Sport, noch in den Regionalnachrichten irgendwo Thema. Nur die nicht vorhandenen Hansafans wurden erwähnt.
          Dieser unvollkommene Überblick über noch nicht erwähnte Berichterstatter, soll das Medienecho vervollständigen.
          Es scheint so, als wäre der vorgegebene Plan, mit der Aktion die Öffentlichkeit auf das Problem der vermeintlichen „Fanrechtebeschneidung“ aufmerksam zu machen, wegen mangelnder Organisation nicht aufgegangen ist.

          • Nicht nur nicht aufgegangen. Nach hinten losgegangen.

          • Piet sagte am :

            Vielen (sicher nicht allen) war der Hintergrund ausreichend bewusst. Einige haben sich auf dieser Grundlage anders entschieden und hatten dafür gute, genauso ernst zu nehmende Gründe. Die meisten aber haben sich gegen den Zwang gewehrt, gegen das Meinungsdiktat, gegen die Entmündigung, gegen eine Handlung, die sich gegen ALLES richtet, wofür St. Pauli steht. Wer sich hier wundert, hat St. Pauli nicht verstanden. Was übrigens, glaube ich, auf viele Ultras zutrifft.

            Wenn ich dann noch die Arroganz mitkriege, die Überheblichkeit, mit der Blockierer erwarten, der Pöbel hätte sich zu König Ultrà ins LIZ zu begeben, wenn es etwas zu besprechen gäbe, da schwillt mir der Kamm (davon mal abgesehen, dass das — vielleicht dann im Jolly oder im Vereinsheim — erst nach einer Stellungnahme überhaupt einen Sinn ergibt).

            • Ich hätte ein Statement auf Lager, das meine emotionale Lage bestens beschreiben würde, aber weil es zwar faktisch richtig, aber sehr emotional ist, lasse ich das lieber, der Diskussion zuliebe.

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    • Solidarität kannst Du nicht erzwingen. Lerne es.

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