Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

17.04.2010 FC Union Berlin vs. FC Sankt Pauli 2:1

To boldly go where no man has gone before: Berlin!

Und aufgrund vulkanaschiger Atmosphäre nicht wie geplant bequem mit dem Flugzeug, sondern kurzentschlossen mit dem Auto. Durch blühende Landschaften, die vor allem mit hervorragend ausgebauten Autobahnen glänzen. Zumindest kurz nach Herleshausen. Drei-, gar vierspurig. Holper- und ruckelfrei. Innerhalb von fünf Stunden, davon die letzten zwanzig Minuten für die letzten fünf Kilometer. Fahrziel: Berlin-Wilhelmsruh. Gepäck abstellen, schnell umziehen und zum gemischten Grillabend mit Herrn @saumselig und Frau @rudelbildung (Union Berlin) irgendwo in Pankow. Wo man blühende Landschaften gar nicht vermutet, sie aber hinter dem Haus findet. Das perfekte Areal für einen „Grill- und Fußball-Meet-and-Greet“-Abend. Wäre es ein kleines bißchen wärmer gewesen, ich weiß nicht, wo dieser Abend hätte enden sollen. Und vor allem wann. Ich habe erstmals nicht supermarktvorgenormte Thüringer Bratwürste gegessen. Eingelegt in Zwiebel-Senf-irgendwas sahen sie zwar aus wie Seegurken, aber fertiggestellt sehr lecker. Und auch die zwei Rautenfans @Pleitegeiger und @nedfuller konnten die Stimmung nicht trüben, im Gegenteil. Man kann tatsächlich über vereinsdifferenzliche Animositäten hinwegschauen, wenn es sich um zwei so ausgesprochen unterhaltsame Vertreter handelt. Und wenn man schon mit dem Gegner am Vorabend des Spiels grillt, kann man auch am nächsten Morgen eine gemischte Barkassentour mit Eddy auf der Spree machen, hin zur „Alten Försterei“, garniert mit Schnittchen, Kaffee (wahlweise Bier) bei strahlendem Sonnenschein und bester Laune. Schade, dass @GNetzer da nicht dabei war, war sehr schön! Diese Tour hatte Herr saumselig organisiert und ich habe beschlossen, dass, wenn ich jemals in Berlin arbeiten sollen müsste, ich mich spontan in Berlin-Köpenick verliebt habe und genau in dieser Ecke wohnen möchte.

Ein bißchen zeitknapp wurde das schon, vom Anleger bis zum Stadion, mit gemütlich einen Platz suchen, Getränke an den Start bringen und eingrooven war nichts, schon gar nicht, sich mit einigen noch vor dem Spiel zu treffen, mit denen man sich verabredet hatte. Schnell noch eine übergebliebene Karte an ein junges Berliner St.-Pauli-Fan-Ehepaar mit einem schnuckeligen kleinen Mädchen verkauft, die nur eine Karte bis dato hatten und nun tatsächlich ins Stadion konnten. Support your local fans, sag ich nur.

Und auch Frau @Claudine konnten wir noch einsammeln, die erstmals ein St. Pauli-Spiel live sehen konnte, fleißig mitsang und sich deswegen die Schuld am Ergebnis gibt. Und trotz einer extrem gut gefüllten Kurve hat uns auch @GNetzer gefunden und schon ging es los.

Keine 10 Minuten alt, die Partie und Union geht in Führung. Torsten Mattuschka, der Held des gleichnamigen Ohrwurms gibt Union 9 Minuten lang Grund zum Feiern. Bis Takyi mit einem wirklich schönen Ding den Ausgleich macht. Das wäre jetzt der Moment gewesen, wo man das Spiel hätte abpfeifen können und sollen, denn die Chancenverteilung blieb gleich. Gleich und ungenutzt. Das Tor in der 43. Minute wurde wegen Stürmerfouls nicht gegeben, ich bin da immer noch nicht sicher, aber was solls.
Union absolut gleichwertig, St. Pauli mit ein paar guten Chancen – auch nach der Pause nichts Neues. Wir wissen nicht, was Stani den Spielern in der Halbzeit hinter die Ohren geschrieben hat

umgesetzt haben sie es jedoch nicht. Im Gegenteil, viel zu verhalten und druckfrei gespielt, so dass Union noch mindestens zwei gute Chancen hatte, in Führung zu gehen. Und wie das oft so ist, man schließt gedanklich zufrieden mit einem Unentschieden ab und in der magischen 87./88. Minute… und so geschah es: 2:1 durch Benyamina.

Das geht auch so in Ordnung, wenn man dabei vergisst, wie anders das am letzten Montag aussah und wie wichtig die drei Punkte -oder auch nur einer- gewesen wären und wie schmerzlich das noch werden könnte.
Ein bißchen überrascht war ich von der Unioner „Gegengeraden“, da hatte ich irgendwie… mehr „laut“ erwartet. Die Nordkurve (?) top, war auch sehr gut hörbar, aber von den Seiten kam eher nicht so viel. Wie wir später lernten, können die aber schon. Wenn.
Ein schönes Stadion, die „Alte Försterei“, hat auch einen eigenen Charme. Wie alle Unioner, die ich anlässlich dieses Spiel kennenlernen durfte. Das omnipräsente Team Blue/Green konnte mit den gemischt von den Barkassen strömenden Fans nicht wirklich was anfangen, vor lauter Langeweile, dass es nun zu gar keinen, nicht mal minimalen Ausschreitungen kam, bei denen ein Eingreifen nötig wurde. Ersatzweise kesselte man dann ein paar Motorräder mit „Hell’s Angels“ Bandidos ein. Anscheinend weil einer keinen Helm trug. Rechtfertigt natürlich das Herbeirasen eines Mannschaftsbusses, so ein unbehelmter Angel Bandido….

Die Anweisung an die Gästefans, den Block erst 15 Minuten nach Spielende zu verlassen, war einfach nur Standardprozedur bei einem „Sicherheitsspiel“. Selten war es weniger von Nöten wie am Samstag. So entspannt wünsch ich mir Auswärtsfahrten! Und wenn es den FC Sankt Pauli nicht gäbe und ich Berliner wäre, wäre ich Union-Fan.😉

Ein kleines Trostpflaster: wenigstens der FSV Frankfurt hat seine Hausaufgaben gemacht, auswärts im Ostseestadion gewonnen und den Relegationsplatz „übergeben“. Trotzdem möchte ich am Freitag gegen Koblenz die drei Punkte in Hamburg belassen, auch wenn es Koblenz helfen würde, den Abstiegsplatz einzutauschen. Der kleine Punkt Vorsprung vor Augsburg reicht nicht aus zur Entspannung. Es sei denn, der FSV wäre noch einmal so nett….

Danke an Herrn foxxibaer für das Stadionbild und das von Stani, trotz Prosecco und Schnittchen im VIP-Bereich noch Zeit gehabt zu fotografieren *hrhrhr* und schön, dass wir uns endlich mal persönlich kennengelernt haben. Gerne wieder!

Und hier noch der Podcast von Sebastian und Steffi aka saumselig und Rudelbildung zum Drumherum und Dabei beim Textilvergehen🙂

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27 Gedanken zu „17.04.2010 FC Union Berlin vs. FC Sankt Pauli 2:1

  1. Bandidos, das sind die anderen😉
    Ansonsten ist es genauso, wenn man auf freundliche gegen-Magie trifft – da waren die uns dieses Tor über vorgestern.

    • Ach was? Danke, ich kann die echt schwer auseinanderhalten, so aus der Ferne🙂

      Ich nahm es relativ gelassen, aber das wird dann am Freitag dementsprechend anders. Und ich werde das vor dem Stream/Webradio erleiden müssen ==:-o

  2. wacho_chorro sagte am :

    Schade Ihre Niederlage. Aber unsere Jungs werden am Sonntag alles geben. Natürlich völligst uneigennützig😉

  3. Es war mir eine Freude Sie kennen gelernt zu haben.

    Und die Alte Försterei ist eine Reise wert!

  4. sparschaeler sagte am :

    das war ein wunderschöner ausflug in die hauptstadt, den auch ein vulkanausbruch nicht verhindern konnte. genauso müssen auswärtsfahrten sein!

    • Ich fahr ja öfter mal auswärts, aber in letzter Zeit macht das richtig Spaß. Frankfurt, Düsseldorf, Berlin – empfehlenswert!
      Edit: mal von den Ergebnissen der letzten beiden genannten abgesehen!!!!

  5. Pingback: Der Hönower » 1. FC Union Berlin: Zwei FC St. Pauli: Eins

  6. Schweigen hier zum großen Tabellenrechner-Betrug, der die Zukunft Ihres Vereins nun ein wenig länger in der Schwebe hält, als es uns vorgegaukelt wurde. Wenn Ihre Mannschaft aber nach einer Niederlage so guten Mutes wie Sie ins nächste Spiel geht, der wird in der nächsten Saison wahrscheinlich die Möglichkeit verpassen dreimal Hauptstadtfreunde zu besuchen. Dafür aber mehrmals Rhein-Ruhr-Ballungsraum. Schöne Gegend!😉

    • Das mit dem Tabellenrechner war ja eine schöne, heimelig-kuschelige Theorie, aber wie immer sieht es in der Praxis des Magischen FC anders aus. Prognose: alles entscheidet sich am allerletzten Spieltag. Minute 88 oder Nachspielzeit. Alles andere wäre ja… bourgeois *seufz*

      Auf die Packliste unbedingt: doppelte Dosis Beta-Blocker.

      Wo wird das nur alles enden? Tatsächlich im Rhein-Ruhr-Ballungsraum (exklusive Fortuna) oder doch auf blühenden Autobahnen Richtung Berlin?

      Und die Zebras? Drei Siege, keiner mehr für Augsburg und möglichst wenige für Düsseldorf und Bielefeld, dann…. jaja, ich weiß. Aber so ist das doch mit der Hoffnung, oder?

      Drücken Sie mal dem FSV am Sonntag die Daumen😉

  7. Ausgehofft! Da wecken sie nach am Samstag geleisteten Abschied nichts mehr. Und natürlich wird Frankfurt einen Sieg der Augsburger verhindern. Die wollen sich auch zu Hause für den Klassenerhalt feiern lassen. Braucht man wenig Fingerdruck auf den Daumen, bin ich sicher.

    • Also, Paderborn zuhause ist zu schaffen (motivere mich damit auch selbst), Karlsruhe ist auch machbar auswärts. Aachen zuhause? Bin ich unentschiedenschlossen. Nun denken Sie doch mal st.paulianisch. Die Oper ist erst zu Ende, wenn die dicke Dame gesungen hat!

      • Kees Jaratz sagte am :

        Es ist Karlsruhe zu Hause und Aachen auswärts, was aber, glaube ich, keinen Unterschied macht. Das Problem beim Hoffen sind auch nicht die Gegner oder Augsburg oder deren Gegner oder gar meine innere Haltung zum Hoffen. Da bin ich nämlich eigentlich sehr groß drin. Aber zu dem Zeitpunkt der Saison vertraue ich nicht mehr diesem althergebrachten ideellen Überbau des Fußballgeschehens. Das geht im Erfolgsfall reibungslos und klappt in Zeiten des Misserfolgs nämlich nur sehr begrenzt. Dazu habe ich zu oft Spieler, egal in welchen Vereinen, erlebt, deren Verhalten deutlich zeigte, dass sie den anstehenden Spielen nicht die notwendige Bedeutung zumaßen. Das werfe ich den Spielern gar nicht vor, sondern s0 etwas geschieht, wenn man einen Beruf ausübt. Trotzdem kann alles noch sensationeller Weise so ausgehen, wie Sie es zum Anklang bringen. Dann nähme ich die Entwicklung gelassen hin. Mit Ausnahme des letzten Spieltags.😉

  8. Froschwein sagte am :

    Was ein schöner Reisebericht, der tröstet dann auch über ein eher weniger schönes Ergebnis hinweg.

    Da ich halt nicht mit dabei war, kann ich zum drumherum logischerweise nichts sagen, wohl aber ein paar Worte zum sportlichen Teil. Temporär wurde von unseren Braun-Weißen wieder einmal anspruchsvoller Fußball vorgetragen, mit einem zauberhaften 1-1 als Krönung, aber wie so häufig in dieser Saison reichte es nicht für 90 Minuten.

    Leider hätte man schon gleich zum Auftakt durch Kruse in Führung gehen müssen, wenn dann kurz darauf, quasi aus dem Nichts, das 1-0 fällt, ist das mehr als ärgerlich. Noch ärgerlicher war dann aber, dass das 1-2 nicht anerkannt wurde. Für mich war es ein ganz klares Tor: Wenn der Torwart außerhalb des Fünfmeterraums einen gegnerischen Spieler anrennt und dadurch den Ball nicht bekommt, ist das ganz allein sein Fehler. Schade.

    In der zweiten Halbzeit wurde dann das aktive Fußballspielen von unserer Seite ein ganzes Stückchen zurückgeschraubt… will ich aufsteigen, muss einfach mehr kommen. Wobei die Berliner sich natürlich auch durchaus clever angestellt haben und hinten recht gut standen. Das 2-1 am Ende war dann schon fast eine logische Konsequenz, auch wenn ein Unentschieden das gerechtere Ergebnis gewesen wäre. Sehr gewundert habe ich mich über die späten Auswechselungen, ich hätte mir Hennings mindestens ne Viertelstunde früher gewünscht…

    Tja, was bleibt also? Auf jeden Fall mal wieder die Gewissheit, dass es unser Verein unbedingt spannend machen muss… immer wenn man sich diese Saison ein Stückchen absetzen, ein wenig Ruhe nach unten schaffen könnte, gibts einen Einbruch. Das hat schon was notorisches an sich. Für die nächsten Spiele werde ich mich wieder auf eine grundpessimistische Erwartungshaltung zurückziehen.

    Ich rechne jedenfalls auch mit einer Entscheidung am letzten Spieltag… Über einen kleinbürgerlichen und furchtbar spießigen Aufstieg in Fürth würde ich mich aber nicht beschweren.

    • Zur zweiten Halbzeit kann man wirklich nur sagen, so darf kein Aufsteiger spielen. Dass sie es können, haben sie doch den Montag zuvor gezeigt, ich verzweifle dann immer kurzfristig und vor allem an meinem Verstand. Aber es wäre auch zu einfach gewesen, das frühzeitig einzutüten. Grundpessimismus ist sicher gesünder. Freuen kann man sich dann ja immer noch🙂

      • Froschwein sagte am :

        Dieses (Ver)zweifeln kenne ich doch nur zu gut… Das sind dann auch meist die Momente in denen ich mir ein göttliches Gamepad in die Hände wünsche um endlich mal selber die Kontrolle zu übernehmen und in das Geschehen eingreifen zu können…😉

  9. Piet sagte am :

    «Ein bißchen zeitknapp wurde das schon, … mit gemütlich einen Platz suchen … war nichts, schon gar nicht, sich mit einigen noch vor dem Spiel zu treffen, mit denen man sich verabredet hatte.»

    Das war in der Tat schade, aber das klappt spätestens am 9. Mai, denke ich doch. Aber schön, dass Sie es überhaupt noch nach Berlin geschafft hatten.🙂

  10. Danke für Ihre Hauptstadtimpressionen. Das Stürmerfoul von Ebbe war keines, doch ist die Niederlage daran fest zu machen? MbMn NEIN. Kienhöfer musste halt prompt entscheiden.

    Abendblatt.de bringt eine sehr treffende Analyse, des Gesehenen: http://bit.ly/FCU-FCSP

    Den Zusammenschnitt (leider mit gaaaanz miesem Ton, der „Himmelssender schützt zu gut) ist bei dem QuoteniRud.us zu sehen : http://wp.me/pMHsX-FL

    Gegen Paderborn erwünsche ich die Möglichkeit einer „persönlichen“ Vorstellung meinerseits…

    Es grüßt der die Quote rockt (…oder eher zu rocken wünscht…)

    • Das Interview mit Kinhöfer im AFM-Podcast finde ich auch bemerkenswert. Macht ihn mir trotz Fehleintscheidung sympathisch.

      Gegen Paderborn werden Wünsche wahr, erstmal Ihre😉 und dann unser aller, sag ich mal!

  11. NuSajaz sagte am :

    schön wars allemal, vor allem euch alle mal leibhaftig vor Augen zu haben.

    Jan

    P.s. sehr schön geschrieben jeky

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