Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

24.10.2010 VfB Stuttgart vs. FC Sankt Pauli 2:0

Schön, wenn man hocherhobenen Hauptes von einem Auswärtsspiel nach Hause fahren kann. Noch schöner ist das allerdings mit drei Punkten. Wenn man gute Chancen aber liegenlässt, ist es eben in der 93. Minute zu spät.

Ich war leider verhindert und musste meine Karte zur Adoption freigeben. Und fand Herrn Fischblog, einen mir schon länger ans Herz gewachsenen Exil-Hamburger, der jetzt seine berufliche Existenz in Heidelberg fristet, nahezu völlig braunweißlos, und dringend eine Auffrischungsdosis St. Pauli brauchte. Herr Fischblog ist mein absoluter Lieblingswissenschaftler, der anders als meine Lehrer in der Schule komplexe Zusammenhänge so erklären kann, dass selbst ich sie ansatzweise verstehe. Wäre Herr Fischblog mein Lehrer gewesen, wäre vielleicht was aus mir geworden. Ich empfehle Ihnen wärmstens sein Wissensblog, außer der fachlichen Kompetenz hat er auch eine tolle Schreibe. Merken Sie es? Ich bin begeistert.😉

Mein persönlicher Kandidat für einen der kommenden Chemie-Nobelpreise also war der Hüter meiner Karte und da Wucherpreise bei uns ja üblich sind, kostete ihn das einen noch zu liefernden Mojito und einen Spielbericht. Und hier ist er nun, der

Spielbericht

Es ist ja schon was anderes, in der Bundesliga zu einem Auswärtsspiel zu fahren. Mein letztes war noch in der zweiten Liga, gegen Oberhausen. Eine Würstchenbude, ein Bierstand und ein Stadion von der Sorte, die man vor ungefähr ein paar Jahrzehnten als Kampfbahn bezeichnete. Das Ding in Stuttgart jedenfalls ist dann doch eine andere Dimension, auch wenn derzeit ein Viertel der Tribünen fehlt. Vierzigtausend Zuschauer waren drin, alle Plätze besetzt.

Ich hatte mich am akut abrissgefährdeten Stuttgarter Hauptbahnhof mit @diepauliane getroffen, erstmal ein Bier gezischt und den mit allerlei unterhaltsamen Protestplakaten behängten
Bauzaun vor dem Nordflügel besichtigt.


Nicht nur im Fußball keine Macht: Gleisneid am Stuttgarter Hauptbahnhof

Was machen die Stuttgarter eigentlich, wenn der unter Denkmalschutz gestellt wird? Der Bauzaun, meine ich.

Es wäre übertrieben zu behaupten, dass Stuttgart braun-weiß war, aber für unseren S-Bahn-Wagen hats gereicht. Wir haben uns auf dem Weg zum Gästeblock noch ein wenig verlaufen (und aus Rücksicht auf die Hausherrin wage ich nicht zu schreiben, auf welche Ideen mich die Polizeipferde am Straßenrand gebracht haben), bevor wir noch @Lutzmax von den Netzpiraten aufgegabelt haben und uns in den Gästeblock verfrachtet haben.

Mit der Stimmung hatten wir diesmal Glück, wir waren höchstens ein paar Meter vom harten Kern der braun-weißen Goldkehlchen entfernt

und haben dementsprechend von den ca. 35000 Stuttgartern kaum etwas gehört. Das war gut. Nicht ganz so gut ist natürlich das Ergebnis, auch wenn wir uns vorher gegenseitig versichert haben, dass Sankt Pauli gar nicht gewinnen kann – es gibt bestimmt irgendwo ein Naturgesetz, das uns daran hindert, am Ende des Spieltages auf einem Champions-League-Platz zu landen. Ein Unentschieden wäre trotzdem schön gewesen. Tröstlich zumindest, dass die Stuttgarter auch nach diesem Sieg noch die weitaus größeren Sorgen haben. Das war wirklich keine Leistung, mit der man es in internationale Wettbewerbe schafft. Wir dagegen können auch ohne die drei Punkte die Gewissheit mitnehmen: So spielt kein Absteiger.

Die erste Halbzeit hat für den magischen FC ganz erbaulich angefangen, mit ein paar schönen Kombinationen über die Flügel und einer wirklich guten Chance für Asamoah. Stuttgart hatte in den ersten zwanzig Minuten keine einzige Chance, und das hätte uns – wir kennen ja unseren FC St. Pauli – eigentlich schon misstrauisch machen müssen. Jedenfalls ist dann auch, als wir uns gerade ein bisschen eingehüpft hatten und zu dem Schluss gekommen waren, dass der vierte Auswärtssieg in Folge durchaus im Bereich des Möglichen lag, das erste Tor gefallen – für die Stuttgarter.

Das war im Grunde wieder so ein Ding wie die beiden Gegentore im letzten Spiel. Bei den Ecken müssen unsere Helden jedenfalls noch mal ans Reißbrett, auch wenn ansonsten nicht viel angebrannt ist. Die Stuttgarter hatten fast direkt nach dem Tor gleich noch einen Fernschuss aufzubieten, aber danach nicht mehr viel. Der Schwung des Anfangs war bei Sankt Pauli trotzdem erstmal raus, abgesehen von Einzelaktionen wie einem zur Ecke abgelenkten Schuss von Lehmann, glaube ich. Zambrano hat danach einen richtig schönen Fernschuss an die Latte gehauen und Stuttgart noch eine Ecke geschossen, die diesmal zum Glück gut ausgegangen ist, aber das war’s dann auch aus der ersten Halbzeit: Sankt Pauli insgesamt deutlich besser und mit Torchancen, trotzdem im Rückstand.

Das hat mich zu dem Zeitpunkt noch nicht allzu sehr beunruhigt, schließlich war unser FC besser und man kann ja nicht zwei Halbzeiten am Stück Pech haben. Kann man allerdings wohl, wie sich noch zeigen sollte. In der Halbzeitpause bin ich jedenfalls erstmal am Bier gescheitert.

Man hat ja immer drei Versuche. Beim ersten haben @Lutzmax und ich uns an die Schlange angestellt, an der es gar kein Bier gab, dann habe ich mich an einen mobilen Verkäufer mit einem –inzwischen leeren– Fass auf dem Rücken herangepirscht, und als wir endlich an der richtigen Schlange anstanden, hatten die Fans schon wieder angefangen zu singen. Wie sagte der Herr Lutz so schön: „Fußball ist wichtiger.“

Die zweite Halbzeit ging dann weiter, wie große Teile der ersten: Stuttgart weitgehend passiv, Sankt Pauli mit mehr oder weniger erfolgreichem Spiel nach vorne. Die beste Chance des Spiels hatte Kruse in der 54. Minute, als er nach einem Querpass von Ebbers plötzlich ganz, ganz, ganz allein aufs Stuttgarter Tor zulaufen konnte und offenbar leider nicht so recht wusste, was er mit dem Ball machen sollte. Er hat sich dann noch rechtzeitig entschieden, ihn am Torwart vorbei ins Tor zu schlenzen, aber da hat sich dann ein Stuttgarter Feldspieler dazwischen geworfen.

Das war’s im Grunde auch. Die Paulianer haben zwar auch die zweite Halbzeit dominiert, aber einerseits haben die Stuttgarter sehr abgeklärt verteidigt und zum anderen können Feldüberlegenheit und auch das Pech bei den Torchancen nicht über das Grundproblem dieses Spiels hinwegtäuschen: So gut die Boys in Brown kombiniert haben – es war eigentlich immer ein Schlenker zu viel, ein Fehlpass zu viel. Meistens war irgendwo vor dem Strafraum Schluss.

Und wenn man Nulleins hinten liegt, die fünfundsiebzigste Minute auch so langsam vorbei ist
und dringend ein Tor her muss, wenn dann der Gegner noch eine Mannschaft mit internationaler Erfahrung ist, dann läuft man auch in Konter der klassischen Sorte. Das ist dann ziemlich folgerichtig, auch wenn Thorandt den Schützen nicht hindern konnte, weil er nach einer unsanften Begegnung mit Cacau ein paar Meter entfernt am Boden lag.

Wir haben von unserer Mannschaft ja schon mal drei Tore in sieben Minuten gesehen, aber irgendwie war eigentlich allen klar, dass das Ding nach dem 2:0 in der 80. Minute gelaufen war, und so war es dann auch. Gefeiert haben wir unser Team nach dem Abpfiff trotzdem, obwohl den Spielern sichtlich nicht nach Feiern zumute war. Dazu war die Niederlage zu unglücklich.

Vielen Dank für die Berichterstattung, Herr Fischer, ich komme ja gerade zu nichts, da hat das perfekt gepasst😉

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7 Gedanken zu „24.10.2010 VfB Stuttgart vs. FC Sankt Pauli 2:0

  1. So wars, und schade, dass wir uns verpasst haben.

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  4. Gabi sagte am :

    sehr schöner Spielbericht….und dass ich auch den Autor noch persönlich kennengelernt habe, war mir eine besondere Freude…. das Spiel zu schauen mit einem Mini-twitter-netpirates-mob, lässt mich mal wieder zu dem Schluß kommen: Auswärtsfahren ist schön!! auch wenn ich diesmal besser das gute alte Masochistenshirt angezogen hätte ;-))

  5. Schade, gegen Schalke war viel mehr drin.

    0:3 ist viel zu hoch!

    Wann gibt es einen Bericht von Euch zum Schlacke-Auswärtsdrama?

    LG,

    Jan

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