Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Wenn ich mal zusammenfassen dürfte…

Also, ein ehemaliger Spieler des FC Sankt Pauli hat zugegeben, von der Wettmafia Geld bekommen zu haben, damit er Spiele manipuliere (!). Nach eigener Aussage hat er das nicht getan und wenn man sich die Spiele und deren Verlauf so anschaut, gelangt man zu der Überzeugung, dass das stimmig ist und die Möglichkeit sehr gering ist, dass er das überhaupt hätte schaffen können.

Realistisch gesehen sollte man davon ausgehen, dass dieser ehemalige Spieler mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der einzige Profifußballer ist, der in irgendeiner Form mit Wetten zu tun hat, in welchem Ausmaß, sei dahingestellt. Weiterhin könnte man vermuten, dass im Zuge der Ermittlungen, durch die auch der ehemalige Spieler auffällig geworden ist, noch der eine oder andere Name aus anderen Vereinen auftauchen könnte, wie das auch in der Vergangenheit schon der Fall war.

Insofern sehe ich den Schaden für den Verein selbst zum jetzigen Zeitpunkt als eher gering an. Stand jetzt wurden keine Spiele manipuliert, der Ablauf war korrekt, die effektiven ud ernsthaften Probleme hat der Spieler.

Die Wettbetrügereien betreffen nicht den FC Sankt Pauli allein, schon morgen könnten die, die heute hämisch grinsen, einen aus ihren eigenen Reihen auf dem Titelblatt der Printmedien entdecken in ähnlichem Kontext.
Oder ist jemand bereit, „die Hand ins Feuer zu legen“ für alle Spieler „seiner“ Mannschaft? Wer heute noch ohne Schuld ist, kann vielleicht schon morgen nicht mehr den ersten Stein werfen.

Ich zumindest kenne keinen so gut, dass ich im Zweifel auf meine Hand verzichten möchte, ich traue lediglich dem einen mehr, dem anderen weniger und einem dritten nichts zu, aber das ist nichts als persönliches Empfinden und wie oft man sich da schon getäuscht hat im Leben…

Stand jetzt habe ich vielmehr das Gefühl, dass es Wichtigeres gibt und beende hier für mich die Diskussion um die „Affäre Schnitzler“ as it is. Es sei denn, die faktische Entwicklung macht anderes erforderlich.

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22 Gedanken zu „Wenn ich mal zusammenfassen dürfte…

  1. Wer ohne Schuld ist, werfe die erste Flasche.

  2. Die Affäre hat leider mit uns zu tun, weil er zu diesem Zeitpunkt für den FCSP auflief. Auf andere zeigen hat immer etwas unsouveränes…

    Da doch lieber die andere Argumentationsweise – nach derzeitigem Stand ist nichts von wettbewerbsrechtlichen Belang passiert, nur der „Betrüger betrogen“. Das Geld anzunehmen war natürlich falsch, aber ob es deswegen zu einer Verurteilung kommt, das ist nach aktueller Kenntnis wohl unwahrscheinlich.

    Sicher wird bei dem Thema auch noch mehr kommen – und damit meine ich nicht unseren Verein, sondern wie in der Vergangenheit in vielen Mannschaften entsprechend „schwarze“ Schafe. Um mal das eingangs Kritisierte in neue Schläuche umzufüllen…😉

    • Genau deswegen finde ich das aktuelle „Auf-andere-zeigen“ -in dem Fall auf den FC Sankt Pauli- so… lässlich. Ich habe mich wohl unklar ausgedrückt, es ging mir mehr um die jetzige Häme der anderen, die -zur Zeit- nicht betroffen sind, denen das aber wie uns jederzeit widerfahren kann. Insofern sind wir uns wohl dann doch einiger als es den Anschein hat.

  3. Wobei die Gefahr, dass ein (Stamm-)Spieler einer Erstligamannschaft bestochen wurde/wird doch geringer ist, da man für z.B. einen Guerrero (schreibt man den so?) deutlich mehr als 100.000 hinblättern müssen dürfte. Deswegen findet sowas halt immer nur in den unteren Ligen statt. Ich wunder mich ehrlich gesagt sogar immer wieder, dass die Halunken bis in die 2. Liga hoch gehen. Wahrscheinlich kriegt man in einer tieferen Liga für 100.000 Euro sogar ne ganze Mannschaft?

    • Das kann sein, da geht es ja um andere Summen. Aber die Halunken finden auch in den oberen Häusern Leute, die aus was für Gründen auch immer, sich dazu anwerben lassen.
      Aber Sie haben wohl Recht, ab einer gewissen Gehaltsklasse kann es auf jeden Fall nicht mehr akute Geldnot sein. Oder zumindest ist das eher unwahrscheinlich.

  4. Sehe ich etwas anders. Der Imageschaden ist erheblich. Er wäre im übrigen zu vermeiden gewesen, wenn der Verein offensiv und so souverän wie möglich mit der Causa umgegangen wäre und sie damit zumindest teilweise entskandalisiert hätte. Der „Stern“ schreibt, man habe „den Klub mit Schnitzlers Geschichte konfrontiert, St. Pauli lehnte eine Stellungnahme ab“. Das heißt, der Klub kannte das ganze Ausmaß der Geschichte, man wusste, dass die Story erscheint – und trotzdem hat man die Zeit nicht genutzt, sich stattdessen durch die Veröffentlichung in die Defensive drängen lassen. Insofern ist der „Fall Schnitzler“ auch ein sanktpaulianisches Kommunikationsdesaster. Abgesehen davon sollte man auch nicht vergessen, dass nicht nur Schnitzler ein Problem hat, sondern, wenn auch auf geringerem Level, zwei weitere (Ex-?)FC-Spieler – jene, die bei einem Treffen mit dem ominösen Paten so getan haben, als seien sie Schnitzlers Komplizen.

    • sparschaeler sagte am :

      das kann ich so unterschreiben.

      der verein hat die tragweite des stern artikel klar unterschätzt. das paßt in das unprofessionelle verhalten das der fc.st.pauli auch bei anderen vorfällen der letzten wochen der öffentlichkeit anbietet.

    • @René
      Das ist ein sehr interessanter Ansatz. Wer ist denn nun für den Imageschaden verantwortlich? Oberflächlich betrachtet der überführte Spieler, der sich aber -wenn die Manipulationsvorwürfe gegenstandslos werden- nur selbst verbrannt hat und das mit 25 Jahren.

      Den wirklichen Imageschaden hat sich in meinen Augen der FC Sankt Pauli durch den Umgang mit diesem Fall zugefügt, das ist ein hausgemachtes Problem. Wie Sie richtig schreiben, wusste man im Vorfeld davon und hat es vorgezogen, erstmal den Kopf in der Deckung zu lassen. Sie haben absolut Recht, eine offensivere Umgangsweise mit dem Thema hätte sicher imagetechnisch eine Menge rausgerissen, wenn man sich nicht bei entsprechender Aktion sogar noch hätte profilieren können.

      Aber nach den in den vergangenen Wochen sich häufenden PR-Desaster-Einschlägen mit entsprechenden Auswirkungen ist das nur die konsequente Fortführung der Serie.
      Schnitzler ist in dem Fall „nur“ der Auslöser, der es ermöglicht hat, dass sich der Verein einen Imageschaden zuzieht. Wäre auch eine Möglichkeit.

      Und richtig, die noch mit ? versehenen beiden erwähnten Spieler stehen ja auch noch zur Debatte. Eine weitere Chance, es falsch zu machen?

    • Ich weiss nicht mehr wo in all dem Informationswust habe ich gelesen, dass noch vor dem Stern-Artikel die Staatsanwaltschaft Bochum den Verein über laufende Ermittlungen im Wettskandal informiert haben soll. Wenn das zutreffen sollte, hätte der Verein schon da offensiv aktiv werden sollen. Prävention statt Reparatur?

  5. @sparschaeler @jekylla
    Richtig, das passt das zu anderen Vorfällen der jüngeren Vergangenheit. Das größte Problem des FC St. Pauli ist nicht die Harmlosigkeit in der Offensive (obwohl das schon groß genug ist), sondern, dass die operative Ebene zu schlecht (und gewiss auch: zu dünn) besetzt ist.

  6. Möglicherweise hat die Staatsanwaltschaft den Verein aber auch gebeten im Zuge der Ermittlungen auf eine Stellungnahme vorerst zu verzichten, hört man ja öfter sowas. Das hätte man dann später natürlich auch kommunizieren können, für mich ist die Stellungnahme des Vereins aber ausreichend, das Problem ist (und hat) meiner Meinung nach der Herr Schnitzler, nicht der Verein.

    • Das mag natürlich sein. Und ja, genau das hätte man auch kommunizieren können.
      Ich habe Angst, wer als nächstes vom Verein mit der Presse spricht.
      Beginne, gewisse Sympathien für den in der Öffentlichkeit eigentlich gar nicht stattfindenden Herrn Orth zu entwickeln. Eben drum.

  7. @Zaphod
    Der Verein hätte auch an die Öffentlichkeit gehen können, ohne die staatsanwaltlichen Ermittlungen zu behindern. Da hätte man sich einfach mal mit ein paar Fachleuten zusammen setzen müssen und überlegen, wie man das am besten anstellt.

  8. Pek sagte am :

    „Realistisch gesehen sollte man davon ausgehen“, dass wenn ein Spieler im Verein für die Wettmafia gearbeitet hat, es noch weitere gibt. Den Finger Richtung „andere Vereine“ auszustrecken ist dann hilfreich für was? Es würde mich nicht wundern; ich halte es sogar für sehr wahrscheinlich, wenn sich da weitere Beteiligte finden. Immerhin kokettiert ja auch der ganze Verein selber gerne mit dem Rotlichtigen und nahm und nimmt ganz offiziell Geld von Wett-, Poker- und Glücksspielanbietern. Das dieses Umfeld Magnetwirkung hat, ist dann doch naheliegend.

    • Schön, dass Sie auch mal wieder vorbeischauen.

      Sie haben mich wohl an einer Stelle mißverstanden. Gerade das mit dem Finger Richtung andere Vereine ausstrecken ist eben NICHT hilfreich für irgendetwas.
      Soll heißen: wenn jetzt andere Vereine hämisch auf den FC St. Pauli zeigen, ist das nicht sonderlich clever, weil jeden Tag woanders auch jemand auffliegen könnte. Und eben das halte ich für genauso wahrscheinlich wie Sie.

      Wenn wir jetzt anfangen zu diskutieren, ob das Annehmen von Geld von Sponsoren, die Alkohol verkaufen, auch Koketterie ist, wo Alkohol doch bekanntlich Suchtgefahr birgt, kommen wir vom Hundertsten ins Tausendste.

      Ich glaube nicht, dass die Sponsoren wesentlich sind, da das Wett-, Poker- und Glücksspielproblem unter Spielern unabhängig davon bundesweit besteht.

      • Pek sagte am :

        Schön, dass Sie das schön finden. Das Vorbei- bzw. sogar Hinschauen passiert schon öfters als das es sich bemerkbar macht; auch wenn es eher nur so im Monatsrhythmus erfolgt. Aber ich muss auch nicht jedesmal mein Mütchen kühlen oder advocatus diaboli sein, obwohl es in der Hinrunde schon erfreulich viel Anlaß dafür gab.

        Dann habe ich Sie tatsächlich falsch verstanden. Es las sich wie ein typischer Abwehrreflex, der Schaden sei gering und die Anderen wären auch nicht besser.

        Zu den Sponsoren, nun ja. Geld soll ja angeblich nicht stinken. Und wenn ein Verein dieser Meinung ist, dann kann er es natürlich auch vom Tisch nehmen, wenn es schon mal da liegt und über seine Werbewirkung und den Vorbildcharakter der Profis andere Menschen für Wett-, Poker- und Glücksspiele akquirieren. Die moralischen Grenzen sind da sicher käuflich flexibel. In der Aufarbeitung ging es mir nur arg schnell nach dem Muster, Einzelproblem, nicht unseres.

        Wie auch immer. Glückwunsch zum nominierten Sportblogbeitrag! So eine Nominierung muss sich eigenartig angenehm anfühlen. Und da es der/das Kid beim Trainer ansprach, persönlich gefragt, haben Sie teilweise auch mit Motivationsproblemen für die Bloggerei zu kämpfen?

        Einen guten Morgen!

  9. @Pek : Ich mache mal hier links weiter, sonst wird das wieder so säulenartig und eng.
    Gut, dass wir drüber gesprochen haben, dann sind wir -in diesem Fall- ja gar nicht weit auseinander bis relativ einig.

    Danke für die Glückwünsche, es fühlt sich sicher angenehm an, insbesondere, weil ich an diesem Beitrag ja nur randgestaltend beteiligt war und mich vorbehaltlos für Jimmy Mazingu-Dinzey freuen kann. Das ist mir sogar fast lieber als selbst im Fokus dieser Ehrung zu stehen.
    Dennoch vermittelt es das Gefühl, dass das, was man so tut, doch Sinn macht und interessiert.
    Aber letztlich sind die Kommentatoren, die sich hier einfinden, das, was das Blog lebendig macht und auch die Motivation, das weiter zu machen. Es gibt bei mir sicherlich auch Momente der Motivationslosigkeit, aber dem gebe ich dann einfach mal ein paar Tage nach und dann ist das wieder erledigt. Entweder durch die „Lebendigkeit“ des Vereins, der ständig neue Themen bietet oder durch eine Diskussion, die Eigendynamik entwickelt.

    Das Schöne ist ja, dass ich das hier und auf dem anderen Blog freiwillig mache, mich niemand dafür bezahlt und ich deswegen auch einfach mal eine Pause machen kann, wenn mir danach ist. Wenn man sich erstmal selbst unter Druck setzt und ein „bloggen müssen“ im Kopf hat, ist das inhaltlich eher kontraproduktiv. Also lass ich es.

    Und wie man bei der Nominiertenliste sieht, gibt es für Tage der Motivationslosigkeit, Eigenes zu verfassen, genügend sehr gute und interessante Blogs, in denen man derweil lesen kann und quasi selbst einfach mal die Füße hochlegt.🙂

  10. Pek sagte am :

    Finde ich eine gute Einstellung. Es ist immer schade, wenn die Ansprüche eines Bloggers so hoch sind, dass er lieber das Schreiben einstellt, weil er/sie keine Frequenz schafft, statt einfach mal Pause zu machen und die Intervalle zu vergrößern.

    Zum anderen Thema befürchte ich dann allerdings, dass meine Vermutung wahr wird und bei St. Pauli etliche mehr noch in den Spielmanipulationen verstrickt sind. Und ganz ehrlich, ich denke, dass auch diese Saison wieder manipuliert wird in diesem Verein. Da scheint mir eine böse Saat aufgegangen zu sein. Es ist eben nicht nur so, dass man einfach das Geld eines Sponsoren nimmt und gut ist. Eine Wettfirma ist dann auch präsent im Verein und macht Wetten und Glücksspiele zum Kabinenthema. 2-3 anfällige Spieler gibt es immer und überall und manchmal ziehen die andere mit. Da kann man sich nicht gegen wehren, jedenfalls nicht, wenn der Verein Glücksspielgelder gerne annimmt.

    • Es scheint so, als würden Sie Recht behalten, wenn man über die neuesten Enbtwicklungen liest.😦
      Und wenn man den Spekulationen diesbezüglich folgt, könnte es noch viel schlimmer werden.

      • Die neusten Entwicklungen? So wie ich das sehe, eher die neusten Vorwürfe von einem, der selber überführt involviert ist und sich über scheinbare Mitarbeit Vorteile im Verfahren erarbeiten will. Nur eine Spekulation, aber dies ist das andere ja auch. Abwarten, was dabei herauskommt.

  11. Pek sagte am :

    Programmhinweis: Heute (7.2.) 21:45 Uhr ARD. Es werden weitere Spieler addiert, nun auch aktuelle.

    http://www.mdr.de/fakt/8201052.html

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