Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

„Du blinder SchiRi, Du!“ oder „Siehst Du Susi tanzen?“

schrie es unmittelbar neben mir Am Sonntag im Block nach einer weiteren merkwürdigen Entscheidung von Schiri Kinhöfer. Und direkt danach fragte der Rufer den Nebenmann leise: „Ist das eigentlich schon politisch inkorrekt oder darf man das noch sagen?“ Antwort: „Ich glaub, das geht gerade noch so durch.“

Geht das wirklich gerade noch durch? Ich wollte es genauer wissen und habe einfach Heiko Kunert gefragt. Er betreibt das Blog Blind-PR, arbeitet beim Blinden- und Sehbehinderten Verein e.V. in Hamburg und war mir schon des Öfteren ein sehr geduldiger fachkompetenter Ansprechpartner bei diesem Thema.

Wie so oft bei Themen wie diesen fällt die Antwort nicht eindeutig aus. Ich selbst empfinde solche Äußerungen nicht als diskriminierend. Mit dem Ausruf „Blinder Schieri“ wird ja im Wesentlichen zum Ausdruck gebracht, dass der Schiedsrichter etwas nicht sieht, was jeder andere sehen würde. Und es ist ja wirklich so, dass ich als blinder Mensch nicht beurteilen kann, ob ein Ball im Abseits war oder nicht. Nüchtern betrachtet kann ich da keine Abwertung blinder Menschen erkennen. Wenngleich es diese natürlich immer wieder gibt, wenn Menschen unterstellen, dass wir aufgrund unseres Nichtsehens nicht selbstständig und selbstbestimmt leben können, nicht arbeiten können, nicht als Lebenspartner taugen usw.

Ich selbst bin schon lange blind und habe gelernt mit meiner Behinderung zu leben, somit kann ich auch gelassen mit Ausrufen wie dem von Dir beschriebenen umgehen. Das kann aber bei Menschen, die frisch mit der Situation Blindheit konfrontiert sind ganz anders sein. Diese Menschen sind oft sehr verunsichert, trauen sich nur noch wenig zu und fühlen sich durch das nachlassende Sehen hilflos. Für manche von ihnen streuen die Wörter Blind und Sehen Salz in die Wunde.

Fazit: ein bisschen mehr Sensibilität im Umgang mit der eigenen Wortwahl kann sicher nicht schaden, aber moralisch oder politisch verdammen würde ich den Ausruf „Blinder Schieri“ nicht. Aufklärung über die Lebenswirklichkeit blinder Menschen und das Schaffen von Begegnungen zwischen blinden und sehenden Menschen scheinen mir hier zielführender zu sein – und St. Pauli tut ja schon eine Menge im Bereich Blindensport und Stadionkommentare via Kopfhörer.

So also ein „Betroffener“. Ich kann sowohl Heikos gelassenen Umgang nachvollziehen als auch eine tiefe Betroffenheit bei Menschen, die mit ihrer Blindheit nicht so selbstverständlich umgehen. Ich hatte vor einiger Zeit selbst die Gelegenheit, glücklicherweise nur für sehr kurze Zeit, mit einer völligen Veränderung meines bis dahin sehenden Lebens aufgrund eines kleinen Unfalls umgehen zu müssen, allerdings konnte ich mich da noch weitestgehend im vertrauten heimischen Bereich aufhalten. Ich nehme an, in dieser Zeit hätte mich ein Ruf „Du blinder…“ doch sehr getroffen. Wer sich selbst einmal etwas näher mit dem Thema Blindheit auseinandersetzen möchte, könnte es auch einmal mit einem Besuch im Dialogmuseum versuchen. Das habe ich in Frankfurt gemacht und war sehr beeindruckt, kann ich nur wärmstens empfehlen. Und natürlich als Ansprechpartner jederzeit Heiko Kunert auf twitter, auf seinem Blog oder beim BSVH
Wie Heiko richtig bemerkte, gibt es beim FC St. Pauli das AFM Radio, ursprünglich aus der Spielbeschreibung für Sehgeschädigte entstanden und die sehr aktive und erfolgreiche Abteilung Blindenfußball.

Und dann war da noch Susi. Und man fragt mich zwischendurch nach meiner „weiblichen Meinung“, weil ich mich diesbezüglich nicht explizit positioniert habe. Dabei will ich gar keine weibliche Meinung haben. Auch keine männliche. Eine Meinung reicht mir. Obwohl es sicherlich auch weibliche Meinungen zu verschiedenen Themen gibt. Zum Beispiel habe ich eine sicher nicht populäre, aber durchaus weibliche Sicht auf das Thema „Susi’s Showbar“.

Nach nunmehr aktuell 70 Seiten Lesestoff im Forum jetzt also meine weibliche Meinung, die vor den 70 Seiten aber die gleiche war.

Abmahnung wegen der Showperformance in der Loge während des Spiels geht klar. Den Sexismusvorwurf hingegen unterstütze ich nicht uneingeschränkt. Die Frage, die sich @momorulez hier gestellt hat

Außer „Titten“-Headlines, die dann angeblich auch noch die Sozialromantiker-Proteste angestoßen hätten – wurde je wirklich reflektiert, ob es Huren beleidigen könnte, wenn wir (meiner Ansicht nach zu recht) gegen Susis Stangentanz votieren? Habe ich was nicht mit bekommen? Es kratzt alles so an Oberflächen, ist so selbstgefällig weiß-hetero-männlich, trotzdem bei uns viel mehr Frauen rum laufen, zum Glück, als in anderen Stadien.

habe ich schon vor Wochen diskutiert. Privat. Steht es uns zu, für die berufstätigen Damen zu entscheiden, ob das sexistisch ist oder nicht? Was schicklich ist und nicht? Diskriminieren wir damit nicht gleichzeitig die Angestellten von Susi´s Showbar und implizieren damit, dass das, was sie tun, politisch nicht korrekt ist, sie sich unfreiwillig ausbeuten lassen, drücken ihnen einen Opferstempel auf, den vielleicht einige gar nicht wollen und verdammen das, was sie tun, in unserem selbstgerechten Meinungsbild von richtig und machen sie damit auch noch gleichzeitig zu Schuldigen?
Sind „sexuelle Dienstleistungen ein legaler Verkauf unter Erwachsenen“ (und der Stangentanz gehört dazu) oder ist das, was „Susi’s Showbar“ am Millerntor anbietet, die Verkörperung von Sexismus oder wird der Begriff letztlich verwässert als Schlagwort herangezogen für etwas, dass wir einfach moralisch ablehnen und mit keiner anderen Keule erschlagen kriegen?

Beim aufgeregten Norbert las ich dann

Ich habe einfach keinen Bock mehr, dass so ein Scheiß für Minderjährige sichtbar in meinem Stadion stattfindet. (Das nebenbei gesagt der ständige Alkoholmissbrauch in unserem Stadion auch so richtig Bombe ist für Minderjährige, muss ich nicht sagen, oder?)

So richtig Bombe ist das in der Tat nicht. Das mit dem ständigen Alkoholmissbrauch. Und das mit der Kifferei auf den Rängen ist pädagogisch sicher auch umstritten. Und laut gerufene Beschimpfungen, mit und ohne rassistische, homophobe und anders diskriminierende Färbung, sind sicher auch nicht, was man den anwesenden Kids vorführen sollte.
Und man müsste ihnen wahrscheinlich dann aber auch eine Tüte über den Kopf ziehen, wenn sie auf dem Weg zum Stadion über die Reeperbahn laufen. Oder auf dem Weg zur Schule durch die Davidstrasse gehen. Das, was Susis Mädels für den Großteil des Stadions nicht sichtbar (also von der Nord sieht man nichts, Teile der GG haben sich schon „beschwert“, weil sie nichts sehen…) vor dem Spiel, in der Halbzeit und nach dem Spiel tun, dürfte da weitaus weniger negativ und prägend auf das Weltbild eines Minderjährigen einwirken als das, was draußen auf der Straße jeden Tag passiert. Oder im Internet. Oder im Fernsehen. Oder im Stadion im direkten Umfeld von zehn Metern.

Soll heißen: ich war mit der Auflage, die Shows nicht mehr während des Spiels zu veranstalten, aus genannten Gründen zufrieden. Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten (heute ohne Phrasenschwein). Und damit wären wir auch gleich bei meiner Nichtaufregung wegen einer Vorstellung in der Halbzeitpause angelangt: das Spiel dauert 90 Minuten. Nicht 105 Minuten reguläre Spielzeit. In der Halbzeitpause tun viele Dinge, die mit Fußball nichts zu tun haben. Telefonieren, Toilette, Bier holen, Geschäftsgespräche führen, twittern, Bloggen – und Stange tanzen.

Meine weibliche Meinung also: so lange ich das Gefühl habe -und diesbezüglich keine andere Information- dass Susis Stangentänzerinnen diesen Beruf freiwillig ausüben, damit eine Illusion als sexuelle Dienstleistung verkaufen bzw. in der Loge Werbung dafür machen, habe ich kein Problem mit Susi´s Showbar am Millerntor. So lange sie das nicht während des Spiels machen und die heilige Kuh Fußball zwei Mal 45 Minuten respektieren als alleinherrschenden Unterhalter, habe ich kein Problem mit Susi’s Showbar am Millerntor.

Demonstranten vor Susis Showbar oder anderen Läden, die eindeutig für Schließung dieser Etablissements auf dem Kiez eintreten, habe ich auch in letzter Zeit keine gesehen, aber der Sexismusvorwurf ist doch außerhalb des Stadions der gleiche? Ok, innerhalb des Stadions wollen wir sauber bleiben und außerhalb gehört es eben zum Viertel? Zum Kiez? Der Verein und sein Viertel. Drinnen wie draußen?

Ich kann nur mutmaßen, wie vielen Männer bei Besuchen von Stripclubs im Kreis ihrer angeheiterten Kollegen die Sexismusfrage nicht ganz so brennend auf der Seele liegt wie wenn sie im Stadion gegen Susi und die Entrechtung und Vermarktung der Frau wettern. Das ist auch sicher was ganz anderes. Ich frage mich, wieso sich so wenige Frauen in der Diskussion äußern. Mich hat bisher diese massive Aufbietung männlicher Empörung für Frauenrechte fast schon eingeschüchtert, zumal ich mich dann fragte: will ich das überhaupt in diesem Fall? Sehe ich da mich als Frau diskriminiert, herabgewertet, sexistisch angegangen? Die Anwort lautet nein.

Auch zum Thema Sexismus gibt es sicherlich Menschen, die sich fachkompetenter und intensiver auseinandergesetzt haben und sicherlich weitaus mehr darüber wissen, aber ich schreibe hier ja nicht als Experte, sondern als Stadionbesucher zum Thema „Susis Showbar am Millerntor“. BesucherIN, genauer gesagt. Aber weil ich die Antwort gerne von denen hätte, um deren gefährdete Rechte es ja im Grunde geht, frag ich einfach mal bei Susi und ihren Damen nach, ob sie durch die Aktion ihre Rechte eher geschützt oder sogar im Gegenteil gefährdet sehen. Stay tuned….

Einzelbeitrag-Navigation

33 Gedanken zu „„Du blinder SchiRi, Du!“ oder „Siehst Du Susi tanzen?“

  1. Das jugendgefährdende Argument trifft’s auch imho nicht. Da wundert man sich manchmal, was denn offiziell erst „gefährdet“ – und das Argument mit der Stripbar ist insofern richtig, als dass man politisch sich ja eben in der falschen Richtung bewegt. Über RTL2 oder DSF und Susis Bar ans Millerntor mit dem unechten Wichs – statt anders herum.

    (wobei ja niemand was dagegen hat, wenn’s sexy zugeht)

    • Nö, das ist ja auch nicht das Problem, das „sexy“. Ich habe ja zum Beispiel Flo Bruns in kurzen Hosen😉

      Jetzt sind bei St. Pauli doch nun schon vergleichsweise viele Frauen am Start im Stadion. Dafür gibt es relativ wenige Meinungsäußerungen zum Thema. Schade eigentlich.

  2. Ach, toll. So werden die Karten neu gemischt. Prima. Danke.

  3. Ja, das ist wirklich schade. Da waren schon echte Knaller dabei😉 – was den meisten schon gar nicht auffällt, Norbert in seinem Blog schon, ist, dass man Sie wie eine Stangentänzerin angucken/behandelnreduzieren könnte bzw. Kriterien anlgegen könnte, wie man das bei einer Stangentänzerin macht, an mich oder Ring2 nicht im selben Sinne – wenn man uns an die Stange stellte. Nur, um mal eine Andeutung zu geben. Bei mir wäre es vermutlich ein Schwulenwitz, bei Ring2 eine Umkehr gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Das zum Thema weibliche Perspektive: Frau ist potenziell betroffen.

    Lustig aber, dass wir die Vorliebe für Florian Bruns in kurzen Hosen teilen😉 – was dann als Anschlussfrage eh kommt, Kleiner Tod hat das neulich behauptet, dass ein Stripper im selben Sinne Sexismus wäre wie eine Stripperin, was ich bestreiten würde, wofür es aber Gründe gibt, das so zu sehen. Und wir insofern, wenn wir die Beine von Florian Bruns sexy finden, bereits eine sexistische Haltung einnehmen würden. Was ratzfatz bei übelstem Puritanismus landet, wenn man das so diskutiert.

    Ach, ein tolles Thema😉 …

    • Männer haben Frauen schon beguckt, als sie die Keule noch offen umhertrugen und sicherlich auch nicht nur aus platonischem Interesse. Heute trägt man die Keule eher verdeckt.
      Jetzt wäre die nächste Frage: wenn man mich auf eine Stangentänzerin „reduzieren“ würde – das ist ja in der Formulierung schon eine Art Diskriminierung der berufstätigen Frau im männer (oder frauen- )unterhaltendem Gewerbe. Wäre das nicht so eine Art Paradoxon, dass man die Frauen damit diskriminiert, dass man ihre Rechte schützen will?

    • Wenn man das (Bruns, sexy etc.) so diskutieren würde, würde ich verrückt. Dann nähme ich lieber den Vorwurf auf mich, in dieser Hinsicht (!) sexistisch zu sein.

  4. Elisasdóttir sagte am :

    Schöner Beitrag zur Debatte! Bzgl. der Frage wie freiwillig jemand diese Arbeit macht volle Zustimmung in der Unsicherheit. Bin da auch immer hin und her gerissen. Gleichzeitig würde ich unterscheiden zwischen der Person, die eine Arbeit macht, ob freiwillig oder nicht, ob gerne oder aus finanziellem Zwang und einem Betrieb, der gewinnorientiert davon lebt, patriarchale und sexistische Selbstverständlichkeiten wie die kaufbarkeit von sexueller befriedigung (und zwar real nur von Männern) und was dazu gehört. Dem bietet man eben eine Werbe- und Darstellungsfläche. Und eben auch die Möglichkeit, das Image des Vereins für sich zu nutzen. Das halte ich eben schon für einen Widerspruch zu Überzeugungen, wie sie in antisexistischen Regeln z. B. in der Stadionordnung einen gewissen Minimalkonsens darstellen (sollen).

    • Die Unterscheidung ist wichtig, das ist gar keine Frage und sicher nur im jeweiligen Einzelfall zu bewerten.
      Was explizit Susis Showbar betrifft, habe ich bei der bisherigen Recherche nichts gefunden, was mich zu der Überzeugung kommen ließe, dass es sich hier um ein „Zwangsunternehmen“ handelt. Bei Susi auf der Website ist auch deutlich die Rede vom „Verkauf von Illusionen, nicht von Liebe“ (ob jetzt Liebe für Sex steht oder Emotion oder beides- weiß ich (noch) nicht.). Ich werde versuchen, da eine Meinung zum Thema von der „Basis“ zu erfragen, wenn man mir Gelegenheit gibt und das hier aktualisieren.

  5. roberto sagte am :

    Meine Güte. macht einfach keine blöden Sprüche auf Kosten anderer und gut ist. Oder nehmt eine Beleidigung ohne Referenz auf „gesellschaftliche Machtverhältnisse“ außerhalb des Fußballplatzes wie „Schiri Du Hoizer“.

    Sorgt Euch lieber mal um die Punkte, die uns fehlen.

    • Es scheint Sie zu überraschen, dass es gerade zur Zeit noch andere Themen geben kann in so verzweifelten Notsituationen wie der des punktearmen FC Sankt Pauli?

      Aaaah ja.

  6. roberto sagte am :

    Nö, eigentlich nicht, man denkt sich so manches mal im Stadion „das einzige was hier stört ist Fußball“.

    Und was die offensichtlich von Ihnen angespielte aktuelle Weltlage bei Anhängern eines Fußballvereins mit der einer höheren Gewichtung der politischen Korrektheit der Schiedsrichter-Beleidigung als der sportlichen Lage zu tun haben soll, hätten Sie vielleicht die grenzenlose Güte mitr Fußball-Proleten mal zu erklären.

    • Nun sind Sie mal nicht so streng mit sich, so unter uns Fußballproleten.
      Sollten Sie mittlerweile den zweiten Teil des Artikels, den mit Susis Showbar, gelesen haben, erweitert sich das Diskussionsspektrum vielleicht etwas?

      Es ging mir nicht mal so sehr um die aktuelle Weltlage (falls Sie jetzt auf Japan anspielen), sondern um Dinge, die in der Welt passieren, die zwar mit Fußball zu tun haben, weil sie im Umfeld stattfinden, aber durchaus in den Rest des Lebens greifen. Dass die Schiedsrichterbeleidigung nicht nur den Schiedsrichter beleidigen könnte, finde ich schon diskutabel. Davon ab, dass mich das Thema interessiert, aber das wissen Sie ja, wenn Sie den anderen Links gefolgt sind.

      • roberto sagte am :

        Nö, Logen mit fußballfremden Krempel mag ich grundsätzlich nicht. Die Besucher dort sollen auf das Spielfeld gucken und nicht auf Tänzerinnen, wir sind doch nicht in Hoffenheim.😉 Somit sehe da keinen Grund zu einer näheren Betrachtung im Kontext des Fußballspiels, weg mit dem Dingen und gut ist.

        Ansonsten, man betrachte meinen Ausgangskommentar, beleidige man den Schiedsrichter mit fußball-immanenten Dingen wie „Hoizer!“ oder „Fußball-Mafia-DFB“, dann braucht man sich über etwaige gesellschaftliche Nebenwirkungen des soeben Gerufenen nicht so einen gar fürchterlichen Kopp zu machen.

        Und in der sodann gesparten Zeit kann man mit dem Tabellenrechner den Weg zur Rettung durchspielen😉 sowie Kräfte sammeln für einen besseren Support wie gegen Stuttgart, da war am Ende ja nix mehr mit „Hell of St.Pauli“, das muss besser werden.

        Entscheidend ist auf dem Platz, Damen und Herren, nach der Rettung ist monatelange Saure-Gurken-Zeit wo man sich dann vorzüglich solchen Themen und anderen wie „warum gehe ich zu St. Pauli, wer bin ich dann da als gesellschaftliches Subjekt und wie viele“ widmen kann.

        So sehe ich das.😉

        • In der Halbzeit ist allerdings auch nur fußballfremder Krempel am Start auf dem Feld. Und rundherum auch. Oder gar kein Krempel.

          Ich (!) rufe das ja auch nicht, mich hat nur interessiert, wie das wirkt. Und den Rufenden offenbar auch. War ja nicht meine Ausgangsfrage, wie Sie sich vielleicht erinnern.

          Ich bin so ein Sparfuchs, dass ich mir das mit den Gedanken auch noch zusätzlich leisten kann. Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Und an einem schnöden Donnerstag, an dem nirgendwo Punkte zu holen sind, leiste ich mir den Luxus und schlachte das Zeitsparschwein für so ein Thema.😉

          Zu Frankfurt werde ich früh genug kommen. Müssen.

  7. So, noch mal hierher kopiert:

    @Ricardo:

    Ich glaub nicht, dass wir mehr Punkte holen, wenn wir uns darum sorgen. Mal ab vom akuten Support, und der wird hier nun gerade nicht unterbunden, sondern durch sich verstärkende Identifkation mit dem Verein nun geradezu erzeugt.

    Zudem man die Frage „Wer bin ich denn da als gesellschaftliches Subjekt“ herrlich ironisierend vom Tisch wischen kann, wenn man selbst nicht potenzielles Objekt von Diskreditierung ist – weiß ich bei Dir freilich nicht.

    Ich bin mir aber sicher, dass Du uns mit dem Tabellerechner den Klassenerhalt sichern wirst!

  8. Ich verweise mal ergänzend auf die Kommentare hier:

    http://www.facebook.com/Jeky1

  9. Das Millerntor ist mein Wohnzimmer. Und in meinem Wohnzimmer will ich Susi nicht. Fertig. Das muss und will ich gar nicht weiter begründen. Und wenn genügend Eigentümer des Wohnzimmers (Mitglieder) das auch so sehen, hat sich der Verein daran zu messen. Für mich endet dann hier die Diskussion.

    Zum Part der Beleidigungen: Da bin ich immer weit mit viorne, bei mir muss beim Spiel immer alles raus. Ich greife gerne auf das Arschloch zurück – das ist so neutral – hat jede/r.

    • Warum habe ich jetzt so viel geschrieben? Miste =D

      • Nö, das passt schon. Leidenschaftliche Argumentation von jemandem, der keinen Bock auf Argumente hat, hat schon was😉

        Und Kiesel hat Recht, Arschloch ist so schön genderunabhängig.

    • Ok, das ist ein Argument. Wenn es genügend so sehen, dann ist das ja auch mehrheitsfähig. Ich werde immer nur unruhig, wenn es so allumfassend heisst „alle“ wollen Susi raushaben. Dem ist eben einfach nicht so. Viele haben ja nicht mal eine Meinung dazu. Das Millerntor ist auch mein Wohnzimmer und so lange mir da keiner auf den Teppich reihert oder Lämmer auf offenem Feuer grillt, treffe ich Rauswurfentscheidungen von Fall zu Fall.

      Was die einzelnen Standpunkte angeht, endet sicherlich da die Diskussion für jeden, wo er mit seiner Meinung zufrieden ist. Interessant sind eben die verschiedenen Meinungen dazu.

  10. Ich habe ja vorhin bei Twitter eine Meinungsäußerung angekündigt, dem möchte ich jetzt dann auch wohl oder übel nachkommen.

    Wir hatten bei twitter die kurze Diskussion über weibliche und männliche Meinungen, du hast auf meine Ankündigung hier einen Kommentar zu hinterlassen deine Vorfreude auf meine männliche Meinung ausgedrückt. In deinem Text aber sagst du, du willst keine weibliche Meinung haben, auch keine männliche, sondern eine Meinung. Und genau das ist mein Ansatz. Ich sage es gibt keine geschlechtsspezifischen Meinungen. Beispiel: Person A sagt, Frauen sollten am Herd stehen und auch mal den Weisungen des Mannes folgen, etc pp. Person B sieht das anders, sagt Geschlechterrollen sind überholt, ohne je cool gewesen zu sein, eine Frau kann aber muss nicht die klassische Hausfrauenrolle ausfüllen und sollte die gleichen Rechte (und Pflichten) haben wie Männer.
    Die meisten würden, auf die Frage welche beider Aussagen wohl von einem Mann kommt, Person A benennen. Handelt sich aber um die Positionen einer Diskussion meinerseits mit einer Frau. Ich bin Person B.
    Auch ein Mann kann eine vermeintlich „weibliche Meinung“ vertreten. Menschen sind verschieden, Sozialisation prägt weit mehr als das eigene Geschlecht.

    Genug davon – kommen wir zu Susi und meiner geschlechtslosen Meinung dazu:

    Sexismus
    ——————–

    Wer besitzt die Definitionsmacht für Sexismus? Für manche ist es Sexismus, für andere nicht. Und nu? Rücksicht und die vielbeschworene Toleranz würden gebieten, denen entgegenzukommen, die es als Sexismus empfinden. Oder man sagt es ist nicht klar zu definieren also ist es okay. Oder soll man die Tänzerinnen fragen? Was werden die wohl sagen?

    Ergo: Ob das jetzt Sexismus ist oder nicht (nach meiner Definition schon aber das führt a) zu weit und b) am Ziel vorbei) ist zum Erreichen der Diskussion irrelevant.

    Jugendgefährdend
    ——————–

    Ist es. Ist aber auch vieles anderes. Frauen die Stangentanz vollführen mit Scheiß HSV gleichzusetzen, wie ua von gewissem Marketingfutzi des FCSP geschehen ist aber and Dummheit nicht zu überbieten. Das aber nur als kleine Anmerkung. Es ist vieles im leben Jugendgefährdend und ja auch am Millerntor sind Kiffen, Saufen, Rauchen, Fluchen, usw. eventuell Jugendgefährdend. Wie sehr darüber kann man sich streiten. Halte ich alles für erträglich für Kinder. Ich wusste im Kindergartenalter übrigens zumindest über Alkohol und Rauchen bescheid und geflucht habe ich auch. Geschadet hat es mir nicht. Kiffen und Sexualität habe ich später kennengelernt – hat mir auch nicht geschadet. Weiß nicht ob eines davon mir geschadet hätte. Müßig. Egal.
    Wir kommen über die schiene nicht viel weiter. Vergleichbar ist es meiner Meinung nach nicht untereinander.

    Fußball
    ——————–

    Klar machen alle unterschiedliche Sachen in der HZ … Stangentanz gehört zwar so ziemlich gar nicht zu üblichen Tätigkeiten in der Halbzeitpause in einem Fußballstadion aber sei es drum. Dennoch, das Argument, das noch am besten zieht.

    Viertelbezug
    ——————–

    Ja die Reeperbahn gehört zu Sankt Pauli. Trotzdem verbring ich meine Zeit auf Sankt Pauli nur äußerst selten da, oder anders gesagt, ich komme eigentlich nur dann in Kontakt mit der Straße, wenn ich sie quere um beispielsweise zum Park Fiction zu gelangen. Mit Verbundenheit mit dem Stadtteil meint man doch hauptsächlich die soziale Verantwortung und die Verbundenheit mit einem überwiegend linken Stadtteil aufgrund der historischen Entwicklungen vor 25 Jahren bzw. der letzten 25 Jahre. Prostitution etc. sind Dinge auf die man sich primär nun wirklich nicht beruft. Aber ja auch die Reeperbahn gehört zu Sankt Pauli und ja sie hat auch eine Wirkung auf den Stadtteil. Muss Susi aber trotzdem nicht geil finden deswegen.

    Und nu?
    ——————–

    In meinen Augen sollte man sich von Argumenten lösen, damit ist kein Blumentopf zu gewinnen. Ich will niemanden davon überzeugen oder mich überzeugen lassen, dass das nun scheiße ist oder eben nicht. Ich finde Susis Loge subjektiv scheiße, weil Argumente für mich funktionieren und wenn das vielen so geht, dann wird die Scheiße eben bei der nächsten MV rausvotiert.

    Ich hab das dumme Gesabbel und Gewinde, all die faulen Kompromisse und Ausreden satt. Striptease gehört nicht in das Millerntor, in das ich gerne gehe, also will ich die Scheiße weg haben. Basta. Ganz egal ob ich das seh oder nicht, ob das Sexismus ist oder nicht, ob das Kinder gefährdet oder nicht, ob das nicht zum Fußball gehört oder doch … alles Scheiß egal. Ich stör mich dran, andere Stören sich dran. Dann radikale Position einnehmen, nicht alles verargumentieren und diesen rotz rausvotieren.

    Und jetzt Happy St. Paddy’s Day! Whisky Hurray!

    • Auch radikale Positionen sind ja jedem zugestanden, argumentative Positionen haben aber auch ihre Berechtigung, über die einzelnen Argumente kann man ja, wie Sie auch, wieder verschiedener Meinung sein. Wir machen hier ja keine Abstimmung darüber, mir ist nur aufgefallen, dass kaum bis gar keine Frauen sich zu dem Thema äußern und das hat mit den einzelnen Wohnzimmern, um die es hier schon ging, ja auch zu tun.

      Rausvotieren ist das Stichwort. Machbar? Ich meine statutenmässig? AOMV? JHV? In dem formalen Thema bin ich nicht so drin. Wobei mich diese JHV-Entscheidungen gemessen an der Teilnehmerzahl immer etwas unzufrieden zurücklassen.

      Um eventuell Unentschlossene noch zu einem Voting zu bewegen, das Ihnen gefiele, sind aber wohl auch Argumente nötig. Oder nicht?

  11. Pingback: Politisch inkorrekt?: Du blinder Schiri! « Blind-PR

  12. Puuh, ist jetzt eine seltsame Rolle, wenn nun ausgerechnet ich die spezifisch weibliche Erfahrung einklage, deshalb bin ich ganz bei Ihnen, Jeky, dass allein schon, dass Sie als potenzielles Objekt des Sexismus sich hier zu Worte melden, an sich schon so gewichtig ist, dass man das nicht mal eben weg drücken kann.

    „Meinung“ ist ja, wie bei Twitter geschrieben, eh ein Unwort, und diese liberalen Argumente, dass „wer spricht“ egal sei, ist schlicht patriachal.

    So können gerade im männlich dominierten Stadion andere Perspektiven weg gedrückt und Erfahrungen einfach für irrelevant erklärt werden. Dann macht doch aber „Antisexismus, Antirassismus oder Kampf gegen Homophobie“ gar keinen Sinn mehr.

    Kann ich aus der schwulen Perspektive ebenso sagen: Heten wissen nicht, welche Erfahrungen man da macht, weil sie mit „Schwuchtel“ wahlweise nicht gemeint sind oder aber etwas als Beleidigung empfinden, was gar keine ist, je nachdem. Und wieso das als eine solche auftritt, ist für jemanden, der gemeint ist, ein fundamental anderes Gefühl als für jemanden, der da den Normen enstprechend lebt. und somit ggf. auch einfach „egal“ sagen kann.

    Zur Viertelgeschichte: Für mich war entscheidend für eine „linke Erfahrung“ immer auch die Solidarität z.B. mit einer Domenica und ihren Versuchen, in Hurenverbänden für die soziale Absicherung des Gewerbes kämpfte. Auch gegen Gentrifizierung kämpft man ja im Namen der Solidarität mit den sozial Schwächeren. Das heißt ja „links“ unter anderem.

    Ich glaub jetzt gar nicht, dass das auf die Tänzerinnen notwendig zutrifft. Das wird aber nicht, ja, diskutiert. Ich finde ja, dass Diskussions- und Protestkultur zusammen gehören.

    Ich bin in der Conclusio sogar ganz bei Dir, @Lichterkarussell, aber wenn man die Gründe nicht anführen kann, die zum Rausschmiss von bestimmten Phänomenen und Personengruppen führt, wie willste denn dann „links“ denken? Wo unterscheidet sich das von „meine Gang setzt sich durch“?

  13. Nur rein formale Antwort:

    – wer nicht wählen geht, muss sich nicht beschwerden. @ JHV Beteiligungsquote. Auch wenn ich weiß, wie schwer das für auswärtige ist, unmöglich ist es nicht. Letztes mal war selbst erneut ein Schweizer anwesend… Briefwahl hätte aus meiner Sicht andere Nachteile (Fälschungsmöglichkeiten, Aufwand etc.)

    – ja klar geht das unsere Satzung sieht selbst ausdrücklich vor, dass die JHV/AOMV dem Präsidium konkrete Handlungsaufträge gibt.

    Grüße

    • Ich war auch als Auswärtiger schon da und weiss, dass es möglich ist. Ich finde viel seltsamer, wie viele Ortsansässige es nicht möglich machen können.

      Ich beschwere mich auch nicht, ich finde die Beteiligungsquote halt immer sehr schade, weil sie nicht unbedingt die Mehrheitsmeinung (da ist Meinung drin!) widerspiegelt, sondern „nur“ die Mehrheit derer, die da sind. Aber so ist das eben, ich weiss. Schade dennoch. Ich werde jedenfalls dort sein.

  14. Alexandra sagte am :

    Ein selbstkritisches Statement zum Thema Sexismus gab übrigens unlängst Peter Redvoort mit dem Roman „Pornos machen traurig“ ab … Fand ihn auch für eine Frau sehr aufschlussreich …

    Alexandra

  15. Pingback: Der 27. Spieltag eines inaktiven Fans « Metalust & Subdiskurse Reloaded

  16. Pingback: „Transparenz schafft Vertrauen“ Das Präsidium des FCSP aber nicht – JHV 22.11.2011 « Fabulous Sankt Pauli

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: