Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

01.04.2011 FC Sankt Pauli vs. Schalke 04 0:2 – oder 0:2 ?

Man könnte jetzt über den gelungenen Einstand von Ralf Rangnick als neuem Trainer von S04 schreiben. Oder über die Hoffnung, die wir in den letzten zwanzig Minuten noch geschöpft haben, als St. Pauli wieder kam, Druck machte, sich Chancen erkämpfte. Oder das Tor von Kruse, das dann doch keins war, weil Neuer von Boll irritiert wurde. Oder über rote Karten für Kalla und Bartels, die den ohnehin geschwächten Kader noch mehr dezimieren für nächste Woche. Oder über die Fans, die ein gänsehautmässiges YNWA anstimmten in den achtziger Minuten.

Aber alle werden sich nur an den Spielabbruch 90 Sekunden vor Schluss erinnern, den ein Bierbecherwerfer zu verantworten hat, der meinte, den Linienrichter Thorsten Schiffner anvisieren zu müssen und ihn mit einem vollen Becher im Genick erwischte. Der ging zu Boden, stand wieder auf. Schiedsrichter Aytekin entschied auf Spielabbruch gemäß Regelwerk, daraufhin gab es natürlich weitere Becherwürfe auf die ausmarschierenden Schiedsrichter und Spieler, aber das gestochen scharfe Bild des Treffers von dem Vollidioten wird in die Reihe „Peinliche Geschichten“ eingehen, das steht fest.

Wie man hört, wurde der Bierbecherwerfer von mindestens drei Personen identifiziert und von der Polizei in Gewahrsam genommen. Das ist mit nichts zu entschuldigen, entschuldigen muss wieder ich mich für diese Deppen, denn es ist ja nie der eine, der geworfen hat, wir haften im Kollektiv. Da kann ich gar nicht so viel essen, wie ich brechen möchte.
Das Spiel war in seiner Entscheidungsschwangerschaft schon bitter genug, aber die Stimmung war super, anscheinend war es schon lange nicht mehr so laut (sagt Bene), die Fans waren großartig beim YNWA („So was gibts nur bei St. Pauli“ Kommentator Liga total) und dann kommt so ein *selbstzensur* Voll*selbstzensur* und zelebriert seine persönliche Folklore.

Dass dieses Spiel im Grunde die Vorentscheidung über den Ligaverbleib war, regt mich nicht so auf wie dieser -regelgerechte und korrekte- Spielabbruch durch Aytekin. Ich war emotional drauf vorbereitet. Aber mich nervt es jetzt schon, dass ich mich dafür wieder rechtfertigen muss und mit der Erinnerung an diese Peinlichkeit erster Klasse den Weg in die 2. Liga antrete. Mit dem sportlichen Ergebnis kann ich leben, zumal die Schiedsrichterentscheidungen sehr umfänglich tragbar waren, aber das mit dem Bierbecher und dem Spielabbruch kann ich nicht verzeihen. Den eigenen Reihen. Das mit den davor und danach fliegenden Bierbechern übrigens genauso wenig. Auch wenn „bei uns auch schon 20 Minuten vor Spielende Bierbecher geflogen sind, die haben aber niemanden getroffen“ (Ralf Rangnick).

Als wäre der Ausgang dieses Abends, der sogar im späten Spielverlauf noch Hoffnung machte, nicht schlimm genug, ist jetzt natürlich noch mit weiteren Sanktionen seitens des DFB zu rechnen. Außer der Wertung für Schalke (die uns ja nicht so viel ausmacht…) kommen noch andere mögliche Strafen wie Geldstrafen bis zu EUR 100.000 („Aus der DFB-Geschäftsordnung: Bei „mangelnden Schutz des Schiedsrichters [und] der Assistenten Geldstrafe bis zu 100.000€“ via @taktikguru), eventuelle Platzsperren etc. auf uns zu.

Vielen Dank, Vollidiot.

Edit: Und wer meint, die Schiedsrichterentscheidungen wären komplett katastrophal und völlig daneben gewesen, der schaue es sich noch mal langsam im Re-Run an und überdenkt vielleicht an der einen oder anderen Stelle seine Empörung. Und wer meint, der Linienrichter hätte simuliert, der schaue sich den Treffer nochmal an und kalkuliere die geworfene Menge mal Geschwindigkeit auf Treffzone.

Edit: Laut § 18 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB: „Trifft eine Mannschaft oder ihren Verein oder beide Vereine ein Verschulden an dem Spielabbruch, ist das Spiel dem oder den Schuldigen mit 0:2-Toren für verloren, dem Unschuldigen mit 2:0-Toren für gewonnen zu werten.“ Danke an Hammonius für den Hinweis, jetzt wissen wir, welches 0:2 es war.

Danke nochmal für den zweifelhaften Ruhm, einer von erst sieben Spielabbrüchen der Bundesliga zu sein.

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68 Gedanken zu „01.04.2011 FC Sankt Pauli vs. Schalke 04 0:2 – oder 0:2 ?

  1. “Dem Becherwerfer in die Fresse“ Klingt hart, ist aber mein momentaner Gedanke.

    Ansonsten: Sie sprechen mir aus der Seele.

    • Ihr Gesichtsausdruck war wahrscheinlich genauso spontanentseelt wie meiner.

      Das hat auch die Mannschaft nicht verdient, denn letztlich haben sie gekämpft und versucht – so unrühmlich aus dem Stadion gehen zu müssen, ist bitter.

  2. … das hat eine Menge Sympathien gekostet. Ich hoffe das wird bei der Strafe berücksichtigt.

    • Wohl weniger. Und was das an Sympathien gekostet hat, hört man bereits allüberall.
      Der Kommentator von Liga total war ja über weite Strecken fast schon von braunweißer Sympathie überwältigt, als Ende der 80er Minuten das YNWA erklang, hätte ich mich nicht gewundert, wenn er geweint hätte vor Rührung. Und dann das. Diese Ernüchterung. Wie bei mir.

      Vielleicht gelingt es, einen Teil der zu erwartenden hohen Strafe auf den Verursacher umzulegen. Wenn er schon sonst zu nichts Nutze ist, dann vielleicht wenigstens als abschreckendes Beispiel. Verletzte sind solchen Knallschoten ja egal (siehe Pyro), aber wenns an den eigenen Geldbeutel geht, siehts eventuell anders aus.

  3. Hier kocht es auch innerlich. Präzise zusammengefasst. Und so schnell. Alle Achtung. Das ganze ist so bitter. Wie auch die korrekte Abseitsentscheidung. Auf eine neues.

    • Aytekin war besser, als die meisten jetzt vermuten. Der Vorteil des Nicht-im-Stadion Befindlichen ist zumindest die bessere Perspektive und die Wiederholungen. Sowohl was die Karten, das Abseitstor und auch den Becherwurf angeht.
      Ich kenn das, man ist schnell „auf Zinne“ im Stadion und mit dem Schiri unharmonisch, aber es sehen sicher einige das noch mal in Ruhe und deutlich.

      Schnell? Ich hab mich sogar noch gebremst und wollte erst morgen, aber ich schlafe einfach besser, wenn der Sprit abgelassen ist😉

  4. „…Das ist mit nichts zu entschuldigen, entschuldigen muss wieder ich mich für diese Deppen, denn es ist ja nie der eine, der geworfen hat, wir haften im Kollektiv. Da kann ich gar nicht so viel essen, wie ich brechen möchte.“

    Besonders dieser Absatz spricht auch auch mir aus der Seele – ich weiß schon, warum ich, trotz der Trennung in den Farben gerne bei Ihnen lese.

    Immer wieder muss man hilflos mit ansehen, wie irgendwelche profilneurotischen Pansen (entschuldigen Sie diese Worte) ihr eigenes – häufig sehr sehr kurzweiliges – Halleluja über alles stellen und damit dem Verein und seinen Fans und Anhängern großen, nur schwer reparierbaren Schaden zufügen. Pyrotechnik, geworfene Gegenstände, sonstige Verfehlungen…

    • In den Farben getrennt, aber bezüglich der Deppen vereint.

      Das kurzweilige Halleluja hatte damit heute erstmal seinen folgenschwersten Höhepunkt. Wahrscheinlich gibt es wieder tausend Entschuldigungen und Erklärungen, die keine sind.

      Wie Stani so richtig sagte, Dinge aufs Spielfeld werfen geht gar nicht. Womit er sicher nicht Luftballons und Konfetti oder Wattebällchen meinte.

      Von dieser Folklore werden wir noch lange zehren.😦

  5. Bodo sagte am :

    100% agree!
    Am Rande sei anzumerken, dass zu all den zu erwartenden Sanktionen durch die DFB Gerichtsbarkeit auch mit einem Echtbier- sprich Astraverbot am Millerntor zu rechnen ist, was den „Mythos St. Pauli“ noch mehr aussterben und das Millerntor in die Reihe der stinknormalen Fußballtempel verkommen läßt.
    Die aufgeheitzte Stimmung des Publikums ist offenbar auch damit zu erklären, dass die allermeisten bis weit nach dem Abbruch wohl nicht haben verstehen können, dass der Schiedsrichter den vermeintlichen Ausgleichstreffer durch Max Kruse wegen eindeutiger Abseitsstellung Fabian Bolls die Anerkennung hat verweigern müssen. Das war leider nur im Fernsehen nach mehreren Wiederholungen und fachkundiger Erläuterung erkennbar und berechtigt. Die Platzverweise waren eindeutig und Regelgerecht. Auch glatt Rot für FDinn Bartels war berechtigt, wenn man gesehen hat, wie er, zwar aus Versehen, aber mit voller Wucht Farfan beinnahe das Schienbein zertreten hat.
    Das alles haben die Zuschauer auf den Rängen mangels Zeitlupe nicht erkennen können, weshalb die Schiedsrichter zur Zielscheibe der Wut der Fans wurden, woraus letztendlich der Bierbecherwurf resultierte. Dieser, und was daraus resultierte, ist völlig inakzeptabel und wird den Ruf des „etwas anderen Vereins“ nachhaltig schädigen.
    Das Spiel selber war zwar aufregend, aber trotz mancher sehenswerten Aktion unseres geliebten Vereins, konnte ich kein Potential mehr erkennen, das uns die Klasse erhalten würde. Dadurch wäre ich nicht so erschüttert, wie durch die extreme Rufschädigung, die uns dann in die 2. Liga begleiten wird.
    Danke Vollidiot!!

    • Ich verstehe das, im Stadion sieht man manches anders und ich habe auch schon geschimpft wie ein Rohrspatz und habe dann später, in Ruhe und detaillierter betrachtet, gesehen, dass ich mit meiner Einschätzung falsch lag.

      Ich bin da bei Ihnen, der Abstieg ist verschmerzbar, aber ich lese ja schon die multiplen Äußerungen aufgrund dieses Vorfalls (Drecksverein, gehören nicht in die Liga, zeigen ihr wahres Gesicht etc etc.) und das wird uns begleiten, stimmt.

  6. hat schalke gut getan dieser wechsel !!

    • Was zu befürchten war. Mir tat Rangnick schon fast leid, so ein Erfolg beim Auftakt und letztlich wird sich daran kaum wer erinnern. Hätte Schalke allerdings lieber auf dem Spielfeld die Show gestohlen und nicht erst 90 Sekunden vor Schluss….

  7. Bitter. Ganz, ganz bitter.

    And now for something completely different: Dieses schicke, neue mobile theme, das man hier auf dem iPad zu sehen bekommt, enthält einem leider die Kommentare vor. Es zeigt zwar an, daß es 4 gibt, aber wenn man darauf klickt, bekommt man nur eine blanke Wand zu sehen, sowie ein Kommentarfeld, in das man selbst schreiben kann. Sehr suboptimal, weswegen ich das bei mir neulich auch umgehend wieder rausgeworfen habe.

    Wenn man solche Bierbecher werfenden Molche doch nur auch so rasch deinstallieren könnte!

  8. Hammonius sagte am :

    Mir gefällt an der jetzigen Diskussion die „Einzeltätertheorie“ nicht. Ein „Vollidiot“ hat getroffen – geworfen wurde aber von vielen, und das von allen Tribünen.

    Ich zitiere in diesem Zusammenhang mal von SpOn: „Später äußerte sich auch Aytekin zu den Geschehnissen und seiner Entscheidung: ‚Bereits in der ersten Halbzeit sind die Assistenten mit Feuerzeugen und Münzen beworfen worden. …'“

    Auch Ralf Rangnick meinte ja auf Sky, es seien „schon 20 Minuten lang“ Bierbecher in Richtung Schalke-Bank geflogen.

    Auf Sky zu sehen war auch der Geschosshagel, der auf das Schiedsrichtergespann beim Verlassen des Platzes niederging.

    Hier scheinen also doch deutlich mehr als nur ein paar St. Pauli-Fans – von nur einem ganz zu schweigen – über die Stränge geschlagen zu haben.

    Und das nicht zum ersten Mal, wenn ich das an dieser Stelle bemerken darf. Bierbecherwürfe gehören seit Jahren zum schlechten Ton am Millentor (und auch auswärts: 2001, kurz vor dem damaligen Erstligaaufstieg, trafen St. Pauli-Fans auf dem Aachener Tivoli einen Linienrichter namens Hoyzer (!) mit einem Bierbecher am Kopf. Es gab damals eine Spielunterbrechung, aber keinen Abbruch).

    Sämtliche Diskussionen in der Fanszene über das Thema endeten in den letzten 10, 15 Jahren bislang aber immer ungefähr so: „Es ist doch nur Bier“ oder „Besser Bierbecher als was Härteres“ als Totschlagargument der Verharmloser.

    Bis heute Abend zumindest. Wobei die Verharmloser im St. Pauli-Forum, auf Facebook u.ä. schon wieder unterwegs sind…

    • Ganz so ist es ja nicht, das steht auch im Text oben!

      Schiedsrichter Aytekin entschied auf Spielabbruch gemäß Regelwerk, daraufhin gab es natürlich weitere Becherwürfe auf die ausmarschierenden Schiedsrichter und Spieler…“
      und
      Das mit den davor und danach fliegenden Bierbechern übrigens genauso wenig. Auch wenn „bei uns auch schon 20 Minuten vor Spielende Bierbecher geflogen sind, die haben aber niemanden getroffen“ (Ralf Rangnick).“

      Aber ich habe gerade gelernt, dass (O-Ton) „Drecksspießer wie ich ohnehin den Anderen den ganzen Tag versauen“, weil sie sich über so etwas aufregen.
      Passt zu „Ihren“ Verharmlosern. Alles jugendliche Folklore….

      • Hammonius sagte am :

        Ja, in Sachen Bierbecherwerfen sind die Fronten ähnlich verhärtet wie bei der Pyro-Diskussion.

        Meine bisherigen Relativierungs-Favoriten des Abends: „Ich hab am Millerntor schon Schlimmeres gesehen…“, „Die Schalker haben die ganze Zeit Feuerwerk geschmissen, aber davon redet jetzt natürlich keiner mehr…“ und „Spielabbruch wegen einem Becherwurf ist so lächerlich, wenn man mal guckt, was in anderen Stadien abgeht…“

        Nur müde lächeln kann ich über ebenfalls erhaltene Häme-Kommentare aus dem Volkspark, wie etwa „Ja, ja, die besten Fans der Liga…“. War klar, dass so was kommt. Nehme ich aber nicht ernst. Woche für Woche im Volkspark die Augen verschließen (und/oder die Klappe halten) – aber sich daran aufgeilen, wenn man dann mal mit dem Finger aufs Millerntor zeigen kann – billig, aber weiter auch nichts…

        • Die Häme-Kommentare des Vorstadtvereins lassen mich auch recht ungerührt,es sind eher die erschrockenen von Fans anderer Vereine -solche Spießer wie ich eben- und dieser wirklich gerade noch so begeisterte LigaTotal-Kommentator, dem dann auch nichts mehr eingefallen ist.

          Verniedlichungskommentare werden wir sicher noch einige zu hören kriegen, ich lege mich so schnell mal nicht auf einen Favoriten fest.

          Nach dem Spielabbruch das Zeckenlied anzustimmen, ist übrigens auch kaum zu übertreffen.

        • Ach, das scheinheilige Gejammer der Rollrasenverlegerversagerbesiegten geht mir sonstwo vorbei. Erstens werfen bei uns zumindest nicht die Spieler mit vollen Getränkeflaschen nach den Fans und zweitens würden wir uns diese Steilvorlage umgekehrt natürlich ebenso wenig entgehen lassen. Und solche „Fans“ wie diesen Helden gestern Abend hat jeder Verein.

          Erschrocken bin ich nur über die Kommentare Im Forum und auch auf YouTube, wo der Becherwurf gut zu sehen ist. Dem Schiedsrichterassi hier eine „schöne Schwalbe“ zu attestieren ist dermaßen verharmlosend und menschenverachtend, da fehlen mir die Worte.

          Wenn wir solche Typen nur loswären auf dem Weg in Liga Zwo! Aber die sehen sich wohl noch als Märtyrer.

          • Das wird ja auch noch von erschreckend vielen moralisch subventioniert, dieser ach so jugendliche, unangepasste, rebellische „St. Pauli Spirit“, der auf Benimm- und Anstandsregeln jeglicher Art, aber auch auf gesunden Menschenverstand völlig verzichtet.

            Emotionen respektieren, Verstand verlieren – oder wie hieß das?

            Hätte man dem Linienrichter „Du schwule S**“ zugerufen, wäre die Empörungjetzt ganz groß. Aber so wars ja nur ein Bierbecher an den Kopp, alles klar, das ist salonfähig?

            Diese Art der st. paulianischen Selbstgerechtigkeit geht mir schwer auf die Nerven. Können wir uns auch in dieser Form gar nicht mehr leisten.

    • Bodo sagte am :

      Als wir am 05.11.1988 das erste Heimspiel nach elf Jahren gegen den FC Bayern München bestritten, herrschten am Millerntor noch klare Vorstellungen vom Besucherverhalten. Das in den vorherigen Jahren in den unteren Ligen entstandene und gefestigte Underdogimage wurde gepflegt und war damals auch noch echt. Während dse Spiels und auch bereits beim Einlaufen, wurde der FC Bayern mit einem Hagel aus Münzen und Bierbechern empfangen und wüst beschimpft. Uli Hoeneß und alles, was sich auf der Bayernbank aufhielt, war durch und durchnäßt und schützten sich mit Schirmen gegen Bier- und Münzwürfe, weil erst in der Saison 1989/1990 die Bänke auf Veranlassung des DFB mit einem rückwärtigem Blechschutz versehen wurden. Das Werfen lief danach ins Leere, wurde allerdings wegen des ohrenbetäubenden Sounds der Münzen auf dem heißen Blechdach noch lange beibehalten. Die Unsitte, Gegenstände auf das Spielfeld zu werfen, ist also weder neu, noch abhängig von Spielresultaten oder Gegnern, obwohl der FC Bayern lange Zeit das bevorzugte Feindbild repräsentierte.
      Mich hat es damals bereits empört, dass der Gegner in dieser Weise niedergemacht und physisch angegriffen wurde. Okay, die Münzwürfe galten damals durchaus als political correct am Millerntor, als ehemaliger Sportler jedoch war ich einen anderen Umgang mit dem Gegner oder Partner gewöhnt. Ich gehörte in dieser Hinsicht jedoch zur spießbürgerlichen Minderheit. Spielabbrüche hat es damals übrigens nie gegeben.

      • Willkommen bei der spießbürgerlichen Minderheit. Die so klein offenbar doch nicht ist.

        Es gab überhaupt nicht viele Spielabbrüche, die nichts mit Wetter- oder sonstigen Unbespielbarkeitsbedingungen zu tun hatten. Meines Wissens nach ist das der zweite dieser Art.

  9. kalle sagte am :

    unglaublich, was ich mir in der süd alles anhören und -sehen musste. ich könnt kotzen ohne ende…
    was bleibt ist eine herbe enttäuschung. wenig seitens der mannschaft, sehr seitens der zuschauer. und da nicht nur ein einzelner, der sich als kunstwerfer inszenieren wollte, sondern eine gesamte gruppe an sachen-schmeißenden vollidioten.

    • Und diese Gruppe scheint beständig zu wachsen.

      Man kann sich zwar immer wieder distanzieren und sich empören drüber, aber letztlich zieht einen das Gesocks mit rein. Ob es rassistische oder homophobe Sprüche sind, Becher-, Feuerzeug- und sonstige Würfe auf Spieler oder Schiedsrichter oder Zündeln im Auswärtsblock – „wir“ beherrschen mittlerweile als nicht mehr anderer Verein das ganze Repertoire.

  10. Ich wollte ja nicht darüber reden, aber hinsichtlich der Folgen des Flaschenwurfes ist Ihr Resümee sehr treffend: „Vielen Dank, Vollidiot“
    Der Rest ist Schweigen.

  11. Ich wünsche mir öfter solche neutrale Darstellungen aus Fansicht für Menschen wie mich, die das Spiel nicht gesehen habe, wie diese.

    Danke dafür!

  12. Piet sagte am :

    Eigentlich ist alles gesagt: Aytekin habe ich mit meiner gestrigen Empörung während des Spieles sehr Unrecht getan. Obwohl das natürlich dazugehört, die Emotionen, die auch durchaus im Ungerechten liegen können, wenn eben kein Video zur Verfügung steht. Das ist Stadion und das ist in Ordnung so, wenn man im Nachgang sein Bild korrigieren kann.

    Die Bierbecherwürfe aber, und es war eben nicht nur der eine, von dem Stani und m.E. auch Schulte sprach, sondern es waren Massen an Bechern, die von den Rängen flogen, haben mit den o.g. Emotionen nichts mehr zu tun, sondern sind die Folge von am Bierstand abgegebenem Hirn! Oder die Folge grenzenlosen Egoismus’ und der Geringschätzung Dritter bzw. eine Kombination aus allem.

    Das, was da gestern an Bechern flog, hat alles bisher gekannte (also am Millerntor zumindest, über die letzten Jahre) in den Schatten gestellt, sodass ich mich schon fast schämte, die Schalker vorher für ihr Sch***-Pyro geschimpft zu haben: Wir sind doch kein Deut (mehr) besser?!

    Nachdem ich zum YNWA noch Gänsehaut hatte (und ja, es war während des Spieles deutlich lauter als sonst), die Kulisse mit all den Schals genoss und beinahe befreit mitsang (ich habe mich mit der 2ten ja längst abgefunden), kam der buchstäbliche Schlag in den Nacken: Dieser Becherwurf unter den vielen hat viel von dem, was St. Pauli für mich ausmacht, mit Füßen getreten.

    Ob wir nun ein Spiel vor leerer Kulisse werden spielen müssen (Danke, du Vollhupe!) oder Bierverbot bekommen (Danke, du Vollhupe!) nebst der saftigen Strafe, die der Verein zu zahlen haben wird, Geld also, das an anderer Stelle fehlen wird, und dem enormen Image-Schaden, der mit diesem einen Wurf angerichtet wurde, möchte ich den Blick noch in eine andere Richtung lenken: Angesichts der Becherwürfe, die ja insgesamt kein neues Phänomen darstellen und deren Ausbleiben auf absehbare Zeit (leider) als illusorisch anzusehen sind: Ob Pfandbecher aus Hartplastik wirklich die richtige Entscheidung sind? Denn ob gestern wesentlich weniger geflogen wäre, selbst wenn das Pfand 10€ gekostet hätte, wage ich zu bezweifeln. Und mir graust vor dem Tag, wo solche Vollhupen wie gestern mit Hartplastik in der Hand im Stadion hinter mir stehen.

    • 1910% Zustimmung.

      Das -und einige Randerscheinungen der unerfreulichen Art- gibt mir wieder Stoff zum Nachdenken. Bestärkt mich in getroffenen Entscheidungen und verlangt weitere. Von denen ich mindesten eine schon getroffen habe.

      Auch das ist „mein“ St. Pauli.

    • Bodo sagte am :

      …und dann muss ich mir zu allem Überfluss auch noch die geschwätzige Häme eines intellektuellen Legasthenikers – dessen Name ich nicht kennen will, der jedoch heute Nachmittag das Spiel BVB – Hannover 96 bei liga-total kommentierte – gefallen lassen, der sich nicht entblödete, beim Anblick eines Pappbierbechers mit dem Konterfei Mario Götzes drauf, in Euphorie zu verfallen und zu behaupten, dass man damit bestimmt nicht bis auf´s Spielfeld werfen könne.Im Westfalenstadion wird übrigens auch immer noch Vollbier ausgeschenkt.

  13. Curi0us sagte am :

    Im Stadion fand ich die Entscheidungen weitgehend unverständlich. Das ist halt so – gerade wenn es „um was geht“. Und das ist sicher auch Teil des Spieles. Aber *selbst wenn* ich damit (offenbar nicht…) Recht gehabt hätte, und *selbst wenn* Aytekin bewusst gegen uns gepfiffen hätte (hat er nicht…), rechtfertigt das nicht einen einzigen Wurf von sonstwas auf das Feld. Und solang die entsprechenden Kandidaten nicht verstehen oder ignorieren…naja😦

    Wir hatten schon deutlich vor dem Abbruch so unseren Spass mit Becherwürfen im Block und mindestens zwei merkbefreit schimpfenden Blocknachbarn. Details erspare ich mir hier. Komisch, das sowas dann alles an einem Abend kumuliert…

    Bleibt zu hoffen, dass durch die sicherlich folgenden Diskussionen wenigstens der eine oder andere was merkt, auch wenn mir da leider der Glaube fehlt. Ist halt Fussball, kein Hallenhalma…

    Wie so oft sprechen Sie mir aus der Seele. Danke dafür.

    • Ja, im Stadion habe ich auch schon wie ein Rohrspatz geschimpt und mich später kleinlaut korrigieren müssen. Das ist eben so. Normal.

      Aber wenn man mittlerweile schon fast Emotionslosigkeit unterstellt bekommt, nur weil man seinen Emotionen nicht durch Werfen von Dingen Ausdruck verleiht, wenn man dem Denunziantentum zugeordnet wird -wird auch sehrinflationär verwendet, der Begriff-, weil man es gut findet, dass sie diesen Vollidiot erwischt haben und es genauso gemacht hätte wie die drei, dann ist man an einem Punkt angelangt, wo sich jede weitere Diskussion erübrigt.

      Wieder mal.

  14. Vijoloco sagte am :

    Danke für diese Zusammenfassung – dieses Bierbechergewerfe hat unerträglich zugenommen in den letzten Heimspielen und ist ein nicht tolerierbares Unding!

    Was ich aber nicht verstehe: wer hat diese Bierbecher konzipiert & zugelassen? Bessere Wurfgeschosse kann man ja gar nicht verteilen! Beim Einlass würde einem so ein Hartplastikbecher abgenommen, würde man ihn mit ins Stadion nehmen wollen, Drinnen wird er dann an 25.000 verteilt. Daß darunter (mind.) einer dabei sein könnte, der sich im Wuternstfall nicht unter Kontrolle hat ist doch absehbar. Ich bin dafür, daß die alten Becher wieder eingeführt werden, die fliegen nicht so weit…
    Nochmal: ich möchte hier nicht falsch verstanden werden – jeder Bierbecherwerfer am Millerntor hat St. Pauli nicht verstanden!
    By the way: weiß man eigentlich, welcher Spieler auf dem Becher abgebildet war? Oder war’s vielleicht der neue Becher mit der „alten Hauptribüne“…? 😉

    Und zum Zeckengesang:
    ich verstehe was Du meinst – ganz korrekt war er bestimmt nicht. Doch auch hier darfst Du nicht vergessen: es ist ein Unterschied ob man die Zeitlupen und die Informationsfülle am Fernsehgerät hat, oder ob man im Stadion steht. Ich habe vom Becherwurf z.B. nix mitbekommen. Ich habe aber mitgesungen. Und ich finde man kann es auch durchaus als ironischen Kommentar auf einen Spielabbruch am Millerntor im Allgemeinen verstehen, was auch immer der Grund dafür gewesen sein mag. Nicht zu hoch zu hängen, der Gesang, finde ich. Aber nur meine bescheidene Meinung…

    • Die Wahl des Materials verstehe ich allerdings auch nicht. Hartplastik fliegt weiter und ist verletzungsträchtiger, stimmt. Ein Schritt weiter: jeder Bierbecherwerfer egal in welchem Stadion hat nichts verstanden.

      Was den Zeckengesang angeht, ich weiss, ich bin oft genug im Stadion, man kriegt einiges nicht mit. Aber den Spielabbruch hat man doch mitgekriegt, oder? Da dieser Gesag wirkte nicht ironisch wie sonst immer, sondern einfach nur deplatziert. Das war auch nicht sonderlich hochgehängt, sondern eigentlich nur noch das Sahnehäubchen oben drauf und passte irgendwie, auch wenn es vielleicht anders gemeint gewesen sein mag.

      Ich geh ja nun auch schon länger ins Stadion und Bierbecherwerfer sind ja nicht erst seit heute Thema, aber es scheint überproportional zugenommen zu haben und die vielbeschworene Selbstregulierung ist offenbar an ihren Grenzen angekommen.

      Und wenn es jetzt heisst Geisterspiel oder Platzsperre, wird wieder rumgeheult. Auch von den Werfern.

  15. Stp1910 sagte am :

    Vielleicht kommen wir ja mehr zu einem YNWA wie gestern zurück. Das fand ich wirklich Klasse. Über den Rest ist alles gesagt.

  16. Hammonius sagte am :

    Ironie am Rande: Wer sich gefragt hat, warum gestern Mannschaften und Schiedsrichter an der Ecke Haupttribüne/Südkurve auf den Platz kamen – dafür hat der Verein gesorgt, mit der offiziellen Begründung, dass von der Gegengeraden Gegner und Schiedsrichter in der Vergangenheit zu oft mit Gegenständen beworfen wurden…

    • Dann ist es ja jetzt egal, wo sie rausgehen….

      • Hammonius sagte am :

        Sie können übrigens die Überschrift des Blogeintrags enden. Ergebnis ist 0:2 – laut § 18 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB: „Trifft eine Mannschaft oder ihren Verein oder beide Vereine ein Verschulden an dem Spielabbruch, ist das Spiel dem oder den Schuldigen mit 0:2-Toren für verloren, dem Unschuldigen mit 2:0-Toren für gewonnen zu werten.“

  17. Zu den Becherwürfen will ich gar nichts mehr sagen, diese Aufgabe haben Sie ja souverän wie eh und je übernommen und ich kann mich da einfach Ihren Worten anschließen. Wobei ich vielleicht noch anmerken möchte, dass man Aytekin bei den großen Entscheidungen zwar keinen wirklichen Vorwurf machen kann, es aber eine ganze Menge an kleineren Dingen gab, bei denen er nicht unbedingt für uns gepfiffen hat. Als Note würde ich wohl ne 4 raushauen, aber selbst wenn es 6 gewesen wäre, würde das natürlich die Becherwürfe nicht rechtfertigen.

    Gewissermaßen war das Ende aber schon fast konsequent, denn es herrschte das ganze Spiel über eine merkwürdig aggressive Stimmung, wie ich sie selten (nie?) am Millerntor erlebt habe. Neben uns konnten wir mit Müh‘ und Not eine Klopperei verhindern, die man so eher im Kindergarten erwartet hätte („Aber er hat mich geschubst!!“). Die Krönung war aber ein Ordner, der beim Kampf ums Gangfreihalten seine Kollegen wortwörtlich anwies, dass man Leute die im Gang stehenbleiben sofort anzuschreien, und wenn sie dann nicht auf Anhieb reagieren, rauszuschmeißen habe… Ich dachte wirklich ich höre nicht richtig. Vollkommen wahnwitzig wurde es aber dann, als eben dieser Ordner regelmäßig anfing mit einigen Auserwählten ein Pläuschen zu halten – gemütlich mitten im Gang – Nur um dann den nächstbesten anzupflaumen, er solle endlich weitergehen. Kurz vorm Ende der ersten Halbzeit drohte er dann einen meiner Nebensteher mit Rauswurf, weil er gesehen haben meinte, dass dieser eine Ordnerin belästigt hätte. Zum Glück konnte die betroffene Ordnerin die Sache schnell aufklären.

    Nachdem der Aggro-Ordner dann in den letzten 20 Minuten verschwand, gab es übrigens keine größeren Stauprobleme mehr… Ob man solche Vorfälle melden sollte? Und wenn ja, wo?

    Achja, ein paar Bilder habe ich auch noch gemacht, wenn Sie Lust haben, dann schauen Sie mal vorbei.

    • Ich geh gleich gucken🙂

      Habe mich gerade durch 27 Seiten Forumsthread zum Thema durchgekämpft. Ehrlich gesagt … ach, lieber nicht.

      Ich habe von der Bezugsgruppe auch solche Geschichten gehört, sehr aggressive Stimmung rundum, sicherlich auch dem Ärger über das Schiedsrichtergespann geschuldet. Aber es gibt NICHTS, was diese Art von Emotionen rechtfertigt. Sind die Leute, die Emotionen während eines Fußballspiels nicht soweit in den Griff bekommen, dass sie keine Wurfgeschosse zum Abreagieren brauchen, eigentlich schon behandlungsbedürftig?

      Ich wundere mich mehr und mehr, nach welchen Maßstäben hier eingeteilt wird nach „salonfähig“ und „verdammenswert“. Rasissmus, Homophobie, Sexismus – geht gar nicht. Sachen auf Leute werfen sind halt Emotionen. Wenn dieses Wort letztlich alles sanktioniert, dann werde ich es hier nicht mehr benutzen.

      Ich benutze hier ohnehin bald nichts mehr und Tage wie gestern und die Menge von Leuten, die alles entschuldigt, sind in Stein gemeisselte Gründe dafür.

      It looks like AFM-Fernmitgliedschaft und Sky-Abo. Was mach ich dann bloß mit dem ganzen gesparten Geld?

      Ich geh mal lieber Bilder gucken….

    • WG Ordner
      Die Ordner haben ja eine „Oberaufsicht“, den Oberordner. Ich denke schon, dass man sich da beschweren könnte, aber vermute, dass das auch nicht viel bringen würde.

      Oder danach offzielle Beschwerde an den Verein, da wäre wohl Sven Brux der richtige Ansprechpartner.
      Dessen Job ich immer weniger gern würde haben wollen, auch für sehr, sehr viel Geld nicht.

      • Bodo sagte am :

        Vor drei Jahren hatte ich meinen letzten Ordnereinsatz am Millerntor. Ich war ursprünglich durch Fiete, einem durchaus vielen Fans nicht unbekannten „ordentlichen“ Ordner und Anwohner im Schatten des Stadions, im Jahre 1995 an diese Aufgabe gekommen. In diesem Zusammenhang hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, einen anderen „Ordnereinteiler“ kennen zu lernen, dessen Verhalten und dessen Auftreten mich in erschreckender Übereinstimmung an den vom Frittenbuddhisten beschriebenen Ordner erinnert.
        Dieser Ordner war erklärter Anhänger des Stellinger Trümmerhaufens, hörte am liebsten „Die Flippers“ und besaß einen schwarzen Gürtel in irgendeiner exotischen Brutalokampfsportart. Er suchte durch Provokation regelmäßig die Auseinandersetzung vornehmlich mit auswärtigen Fans, die sich durch besondere Euphorie hervortaten. Regelmäßig brüstete er sich auch mit seinen Heldentaten, die sich stets um blutige Nasen, dicke Augen und hängende Lippen drehten. Meine mehrfache Beschwerde gegen ihn bei seinem direkten Vorgesetzten liefen ins Leere, weil die meisten Angst vor ihm hatten und berechtigterweise mit Angriffen gegen sich rechnen mußten, wenn sie sich ihm entgegen stellten.
        An mich traute er sich nicht (mehr) heran, weil ich ihm ganz zu Anfang glaub- und schmerzhaft versichert hatte, dass es besser für ihn war, sich mir stets mit angemessener Höflichkeit zu nähern. Seitdem war ich sein „Freund“. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.
        Ich befürchte, dass es sich bei der geschilderten Person um ihn oder um einen, seiner Epigonen handelte. Leider sorgen diese Firmen und deren Leute immer noch am Millerntor für „Ordnung“. Sie sind nur schwer durch geeignetes Personal zu ersetzen, weil sich dafür kaum geeignete Leute finden lassen. Das ist das Dilemma.

        • Das hat ein Ordner an anderer Stelle auch so bestätigt, dass dem immer noch so ist.

          Der Fisch stinkt nicht nur vom Kopf her, sondern mittlerweile an allen Enden. Dass das jemals in den Griff zu bekommen ist, glaube ich nicht. Weder durch irgendwelche Mafia-Sanktionen noch durch Selbstreinigungsprozesse.

          Letztlich muss jeder seine persönlichen Konsequenzen daraus ziehen.

  18. Mit 24 Stunden Abstand und der Nachbetrachtung in der Flimmerkiste, mit Zeitlupen und Wiederholungen, da sieht man manches anders.
    Aber auf den Rängen zählt das nicht. Da ist jeder Pfiff gegen die eigene Mannschaft ein Sakrileg, wenn man es nicht genau gesehen hat, und wer sieht das schon immer genau.
    Natürlich kann man die Karten geben, und das Abseitstor, naja. Dumm gelaufen, trotzdem waren es schon vorher einige strittige Aktionen, in denen er nicht für uns gepfiffen hat. Und in einer derart aufgeheizten Atmosphäre waren diese vier unglücklichen Situationen, innerhalb kürzester Zeit, einfach zu viel für die Fanseele.
    Bartels ist unglaublich abgefeiert worden, als er auf die Bank musste. Das hat gekocht auf den Tribünen, der Becher hätte von jeder Seite kommen können.

    Ist alles keine Entschuldigung, diesem Vollhonk würde ich auch gerne was aufs Maul hauen, wie bescheuert kann man eigentlich noch sein. Unglaublich, dass so etwas anscheinend ohne Vormund auf die Straße darf.
    Aber deshalb ein Spiel abbrechen? Zwei Minuten vor Schluss? Sollen sie Oberliga pfeifen, wenn sie keine Nerven dafür haben, da bin ich ganz bei Boller.

    Bei einer anderen Sache bin ich auch ganz bei Boller, hab ich grad in der Flimmerkiste gesehen: „Ich hab echt kein Bock jetzt aufzugeben.“
    Ich auch nicht. Forza St. Pauli!

    • Dieser Vollhonk ist -soweit man mitbekommen hat- 43 Jahre alt. Die klassische Entschuldigung „rebellischer Jugendlicher“ ist da zumindest dann nicht mehr anwendbar.

      Ich weiss dann immerhin, warum ich kein Linienrichter sein will, ich hasse Angriffe aus dem Hinterhalt, da wäre ich sicherlich nicht mal oberligareif nervlich.

      Oh ja, the best is yet to come. Was „the best“ ist, ist allerdings abhängig von der Perspektive.

      Was den Klassenerhalt angeht: mittlerweile halte ich eine Rückkehr in die Zweitklassigkeit für gesünder.

    • Wissen Sie, im restlichen Leben gibt es auch Situationen, die für meine Rest-Seele schwer zu verkraften sind.
      Man kann das schon in den Griff kriegen. Wenn man eine Notwendigkeit darin sieht.

      Hätte er das Spiel nicht abgebrochen, hätte es wegen Regelverstoßes gegen ihn wahrscheinlich vom DFB Streß gegeben. Wem ist man da wohl näher im Zweifel? Dem Arbeitgeber oder einer Horde Fanseelen, die nicht nur anlässlich der strittigen Situationen, sondern schon vorher aus allen Richtungen Sachen auf einen werfen?

      Wir hatten schon wesentlich schlimmere Schiedsrichter, auch objektiv betrachtet, nicht nur mit braunweißer Brille. Aber letztlich spielt das auch keine Rolle, alles keine Rechtfertigung.

      Aber das ist nur meine unerhebliche Meinung.

  19. sparschaeler sagte am :

    „die fans“ gibt es nicht beim fc st.pauli, wer dieses märchen geglaubt hat muß in der tat nach den ereignissen vom freitag enttäuscht sein.

    die spannende frage war nach dem aufstieg immer, wie gehen die zuschauer mit niederlagen und einem abstieg um. so oder so ähnlich habe ich mir das szenario bereits am 1. spieltag vorgestellt.
    ein wenig mehr realismus wäre hilfreich.

    • Dieser Freitag hatte Potential für eine Vielzahl von Enttäuschungen und hat meine Erwartungen in fast jeder Hinsicht übertroffen. Wobei das Ergebnis des Spieles nicht Gegenstand davon war, meine Meinung zum Abstieg kennen Sie, die dürfte als realistisch durchgehen.

  20. sparschaeler sagte am :

    wenn eine kurve in der allianz arena dazu aufruft gegnerische fans zu schlachten, weil sie schweine sind, finde ich das auch nicht akzeptabel.

    becherwürfe sind ein nogo.

    aber das ein verkommener verband wie der dfb bei diesem ereignissen aktionismus heuchelt und sich als richter aufspielt ist an doppelmoral nicht zu toppen.

    die verwerfungen die man in den bundesliga stadien jedes we beobchten kann, haben die herren in frankfurt zu verantworten. wenn man seine aufgabe darin sieht sich ausschließlich um vermarktung und kommerz zu kümmern, verliert man schon mal die wirklichen probleme im deutschen fussball aus den augen.

    • Und wenn dann die Leute, die so einen Becherwerfer aktiv identifizieren, in Richtung stasiesken Denunziantentums geschoben werden, finde ich das ebenso ungeheuerlich.

      Der DFB heuchelt an allen Ecken und Enden Aktionismus, einen offenbar panisch-homophoben Herrn Bierhoff in den eigenen Reihen, wundert mich bei denen auch nichts mehr. Die großen Worte angesichts des Freitodes von Robert Enke – im Nachhinein betrachtet, ein Hohn.

      Aber wenn man im Kleinen -nämlich im nächsten Umfeld- schon auf Relativierungsaktionismus stößt, verliert das „große“ Umfeld schon fast an Bedeutung.

      Auch das verbale Schlachten von Fans gehört doch zum Emotionen zeigen, Herr sparschaeler, nun sind Sie mal nicht so spießig!

  21. Kay sagte am :

    So sehr ich auch verstehen kann, dass sich Leute über den Wurf und Treffer aufregen, so unangenehm die Sanktionen auch werden dürften, gerade eine mögliche Platzsperre, so sehr sollte man die Kirche auch im Dorf lassen.

    Mir wird jetzt mit Sicherheit Verharmlosung vorgeworfen, aber sei’s drum.
    Meiner Meinung nach hatte der Becherwurf nicht wirklich viel mit dem Spiel, und den Entscheidungen zu tun, da gab es so unendlich viele andere Spiele in denen es strittiger war.
    Fakt ist, dass jemand geworfen hat, das dürfte wahrscheinlich im Affekt passiert sein, dass er auch noch trifft ist Pech (oder Glück, wenn man sich vor Augen hält, wo der Becher herkam).

    Zum Imageverlust, den kann ich leider beim Besten willen nicht erkennen. Da wird jemand sauer und wirft ein Bier. Na und? In welchem Stadion wird nicht geworfen? Das wird man niemals in den Griff bekommen und auch niemals durch ein „Kollektiv“ verhindern können. Auch nicht mit Pappbechern, dann werden halt wieder Münzen und Feuerzeuge geworfen.

    Ein Imageverlust wäre es gewesen, wenn Menschen das Feld gestürmt hätten, oder mit Pyrotechnik geworfen hätten, oder mit Steinen, d.h. mit eben solchen Objekten, die nur einen solchen Verwendungszweck haben.

    Diese Aktion hat den Abstieg nicht besiegelt, genausowenig wie das Spiel gegen Schalke den Abstieg besiegelt hat.
    Wir kauen seit vielen Spielen auf dem Zahnfleisch, müssen selbst gegen schwache Gegner 120% gehen, dann machen wir noch hanebüchene Fehler. Zusätzlich gibt es noch unverständliche Aktionen des Vereins (Süd, Werbungsgedöns etc).
    Tja, und dann wirft halt jemand mal nen Becher und trifft auch noch. Find ich shaize, ist aber so passiert. Der Linienrichter wird wohl keine bleibenden Schäden davontragen, der Werfer mit Sicherheit belangt werden, sowohl von Staatsanwaltschaft als auch zivil vom Verein.
    Der magische FC wird absteigen (ohne zutun des DFB) und alle sind zufrieden. Naja, fast alle.

    Und wenn noch einmal einer was von „asozialen Zecken“ singt und sich dann über einen geworfenen Bierbecher aufregt, dem werf ich nen Duden rüber.

    • Ea ist wohl mehr die Summe der Ereignisse und nicht der einzelne Werfer (der nunmal im Fokus steht, weil er getroffen hat), sondern die Selbstverständlichkeit, mit der die Bierbecherwerfer offenbar immer mehr werden, sich übers ganze Stadion verteilen und das Ganze dann noch als Kavaliersdelikt verharmlost wird, weil man ja mit den Emotionen irgendwo hinmuss. Größeren Blödsinn kann ich mir nicht vorstellen, aber ich kanns ja mal probieren, wenn ich mich das nächste Mal im Büro über meine Chefin aufrege, werfe ich mal einen Bierbecher nach ihr und erkläre ihr dann, dass sie meine überbordenden Emotionen gefälligst zu respektieren hat.

      Sicher gibt es Schlimmeres, Pyrotechnik, die Menschen gefährdet, aber die mögen wir ja nur im eigenen Stadion nicht, wenn Gäste sie zündeln. Auswärts sind wir da toleranter.

      Wie wir auch auswärts nicht so tolerant sind gegen homophobe Plärrereien, im Heimstadion wird das schon mal weggewischt, wenn man jemanden drauf anspricht, der statt „dumm rumzulabern lieber das Spiel sehen“ will.

      Der Typ war -soweit man jetzt weiß- auch kein jugendlicher Rebell im James-Dean-Gedächtnis-Modus, sondern ein 43jähriger Business Seat-Besucher. Wie das die Bewahrer des Rechts der Jugend auf Fehler verharmlosen wollen, da wäre ich gespannt.

      Ein ständig repetiertes „Sowas geht natürlich gar nicht.“ und back to business as usual bringt halt nicht weiter. Anti-Becherwurf-Initativen der Vergangenheit inklusive Flyer und Aufklärung und Unterstützung des Vereins (habe natürlich teilgenommen) sind ins Leere gelaufen.

      Ok also: was tun? DFB-Sanktionen sind nicht gewünscht, führen nicht zum Erfolg. Bemühungen der Selbstregulierung sind gescheitert, im Gegenteil, es nimmt zu. Die Selbstverständlichkeit, mit der Emotionen JEDER Art ausgelebt werden (im Affekt ist so vieles entschuldbar, sehr einfach, das), ist mehr, als ich einfach so im Dorf lassen kann.

      Auch wenn ich mir dafür so aparte Bezeichnungen wie „Drecksspießer“ anhören muss. Aber in dem Zusammenhang ist das schon fast eine Auszeichung.

      Zeckenlied: ich persönlich singe es schon lange nicht mehr. Die Ironie kam mir abhanden.

      Imageverlust: Zumindest ist diese unendlich dusslige Geschichte um den ach so „anderen Verein“ mit den ach so „anderen Fans“ in Summe dann mal vom Tisch bei den Medien, wir sind wie alle anderen. Und wenn ich den Montag mit den Fragen „Was habt Ihr denn da (wieder) abgezogen?“ hinter mir habe, ist das Thema durch. Dieses.

      • Kay sagte am :

        Nun, ehrlich gesagt empfand ich es eben nicht als Kavaliersdelikt und habe mich soweit ich sehen kann auch nicht auf die Seite derer gestellt, die so absolut nichts gegen das Verhalten haben.

        Nur, und dazu stehe ich auch weiterhin, ist dieses Vorkommnis nicht das Ende der Welt, und wie sehr man sich auch wünschen mag, dass niemand im Stadion mehr wirft, pöbelt, beleidigt oder aggressiv wird, es wird nicht passieren. Und so viel anders ist der FCSP auch schon lange nicht mehr, nur sind wir über Jahre eben vom Erfolg verschont geblieben und dadurch auch ein wenig isoliert gewesen.

        Ich möchte ja nicht als Unke daherkommen, aber ich glaube nicht, dass irgendeiner Flyeraktion, Stadiondurchsage, Vereinsaufruf oder ähnliches auch nur einen von sowas abhält.
        Was davon abhalten wird ist in diesem Fall nicht nachzugeben, sondern Stadionverbot auszusprechen und zivilrechtliche Schritte einleiten, um sich wenigstens einen Teil der zu erwartenden Strafe zurückzuholen.
        Das wird den einen oder anderen zum Nachdenken bewegen.

        Im Übrigen, wer hat behauptet man müsse jung sein, um Blödsinn zu veranstalten?
        Ich bleibe bei meiner Annahme, dass es sich um eine Affekthandlung gehandelt hat.
        Macht’s nicht besser, schützt auch vor Strafe nicht, aber ist doch etwas ganz anderes als z.B. Menschen mit Eisenstangen auf den Platz laufen zu sehen.

        Und noch etwas fällt mir auf: „Die Kirche im Dorf lassen“ verstehe als „etwas nicht übertreiben“, nicht als „etwas ignorieren“. Darum ging es mir, nämlich den Vorfall im Verhältnis zu beurteilen, nach Vorsatz, Schwere, Folgen (körperlich, für den Verein, Mannschaft, Fans) und Wahrnehmung.
        Da muss ich feststellen, dass teilweise maßlos übertrieben wird, und das kann ich so nicht akzeptieren.

        Ich werde jetzt allerdings aufhören, sonst geht mein Blutdruck wieder hoch, und das ist nicht gesund😉

        • Oh, das mit dem Blutdruck kenne ich gut, ohne meine Tabletten wäre ich schon auf der Tribüne des Öfteren einem frühen Dahinscheiden zum Opfer gefallen.

          Mit Kavaliersdelikt hatte ich Sie ja nicht persönlich gemeint, aber die Verniedlichung durch „Unsitte“ und „gibt Schlimmeres“ finde ich schon auffällig häufig vor.

          Ganz verhindern wird man das sicher nicht können, aber wie Sie hoffe ich auch auf eine Strafe, die man eben nicht so abtun kann „och, zahlt ja eh der Verein“, sondern die auch mal persönlich weh tut. Wenn ich als passionierter Bierbecherwerfer weiß, dass ohnehin immer der Verein die Zeche zahlt, ist die Schmerzgrenze natürlich weit oben. Die Selbstregulierung zündet nicht, es werden immer mehr, es muss halt mal was passieren. Die, die rufen „aber doch keine Sanktionen“ haben auch keine besseren Vorschläge.

          Wie Sie richtig sagten, Flyeraktionen, Appelle und Selbstregulierung wirken nicht. Also was tun? Außer resignierend achselzucken.

      • Pek sagte am :

        „Was tun?“

        Das ist doch in der St. Pauli Vereinslogik ganz simpel. Bei unbeliebten Gästevereinen nimmt man deren Fans in Sippenhaft und versucht diese komplett aus dem Stadion zu verbannen. Also müsste St. Pauli logischerweise seine Fans jetzt komplett oder zumindest in großen Teilen aussperren. Quid pro quo.

        • Ich habe so eine Ahnung, worauf Sie anspielen.

          Aber jetzt wo Sie es sagen: diese Aussperrungsmaßnahme hat im Nachhinein auch nichts gebracht, den Blitzbirnen von einst ist bis heute kein Licht aufgegangen und so würde es im Fall der Becherwerfaffinen auch sein.

          In diesem Fall würde allerdings der DFB aussperren. Ob St. Pauli da noch viel mitbestimmen kann, würde ich mal bezweifeln. Aber Werbung, sky, Ligatotal, Sponsoren sind in der Bundesliga wichtiger.

  22. Kay sagte am :

    Achselzucken ist nicht angezeigt.
    Wie ein Freund (ausgerechnet Anwalt!) am Samstag beim Kicken treffend bemerkte: Der Verein kann kaum anders als zumindest zu versuchen sich das Geld beim Täter wiederzuholen.
    Versucht er es nicht, könnte es durchaus unangenehm für den Vorstand bei der nächsten Entlastung werden. Besonders da ein dringend Tatverdächtiger unmittelbar ermittelt wurde, flächendeckender Videoüberwachung sei dank…

    Und ja, ich finde es „gibt Schlimmeres“. Deutlich sogar. Aber ich denke wir sind grundlegend einer Meinung.

  23. Pingback: Die böse Tribüne | lichterkarussell

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