Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

In Hamburg sagt man Tschüss … Holger Stanislawski

mit freundlicher Genehmigung von Stefan Groenveld Photography

In Hamburg sagt man Tschüss,
das heißt auf Wiederseh’n,
In Hamburg sagt man Tschüss,
beim Auseinandergeh’n.

Stani verlässt also zum Ende der Saison den FC Sankt Pauli und wird (wahrscheinlich) Trainer bei TSG 1899 Hoffenheim*

Nach fast 18 Jahren (Juli 1993) geht der Weltpokalsiegerbesieger, Trainerlehrgangsbeste, Derbywinner und St. Pauli-Urgestein in die Welt hinaus, um außerhalb des St. Paulianischen Mikrokosmos Erfahrungen zu sammeln.

Größer kann der Gegensatz kaum sein, gilt Hoffenheim doch als der Plastikverein schlechthin, mit Hilfe des Großmäzens Dietmar Hopp zu Beginn mit schier unerschöpflichen Geldmitteln ausgestattet und einem Durchgalopp von unterster Liga in die Bundesliga im Rekordtempo gelangt, belächelt wegen der „Eventfans“, die nur singen, wenn sie gewinnen – wenn überhaupt.

Und dorthin geht er nun, unser „Magischer“, der es gewohnt ist, auch nach Niederlagen in Reihe von den Fans gefeiert zu werden, der immer ein YNWA hört zum Spielende. Der sich selten harscher Kritik an seiner Person stellen musste. Der im Großen und Ganzen freie Hand hatte, seit er die Truppe von Andreas Bergmann übernahm. Der nicht nur durch seinen überregional mit Hochachtung zur Kenntnis genommenen Trainerlehrgangsabschluss glänzte, sondern sich auch durch seine natürliche, direkte Art und seine Bodenhaftung viele Sympathien errang. Stani ist eine Marke, bisher untrennbar verbunden mit dem FC Sankt Pauli.

Auch wenn viele ein Problem mit den Fans hatten, der Zusatz à la „aber der Trainer von den Zecken ist ein geiler Typ“ war immer Programm. Und wir durften in den letzten fünf Jahren an der positiven Entwicklung teilhaben, wir hatten viel Grund zur Freude und zum Feiern. Ob wir das mit einem anderen Trainer auch hätten haben können, ist reine Spekulation und auch nicht wichtig. Wir hatten Spaß und wir hatten ihn mit Stani.

Er hat schon vor längerer Zeit gesagt, dass er irgendwann gehen wird. Das muss er auch, denn auch Veränderung ist Weiterentwicklung. Ich wünsche mir, dass er „da draußen“ auch erkennt, welche Sonderstellung er bei uns hatte, dass diese besondere Form der st. paulianischen Heiligsprechung etwas ist, dass er wahrscheinlich so nicht mehr erleben wird. Außer er erarbeitet kometenhaften Erfolg. Aber wir liebten ihn auch, wenn es nicht so optimal lief. Wir liebten ihn besonders in den magischen Momenten, die ich nie vergessen werde. Und davon gibt es einige. Wie die Aufstiegsfeier in Fürth. Der Sieg in Rostock und der Sieg gegen Rostock am Millerntor. Der Untergang der Rollrasenverlegerversager und der Moment, den er Bene mit diesem Spiel schenkte. Die Interviews, vor allem die in der Aufstiegssaison, die emotionalen Momente vor der Trainerbank…

Gerade, wo ich das hier schreibe, wird mir nochmal warm ums Herz und ich stelle fest, dass für jede Form der Relativierung jetzt und an dieser Stelle kein Platz ist. Ob es nun der richtige oder der falsche Zeitpunkt ist, den Verein zu verlassen, können wir sicher später mal besser beurteilen.

An dieser Stelle und hier und jetzt wünsche ich Holger „Stani“ Stanislawksi, dem St. Anislawski der Kathedrale am Millerntor, alles erdenklich Gute für seine weitere Zukunft und viel Erfolg. Auch dabei, vielleicht bei Hoffenheim auch ein bisschen was vom Traditionalismusgedanken unterzubringen. Etwas mehr Emotion und Verbundenheit zu installieren und ich denke, wenn einer Sympathien auf sich ziehen kann, dann er. Hoffenheim bekommt menschlich einen guten Jung und er bekommt Möglichkeiten, wie er sie bei uns nicht hat. Hoffentlich können beide was draus machen. Vaya con dios, Herr Stanislawski!

Und hier eine Audio-Spur der Presskonferenz via @FCStPauliFM

Und hier der Link zum Nachlesen der Pressekonferenz/Liveticker vom Abendblatt.

*Laut Pressekonferenz hat er noch nicht gesagt, dass er zu Hoffenheim geht, aber ich halte das an dieser Stelle für eine einfache Formalität und gehe erst mal davon aus, bis ich Gegenteiliges höre.

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43 Gedanken zu „In Hamburg sagt man Tschüss … Holger Stanislawski

  1. Gabi sagte am :

    danke… genauso isses… hab was im Auge, es verschwimmt grad alles….

  2. Piet sagte am :

    Jetzt werd ich sentimental. ;-( Auch wenn wir alle wussten, dass er irgendwann geht, gehen muss.

    Mach’s gut, Stani.

  3. Hold your head up high,
    And don’t be afraid of the dark.

  4. Ach ja, mir blutet schon das Herz…Wäre er zu Gladbach gegangen oder nach Bochum oder zu Union Berlin, irgendwo hin, wo Fußball gelebt und geatmet wird… Musste es ausgerechnet dieser Retortenclub aus Sinsheim sein, der sich fast 100 Jahre geschickt vor der Öffentlichkeit verstecken konnte, bis einer in die Geldbörse griff?

    #Hach! Ein dreifaches. Trotzdem alles Guts wünschen gebietet schon der Anstand. Und der Respekt vor der bisherigen Lebensleistung.

    Mir blitzt das Herz. Wirklich.

  5. Tja, es hat sich in den letzten Tagen ja schon deutlich abgezeichnet… Über den Zeitpunkt kann man sich sicherlich streiten, aber nun ist es eben so.

    Ich muss gestehen, dass ich den Abschied Stanis deutlich gelassener entgegen sehe, als es Ende der letzten Saison der Fall war. Denn so viel Stani auch in den letzten Jahren geleistet hat: In dieser Saison gab es ne ganze Menge an Entscheidungen die ich zumindest für fragwürdig hielt/halte. Hmm… das klingt jetzt undankbarer als es gemeint war, es ist aber in den letzten Monaten einfach die Erkenntnis gewachsen, dass auch ein Holger Stanislawski austauschbar ist.

    Hoffenheim ist in meinen Augen nicht die allerbeste Wahl (hätte mir für Stani Bremen gewünscht), aber nunja, solange er nicht nach Stellingen oder Rostock geht, kann ich mit allen Vereinen leben. Einfach wird es unter Hopp jedoch sicherlich nicht, aber das wird Stani schon selber wissen.

    „Gehe ohne Reue, gehe ohne Furcht!“

    Alles Gute, Stani!

    • Sicher, die letzten Monate haben ein bisschen zur Ernüchterung beigetragen, aber ich werde damit diese restlichen 17,5 Jahre nicht aufrechnen. Dazu überwogen die unvergesslich guten Momente einfach zu sehr.

      Ich hoffe bloss, dass er merkt, dass das, was für ihn bei uns zur Selbstverständlichkeit gehört, gar nicht so selbstverständlich ist. Es weht ein kalter Wind da draußen…

      • Ach, ich wollte auch nicht aufrechnen, tut mir Leid wenn dieser Eindruck entstanden ist…. „Austauschbar“ bezog sich auch einzig auf sportliche Aspekte.

        Den braun-weißen Legendenstatus kann und werde ich ihm nicht so schnell aberkennen.😉

        Und, da ich es gerade beim Schreiben dieses Kommentar las, noch ganz kurz was jenseits der weiten Fußballwelt: Sie schauen anscheinend Californication?! Sehr gut. Weitermachen.🙂

        • Nee, Sie nicht und magischerfcblog auch nicht. Das kommt von zuviel Forumsleserei die letzten Tage.

          Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen, sich seine Wut schönzureden, das mag ja sein, aber es ist irgendwie auch so… überflüssig jetzt, oder?

          Wir wissen ja, dass das nicht so berühmt gelaufen ist und auch er hat Fehler gemacht. Wer ohne ist, werfe den ersten Becher.

          Hat gewisse Ähnlichkeiten mit der „Verabschiedung“ von Corny. Ok, nicht ganz so arg.

          Selbstverständlich (!) schaue ich Californication, bin durch mit der vierten Staffel und zu Tode betrübt, dass es jetzt endloses Warten ist auf Staffel 5.😦

          • Ich habe jetzt seit Wochen nur sehr unregelmäßig im Forum gelesen… war vielleicht ganz gut so…^^

            Ja, ich warte auch schon auf die nächste Staffel (hoffentlich gibt es dieses Mal nicht wieder eine Verschiebung von einem halben Jahr…) auch wenn Anfang (zu übertrieben) und letzte Folge (zu konstruiert) der aktuellen Staffel für mich etwas schwach geraten sind. Aber okay, das gehört wohl alles nicht so richtig hierher.😀

            • Hier gehört hier, was ich für hiergehörig befinde. So!

              Man darf ruhig mehrere Leidenschaften haben😉
              Ich finde ja Eddie Niro auch ziemlich grandios übrigens.
              Und das mit Californication können Sie auch eigentlich nur von woher haben, wo ich Sie gar nicht vermutete ….

              Ich bin gerade auf Forumsentwöhnung, mit zeitweisen Rückfällen. Aber es geht. Mit Forumspflaster.

              • Vielleicht habe ich diese Information ja auch direkt von hier aus der Rubrik „FCSP und der Rest“… wer weiß, wer weiß…😉

                Also, wenn die Hausherrin keine Probleme mit ein wenig Off-Topic hat…: Ja, Eddie ist auch toll, mein heimicher Liebling ist aber Runkle (das Aufeinandertreffen der Beiden ist übrigens göttlich *g*). Wobei mir immer wieder auffällt, dass nahezu sämtliche Rollen wirklich grandios besetzt sind und die jeweiligen Schauspieler die Performance ihres Lebens zeigen. So ein gutes Händchen auf der Besetzungscouch kenne ich bei Serien nur noch von ‚The Wire‘.

  6. Irgendwie ist mein emotionalster „Stani-Moment“ gar kein Trainer-Moment, sondern sein Abschied als Spieler. Letztes Spiel, Uerdingen, 2004… Gänsehautstimmung bei der Einwechslung… Das ganze Stadion singt YNWA.

    Tschüss Stani! Viel Erfolg in der weiten Welt. Und komm mal wieder vorbei.

  7. Ausgerechnet Hoffenheim! Haltet mich für irre, aber damit verrät er viele Ideale, die der FC vertritt und die auch ich in meinem Gastbeitrag neulich erwähnte.

    Ich kann verstehen, dass er sich sportlich verbessern will – aber ich denke, ihm wird auch ein kalter Wind um die Nase wehen wenn es mal nicht so gut läuft. Sportlich verbessern wollten sich auch Olaf Thon und Lukas Podolski, indem sie zum FC Bayern gingen – beide kamen gesenkten Hauptes wieder zurück. Dort hin, wo ihre Wurzeln sind, wo ihre Fans sie lieben und wo ihr Platz ist.

    • Wir Sozialromantiker vergessen immer gerne, dass das, was für uns die schönste Nebensache der Welt ist (ok, es gibt sicher auch andere nebensächliche Prioritäten…), für einen Trainer auch Lebensunterhalt ist. Wir können uns Sentimentalitäten rund um einen Verein leisten. So als Job aber….

  8. Ich bin sehr sehr traurig, aber es war zu erwarten dass er irgendwann geht. Ich glaube übrigens nicht, dass es für solche Entscheidungen einen „richtigen“ oder „falschen“ Zeitpunkt gibt, der wird eher von den Umständen diktiert. Denn wenn es eine ernsthafte Anfrage gibt, wird man in diesem Geschäft kaum sagen können „fragen sie mich in drei Monaten noch mal, momentan bin ich beschäftigt.“

    Ich wünsche mir für Stani beim letzten Heimspiel einen würdigen Abschied nach seinen 18 Jahren und ich bin sicher, den wird er bekommen. Mit vielen Fliegen im Auge, in meinen Augen ganz sicher auch.

  9. Bodo Old School sagte am :

    Wenn einer, der mit Mühe kaum,
    gekrochen ist auf einen Baum,
    schon glaubt, dass er ein Vogel wär´,
    so irrt sich der!
    (Wihelm Busch)
    Ich wünsche dem alten Eimsbütteler Holger nicht, dass ihn der „Thomas-Doll-Effekt“ einholt.
    Thomas Doll: Spieler in Stellingen, Trainer der Zwoten, Nottrainer der Ersten, kurzfristige Erfolge, Trainer beim BVB, Fastabstieg und weg!!!
    Andreas Bergmann: Trainer der Zwoten, leidlich erfolgreich als Trainer der Ersten, Trainer bei den 96ern, Fastabstieg und weg!
    Die Reihe könnte noch sehr viel länger sein, was jeder weiß!
    Es ist Holger zu gönnen, dass er vielleicht mal ein schönes Stück vopm großen Kuchen abbeißen will, ich befürchte allerdings, dass er sich dabei an den Krümeln verschluckt. Ein Dietmar Hopp ist kein Stefan Orth oder Corny Littmann.
    Ich hätte ihm mehr Chancen als Trainer im Volksparkstadion prognostiziert als ausgerechnet im Kraichgau. Da versteht er ja kaum die Sprache.

    • Es wird auf jeden Fall eine Erfahrung. Was für eine, werden wir sicher aus der Ferne mitkriegen.

      Man sagt uns Hessen ja auch nach, dass man uns so schlecht verstünde. Wir können aber auch anders!

    • Bodo Old School sagte am :

      …ich möchte doch ganz gerne noch etwas ergänzen;
      so sehr ich mir Mühe gebe, und auch nach mehrfachem Anschauen der PK mit Holger, bei der er sogar selber beim „Tschüß“ sagen „Pipi im Auge“ hatte, kommt bei mir nicht der geringste Anflug von Wehmut auf.
      Es mag daran liegen, dass ich mich über den Schritt eher maßlos ärgere und den Zeitpunkt für derartig falsch halte, dass ich Holger sogar zurufen möchte: „Wenn Du weg willst, dann hau doch am besten gleich ab, aber heuchel uns nicht noch den Betroffenheitskasper vor!“

      • Der Zeitpunkt ist sicher denkbar ungünstig. Warum er ihn dennoch so und nicht anders gewählt hat, wird seine Gründe haben. Die ich nicht kenne.

        Ich glaube aber nicht, dass das nach 18 Jahren St. Pauli betroffenheitskaspereske Heuchelei war. Aber das ist nun wieder meine persönliche Empfindung und Sie haben Ihre.
        Einen Abgang hätte man sicher glorreicher inszenieren können und natürlich interessiert mich, warum er diese und keine andere Variante gewählt hat. Ein Heldenabgang war das ja nicht.

  10. Bei allem, was er geleistet hat, darf er gehen. Und irgendwann wiederkommen. Die Liebe bleibt. Fußballgott.

    Nun aber weiter – die Saison ist noch nicht vorbei.

    • In die Hände spucken, die Stollen schleifen und weiter.
      Zum Sand in den Kopf stecken ist keine Zeit.
      Vielleicht macht es ihn ja jetzt auch kopfmässig freier, jetzt, wo es raus ist.

  11. sparschaeler sagte am :

    ich sag zu diesem thema gar nichts mehr ohne meinen anwalt

  12. Hach Frau Jeky, hach … gehtweinendnachlinksab

  13. Schade dass Holger geht…war ein sympathischer Trainer…

  14. Pingback: links for 2011-04-13 > delicious-links > lifestyle, musik, photos, design, kunst, kultur, entertainment, selbstdarstellung, bier

  15. stap36 sagte am :

    Da geht der außergewöhnlichste Paulianer um ein drittes mal sein Glück zu versuchen.
    Nur das Beste dafür.

  16. Pingback: Leverkusen-Niederlage, Pauli-Hooligans, Geisterspiel-Prozeß, Astra-Einlenken und Stani-Abschied « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  17. Tja, in Hoffenheim wird das doch sowieso nichts. Das passt doch gar nicht zusammen…
    Aber was willste machen?! Auf Pauli hat sichs auch abgenutzt. Pech halt, dass er sich mit nem Abstieg verabschiedet…

    • Vielleicht ist es ja das, was er braucht? Etwas mehr Distanz? Sind ja alles Spekulationen, aber ich glaube, St. Pauli kann einen auffressen und Stani macht den Eindruck, als wäre er ein dicker Happen gewesen.

      Ein Klassenerhalt als Abschiedsgeschenk wäre natürlich schön gewesen, aber anscheinend ließ sich die Entscheidung nicht mehr aufschieben. Um darüber urteilen zu können, weiss ich zu wenig, aber dass das kein idealer Abgang war, wird er selber wissen. Und auch, warum er es trotzdem so gemacht hat.

  18. man sieht sich immer 2x im leben..

  19. Stani😦
    seitdem ich denken kann, ist/war er beim FCSP….

  20. Pingback: Bodo stanislawski | Yourtravelpass

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