Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

„Transparenz schafft Vertrauen“ Das Präsidium des FCSP aber nicht – JHV 22.11.2011

Um nicht vieles zu wiederholen, verweise ich einfach mal auf den Artikel von @momorulez, dem ich mich inhaltlich in vielen Punkten anschliesse.

Im Wesentlichen habe ich den Eindruck gewonnen, dass das Präsidium ungeachtet der Kotaus Richtung AFM in der Begrüßungsansprache und vielen kleineren Genickschlägen im Verlauf der JHV mit dem Ausgang sehr zufrieden sein kann. Ein Wermutstropfen dürfte der Verlust des Steuerpostens A-Jugend an die AFM sein, aber in der Summe verschmerzbar. Sehr gut gefallen hat mir Alex Gunkel, einen Mann wie ihn hätte ich gern im Präsidium, obwohl ich mir vorstellen kann, dass politische Spiele, wie sie dort an der Tagesordnung sind -und wohl auch sein müssen zuweilen- nichts für ihn wären.

Die Loge von „Susis Showbar“ und inhaltlich ähnlichen ist nun Geschichte, war sie aber nach Aussagen von Stefan Orth ohnehin schon vor der JHV. Meine Meinung zu Susis Showbar war schon immer eine andere und ist eher in der Nähe des Kommentars von Uwe Doll anzusiedeln, wie Momorulez so passend kommentiert:

Trotzdem war der Einwurf von Uwe Doll schon genau richtig: Man muss schon wissen, was es es heißt, wenn man Anträge so begründet, wie katholische Frauenverbände einst ihre Demonstrationen gegen Hildegard Knefs Barbusigkeit in „Die Sünderin“: Back to the Fifties!

Die Sexismus-Debatte nimmt manchmal beim FC St. Pauli merkwürdige Dimensionen an, ich habe immer wieder mal den Eindruck, dass die Debatte auch sehr medienwirksame Züge hat, wir sind ja die politisch ach so korrekten, da kann Susis Showbar nur abgelehnt werden. Mit dem Satz „Sexismus ist Scheisse“ kann man ja auch nichts falsch machen, aber die Argumente in der Antragsbegründung sehe ich wie Momorulez als gefährlich an. Auch deswegen habe ich gegen diesen Antrag gestimmt.

Betrübt hat mich der Rückzug des Antrages zur Verschiebung des Baus der Gegengerade aufgrund mangelnder Hintergrundinformationen und diverser wichtiger offener Punkte. Der Antragsteller begründete seinen Rückzug sinngemäss mit dem Erhalt einer Email von Michael Meeske, der in Aussicht stellte, dass diese Problematiken offensiv angegangen und berücksichtigt werden würden. Allein mir fehlt der Glaube. Zum einen an der Aufrichtigkeit von Herrn Meeske, zum anderen an der Ernsthaftigkeit der Umsetzung. Es klappt ja nicht mal im Kleinen, wie man an dem Antrag zur Anbringung von Geländern in der Haupttribüne für ältere und gehbehinderte Stadionbesucher bemerkt hatte. Das sei baulich nicht ohne erheblichen finanziellen Aufwand zu machen, so Meeske, und mit dem Totschlagargument „erheblicher finanzieller Aufwand“ kann man bekanntlich vieles im Keim ersticken. Wie ein Redner später anmerkte, wurde das Fehlen solcher Sicherheitseinrichtungen bereits nach Fertigstellung der Südtribüne moniert und auch hier hat man nichts umgesetzt. Die Hapttribüne wurde ohne geplant und gebaut und nun ist es -wieder mal- zu spät. Die Befürchtung, dass das auch in den Punkten Polizeistation, Kamerastandpunkte etc. bei der Gegengeraden passiert, ist durchaus angebracht, hier handelt es sich ja um einen weitaus schmerzlicheren Eingriff in die sehr fortgeschrittene Planung. Wenn es nicht mal zu einem Geländer reicht, wie soll es dazu reichen? Ich fand den Vortrag von @blogLK sehr gut, aber den gleichzeitigen Rückzug des Antrages in der Hoffnung auf fruchtbare Zusammenarbeit sehr blauäugig. Möglich, dass hinter den Kulissen mehr Informationen ausgetauscht wurden, als vorgetragen wurde, aber ich kann nur nach dem urteilen, was mir zur Kenntnis gebracht wird und hier überwiegt mein mittlerweile fundiertes Mißtrauen.

Der Antrag eines Teils der Bezugsgruppe FCSP auf teilweisen Rückbau der Business Seats auf der Haupttribüne war der dickste Brocken fürs Präsidium, wie erwartet. Und es dürfte Herrn Dr. Stenger auf die Frage eines mikrofonausgerüsteten Menschen nach der Abstimmung „Nun, wie fühlen Sie sich jetzt, nachdem der Brocken vom Herzen gefallen ist?“ eine Freude gewesen sein zu antworten. Es entwickelte sich eine rege Diskussion, die sogar Anlass zur Hoffnung gab, dass diesem zeitlich nicht terminierten Antrag entsprochen werden würde, aber -wen wundert es?- die Argumentation „finanzielle Verluste, Vertragsbrüche mimimimi“ schaffte schnell ein Einhalten. Nachvollziehbar nach dem Zahlenwirrwarr ist das nicht ganz. Argumentiert wurde z.B., dass bei einem Verbleib in der 2. Liga dieses Vorhaben einen Verlust von 160.000 Euro, in der 1. Liga gar einen Verlust in Höhe von 700.000 Euro generieren würde und das mit den bestehenden Verträgen mit der DKB und der UFA kollidieren würde. Natürlich wurden die 700.000 Euro öfter erwähnt als die 160.000, ist ja auch ein dicker Brocken. Nur woher nimmt man die kalkulierbare Sicherheit, dass wir in nächster Zeit wieder aufsteigen und woher dann die Sicherheit, dass erneut eine Auslastung von 97% erreicht werden kann? Wäre es nicht eine Möglichkeit, diesen Rückbau, der kein Umbau gewesen wäre, zunächst für den Verbleib in der 2. Liga anzugehen und dann zu gegebener Zeit erneut zur Debatte zu stellen? Und was sind das für Verträge, die offenbar bei Änderungswunsch für irgendjemanden sofortige Enthauptung zur Folge hätte? Zumindest gewinnt man den Eindruck, wenn man den Herren Stenger, Spieß und Meeske bei ihren Horrorszenarien, die sich allerdings rund um ein positives Vorjahresergebnis von deutlich über EUR 5 Mio. ranken. Wie von mehreren Seiten richtig argumentiert wurde, geht es beim Rückbau der Business Seats auch um den Erhalt der Fankultur, der durch die Verteilung der Business Seats an manchen Stellen Inselcharakter erhalten hat. Im Weiteren wurde immer wieder auf die Vertragsbindung mit der DKB verwiesen, mich hätte mal inhaltlich mehr interessiert, was man denn so mit der UFA und vor allem für wie lange vereinbart hat. Da Herr Dr. Stenger auf den Vorwurf der fehlenden Transparenz den Vorschlag gemacht hat, dass man als Mitglied jederzeit das Recht hat, solche Verträge auf der Geschäftsstelle einzusehen, habe ich dann heute mal eine Email mit der Bitte um einen Terminvorschlag zu diesem Zweck geschrieben. Ich bin gespannt, gehe ich doch davon aus, dass dieses vor über mindestens noch 400 anwesenden Zeugen gemachte Angebot nicht unter fadenscheinigen Begründungen zurückgezogen wird. An dieser Stelle darf ich Herrn Dr. Stenger beruhigen, mein beruflicher Hintergrund lässt eine sachliche Beurteilung von Kreditverträgen durchaus zu.

Ich habe ja seinerzeit für Herrn Orth als Präsidenten gestimmt, ich wusste nicht genug, um gegen ihn zu sein und der Mangel an anderen Kandidaten führte zum Vertrauensvorschuss. Mittlerweile ist dieser allerdings aufgebraucht. Herr Orth mag ein netter Mensch sein und die Ehrungen macht er prima, aber ansonsten hinterlässt er bei mir nichts als den Eindruck eines Grüßaugusts, weil einer nun mal Präsident sein muss nominell. Die wahren Macher im Präsidium sind andere, deren herablassende Art mir nichts anderes signalisiert als „wenn diese nervigen Fans nicht wären, wäre das ja ein geiler Job beim FC Sankt Pauli“. Auch der Umgang mit den berechtigten Anwürfen der AFM Richtung Kommunikation mit dem Präsidium ist durchaus mit dem Attribut „arrogant“ nicht falsch belegt. Da wird eine Verbesserung der Kommunikation seitens der AFM gefordert, wo diese doch gerade die an vielen Stellen eben ausbleibende Kommunikation des Präsidiums mit ein paar Beispielen unterlegt. Auf Nachfrage der AFM, welche Anlässe das denn genau gewesen sein sollten, man solle sich mal präzisieren, kam -für mich nicht überraschend- nichts. Das entspricht der Erfahrung der AFM-Vertreter im vergangenen Jahr.

Leider wurde auch der Antrag auf 25% Rückbau Business Seats Stadion gesamt zurückgezogen, vermute ebenso wie Momorulez, dass der Antragsteller kalte Füsse hatte und zudem keine Hoffnung. Da wäre ich allerdings mal gespannt gewesen auf die Positionierung von USP, die ja ihrerseits auf der Süd eine gewisse Business Seats-Problematik haben. Leider kam es dazu nicht mehr.

Alles in allem war die Veranstaltung so, wie ich es erwartet hatte. Am Präsidium läuft die Kritik letztendlich runter wie kaltgepresstes Olivenöl, der wirtschaftliche Faktor dominiert alles andere, die wichtigen Ziele wurden erreicht bzw. störende Anträge abgebügelt und eigentlich ist wieder alles schön im St. Pauli Disneyland.

Ich kann anders als @stpaulinu keinen Hauch von Sozialromantik ausmachen. Was das Präsidium angeht, ist es eher ein Hauch des Todes. Sozialromantik stört, Sozialromantik ist teuer, für Sozialromantik haben wir nur das Geld, das uns aus unseren toten kalten Fingern herausgezerrt wird. So wirkt das Präsidium auf mich und daher ist dieses Präsidium bei der nächsten Wahl für mich keine Option mehr.

Update: Meiner Bitte um einen Termin für Einsicht in die genannten Verträge wurde soeben sehr zügig seitens Herrn Dr. Stenger entsprochen, wir werden dann einen passenden finden, weitere Informationen folgen dann.

Einzelbeitrag-Navigation

2 Gedanken zu „„Transparenz schafft Vertrauen“ Das Präsidium des FCSP aber nicht – JHV 22.11.2011

  1. Pingback: Antrag gescheitert, aber nicht umsonst gestellt auf der JHV des #FCSP « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  2. Pingback: #FCSP JHV, MV, Bademode, Beachvolleyball, 422, Business- Seats – …& ein trauriger “Exkurs”…leider… | Quotenrock by Quoteni "quote quotenrocker" Rud.us [www.QuoteniRud.us]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: