Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Der DFB, der Becherwerfer, Rostock, die Vertragsverlängerungen und und und

So ist das, wenn man zu lange nichts schreibt, es wird dann unübersichtlich. Um mich mal einzugrooven, einfach mal in Rubriken gelistet und da fange ich direkt mit dem -korrigierten- Urteil des DFB an, der nach Beratung durch den Verband der Hörgeräteakkustiker aka youtube offenbar zu dem Schluss gekommen ist, dass die in Rostock anwesende Fanszene nicht „Nazi“, sondern „Naki“ gerufen hat. Ein gut vorbereiteter Spielbeobachter des DFB hätte allerdings gewusst, dass Deniz Naki und Rostock eine gemeinsame Geschichte haben, die beim gemeinen St. Paulianer noch sehr lange für Begeisterung sorgen wird.

Das Ganze hätte ja durchaus einen heiteren Touch, wenn da nicht die Kleinigkeit der Diffamierung der Fanszene St. Pauli durch den DFB im Raume stünde. Und voraussichtlich auch weiter stehenbleibt, ich befürchte, dass es der Vereinsführung reicht, die Strafe um EUR 12.000 gemindert zu haben. Dass die Vorwürfe des DFB tagelang durch die Presse verbreitet wurden und sich genüsslich in den Aussagen, St. Pauli-Fans beleidigen Hansa-Spieler durch Nazi-Rufe, gesuhlt wurde, wird wohl unter den Teppich gekehrt. Ich fände das ja mal eine schöne Geste, wenn der Verein sich diesbezüglich beim DFB gerade machen würde für seine Fans -die übrigens soeben eine 6 Millionen-Euro-Anleihe gestemmt haben- und eine Entschuldigung für die diffamierenden Unterstellungen verlangen würden. Selbstverständlich würde seitens des DFB nichts passieren, aber als Zeichensetzung wäre das mal außerordentlich. Es legen sich ja immer noch Leute vor den Castor-Transport, obwohl die Erfolgsaussichten auch eher gering sind, dennoch tun sie es. Auf eine Entschuldigung des DFB zu hoffen, wäre da vergleichbar damit, auf den endgültigen Transportstopp zu hoffen, aber ich fände es wichtig. Als Signal für die Fans. Aber offenbar ist man Fankreisen auch schon mit wenig zufrieden.

Nun könnte man meinen, der Verein hätte „wichtigere Baustellen“ als das. Das ist sicher richtig. Abgesehen davon, dass es lediglich eines Vierzeilers bedürfte, um einen maximalen Effekt zu erzielen. Gefühlt. Aber es geht ja nicht um Gefühle und so haben in vielerlei Hinsicht der DFB, der FC Sankt Pauli und die Fans eins gemeinsam: das Lachen über den jeweils anderen. Immerhin. Die Darstellung in der Presse der letzten Woche bleibt also an uns hängen, denn in den großen Medien wie der Tagesschau wird nun lediglich die Bestätigung des Geisterspiels für Rostock gemeldet, nicht jedoch die Entlastung für den FC St. Pauli bezüglich der falschen Beschuldigung.
Aber wahrscheinlich ist es interessanter, über die 8.000 EUR in ihrer Höhe zu diskutieren, Wiederholungstäter hin oder her. Wie schön wäre es gewesen, wenn man sich den Blocksturm und die Pyroaktionen im Gästeblock geschenkt hätte. Dieses „die anderen ja auch“ lenkt ja so schön von Feuerzeug-, Bananen und Handywürfen ab. Diskriminierung ist wohl doch nicht so schlimm. Zumindest nicht, wenn der DFB sie begeht. Hätte die Springer-Presse so etwas behauptet, wäre das Geschrei nach Gegendarstellung groß gewesen. Dem DFB gegenüber ist man da duldsamer. Sogar mit einer Spur Dankbarkeit. Nun ja…

Jaja, ich weiss, das würde in einer besseren Welt passieren. Das würde bei „meinem“ St. Pauli passieren, aber man muss sicher Verständnis haben, wenn der Verein auf solch eine Maßnahme verzichtet. Muss man? Nein, muss ich nicht. Will ich auch nicht. Selbstverständlich stirbt die Hoffnung zuletzt und vielleicht kommt ja die Vereinsführung noch auf die Idee (oder wird mit der Nase draufgestoßen), dass sich die Fanszene St. Pauli solche Rückendeckung in den letzten Jahrzehnten mehr als nur verdient hat. Anders gesagt: träum weiter, Dornröschen.

Der Becherwerfer ist verurteilt. 12.000 Euro Geldstrafe auf Bewährung, je 1.500 EUR an den Schiedsrichter und eine gemeinnützige Einrichtung. Er bleibt weiterhin dabei, dass er es nicht gewesen ist. Scheinbare Bekannte von ihm kommentieren unter Zeitungsartikeln, dass der arme Kerl genug gestraft sei für seine Dummheit. Hm. Er behauptet ja, er war es nicht. Zumindest vor Gericht. Wie auch immer, das ist der Stand der Dinge, es folgt die Berufung. Wie auch immer das ausgeht – ich persönlich gehe davon aus, dass er es war (wie das Gericht auch) und hätte eigentlich auf etwas Einsicht und Reue gehofft, was nicht nur ein Relikt meiner frühkindlichen Erziehung ist, dass man als geständiger Sünde eher auf Milde hoffen kann als als Abstreiter und uneinsichtiger Lügner, sondern auch vor Gericht und bei eventuell Geschädigten mildernde Umstände bewirken kann.

Der FC Sankt Pauli soll also Milde walten lassen und sich nicht in einem späteren Zivilprozess am sicher nicht großen Vermögen des Becherwerfers bereichern. Gut, 400.000 Euro sind eine Hausnummer, aber wenn dieser Schaden nachweisbar ist, wo ist die Begründung, darauf zu verzichten? Zumindest pro forma einen Titel zu erwirken, ihn dann aber vielleicht gegen Ableistung von sozialem Engagement nicht zu vollstrecken? Wir reden hier von einem erwachsenen Mann, sicherlich unter Alkoholeinfluss, der die Kontrolle verloren hat. Kann passieren unter Alkoholeinfluss, sollte aber nicht. Aber wenn ich unter Alkoholeinfluss oder unter dem Eindruck extremer Emotionen einem anderen ins Auto fahre, werde ich auch nicht umhinkommen, den Schaden im Falle einer Verurteilung zu bezahlen. Meinen Einkommensverhältnissen entsprechend. Notfalls auf Raten. Oder denken Sie sich ein anderes Beispiel aus, in dem Sie selbstverschuldet eines anderen Eigentum beschädigen. „Es war doch nur ein Becher“ – unter unglücklichen Umständen kann auch ein geworfener Becher großen Schaden verursachen. Die Tatsache, dass das nicht passiert ist, kann man dem Becherwerfer eigentlich auch nicht mildernd zurechnen, es war auch nur Zufall. Fakt: Becher geworfen, getroffen, bingo.

Anders formuliert: wäre ich der Verein, wäre mir an Einsicht des Becherwerfers sehr gelegen. Allerdings kommt die nun zu spät, weiterhin wird der Becherwurf bestritten. Ich warte gespannt auf das Ergebnis der Revision.

Dazwischen dann die großartigen Neuigkeiten diverser Verlängerungen (Kruse, Bartels, Daube, Boll und und und). Da kann man gleich die Hinrunde wohlwollend unter Augenschein nehmen. Mit der Verpflichtung von André Schubert und Jan-Moritz Lichte ist dem Herrn Schulze ein Meisterstück gelungen. Im Verlauf der letzten Monate konnte man es fast greifen, was sich da in der Mannschaft entwickelt hat. Die Geister die er rief. Teamgeist, Kampfgeist. Heisst nicht, dass sie jetzt schöner spielen, aber die Spiele, die wir in der vorangegangenen Saison fast so sicher wie ein Uhrwerk verloren haben, drenen wir jetzt. Aus der Rapid-Versager-Viertelstunde wurde die „Jetzt erst recht!“-Viertelstunde. Großartig. Kein Aufgeben mehr, keine totale Verwirrung bei Rückstand oder Gegentreffer. Rausgehen, warm machen, weghauen. Und wenn nicht, dann aber alles gegeben. So mag ich das.
Und ich ändere meine Meinung über Kruse, den ich in der vorangegangenen Saison nicht sonderlich schätzte. Den Kruse aus dieser Hinrunde schätze ich nicht nur wegen der nachgewiesenen Torgefährlichkeit, sondern für sein völlig verändertes Auftreten. Das sieht nicht mehr nach „ich will 1. Liga spielen“, sondern „ich kann 1. Liga spielen, schau mal“ aus. Ich bin so frei und schreibe das auch unter anderem dem Einfluss von Schubert zu und dem nicht mehr bestehenden Einfluss von anderen.

Wenn jetzt noch der pfeilschnelle Fin Bartels etwas glücklicher im Abschluss werden würde – kaum auszudenken. 36 Punkte aus 17 Spielen ist eine beruhigende Bilanz. Klassenerhalt in sehr greifbarer Nähe. Nein, vom Aufstieg mag ich nicht sprechen, ich finde das Gefühl auch ganz schön, öfter mal zu gewinnen und nicht wie ein geprügelter Hund aus dem Stadion zu schleichen. Allerdings will ich es auch nicht ausschließen, zumindest nicht, wenn die Leistung so bleibt.

Ich bin insgesamt sehr glücklich mit den Schachzügen des Helmut Schulte, das bestärkt mich nur in meiner Meinung, dass unser Sportdirektor weiß, was er tut, auch wenn der eine oder andere das in Zweifel zieht. Die Ergebnisse sprechen für sich.

Ach ja, das DFB-Urteil hat ja noch einen Rostock-Part. Ein Geisterspiel beim nächsten, nach Rechtskräftigwerden des Urteils stattfindenden Heimspiel. Wie praktisch für den DFB, dass das wohl das Spiel gegen Düüüünaaaahmööö sein wird. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Ist doch so viel übersichtlicher dort, wenn nur ein paar Versprengte anreisen, die hat die Rostocker Polizei sicher gut im Griff. Spart eine Menge Geld. Letztendlich allen.
Geheule über dieses Urteil kann ich übrigens auch nicht mehr Ernst nehmen. Wer einen halben meckpommschen Obstladen sowie andere vielfältige Wurfgeschosse aufs Spielfeld wirft und Menschen mit tausenden Grad heissen Materialien bewirft und Verletzungen in Kauf nimmt, ist mit einem Geisterspiel noch gut bedient. Ich verstehe nur immer noch nicht die Relationen, in denen sich der DFB mit seinem Strafmaß bewegt. Dieser Bund, der sich Antirassismus und Antidiskrimierung regelmässig auf seine bunten Fahnen schreibt, hält die Vorfälle rund ums Rostockspiel ja auch deutlich auf die Wurfgeschosse beschränkt. Dass Fangesänge über „die schwulen Hamburger“ dort zum Standardrepertoire gehören, die Bananengaben nachweislich rassistischen Beigeschmack haben und die Bereitschaft, Menschen ernsthaft zu verletzen, deutlich gewachsen ist, wird ja eher vernachlässigt.
Wie oben schon erwähnt: Bestrafung für den Bierbecherwerfer geht in Ordnung, aber das war EIN Bierbecher. Folge: Platzsperre. Dresden: Pyrotechnik und Gemenge rund ums Spiel- Folge: Ausschluss aus dem kompletten (!) Pokal NÄCHSTES Jahr, Einnahmeverlust: nicht bezifferbar. Warum da keine Platzsperre fürs erste Heimspiel? Und Rostock? Ein mit Gegenständen übersätes Spielfeld, rassistische, homophobe Gesänge, ein Publikum, das breitenwirksam applaudiert und Feuergeschosse auf Menschen – Folge: ein Geisterspiel. Die Wege des DFB sind unerforschlich.

Und was wird nun hieraus? Geisterspiel, Platzsperre? Es bleibt spannend.

Rechtzeitig zu Weihachten wenigstens die Rücktrittsankündigung: kein Zwanni mehr beim DFB. Er könne da nichts mehr bewegen. Auch schön. Glaub ich ihm aber aufs Wort. Die selbstgezüchtete Bewegungslosigkeit ist allerdings nichts, was er jetzt als Vorwand benutzen sollte.

Ach was solls. Ein fröhliches Scheiss-St. Pauli erstmal, nächster Halt: Millerntor, gegen Frankfurt.

Edit: Den bereits zugesagten Termin mit Dr. Stenger zum Thema JHV habe ich dann noch mal angefragt.
Edit: Der Termin steht. Näheres dann in Kürze.

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18 Gedanken zu „Der DFB, der Becherwerfer, Rostock, die Vertragsverlängerungen und und und

  1. Pingback: Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Ich kaufe ein “K”!

  2. Was soll man da noch sagen, außer: große Zustimmung! Ich wäre ja durchaus dafür, den Becherwerfer in die Pflicht zur Erstattung/Ababrbeitung der 400.000€ zu nehmen, noch dazu wo er so uneinsichtig ist. (Jaja, geschenkt, jeden Tag werden Unschuldige verurteilt … aber deren Freunde und Bekannte geben dann in aller Regel auch nicht inoffiziell zu, daß er es natürlich doch war.)

    Daß sich ein Verein für seine Fans gerade macht, die Fans, die den Verein überhaupt auf die Landkarte gebracht haben und, sagen wir mal, zu mindestens rund 85% Anteil daran haben, daß das Stadion bei nahezu jedem Heimspiel ausverkauft ist – das erleben wir wohl nicht mehr. Genausowenig wie St. Pauli Fans, die schnallen, daß die Benutzung von Pyrotechnik nicht nur lebensgefährlich und verboten sondern auch sonst rundweg dumm ist: Den Verein kosten sie Geld und schelchte Presse, dem Gegner bieten sie einen schönen Vorwand („aber die haben angefangen!!!11“) und Otto Normalfan wie mich halten sie davon ab, überhaupt ins Stadion zu gehen. Aber das sind alles Effekte, die nicht nur in Kauf genommen, sondern gewünscht werden wie es aussieht. „Je nun“, denken sich die Polizisten, „dann pack die Typen halt in einen Sack und hau’ mit dem Knüppel drauf, es wird schon keinen Falschen treffen.“

    Und so dreht sich die Spirale der Gewalt, bis irgendwann einer dieser Ultras und ihrer Unterstützer merkt, daß es mehr Eier braucht, die Füße still zu halten und Provokationen zu unterlassen bzw. die der Gegenseite von sich abperlen zu lassen. Und bevor das passiert, gewinnt der FC St. Pauli die Champions League.

    Das Schwanzeinziehen vor den homophoben, rassistischen Anhängern der Ostclubs paßt auch wie Faust aufs Gretchen. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, und wenn man liest, was da wieder in Chemnitz mit den Fans von Wacker Burghausen veranstaltet wurde (die sicherlich keine Chorknaben sind), dann darf man schon mal fragen, worin sich die Unterschiede zwischen den dortigen Ordnern und offiziellen Polizeikräften bemerkbar machen. Also, mal abgesehen von den Uniformen jetzt.

    • Scheinbar sind wir aber relativ alleine mit der Meinung. In einschlägigen Fankreisen ist man der Meinung, dass man mehr vom DFB ja nicht erwarten kann und dass das schon toll ist, dass sie das Urteil korrigiert haben. Ich bin da anscheint zu anspruchsvoll. Auch, was meinen Verein angeht. Interessant, dass man in Fankreisen die Frage nach einer Entschuldigung für überzogen hält. Vom DFB diskriminiert werden ist anscheinend halb so schlimm.

      Diese Strafenspirale, die mit Relationen nichts mehr zu tun hat, wird sich weiterdrehen und ich befürchte -gerade gestern ein langes Gespräch drüber gehabt- es wird erst jemand ernstlich verletzt werden müssen (also noch ernstlicher als die brennende Frau im Nürnberger Block seinerzeit), damit was passiert. Stellen Sie sich vor, dem Schweini fliegt so ein Ding um die Ohren und er fällt für die EM aus. Und für den FCB. Sehen Sie auch im Geiste bei dieser Vorstellung den Herrn Hoeneß als SuperNova abgehen?

      Pyrogegner geben ja nicht mal zu, dass dieses Zeug gefährlich ist, wo soll man da auch noch diskutieren? Und Mensch, es war ja nur ein Becher.

      Letztendlich ist die Konsequenz für uns „Emotionslose“, die diese Ausdrucksform nicht zwingend benötigen, um Spass am Sport zu haben, dass man zu diesen Sicherheitsspielen nicht mehr ins Stadion geht.

      Ich finde die Idee mit der Erwirkung des Titels nicht schlecht. Umwandelbar in Rasen mähen mit der Nagelschere. bis 2018. Oder so.😉

  3. Aber schön, dass sie wieder bloggen. So fühle ich mich dann auch mal wieder zum Kommentieren genötigt!

    Ich weiß nicht, ich finde die „Diffamierung“ gar keine. Da hat einer fälschlicherweise was gehört, was es nicht gab. Sowas kommt vor. Und EIGENTLICH ist es doch im rechtsstaatlichen Sinne alles gut gelaufen: Vorwurf, Gegenbeweis, Anpassung des Urteils. Dazu gibt es doch Gerichte. Und auch wenn ich die DFB-Gerichtsbarkeit für oft beeindruckend verwirrt halte, haben die das dieses Mal finde ich tatsächlich richtig gemacht.
    Da jetzt auf ein „Der hat sich verhört, der soll sich öffentlich entschuldigen“ zu drängen finde ich doch irgendwie.. hm. Zumal da viele Vereins“zugehörige“ im Alltag dem Verein bzw. seinem Image viel mehr schaden.

    Wichtiger fände ich an sich, dass der DFB mal mitbekommt (da sehe ich allerdings weniger unseren Verein als den DFB selbst in der Pflicht), was da von Rostocker Seite so gerufen wurde…

    Becherwerfer: Ich verstehe, warum der Herr auf seine Unschuld beharrt. Täte er das nicht, hätte er in der Revision ja von vorneherein keine Chance auf einen Freispruch. Wenn sein Anwalt nun glaubt, dass dieser möglich ist, und das seinem Mandanten vermitteln kann, ist es ja nachvollziehbar, sich nicht schuldig zu bekennen, oder?
    Ich seh jetzt allerdings auch nicht, warum der Verein da „milde“ walten lassen soll. WENN der Herr verurteilt ist, soll man es halt versuchen. Sowas möge man sich bitte vor der Aktion überlegen.
    Wie ich an anderer Stelle aber schon versuchte in die Diskussion zu geben: Wenn ich das juristisch richtig verstanden habe, ist dieses Weiterreichen von Schaden an den „Verursacher“ nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Eine davon ist, dass der Schaden durch die Aktion bezifferbar ist. Wenn ich das DfB-Urteil im Sommer richtig in Erinnerung habe, hieß es damals jedoch, dass dieser Bechertreffer auf den SRA EINER der Gründe war (neben z.B. weiteren Becherwürfen ohne Treffer), aber eben nicht der einzige. Wie beziffert man nun diesen Anteil? Ich kann mir nach wie vor gut vorstellen, dass der Täter hier juristisch drumherumkommt.

    Und.. ich erwarte von Erwachsenen Menschen eigentlich, dass sie, wenn sie unter Alkoholeinfluss die Kontrolle so sehr verlieren, dass sie Becher werfen, sich dem Alkoholeinfluss gar nicht aussetzen. Wenn ich nicht unter Alkoholeinfluss Auto fahren kann (…), trinke ich halt nichts, oder fahre nicht Auto.

    • „Da hat fälschlicherweise jemand was gehört…“, dies nach Frankfurt getragen, wo es ungeprüft übernommen und an die Presse weitergegeben wurde, die sich erwartungsgemäss auch draufgestürzt hat. Die Folgen finde ich doch etwas weitreichender als dass ich sie nur mit einem „dann wohl nicht“ abhake.

      Dass sich der DFB nicht per Handschlag beim einzelnen Fan entschuldigt, ist mir schon klar, aber als Geste eine Pro forma-Entschuldigung zu erwarten (die natürlich nicht gekommen wäre) hätte ich schon gut gefunden.

      Wenn ich eine Unwahrheit über jemanden verbreite, muss ich das auch angemessen aufarbeiten, wenn sich herausstellt, dass ich falsch lag. Im privaten Bereich heisst sowas doch Rufschädigung und/oder üble Nachrede?

      Aber gut, da bin ich dann wohl zu empfindlich, aber gerade in unserem Fanumfeld finde ich das mehr als grenzwertig. Meine Meinung. Ist ja auch mein Blog😉

      Der Becherwurf war allerdings auch der Grund für den Spielabbruch. Spielabbruch dann im Weiteren der Hauptgrund für die drastische Strafe, oder?

      Was die Revision angeht: mein Hufpfuscher ist ja auch in Revision gegangen. Nicht, weil er unschuldig ist…

      Schaden: Entgangene Einnahmen kann man schon beziffern, ob man da auf 400.000 Euro kommt, sei mal dahingestellt.

      Ansonsten sehe ich das wie Sie: einen erwachsenen Mann mit der Nachsicht bei Kindern wegen einer Dummheit zu behandeln, ist nicht angemessen. Aber da bin ich wohl dann auch wieder zu… keine Ahnung.😉

      Schön, dass Sie sich zum Kommentieren aufgerafft haben. Was ist mit dem Bloggen?😉

      • Klar Ihr Blog, Ihre Meinung😉 Aber wir würden uns doch beide langweilen, wenn immer alle die selbe hätte.

        Ich teile übrigens Ihre Einschätzung (HA!) was „Becherwurf=Spielabbruch“ angeht, aber in der Strafbegründung (Lübeck-Spiel) stand dann glaube ich halt, dass die Strafe aufgrund des Abbruches UND anderer Ereignisse. Da wird es dann halt vielleicht schwierig. Aber nun denn, ich bin ja auch kein Jurist. (zum Glück)

        Und ich und bloggen? Ich komm ja kaum zum Twittern.. (mal sehen, irgendwann.. bestimmt..)

        • Richtig. Langweilig wäre das. Wenn man in den wesentlichen Dingen einer Meinung ist, ist das ja eine gute Grundlage für andere Diskussionen.

          Nun gut, bis Sie dann wieder selbst am Start sind, können Sie ja hier die Ü140-Dinger loswerden.

  4. Guter Beitrag, ich stimme dir zu, besondern den letzten Absatz bzgl. der lächerlichen strafe für HRO.

    Ein Skandalurteil in meinen Augen,

    • Wobei sich die Fans von HRO mit diesem Urteil auch noch bei Weitem zu hart bestraft fühlen. Und als Ostverein benachteiligt. Weil St. Pauli eine so große Lobby beim DFB hat. Und weil St. Pauli ja auch….
      Von Einsicht bis auf vereinzelte Reaktionen keine Spur.
      Bei dem Lobby-Thema musste ich dann lachen…

  5. sparschaeler sagte am :

    die dfb sportgerichtsbarkeit ist eine willkürliche rechtssprechung. argumente wie dies mit einem rechtsstaat kompatibel ist, suche ich schon seit längerer zeit.

    willkürjustiz wurde bereits nach dem ersten versuch vor einigen jahrzehnten für nicht glücklich gehalten.

  6. Was das Urteil anbetrifft, Unbelehrbare gibt es immer wieder, von daher sehe ich das mit der Revision gelassen. Allerdings fände ich es gut, wenn der FCSP die Schadensersatzansprüche geltend macht, schon allein um damit, auch fuer andere Vereine, abzuschrecken.

    Was die Platzsperre anbetrifft, frage ich mich, was denn als nächstes kommt. Einen Monat Sperre, oder gar drei oder vier Heimspiele? Finde das sehr interessant. Auch hier gehe ich von der Unberechenbarkeit der Fans aus der Ostseemetropole aus. Bei den Fans aus dem Sachsenland habe ich es schon seit mehr als 10 Jahren die Hoffnung aufgegeben, das sich dort was ändert.

    Was den Aufstieg anbetrifft, sich die Magischen gut dabei, hätte ich so nicht erwartet, vor der Saison. Aber Düsseldorf spielt einen guten Ball und hat es nach drei Jahren in der Spitzengruppe auch verdient, die von Ihnen ungeliebte Eintracht wird wohl auch nicht aufzuhalten sein, bleibt ein spannender Dreikampf zwischen den Fuerthern, den Ostwestfalen aus Paderborn, die Meiner Meinung nach beide sehr gute Arbeit leisten und dem FCSP. Wir werden sehen, wer das glücklichere Rückserie spielt. Aber meine Traum von der Relegation mit dem Vorstadtverein scheint immer noch möglich. Selbstverständlich gibt es da einen guten Ausgang😉

    • Sie sehen weiter unten, es gibt die Unbeirrbaren, die die Schuld immer bei den anderen suchen. Wegen dieser Kategorie ärgert mich das auch besonders von unseren, weil es jedesmal wieder zu dieser Argumentation führt. Die zwar lächerlich in diesem Fall ist, der aber dennoch sehr mühsam zu begegnen ist.

  7. incrphl sagte am :

    Zu aller Erst, es wurde NAZI gerufen und da gibt es keine Diskussion. Glück gehabt, dass der DFB da gnädig mit euch war.
    Lächerlich finde ich es aber hier uns Rostocker wegen gefährlicher Körperverletzung anzuprangern, wo ihr selbst kein bisschen besser seid, oder hast du das Spiel in Rostock von vor 2 Jahren vergessen? Sollte es so sein, dann erinner ich dich gern mit folgendem Video daran. Also lieber das nächste Mal nicht so weit aus dem Fenster lehnen, wenn man keine Ahnung hat!

  8. Ich muss nicht Rostock vor zwei Jahren hier kommentieren. Jegliches Fehlverhalten unserer Fans verurteile ich ebenso, mir wäre es auch lieber gewesen, die Verstrahlten unter uns hätten im Block die Füße still gehalten und sich den Blocksturm gespart. Das gilt übrigens für sämtliche Pyroaktionen unserer Fans. Insofern bin ich nicht einmal parteiisch.

    Aber Vorkommnisse in der Vergangenheit rechtfertigen nicht die Vorfälle beim Spiel jetzt und selbst Sie, wo Sie ja im Gegensatz zu mir Ahnung haben- werden -auch anhand Video- und Bildmaterial dokumentiert- nicht umhinkommen festzustellen, dass unter den Wurfgeschossen Bananen, Handys und Feuerzeuge waren, dass die Bananenaktion rassistische Züge aufweist, dass die Rostocker Choräle über die schwulen Hamburger homophob sind und das Feuern von Leuchtspur in einen vollbesetzten Block inakzeptabel sind. Und das alles in SUMME und das Geisterspiel ist hochverdient. Wenn wir uns schon vergleichen, dann nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass wir für EINEN Becher eine Platzsperre erhalten haben. Setzen Sie das mal in Relation zu Ihren Geschossen und schweigen vielleicht besser.

    In dieser Hinsicht lehne ich mich tatsächlich noch weiter aus dem Fenster, als Sie es für möglich halten. Schmerzfrei.

  9. Newa sagte am :

    Ganz alleine sind Sie mit Ihrer Meinung wirklich nicht, ich stimme Ihnen in jedem Punkt uneingeschränkt zu. Auch für mich schön zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, die das so sieht!

  10. Nikolay sagte am :

    Obwohl das sicherlich nichts daran aendert, dass ein werfen von Gegenstaenden aufs Spielfeld eine Unsitte ist, waren die von Rostocker Anhaengern geworfenen Bananen m.E. eher eine Anspielung auf das in einem St. Pauli Blog abgebildete „Titanic“ Cover aus dem Jahr 1991: „Zonen-Gaby (17) im Glück (BRD): ,Meine erste Banane“.

  11. Lehrreicher Blogpost. Bereichernd, wenn man sowas auch mal aus einem anderen Blickwinkel ansehen kann.

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