Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Besuch bei Dr. Stenger – das Nachdieseln der JHV

Ich erwähnte ja bereits im Rahmen der Berichte über die diesjährige JHV, dass ich per Email das Angebot von unserem Vizepräsidenten Herrn Dr. Stenger anfragte, dass jedes Mitglied das Recht auf Einsichtnahme in diverse Unterlagen hat (in diesem Fall ging es um den Kreditvertrag der DKB-Bank und den Vermarktungsvertrag mit der UFA), da sich auf der JHV für mich offene Fragen gestellt haben, für die ich nach einer Antwort suchte.
Freundlicherweise gab mir Dr. Stenger die Gelegenheit, diesen Besuch mit dem letzten Heimspiel zu verknüpfen, um mir eine extra Anreise zu ersparen.
Begleitet haben mich @momorulez und @kleinerTod, die auch Antragsteller des Antrags zum Rückbau der Business Seats waren und Herr @sparschaeler. Hauptgrund war unter anderem, dass zwei der beliebtesten Gegenargumente in verschiedenen Fällen „Das ist zu teuer“ und „Das ist vertraglich unmöglich““ (sinngemäss) waren, die man de facto nicht nachvollziehen konnte.

Wer allerdings spektakuläre Enthüllungen erwartet, der wird enttäuscht werden. Vorgelegt wurden uns die beiden Verträge in Kopie zur Durchsicht in Ruhe. Auf alle Nachfragen antwortete Dr. Stenger offen und in meinen Augen geradlinig. Auf mich wirkte er erfreulicherweise so, als würde ihm ein Dialog am Herzen liegen, eine Abwehrhaltung war zu keiner Zeit festzustellen. Auf kritische Anmerkungen wurde sofort eingegangen.

Was die Verträge angeht: als im Kreditbereich erfahrene Bankkauffrau beurteile ich den Vertrag mit der DKB als in jeder Hinsicht normalen Kreditvertrag, Laufzeit, Zinssatz, Sicherheiten – ohne besondere Überraschungen. Dass der DKB-Vertrag eng mit dem Vermarktungsvertrag zusammenhängt, ist korrekt, aber auch keine Überraschung. Zahlen und Details werde ich hier nicht nennen, sondern vertraulich behandeln, das gehört auch nicht in ein öffentlich zugängliches Medium. Es hat ja jeder Gelegenheit, die Verträge en detail selbst einzusehen, aber wie gesagt, Spektakuläres ist nicht zu finden.

Das Einzige, was ich nach Durchsicht des UFA-Vertrages festgestellt habe, ist, dass der Verein entgegen des Eindruckes, den er gern vermittelt, wesentlich mehr Einfluß auf die Gestaltung der Vermarktung hat im Hinblick auf die Fans und ihre Wünsche. Dass diese Einflussnahme „zu Lasten“ der UFA sicherlich nicht der bequeme Weg ist und erhöhten Diskussionsbedarf zwischen den beiden Parteien kreiert, ist klar. Aber es ist mehr möglich, als man vermutet. Oder anders gesagt: es ist mehr möglich. So wie ich vermutet habe. Das ist ein gutes Basiswissen für die nächste JHV, eventuelle Anträge und Wünsche.

Einer der Wünsche, die wir vor Ort geäußert haben, ist der nach mehr Transparenz insbesondere im Hinblick auf Argumentationen in der Kostenfrage bei Anträgen. Eine bessere Vorbereitung auf Anträge, die bereits Wochen vor der JHV vorliegen, wäre wünschenswert. Als kleines, aber effektives Beispiel sei da der Antrag auf Anbringung von Handläufen erwähnt, der stellvertretend für die Art und Weise des Umgangs mit den Anträgen ist. Schön wäre gewesen, statt eines „Ihr könnt Euch ja nicht vorstellen, wie teuer das ist, das geht nicht“, einen Kostenvoranschlag eines Fachmannes einzuholen, aus dem auch hervorgegangen wäre, dass es zu Sichtbehinderungen käme und wieviel Plätze davon betroffen wären. Das hätte in diesem Fall eine Einordnung zur Abstimmung leichter gemacht. Und wie es im Kleinen mit diesem Antrag ist, so ist es eben auch bei den umfangreicheren Anträgen. Im Laufe des Gesprächs stellte sich auch heraus, dass es gerade zu dem Antrag auf Rückbau der Business Seats zu einer eklatanten Fehlbewertung kam, denn im Antrag wurde genau definiert, dass es keine zeitliche Vorgabe, also keinen Druck auf sofortige Umsetzung geben würde. Dieser wesentliche Punkt kam wohl nicht wirklich an im Präsidium. Das bedeutet, dass auch Antragsteller erhöhte Aufmerksamkeit auf Details legen müssen, was, wenn es zeitgleich mit besserer Vorbereitung seitens der Vereinsführung geschieht, auch die Abstimmungen leichter und auch zügiger macht.

Insgesamt emfand ich diesen Besuch als sehr angenehm, fair im Umgang und offen für Kritik. Diesen Eindruck teile ich fast wörtlich mit Dr. Stenger, wie eine kurze Kommunikation im Nachgang zeigte. Das Angebot, jederzeit ansprechbar für Anregungen, Kritik, Wünsche etc. zu sein, nehme ich Dr. Stenger vollumfänglich ab. Die hohe Kommunikationsbereitschaft im Vorfeld dieses Termins sind -was mich betrifft- ein gutes Zeichen. Die angeforderten Informationen wurden vollständig zur Verfügung gestellt, das Gespräch war für mich persönlich in einigen Punkten erhellend, in vielen erklärend und in manchen vorbereitend für zukünftige Anliegen.

Ich weiss nicht, wie es bei anderen Vereinen so gestaltet ist, das Verhältnis zwischen Vereinsführung und Fans. Ob es überall möglich ist, mal eben seinen Vizepräsidenten um ein Gespräch zu bitten, über Vereinsfragen zu diskutieren. Oder auch wie seinerzeit mein Treffen mit Sportchef Helmut Schulte anlässlich der Sozialromantikerinitiative. Ob es üblich wird, dass sich für die oftmals als querulant bezeichneten interessierten Fans Zeit genommen wird und ihnen das Gefühl gegeben wird, ihnen auch zuzuhören und den Diskurs mit ihnen zu fördern. Ich rede hier nicht von den organisierten Fanvertretern, sondern von einzelnen wie uns vieren zum Beispiel. Ich vermute aber, dass es nicht ganz so einfach ist, wie bei uns, Eintritt in die „heiligen Hallen“ eines Vereinspräsidiums zu erhalten und direkt und umwegsfrei Belange zu diskutieren. Das finde ich sehr, sehr wichtig, aber eben vermutlich nicht selbstverständlich. Es passt aber zu dem FC Sankt Pauli, dessen Fan ich bin. Kritischer Fan.

Es gab übrigens auch keine „Auflagen“, was ich hier schreiben darf und was nicht, obwohl das Gespräch sehr offen geführt wurde, quasi barrierefrei. Die Bitte um Nichtveröffentlichung von Vertragsdetails ist, was mich betrifft, reine Formsache, denn -wie oben erwähnt- gehört das nicht in ein öffentliches Medium, aber ist ja jederzeit für interessierte Mitglieder verfügbar. Ansonsten blieb es mir freigestellt, was ich hier schreibe und das ist ein Vertrauensbeweis, den ich problemlos zurückgeben kann. Also an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank für das informative Gespräch, ich habe so das Gefühl, dass wir uns auch mal wiedersehen. Zu gegebener Zeit, zu gegebenem Anlass 😉

Edit: ein Thema, dass ich sicherlich noch mal gesondert angehe, ist die Frage der Fanvertretung. Wer sind eigentlich diese ganzen Menschen, die da im Namen der Fans mit dem Verein verhandeln? Wer wählt sie aus, nach welchen Kriterien? Zum Beispiel der Fanausschuss:

er Ständige Fanausschuss in seiner jetzigen Form entstand 2008, als sich mit dem Beginn der Diskussion um die Ausrichtung eines St. Pauli-Kongresses Vertreter verschiedener Fangruppierungen zu einem inhaltlichen Austausch zusammenfanden. Aus diesem Ideenaustausch entwickelten sich regelmäßige Treffen, welche alle 4-6 Wochen stattfinden. Auf Einladung des Fanladens nehmen Delegierte von aktuell 13 Gruppen teil, welche sich über den Spieltag hinaus im und für den FC St. Pauli engagieren.

Wer sind diese dreizehn Gruppen? Gehört man automatisch zu einer oder kann man sich anschliessen, und wenn ja wie? Wer entscheidet, wer für uns -also Leute wie mich- beim Verein spricht? Würde mich mal interessieren. Nur mal so.

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7 Gedanken zu „Besuch bei Dr. Stenger – das Nachdieseln der JHV

  1. Pingback: Alternative Vermarktungsformen sind nu gefragt - FC St. Pauli #UFA | SPNU*

  2. snief sagte am :

    Schöner, sachlicher Bericht, danke dafür.

    Zu der Frage der Fanvertreter: statt die Frage hier in den (luftleeren) Raum zu stellen, wäre der Kontakt zum Fanladen der m.E. richtige Weg. In der zitierten Beschreibung steht ja z.B., dass sich der Fanausschuss auf Einladung des Fanladens zusammenfindet. Der Fanladen ist der zentrale Ansprechpartner für ALLE Fans und wird sicher alle Fragen gerne umfassend beantworten.

    Als Fanclub-organisiertes Mitglied hat man darüber hinaus auch immer den von Delegierten aller Fanclubs gewählte Fanclub-Sprecherrat als Ansprechpartner.

  3. Pingback: Grundsatzfragen zur Vermarktung des FC St. Pauli « Metalust & Subdiskurse Reloaded

  4. astro sagte am :

    Anmerkung zum UFA-Vertrag: das ist tlw. ein alter Hut. Bereits bei der Informationsveranstaltung für Fans direkt in Anschluss an die Vertragsunterzeichnung mit der UFA wurde explizit darauf hingewiesen, daß Marketingmaßnahmen dem Verein vorgelegt und von diesem abgelehnt werden können, ohne, daß dies zu Sanktionen gegenüber dem Verein führen würde.
    Übrigens war es damals ziemlich peinlich, daß mindestens genauso viele (hochrangige) Vereinsfunktionäre und UFA-Mitarbeiter bei der Veranstaltung waren, wie Fans. Aber dann wird sich wieder darüber beschwert, daß man keine Informationen bekommt… Das ist zwar tatsächlich oft genug der Fall, aber die Angebote, die gemacht werden, sollte man annehmen, sonst macht man sich unglaubwürdig.

    • Kann sein, dass das mit dem UFA-Vertrag ein alter Hut für manche ist, für mich nun nicht und ich sehe sowas gerne selbst, bevor ich mich drüber echauffiere, was angeblich nicht geht. Oder doch geht. 🙂

      Wesentlich ist, dass einem tatsächlich die Informationsmöglichkeiten gewährt werden und das keine Lippenbekenntnisse sind. Eine gute Basis.

  5. Pingback: 7 Fragen und ein Regenschirm – Hallo, Herr Dr. Stenger, diese Polizeiwache da… « Fabulous Sankt Pauli

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