Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Frieden auf Erden, Hass auf St. Pauli? – Das Jahr 2011 und was so wird

Sportlich eine der besten Saison(s?) überhaupt. 39 Punkte, vierter Tabellenplatz zum Überwintern. Ein neuer Trainer, der es von Anfang an verstanden hat, die Mannschaft einzustellen. Ein paar Niederlagen, die nicht hätten sein müssen, aber hey! das ist prima, so wie es ist. Die Neuzugänge und die „Alten“ harmonieren blendend, auf manchen Positionen haben wir regelrecht Luxusprobleme. Finanziell steht der Verein so gesund da wie nie zuvor, die sechs Millionen Anleihe ging wie geschnitten Brot zu Weihnachten, waren es überhaupt drei Wochen, bis „Ausverkauft“ dran stand? Eine JHV mit der sagenhaften Teilnahme von um die 900 Besuchern (das sagenhaft bitte ich ironisch zu verstehen angesichts unseres Mitgliederrekords, aber immerhin..)

Und dann war da noch der Januar. Der Jolly Rouge. Wir erinnern uns. Brücken über Gräben spannen, himmlische Einigkeit, das Wir-Gefühl. Meine Zweifel, dass etwas Bleibendes aus der Aktion resultieren würde, erfüllen sich spätestens kurz vor Ende des Jahres. Die Brücken erweisen sich als morsch, die Gräben sind nach dem Brückenkollaps scheinbar tiefer denn je. Wer sind wir heute?

Auf der anderen Seite bleibt die Erkenntnis, dass die Fans des FC St. Pauli, denen stets linksalternative Ansichten angeheftet werden, letzten Endes und zu größten Teilen kein „Thinktank“ für progressive Lebenswelten sondern vielmehr die Ausgeburt kleinbürgerlicher Spießigkeit zu sein scheinen. Strikte Vorstellungen von Ursache und Wirkung, Vergehen und Strafe. Ein Rechtsverständnis aufgebaut auf Bauernweißheiten wie: „Dummheit schützt vor Strafe nicht.“

So schreibt es Lichterkarussell. In dem Beitrag „Ich hass Euch so“. Und da stehe ich nun. Beraubt meiner stark linksalternativ geprägten Ansichten und einsortiert in die Spießerausgeburten und Bauernweisen. Ich empfinde keinen Hass, seltsamerweise, nicht mal, wenn ich diese mit Schaum vor dem Mund getippten Zeilen lese. Ich bin nicht überrascht, dass die Euphorie gewichen ist, das war ein vorhersehbarer Prozess. Dass wir alle so verschieden sind und dennoch Gemeinsamkeiten haben, nämlich den FC Sankt Pauli, das Verständnis der deutlichen Positionierung gegen Rechts, gegen Homophobie, gegen Sexismus, gegen den Kommerz – das spielt alles keine Rolle mehr. Wir scheiden uns an Bierbechern, Bengalos, Böllern und Bons. Die progressiven Lebenswelten im Stadion möchten ihre Emotionen ausleben, ohne Rücksicht auf Verein oder ihre scheinbar emotionsloseren Kollegen. Und die spießbürgerlichen Ausgeburten hängen offenbar immer noch längst überholten frühkindlichen Erziehungsmechanismen von Ursache und Wirkung, von Handlung und Konsequenz hinterher und möchten bei ihren spießbürgerlichen Kollegen Montags im Büro nicht mehr Rede und Antwort stehen zu „Was war denn nun schon wieder bei Euch los?“.

Als „friedlicher Holzspielzeugkäufer“ möchte ich tatsächlich einem fairen-friedlichen FC Sankt Pauli angehören, der nicht mit Gegenständen in Richtung Menschen wirft. Und ich rede nicht von einem Luftballon, sondern von einer 200 Stück-Packung, im übertragenen Sinn. Ich möchte nicht betreten den Mund halten, wenn im Mecklenburg-Vorpommerschen Land hämisch ein Platz im Boot freigemacht wird und wir in einer Schublade mit rechtsextremem Pöbel landen, der brennende Leuchtspur in einen Gästblock wirft. Da wird kein Unterschied gemacht, dass es „nur“ ein Bierbecher, „nur“ eine Kassenrolle war. „Ihr zündelt doch auch ständig.“ Auch bei uns sind viele von denen da, die sonst nie da sind. Und ich werde nie bereit sein, das zu tolerieren. Da bin ich ganz Spießer, da bin ich ganz bei mir.

Auf meiner Fahne steht FC Sankt Pauli. Immer bei Dir. Und nicht immer mit einer Hand in der Kasse, auf der „DFB“ draufsteht. Die, die mich fast so hassen wie sie die Bullen hassen (außer Boll natürlich), kriegen beim Wort Sanktionen Spontanausschlag, beim Wort Konsequenzen und Strafe spätestens wird die Haßkappe aufgesetzt. Da wird vom Differenzieren geredet, dass jeder sich halt den Schuh anziehen möge, der ihm passe und man müsse bei den Rundumschlägen selbst erkennen, wer gemeint sei. Das fällt beim Umfang der Beschreibung in der Tat auch ganz leicht. Alle, die nicht dem Kapitalismus den bedingungslosen Kampf ansagen, die Stadionverordnungen und Gesetze nicht per se für Teufelswerk halten – alle sind sie dabei. Die mit den offenbar diktatorisch-repressiven Eltern, die ihnen beigebracht haben, sich gerade zu machen, wenn man Mist gebaut hat statt zu hoffen, dass man nicht erwischt wird. Die obrigkeitshörigen Law-and-Order-Vertreter, die nicht hinter jedem Polizisten des Satans Ausgeburt vermuten. Außer Boll natürlich.
Wir (und ja, das scheine ich eindeutig zu sein) sind nicht St. Pauli. Jedenfalls nicht dieses St. Pauli, dieses richtige und einzig Wahre. Wir sind hassenswert. Oder doch nicht?

….es gab und gibt auf st.pauli immer andere meinungen, sonst wär auch niemals der punk neben dem banker gegstanden. ich find das gut, dass st.pauli kein homogener haufen ist, sondern z.T. ganz konträre ansichten haben, und dass darüber diskutiert wird. wenn auch nicht immer sehr gepflegt, gefährlich finde ich das überhaupt nicht. gefährlich fände ich eher, wenn sich manche nicht mehr trauen würden, ihre meinung zu sagen und/oder mitzudiskutieren. den untergang der st.paul’schen fankultur jedenfalls seh ich weder aus der einen noch aus der anderen richtung kommen.

Kommentar by rakete

Und da hat sie Recht. Aber eine Diskussion endet, wenn per Regenwaldkahlschlag die rechte Keule ausgepackt wird, dass wohl totschlägerischste von allen Argumenten. Hat sich jemand, der sich so abfällig über Bauernweisheiten äußert, mal gefragt, wo die herkommen? Aus der Praxis des täglichen Lebens. Nicht aus Büchern und nicht aus Flyern. Das sind Erfahrungen, die Mensch im Laufe seines Lebens macht und aus denen er lernt. Im besten Fall.

Der Mensch wird geprägt von seiner Erziehung und seinem Umfeld und im günstigsten Fall bekommt er noch gesunden Menschenverstand gratis dazu. Und manchmal würde es helfen, wenn man sich nicht in den Theorien um „das Große und Ganze“ und all seinen Theoretisierungen verliert, sondern einfach mal ins tägliche Leben schaut, wie man selbst Situationen des alltäglichen Lebens behandelt. Wer unter den Eltern hier würde seinem Kind, wenn es eine Dummheit gemacht hat und sie den Eltern beichtet, eine strenge und knallharte Strafe als Entgegnung aufbürden? Wären die Eltern nicht eher geneigt, diesem Kind, das für seine Dummheit geradesteht, zu zeigen, dass es richtig ist, nicht zu lügen, zu vertuschen, zu betrügen und die Konsequenz dementsprechend anpassen oder im Einzelfall sogar ganz entfallen lassen? Das Prinzip der Reue, des Geständigseins und der Milde ist nicht nur eins der deutschen Gerichte, es ist auch eins des Alltags. So wie vieles andere. Nur kommt man mit alltagstauglichen Beispielen in den Diskussionen der letzten Tage nicht weit. Die Masse der St. Pauli-Fans ist alltagstauglich und einfach gestrickt. So wie ich. Ich verstehe nicht, was ein Foucault und ein Habermas mir eventuell sagen wollen und vielleicht auch könnten, aber ich verstehe meine Eltern. Weil sie meine Sprache sprechen. Und wenn wir uns unterhalten, müssen wir eine Sprache sprechen. Zumindest in einer gemeinsamen radebrechen können, um zu verstehen, was der andere sagt. Wo ist der kleinste gemeinsame Sprachennenner? Ich dachte, wir haben ihn. Aber ihn benutzend ich fand mich wieder bei John Wayne, Ronald Schill und knapp vor Tookie. Meine Argumentation ist rechtspopulistisch, in dem Moment, in dem ich das Prinzip Strafe nicht ablehne, sondern bereit bin anzuwenden bzw. anwenden zu lassen.

Weder meine Eltern noch ich bin ein Kind der 68er-Erziehung noch eins der antiautoritären Variante von heute. Wir wissen alle, was aus den „Claude-Kevin, lass das. Claude-Kevin, nun lass das aber! Claude-Kevin, also wenn Du das nicht gleich lässt…“ -Kindern wird. Ob wir es wollen oder nicht, wir befinden uns nicht in einer buntschilldernden Seifenblase von voneinander unabhängigen Individuen. Und die eifrigsten Kapitalismusgegner sieht man auch bei Aldi und H&M, sie fahren Autos und haben einen Mac zuhause und wenn es ihnen passt, sind sie zwischendurch mal wieder total links und total politisch korrekt. So je nach Anforderung. Wechselnd. Nicht konsequent. Teilzeitrevolutionäre. Mit denen wir Spießerausgeburten ja durchaus Berührungspunkte haben. Wir haben -zumindest nach außen hin- die Homphoben im Stadion im Griff. Die Sexisten und die Rassisten. Sie sind noch da, aber sie trauen sich nicht, sich zu äußern. Das ist gut. Das ist wichtig. Das ist eine Basis, auf der wir uns treffen. Bevor wir wieder voneinander wegdriften. Das ist das Leben. Auch im Mikrokosmos St. Pauli. Dazu sind wir alle zu verschieden, wir docken nur immer mal woanders an. Und das wird sich nie ändern. So war es beim Jolly Rouge. Da haben wir alle an einer Stelle angedockt, aber es war naiv zu glauben, wir würden da miteinander verwachsen. Das war eine spontane Zweckgemeinschaft, weil viele zu einem gleichen Zeitpunkt ähnliches wollten. Aber in vielen Dingen sind und bleiben wir verschieden. Wir können uns dafür hassen. Was nichts bringt. Wir können es hinnehmen. Ich kann es. Mit Menschen, die mich hassen, muss ich nicht kommunizieren. Mit Menschen, die mich wegen meiner Werte, meiner Meinung und meinen Empfindungen diskriminieren oder diskreditieren, muss ich mich nicht auseinandersetzen. Das bleibt mir überlassen. Der Mikrokosmos des FC Sankt Pauli ist groß genug, um diesen Menschen nicht zu begegnen. Nur zum Schweigen bringen werden sie mich nicht. No surrender. Aber kein Hass von meiner Seite. Hass ist das letzte, was wir beim FC Sankt Pauli gebrauchen können. Hass ist das letzte, was wir überhaupt gebrauchen können.

Was sie erreichen, ist lediglich, dass ich mich ihnen nicht mehr anschliesse. Weil wir keine gemeinsame Sprache sprechen. Auch wenn ich andocken könnte, werde ich es deshalb wohl nicht mehr tun. Und das sind sie, die Gräben, die tiefer sind als je zuvor. Aber wie Rakete richtig sagt: das Ende der St. Pauli-Fankultur ist das nicht. WIR ALLE waren und sind der FC Sankt Pauli. Leben und leben lassen. Ob es den Haßpredigern beider Seiten passt oder nicht. Was mich angeht, liegt es nicht in ihren Händen.

EDIT: Diesen Text von der Sitz[Blog]ade wiederum verstehe ich sehr gut. Aus einer grundsätzlich eigentlich spießerdiametral entgegengetzten verorteten Grauzone, aber doch näher dran. Sehr viel näher. Und was @kuschelpunker sagt, ist ebenfalls eine Meinung. Eine, bei der ich mitgehen kann.

Und nun zurück zum Sport. Nächstes Jahr.

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17 Gedanken zu „Frieden auf Erden, Hass auf St. Pauli? – Das Jahr 2011 und was so wird

  1. pauliane sagte am :

    gelesen, genickt, getrauert, geschämt, geärgert, geschluckt, geantwortet:…
    so viele emotionen und soviel persönliches ist in diesem text. ich wünschte mir sehr, dass wir es endlich schaffen, hart zu diskutieren, zu streiten, position zu besziehen, überzeugen zu wollen, zu schimpfen, zu keinem konsens zu kommen, zu wüten, irgendwann die diskussion abzubrechen und trotzdem:
    den menschen respektieren, die person so stehen lassen. es einfach auszuhalten, dass wir nun mal nicht immer unsere überzeugungen an den mann/die frau bringen können.
    RESPEKT vor der person auf der anderen seite der meinung…. wenn der nicht mehr da ist, sollte mensch mal reflektieren in wie weit sich das noch deckt mit den überzeugungen unseres doch so anderen vereins….
    ich bin nicht der wortakrobat, deshalb will ich hiermit eigentlich auch nur sagen:
    es macht mich traurig, wenn menschen die ich mag und schätze, sich aufreiben in auseinandersetzungen die ins persönliche abdriften und dadurch vieles kaputtgeht.

    …frau jeky fühlen sie sich herzlich umarmt…

    • Dass Sie so ausführlich kommentieren, zeigt, dass Sie das ganze genauso umtreibt wie mich.
      RESPEKT. Großes Wort in großen Buchstaben.

      Es gibt Momente, da muss man mal persönlich „aufmachen“, um eine Chance zu haben, sich vielleicht doch verständlich zu machen. Es nützt mir das ganze Rumtheoretisieren nichts, wenn ich es inhaltlich nicht rüberbringe. Ob das diesmal gelungen ist? Keine Ahnung. Wer mich aber nur ein bißchen kennt, sollte es wissen. Früher waren mehr Lösungsvorschläge.😉

  2. Sehr schön geschrieben.

    Ich bin vermutlich einfach zu zynisch, aber habe den Versuch mit eigener, selbst ‚erdachter‘ und erfahrener und nicht den von Ihnen so schön geschilderten Mustern folgender Meinung in bestimmten Kreisen zu diskutieren. Dogmatismus kennt eben keine Seiten.

    Das ist leider ja auch ein Trend dem unsere Gesellschaft sowieso immer mehr folgt. Weiß und Schwarz. Grau gibt es nicht mehr. Irgendwie.

    Als im März dazu aufgerufen war, zu schreiben „was“ wir sind, schrieb ich mit vielen Worten unter andem dies:

    Ich will Menschen um mich herum, die ihre eigene und begründete Meinung haben. Dabei muss das meistens nicht meine Meinung sein, auch wenn die natürlich die richtige wäre.

    Das funktioniert natürlich nur, wenn die mit der anderen Meinung das wenigstens ähnlich sehen.

    • Fehlt da ein „aufgegeben“ nach „Versuch“?
      Kann ich auch verstehen, aber ich erwische mich immer wieder dabei, weil ich denke, das ist doch so einfach nachvollziehbar, warum geht das bloß nicht?

      Es ist auch irgendwie kein Problem von Meinungen, da kann man ja verschiedener Ansicht sein, sondern die Art und Weise, wie versucht wird, Meinung zu machen bzw. andere abzuqualifizieren, nur weil es andere sind. Oder so.

      Ich bin ja mittlerweile schon glücklich, wenn jemand eine eigene hat -und vor allem, wenn sie auch mal eine andere ist als die übliche- die auch vertritt und sich nicht in den Boden rammen lässt. Oder umkippt, nur des lieben Friedens wegen. Überzeugen lasse ich mich gerne, aber die Wahl der Mittel ist wichtig.

      • „…habe ich aufgegeben“. Ja, fehlt da.
        Ich hab mich unklar ausgedrückt, das Problem ist weniger die Meinung, als die (scheinbare?) Einstellung vieler, die eben NICHT andere Meinungen akzeptieren. Darum ging es mir.

        • Hab ich verstanden. Und irgendwann -auch da haben Sie Recht- ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man es auch aufgibt. Nicht wegen der unterschiedlichen Meinung, sondern wenn grundsätzlich die Basis nicht stimmt. Davon geht die Welt nicht unter. Manchmal ist weniger eben auch mehr😉

  3. Nikolay sagte am :

    Solche Beitraege wie der im Blog von Lichterkarusell („Ich hass euch so) tragen m.E. nicht zu einer doch wohl angestrebten Einigung von Fans bei, sondern befeuern die Diskussion ueber Fans erster (linksalternativ, kapitatalismus und polizeifeindlich) und zweiter („CDUler, die zu St. Pauli gehen“, Spiesser, was immer damit gemeint sein soll) Klasse.
    Es bleibt mir schleierhaft, warum jemand sich anmasst andere „dringend darum zu bitten sich einen anderen Verein zu suchen“. Das ist genau die Art zu diskutieren, die ich aus der Sowjetunion und der DDR kenne (und von der die meisten der Kapitalismusgegner „mit einem Mac zu hause“zum Glueck verschont geblieben sind). Ich halte nichts von sowjetischen Fahnen im Fanblock (denn darunter ist u.a. auch sehr schlimmes veruebt worden), aber das bleibt meine Meinung dabei respektiere ich aber die Meinung anderer Fans, die diese Fahnen ins Stadion bringen.
    Ich habe mich seinerzeit fuer den FC St. Pauli entschieden, weil die Fans des Vereins sich gegen Intoleranz jeglicher Art wenden, und das finde ich GUT so. Dabei sollten m.E. aber auch andere Meinungen toleriert werden, denn Dogmen haben leider schon zu vieles zerstoert.
    Was den Wurf der leidigen Rolle betrifft, finde ich es falsch die Aktion als „Lappalie“ zu bezeichnen, denn ich mag mir nicht vorstellen wie heftig die Reaktionen gewesen waeren, wenn ein solcher Wurf „zum falschen Zeitpunkt“ in Rostock oder Dresden passiert waere. Sicherlich sind einige der im Forum ausgesprochenen Forderungen z. T. uebertrieben, aber selbst unter Beruecksichtigung der mutigen Selbstanzeige des jungen Mannes darf die Aktion nicht straffrei bleiben, auch wenn die Strafe nicht zu hart ausfallen sollte
    P.S. Sehr lesenswert die Ueberlegungen im Blog von Kuschelpunker („Ist unsere Meinung die einzig wahre“).

    Gruss jetzt wieder aus Petersburg und ein glueckliches Neues Jahr!

    • Den Link zu Ihrer Leseempfehlung habe ich oben eingebaut, sehr guter Hinweis.

      Der Empfehlung, mir einen anderen Verein zu suchen, werde ich ebenso wenig folgen wie Sie. Ich habe mir auch aus Gründen gerade diesen Verein ausgesucht.

      Und so paradox das klingen mag, auch diese Diskussion ist St. Pauli, in vielen anderen Vereinen kommt so etwas -so unerfreulich es in Teilen auch ist- ja nicht einmal zustande. Entweder, weil man dort so gesättigt vom „Event“ ist oder man sich nicht die Mühe machen will, sich mit anderen Positionen auseinanderzusetzen. Da hätte ich gesagt „Ach, der Spinner“ und nicht so eine Blogposttapete geschrieben.

      Mir ist es übrigens egal, ob der Werfer von Nord, Süd, Haupt oder Gegen kommt, so eine Aktion ist von jeder Ecke dumm. Ich gehe mit Ihnen, aufgrund der Tatsache, dass er für diese Dummeinheit aber einsteht (und die Beweggründe sind mir weitestgehend egal), muss die Konsequenz für ihn dementsprechend ausfallen. Aus einem nicht ganz unbestimmten Gefühl heraus glaube ich, dass der Verein das richtige tun wird.

      • Nikolay sagte am :

        The difficult part in an argument is not to defend one’s opinion but rather to know it.
        (Andre Maurois).
        Sie sind sich Ihrer Meinung nicht nur sicher, sondern koennen diese auch sehr argumentiert vertreten. In diesem Sinne: Frohes Neujahr!

    • Mag sein, dass der Beitrag nicht dazu beiträgt irgendwen zu einen. Ich halte es aber für absolut legitim zu sagen, dass es einfach unterschiedlichste Lager gibt, die sich alle irgendwas „anmaßen“.

      „Yuppies Raus“
      „Scheiß Ultras machen alles Kaputt“
      „Business Seats weg, damit die Haupttribüne wieder eine Kultur entwickelt“
      „Das ist nicht Sankt-Pauli-Like“

      Und jeder darf sich mal richtig schön von der anderen Seite angekackt fühlen.

      Nur, lieber Nikolay, ist das nicht meine Art zu diskutieren, wenn ich das wiedergebe, dass es das gibt. Und von Nationalfahnen halte ich allgemein überhaupt nichts – auch nicht von sowjetischen.

      Ich habe mich seinerzeit fuer den FC St. Pauli entschieden, weil die Fans des Vereins sich gegen Intoleranz jeglicher Art wenden, und das finde ich GUT so. Dabei sollten m.E. aber auch andere Meinungen toleriert werden, denn Dogmen haben leider schon zu vieles zerstoert.

      Absolut richtig, aber das heißt nicht, dass man ALLES tolerieren muss. Tolerieren heißt erdulden und das hat seine Grenzen.

      Guten Rutsch!

      • Nikolay sagte am :

        Wo ich jetzt Ihren Kommentar durchgelesen habe (gerade den, wo Sie behaupten kein Freund eines “gleichgeschalteten St. Pauli” zu sein), merke ich dass wir uns in diesem Punkt schon mal einig sind. Es geht mir jetzt weniger um den Wurf und den Werfer (dessen Verhalten ich nach wie vor ablehne, auch wenn wie bereits erwaehnt manche Kommentare im Forum nicht meinen Ansichten entsprechen). Es geht mir eher um das tolerieren von Meinungen, die z.B. von Ihrer Meinung abweichen.
        In seinem Essay “Toleration as a Moral Ideal” zaehlt P. Nicholson unter den anderen fuenf Merkmalen von Toleranz eine gewisse “Abweichung” (Deviance) auf. Das bedeutet, dass Toleranz nur dann moeglich ist, wenn zwischen den in einer bestimmten Beziehung stehenden Subjekten (Menschen, Nationen, Religionen, Zivilisationen) bestimmte Unterschiede bestehen.
        Laut Nicholson sind die anderen Merkmale von Toleranz folgende:
        Die Wichtigkeit (Importance) der “Abweichung”. Die Wichtigkeit der “Abweichung” ist eine sehr bedeutende Eigenschaft der Toleranz, anderenfalls geht es eher um Gleichgueltigkeit als um Toleranz.
        Ablehnung (Disapproval). Die moralische Einstellung der etwas (jemanden) tolerierenden Person sollte sich im Gegensatz zu der “Abweichung” befinden, das bedeutet, eine “Abweichung” kann fuer mich nicht wirklich wichtig sein, wenn diese nicht meinem Lebensstil widerspricht. Eine jede innere Sympathie zur “Abweichung” verwandelt Toleranz in z.B. Liebe, Akzeptanz oder Interesse.
        Macht (Power). Die etwas (jemanden) tolerierende Person sollte ueber Macht verfuegen um die “Abweichung” zu bekaempfen.
        Nichtausuebung der Macht (Non-rejection). Die tolerierende Person uebt seine Macht nicht aus, wodurch sie die “Abweichung” akzeptiert. Dementsprechend koennte man Toleranz als Gewaltlosigkeit und Nichteinmischung in die Angelegenheiten dessen, der als “abweichend” eingestuft wird definieren. Tatsaechlich, warum versuche ich nicht etwas was meiner Lebensauffassung widerspricht zu bekaempfen, obwohl ich ja die Macht dazu habe, sondern ich akzeptiere diese “Abweichung”? Toleranz entsteht nur dann, wenn ich der anderen Partei gleiche Rechte zur Selbstverwirklichung (Meinungsaeusserung) zugestehe. Genau diese Akzeptanz vermisse ich leider in Ihrem Beitrag “Ich hass euch so”. Es mag ja sein, dass ich Sie falsch verstanden habe, aber ich hatte den Eindruck, dass Sie die Fans des FCSP nich nur in unterschiedliche Lager, sondern auch in verschiedene “Klassen” unterteilen. (“All animals are equal but some animals are more equal than others”).
        Sie schreiben u.a. in Ihrem Kommentar zu meinem Beitrag: „Tolerieren heißt erdulden und das hat seine Grenzen“. Es stellen sich mir diesbezüglich folgende Fragen: wo sollten die Grenzen bei der Toleranz von Meinungen (auch im Forum) aufgezeichnet werden? Und was passiert mit denen, der sich nicht in diesen Grenzen halten?
        Danke fuer Ihren Kommentar und einen guten Rutsch ins Neue Jahr aus Petersburg!

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  6. Schönen guten Abend
    Mein Weihnachtsessen ist nunmehr verdaut, die Tage bei der Familie angenehm herumgebracht und ich bin bereit mich wieder dem „Tagesgeschäft“ zu widmen. Verzeih mir, die kleine Auszeit von dieser ganzen Bloggeschichte – ich habe es über die Tage beim Freischalten von Kommentaren belassen – dein Text hier soll aber nicht unkommentiert stehenbleiben, genau so wenig, wie deine Kommentare bei mir im Blog.

    Und wenn wir uns unterhalten, müssen wir eine Sprache sprechen. Zumindest in einer gemeinsamen radebrechen können, um zu verstehen, was der andere sagt. Wo ist der kleinste gemeinsame Sprachennenner? Ich dachte, wir haben ihn.

    Das war ganz offensichtlich nicht der Fall. Du hast dich ja interessanter Weise von meinen Texten stets direkt als Adressaten wahrgenommen. Interessant finde ich das insofern als, dass ich dich gar nicht bewusst als Adressaten gewählt hatte, dann hätte ich dich schon direkt verlinkt. Nein ich konnte meine Texte gar nicht bewusst an dich adressieren, ich hatte sie ja gar nicht gelesen – und habe jetzt auch noch nicht alles von dir zu diesem Thema gelesen.

    Meine Texte zielten viel mehr auf Kommentare bei Facebook und im Forum ab, die tatsächlich ob ihrer Verbohrtheit zu erschrecken vermochten. Die Selbstverständlichkeit mit der du die Kritik auf dich bezogen hast war also durchaus verblüffend. Nichtsdestoweniger wäre es vermessen zu behaupten, die gesamte Auseinandersetzung sei nun auf einem Missverständnis aufgebaut, denn wir sind ja durchaus in vielen Punkten uneins.

    Das ist aber völlig okay.

    Und da stehe ich nun. Beraubt meiner stark linksalternativ geprägten Ansichten und einsortiert in die Spießerausgeburten und Bauernweisen. Ich empfinde keinen Hass, seltsamerweise, nicht mal, wenn ich diese mit Schaum vor dem Mund getippten Zeilen lese.

    Da stehe ich nun. Doch sehr erstaunt darüber, wie du meinen Text liest. „Ich hass euch so“ – eine Überschrift in Anführungsstrichen. Ein Zitat, könnte man annehmen – tust du aber nicht. Nein du beziehst es auf dich. Dabei könnte dieses Zitat – dass in völlig anderem Kontext geäußert wurde – von allen Fraktionen kommen. Es könnte, es muss nicht. Auf keinen Fall aber kommt es von mir und es ist schon gar nicht an dich gerichtet. Ich hatte keinen Schaum vorm Mund beim Schreiben sondern Lebkuchen zwischen den Zähnen.

    Die, die mich fast so hassen wie sie die Bullen hassen (außer Boll natürlich), kriegen beim Wort Sanktionen Spontanausschlag, beim Wort Konsequenzen und Strafe spätestens wird die Haßkappe aufgesetzt.

    Ich neige ja auch gern dazu, mich als Mittelpunkt des Lebens, als Sonne meiner Umwelt zu begreifen – ein Verhalten, dass ich mit dir offenbar teile.
    Du fühlst dich einsortiert, dabei schrieb ich ganz klar, dass es noch ganz viel anderes dazwischen und daneben gibt. Und ich dachte an viele Leute beim Schreiben, nur nicht an dich.

    Wer also hat den Schaum vorm Mund?

    Da wird kein Unterschied gemacht, dass es „nur“ ein Bierbecher, „nur“ eine Kassenrolle war. „Ihr zündelt doch auch ständig.“

    Und genau da sind wir völlig diametral auseinander. Nur weil irgendwelche TROTTEL im Büro oder Sonstwo da keinen Unterschied MACHEN, heißt das nicht, dass da keiner IST!
    Da würde ich mir von dir eine ganz andere Positionierung wünschen, denn so machst du dich zum Erfüllungsgehilfen einer Logik, die auf Menschen geschossene Leuchtraketen mit der klaren Intention Schaden anzurichten, mit einer unbedarften Handlung oder Pyro als Stilelement gleichsetzt. Und das halte ich für so unendlich falsch!

    Wie auch immer. Ich bin ein großer Freund von Meinungsvielfalt, Pluralismus und Facettenreichtum. Ich will kein Gleichgeschaltetes Sankt Pauli. Niemals! Ich wollte nur ein Gegengewicht zu reaktionären Rufen aus Forum und Facebook.

    Und ja ich hasse so manche Menschen. Für Leute, die Affengeräusche witzig finden, für jene, denen Günter Wallraf in Cottbus begegnete und für viele andere empfinde ich tatsächlich Hass.
    So ein Mensch bist du nicht. Da bist du weit von entfernt. Manchmal versteh ich dich nicht – aber Hass? Warum?!

    Und somit schlage ich die Brücke zum Anfang, wir sprechen mitunter wohl eine andere Sprache – eine Nachfrage, könnte vielleicht helfen Missverständnisse im Vorfeld auszuräumen.

    Herzliche Grüße & einen guten Rutsch

    • Dann teste ich die Brücke mal mit einem Schritt an. Sehr ausführlicher Kommentar, ich fange mal mit dem strittigen Titel an. Allein die Anführungsstriche, die vielleicht oder auch eben nicht auf ein Zitat hinweisen könnten (sicher habe ich das überlegt, aber in der Folge war es auch nicht als Zitat bzw. mit Quelle so ausgepreist) sorgten für das erste Mißverständnis. Dass der im folgende Text inhaltlich -wie formuliere ich es vorsichtig?- nicht unbedingt darauf schließen ließ, dass der Titel ironisch/sarkastisch/überspitzt gemeint war, hat dem Verständnis nicht weitergeholfen.

      Dass die Anwürfe an die „AFM“ (die, die Sie satirisch meinten), sehr allgemein gehalten waren und -da spreche ich nicht nur für mich- den Schluss zuliessen, dass alle, die überhaupt für eine Strafe waren, gemeint sind, ist das nächste stringente Mißverständnis. Dass ich diese Satire nicht gelungen fand und Sie das meiner Dummheit zuschrieben, machte die Stimmung auch nicht besser. Das werden Sie verstehen.

      Erschwerend kam hinzu, dass zu diesem Zeitpunkt, wo man sich allüberall über offenbar extreme Forenbeiträge aufregte, das Forum geschlossen war und in Ihrem Artikel nicht ein einziger beispielhafter Beitrag zitiert war, der so extrem war, dass ich sicher sein konnte, als „Strafverfechter“ nicht gemeint zu sein. Vergleichsmöglichkeiten fehlten. Also zieht man sich den Schuh an. Dass sich vielleicht die falschen Leute einen Schuh anziehen, kann man nur vermeiden, indem man keine verallgemeinernden Rundumschläge macht und als solcher kam dieser Beitrag rüber. Wie gesagt, nicht nur bei mir, was mich etwas beruhigt, dass ich nicht die einzige bin, die sich angesprochen fühlte unter einigen, die sehr ähnlich drauf sind. Also anscheinend nicht so extrem, wie das, was Sie eigentlich kritisieren wollten (Forum? Medien? Kommentare unter Medienartikeln?), aber doch Law-and-order-light-Vertreter. Die nächste Frage wäre dann gewesen, wo hört eine Gutheißung von Strafe bei Ihnen auf, „light“ zu sein oder ist sie das überhaupt jemals?

      Dass ein Artikel, der mit „Ich hass Euch so“ beginnt, nicht sehr versöhnlich, sondern eher spaltend erscheint und der Text danach mit Empfehlung, sich doch einen anderen Verein zu suchen (wobei die oben genannten Fragen noch offen waren!), als ein einziges und höchst aufregendes Mißverständnis ankommt, können Sie vielleicht nachvollziehen?

      Was gut ist, dass Sie erkannt haben, dass ich kein „solcher“ Mensch bin. Selbst das war mir nicht mehr klar. Und vielleicht hätte ich alles das nachfragen sollen, aber -und jetzt ein Vorwurf verpackt in ein Kompliment- ich halte Sie für einen sehr guten und überlegten Schreiber, der weiss, was er tut und weiss, wie das, was er sagt, ankommt. Oder ankommen könnte. Und dass bei einem sehr heiklen Thema wie diesem jeder Absatz mit äußerster Vorsicht angegangen worden ist. Vor allem mit dieser Headline. Also habe ich nicht nachgefragt und aufgrund der Tatsache, dass mir direkt ja schon anderswo der moralinsaure Spießer angehängt worden ist, auch keine Veranlassung gesehen. An anderer Stelle wurde in die gleiche Kerbe gehauen mit dem Unterschied, dass da in Verbindung zu John Wayne, Ronald Schill und Tookie Williams auch noch direkt als Beispiel zu mir verlinkt wurde. Gleicher Kontext, nur eben nicht mit der Überschrift „Ich hass Euch so.“
      Sie haben mich netterweise nicht als Negativbeispiel verlinkt, leider aber auch keine „echten“ Negativbeispiele, durch die diese Schuhe mir und manch anderem dann vielleicht nicht so gut gepasst hätten.

      Und sicher bleiben wir auch weiterhin in vielen Punkten uneins, wobei das ja nichts ist, was mich in Verbindung mit der St. Pauli Fanszene überraschen würde. Was ja auch gut so ist, irgendwie. Diskurs hält ja auch lebendig.

      Ich gebe zu, dass ich nach dem Wurf spontan gedacht habe, nicht schon wieder so ein Vollidiot, der nach allem, was war, immer noch werfen muss während des Spiels. Und an dieser Stelle möchte ich nochmal betonen, dass es egal ist, ob das von der Nord, Süd, West oder Haupt gekommen wäre, bei mir (sic!) hat das nichts mit USP zu tun, sondern mit der tribünenunabhängigen Dusseligkeit.

      Bauernweisheiten ist auch so ein Schlagsatz, den ich mit ans Revers tackere (warum also fühlte ich mich angesprochen?), den Satz findet man aber auch original bei einem anderen Blogger im Blogpost, der auch eine eher andere Meinung vertritt als ich, tendentiell. In den Bauernweisheiten sind wir aber wieder vereint.

      Und ja, nach dem Wurf, unmittelbar, wäre es mir auch mit Sozialstunden o.ä. nicht genug gewesen, aber dass der Junge sich gemeldet hat, war gut, damit kann man auch jetzt vom Verein ein moderates Vorgehen erwarten. Abgesehen davon, dass das in vielerlei Hinsicht eine Chance für den Verein ist, aber egal.

      Ob jemand im Forum gefordert hat, ihn zu lynchen, zu steinigen oder zu foltern, weiss ich nicht. Es war gesperrt. Ich habe das nicht lesen können, aber ich war von Anfang an für Strafe. Und Ihr Beitrag liest sich, als wäre das Prinzip Strafe von vornherein und grundsätzlich ein total Blödes. Und mit ihm alle, die das unterstützen. Und wieder war ich mit passenden Schuhen unterwegs.

      Und dann -last but not least- die Verwendung des Wortes Ausgeburt löst bei mir einen erheblichen Beißreflex aus, das ist so extrem negativ besetzt -auch der Holocaust kennt die Verwendung- dass ich es nie verwenden würde. Das hat mich abgestoßen und zwar massiv. Auch Leute, die vielleicht im Forum ein Jahr Stadionverbot (total überzogen, d´accord) verlangt haben, in eine Vereinigung für folternde Mitglieder zu sortieren, fand ich grenzwertig, das Bonmot an sich ist kreativ, keine Frage.

      So, all das zusammengenommen ergab das, was ich in Ihrem Beitrag gelesen habe. Und so verblüfft Sie waren, dass ich mir solche Schuhe anziehe, so verblüfft war ich, dass Sie die mir da so einfach hinstellen.

      Ich als einfach strukturierter Mensch kann einfach nur sagen: mittlerweile sollte jedem klar sein, dass _während des Spiels_ nichts aufs Spielfeld geworfen werden sollte. Weder versehentlich (die Wurfbahn auf dem Video sieht zumindest nicht nach „aus der Hand gefallen aus) noch absichtlich. Das kann nicht so schwer sein mit dem Begreifen der eventuellen Konsequenzen bei den treffsicheren St. Paulianern und deswegen schützt Dummheit gerade in diesem Punkt nicht vor Strafe. Und erneut: die sollte aber unter den gegebenen Umständen angemessen sein. Aus Gründen.

      Das alles bringt uns zwar nicht näher, aber vielleicht näher ans Verstehen. Ich verstehe Sie und die Aufregung über die Haßprediger der anderen Seite, aber mit einer Retour-Haßpredigt kommt man auch nicht weiter. Im Gegenteil.

      Ach nee, noch was zu den „Trotteln“ im Büro. Die sind so ähnlich wie das komplett fanunorganisierte Ehepaar in der Nord, dem ich mit Müh und Not anlässlich des Jolly Rouge rote Winkezettel aufgeschwatzt habe, die sie erst nicht wollten, weil sie „da ja nichts mit zu tun haben“. Diese Leute werden sich nämlich mit den „Chaoten“, den Werfern und Zündlern das nächste Mal eben nicht mehr solidarisieren, weil sie eben genauso drauf sind wie „die Trottel“ im Büro. Da bleibe ich auf den Zetteln sitzen. Und auch wenn Sie auf die Unterstützung von solchen Leuten bei solchen Aktionen keinen Wert legen, sind es doch viele von „denen“ gewesen, die mitgeholfen haben, das Stadion rot zu färben. Nur wenn sich die aktive Fanszene immer weiter von diesen Leuten entfernt, werden solche roten Flecken kleiner. Verstehen Sie, was ich meine?

      Ebenfalls herzliche Grüße und einen guten Rutsch, ich bin froh, dass Sie sich hier gemeldet haben.

  7. Beachtenswerter Beitrag.Habe ein paar schöne Denkanstoesse gekriegt. Freue mich schon auf weitere Beiträge.

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