Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

„Das ganze Stadion“ – die DVD


by ilovesp.de

Als auswärtiges Bestellermitglied hatte ich ja die Gelegenheit, den Film letzte Woche zu sehen. Ich war sehr gespannt aufgrund der bereits verteilten Lorbeeren.

Mit bis zu 14 gleichzeitig eingesetzten Kameras auf Fahnenstangen, Megaphonen und Bierträgern liefert Regisseur Felix Grimm ein höchst authentisches Bild der Fan-Atmosphäre am Millerntor anhand nur eines einzigen Spiels.

Stimmt. Die 14 eingesetzten Kameras lieferten interessante Blickwinkel, von den Bierholern, den Zaunsitzern, den Supportern. Und ich hab das gesehen, was man eben am Millerntor so sieht. Bei einem Spiel, das nun nicht alle ekstatisch von den Sitzen über die Zäune getrieben hat, bei dem nicht das halbe Stadion sich wunde Mandeln geschrien hat. Das ist schade, denn die authentische Atmosphäre ist -für mein Empfinden so in etwa in der Mitte von beidem. In der Mitte zwischen dieser Dokumentation und einem Spiel mit total erhitzten Gemütern.

So habe ich mir den Film also angesehen, inklusive der Extras (wobei ich mir beim Thema „Blockade“ der Objektivität halber auch eine andere Darstellung dazu von der „Gegenseite“ gewünscht hätte. Aus Gründen.) und dachte dann wahrscheinlich, um es in Worte zu fassen, dass das ganz ok war. Und wenn ich nicht überall auf Lobeshymnen gestossen wäre, wäre das ja auch soweit ok gewesen. Aber irgendwas scheint dann mir persönlich zu fehlen. Stimmungsbilder habe ich schon beeindruckendere gesehen, sogar auf youtube mit Amateurkameras. Was an Choreos machbar ist und in der Vergangenheit vor allem von USP machbar war, das muss ich wohl hier nicht extra erwähnen, und wenn ich immer mal einem Nicht-Fussballfan davon erzähle, würden nun die Bilder aus diesem Film nicht den Eindruck hervorrufen, den andere machen/machten. Aber gut, es ging ja auch um das restliche Drumherum. Und ich fand gut, dass man auch „auf Fans gehalten“ hat. Den Mann auf der Gegengerade und die Frau auf der Nord.

Da allerdings hätte mir ein oder zweimal gereicht bei den beiden. Um zu dokumentieren, was für eine bunte Mischung am Millerntor am Start ist, hätte ich mir nicht nur viele schnelle Schwenks gewünscht, sondern eben noch ein paar andere Detailaufnahmen, von anderen Leuten ausser den beiden.
Ich hab vom Filme machen ja nun null Ahnung, da bin ich einfach Konsument. Allerdings Konsument, der das Thema gut kennt. Und weiss, dass es viel spannender, aufregender und authentischer (?) sein könnte.
Einem Nicht-(Fussball)-Fan das vorführen und der Kommentar ist: „Ja, nun. Wenn du erzählst, klingt das irgendwie viel… beeindruckender.“ Was nicht an der Art meines Erzählens allein liegt, ich dokumentiere das ja gern mit fremder Leuts Bilder und Videos (artig verlinkt natürlich).

Ich sehe die Problematik der vierzehn Kameras. Dass man sie nun in nur einem Spiel aufgebaut hat, ist wahrscheinlich nachvollziehbar, kann man wohl nicht bei mehreren Spielen machen. Was dann eben das Risiko beinhaltet, dass man eins erwischt, dass nun nicht so doll war. Warum hat man keins mit etwas mehr Brisanz genommen? Oder scheiterte das an Sicherheitsmassnahmen rund um die Spiele mit Brisanz? Ansonsten weiss man ja nicht, ob es ein heißes oder lauwarmes Match wird. Fussball ist wie ein Pralinenschachtel, frei nach Forrest Gump.

Wie auch immer. Ja, man sollte sich den Film ansehen und ja, der ist auch ganz ok. Aber dem Hype kann ich mich halt nun nicht so richtig anschliessen. Trotzdem, schon mal rein der Vollständigkeit halber und weil die Macher da viel reingesteckt haben, könnte man hier ein Exemplar bestellen. Und sich selbst eine Meinung bilden.

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12 Gedanken zu „„Das ganze Stadion“ – die DVD

  1. Gibt halt nicht viele Filme, die sich so ausführlich mit einem Fussballverein beschäftigen und die so aufwendig produziert werden.

    Frage ist für wen der Film gemacht ist und was er möchte. Wenn er nur Zeuge der vielen kleinen Details sein möchte, scheint es ja gut getroffen.

    Wer immer mittendrin steht, wird schon sein eigenes Bild haben. Vielleicht ist es auch wenig Entmysthifizierung?

    • Es wäre auch blöd, ihn mit z.B. „Rausgehen, warmmachen, weghauen“ oder einem anderen Film über den FCSP zu vergleichen. Dieser Film ist ja so eigentlich mit nichts wirklich vergleichbar, allein schon deswegen ansehenswert.

      Ich weiss nicht genau, was der Film wollte und hab mir die Frage deswegen auch nicht weiter gestellt, sondern nur versucht, wiederzugeben, was ich danach empfunden habe. Ich denke auch, dass es die vielen kleinen Details sein sollten, deswegen gingen mir die zwei dauernd Wiederholten auch etwas auf die Nerven. Aber das ist hier ja alles nur ganz persönliches Empfinden. As always.

  2. Es waren zwei Spiele soweit ich weiß, und mit Spielen ist es ja bekanntlich wie mit Pralinenschachteln, man weiß nie was man bekommt. Ich find das Ergebnis durchaus beeindruckend und hab den schon zweimal nachgekauft, als Geschenk für die nächsten Geburtstage. Wie das auf einen Nichtfußballfan wirkt muss ich noch testen, wer mit eigenem Herzblut dabei ist hat ja einen ganz anderen Blickwinkel.

    • Ha! Also doch! Genau das haben wir nämlich beim Anschauen diskutiert, waren beide der Meinung, das sind zwei Spiele, der oben zitierte Text stürzte uns dann aber in Ratlosigkeit.

      Ja, erstens, wie es auf einen Nichtfussballfan wirkt, zweitens, wie es auf einen Fussballfan wirkt, der nicht die braunweisse, sondern nur die Fussballbrille auf hat.

      Muddi ist als nächste dran als Testperson, die war nur einmal mit im Stadion und kennt ansonsten nur Erzählungen, Bilder und AFM-Webradio 😉

  3. sparschaeler sagte am :

    der film ist ganz ok, aber hat mich nicht vom hocker gehauen.

    im umfeld des fcsp gibt es zuviele die das wort „objektiv“ nur vom hörensagen kennen und deshalb alles was mit diesem verein zu tun hat bedingungslos abfeiern.

    wer alles mit der braunweissen brille betrachtet, sieht am ende nur noch schwarzweiss.

    • Grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht, was die braunweisse Brille angeht.
      Was den film angeht, finde ich schon, dass man ihn als St. Pauli-Fan einfach haben muss. Der Vollständigkeit halber. Bedingungslos abfeiern würde ich eindeutig aber das Engagement und das Herzblut der Macher, da gibt es keine Diskussion.

  4. astro sagte am :

    Das große Problem des Films bzw. der Filmemacher ist eben die Rechtesituation. Es darf so gut wie nix vom Spielfeld zu sehen sein, was schon einiges einschränkt. Selbst für die von den Fans gesungenen Melodien sollten (zumindest anfänglich, ich weiß nicht, wie das letztendlich ausgegangen ist) GEMA-Gebühren abgeführt werden.

    Dieser ganze Urheberrechts/Verwertungsscheiß ist inzwischen so krank, daß für derartige Nischenprojekte kaum noch Luft zum Atmen bleibt. Es kann mal jeder davon ausgehen, daß das Projekt eine einzige Liebhabergeschichte ist, die den Machern deutlich mehr Geld gekostet hat, als sie damit einnehmen konnten, von der aufgewendeten Zeit ganz zu schweigen.

    Aus meiner Sicht ist es trotz einiger Längen und einigen Aspekten, die man besser hätte machen können, ein beeindruckendes und wichtiges Dokument, auch und gerade in seiner Schlichtheit, Dokumentationen mit viel Laberei gibt es schließlich schon viele. Der wahre Wert wird sich wahrscheinlich erst zeigen, wenn sich der Support gewandelt hat oder wenn man persönlich – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr so daran teilnehmen kann, wie es heute der Fall ist.

    Ich kann den Kauf nur empfehlen. Ich habe auch eine gekauft und bisher noch nicht angeguckt, da ich befürchte, daß der auf ner kleinen Guckröhre weniger beeindruckend rüberkommt, als auf der großen Kinoleinwand, wo er eigentlich hingehört (oder zumindest auf einen Beamer).

    (Ich hab übrigens nix mit den Machern zu tun, aber finde es einfach genial, wenn solche Projekte aus der Fanszene hochkommen. Gerade das ist eben auch St.Pauli und das sollte man wo möglich unterstützen.)

    • Ja, das mit den eingeschränkten Rechten bezüglich Spielfeld- und ähnlichen Szenen ist mir schon klar.

      Ich würde -und hab ich auch oben ja quasi- den Kauf auch empfehlen. Auch, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Und/oder das Projekt, das wie Sie richtig sagen, aus der Fanszene hochkommt, genau deswegen zu unterstützen.
      Ich hab mir die DVD in erster Linie auch deswegen gekauft, weil es ein Produkt der Fanszene ist. Aber ich befürchte, dass Nicht-Fans (vor allem Nicht-explizit-St. Pauli-Fans) damit nicht so viel anfangen können, wie suggeriert wird.

      Dokumentationen mit viel Laberei gibt es schließlich schon viele..

      Genau das finde ich auch. Vielleicht sind mir auch deswegen die ständigen Umschalten auf diese zwei Personen auch so nervig vorgekommen.

  5. Liebe Leute,
    wer den Film sehen will
    03.06.2012 – 21.00h – Filmrisz – Berlin Friedrichshain – Rigaer Straße 103
    freier Eintritt

    http://www.filmrisz.de

    herzlichst willkomen

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