Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Der Schiri geht so lange zur Linie, bis er brycht…


mit freundlicher Genehmigung von Stefan Groenveld

Nun ist mein Lieblingschiedsrichter Dr. Felix Brych in den vergangenen Tagen ja ziemlich unter Beschuss geraten wegen zweier grenzwertiger und/oder falscher und/oder fataler Entscheidungen. Beim Spiel Fortuna Düsseldorf gegen Eintracht Frankfurt rief er erst keinen Elfmeter aus, während sein Linienrichter schon aufgeregt hüpfend signalisierte, es sei wohl Elfmeter. Den er dann nach Rücksprache auch gab. Ob dieser nun dem zugrundeliegenden Vergehen angemessen war (da scheiden sich die Meinungen erheblich) ist eine andere Sache, dass man sich darüber aufregt, dass er es nicht selbst gesehen hat, obwohl er dicht dabei gestanden haben soll, wieder eine andere. Und natürlich die Entscheidung im Pokalspiel. Das war natürlich mehr als nur ärgerlich. Zusammengefasst hier
Jetzt tut es mir nicht nur um Dr. Felix Brych leid, der in meinem Herzen eine Legende bleibt durch seine Entscheidung beim legendären Pokalspiel gegen Werder: es wird gespielt. Kommentar des Juristen, der gegen Protest der verwöhnten Bremer für eines der denkwürdigsten Spiele jemals sorgte: „Fußball ist Freiluftsport!“ Der Magische FC entschied die Rutschpartie 3:1 für sich. Es geht um alle Schiri, die mit ihren Entscheidungen unnötigerweise allein gelassen werden und den Zorn der Meute auf sich ziehen, auch wenn das gar nicht nötig wäre, wenn….

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ein Schiedsrichter durchaus mal einen schlechten Blickwinkel haben kann durch ungünstige Positionierung. Oder das Geschehen wird kurz von einem Spieler verdeckt. Oder er hat gerade ein Eichhörnchen gesehen. Was auch immer, dafür gibt es die Linienrichter und ich finde es legitim, dass diese Entscheidung dann zeitnah nach Rücksprache fällt. Wer nun den Sekundometer laufen lässt, weil der Schiri ja ein Hörgerät trägt und der Linienrichter das gleich ansagt – vielleicht hat er gerade was gerufen und es nicht gehört und muss nachfragen. Diese Aufregung halte ich für überzogen.

Aber –um mal zum Kern meines Beitrags zu kommen- was ist überhaupt mit diesen „Tatsachenentscheidungen“? Und was ist mit der Torkamera, die sich auch Herr Dr. Brych wünscht? Was ist überhaupt mit dem Fernsehbeweis? Es gibt ihn, man kann ihn mit einbeziehen – aber man nutzt ihn nicht. Weder revidiert der DFB eine rote Karte für eine Tätlichkeit, die es nachweislich nie gab noch kann ein Schiri in spielentscheidenden Situationen mit technischer Hilfe rechnen. Hätte er sich das „Foul“von Hubnik kurz am Spielfeldrand ansehen können, hätte de Camargo rot gesehen und Hubnik für sein Heranstürmen vielleicht Gelb. Aber niemals eine rote Karte. Und was ist nun mit Hubnik und der Spielsperre wegen der roten Karte? Bekommt er dann (wegen Unschuld) „nur“ ein Spiel Sperre, wie das der DFB mit Unschuldigen ja üblicherweise macht? Wahrscheinlich.

Von meiner Lieblingssportart –nein, das ist nicht Fussball- weiss ich (weil ich selber eine Richterprüfung abgelegt habe), dass es dort die Möglichkeit gibt, das Video zur Entscheidungsfindung heranzuziehen. Dort ist es insofern einfacher, weil die Richter die Wertung zurückhalten können und in einer folgenden Pause zwischen den Runs das Video nachsichten können und ihre Wertung dann nachträglich abgeben. Dadurch wird der Wettbewerb selbst zeitlich nicht behindert.

Zeit ist nämlich eins der Gegen-Argumente der Torkamera/Video-Gegner. Es würde dann viel zu viele Spielunterbrechungen geben etc. Ich gehe nun –wie bei meiner Lieblingssportart- davon aus, dass nun jemand wie Herr Dr. Brych, der in der Regel als ziemlich entscheidungssicher gilt, diese Hilfen nur in besonders prekären Situationen in Anspruch nehmen würde. Eben bei Abseitstor, Ball über der Torlinie ja/nein, rote Karte/gelb-rot ja oder nein. Und wenn man sich vor Augen führt, wie ewig lange, teils unter Gedränge und Rudelbildung, solche Spielsituationen auf dem Platz diskutiert werden, dürfte es fast schneller sein, wenn der Schiri mal eben an die Seitenlinie flitzt, einen kurzen Blick auf die Aufzeichnung wirft und dann richtig entscheidet.

Vielleicht hätte dann unser ehemaliger Lehmann nicht beschlossen, ein Geschenk anzunehmen, wenn er hätte befürchten müssen, dass der Schiri nur mal kurz gucken muss. Das Geschenk war ja seinerzeit von de Camargo. Vielleicht hätte der auch gar nicht erst versucht, selbst eins zu verschenken gegen Hertha. Vielleicht würden Herr Rösler und andere darstellende Künstler dann ihre Gesamtattitüde bezüglich bühnenreifer Darstellungen ändern, wenn sie befürchten müssten, dass die Filmkritik auf dem Fusse, i.e. auf dem Platz folgen würde. Kann mir jemand erklären, warum man sich also in dieser Sportart im Gegensatz zu vielen anderen, die mit dem Kamerabeweis arbeiten, so schwer tut damit, es allen Beteiligten zu erleichtern?

Übrigens, was die Schelte für Sascha Rösler beim Spiel Eintracht vs. Düsseldorf angeht und die hysterische Eskalation eines Armin Veh: mit dem entscheidenden Elfmeter hatte Rösler (mal) nichts zu tun und dass er sich nach den vorangegangenen Pressekonferenzen des Herrn Veh über den Ausgleich mehr als sichtbar gefreut hat -der „hähähäätsch“- Moment- ist nachvollziehbar, auch wenn man es nicht machen muss. Und dass ich mich über die Gelbrote ein bisschen gefreut habe, weil Herr Rösler nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählt wegen seiner darstellenden Künste, und sie quasi als nachträgliche Karte für die Vergangenheit betrachte, ist auch ok. Aber zumindest ist Herr Rösler so clever, sich zu dem Thema nicht weiter zu äußern, anders als Herr Veh, der sich damit eher lächerlich macht. Ich habe ja schon mehrfach gehört, dass Rösler privat ein ganz Netter sein soll, auf dem Spielfeld mutiert er dann eben zum „Drecksack“. Es ist nicht ganz verkehrt, einen Drecksack im Team zu haben. Manchmal kann man ihn gut gebrauchen. Michael Thurk oder Maik Franz gehören in die gleiche Kategorie. Und ich habe so die Ahnung, dass, wenn Rösler ein Braunweisser wäre, in manchen Augen dann auch nicht mehr ganz so dramatisch wäre. Wenn die Bilanz unterm Strich stimmt… ist aber nur so eine Vermutung.

Edit: Oder besser formuliert hier oder hier.

Ich persönlich stehe nicht sonderlich auf die Könige der Lüfte und Stinkstiefel, aber sie sind ein Teil der Fussballwelt. Man sollte den Schiris zukünftig dabei assistieren beim Einnorden selbiger. Womit sich der Kreis in diesem Beitrag schliesst.

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33 Gedanken zu „Der Schiri geht so lange zur Linie, bis er brycht…

  1. Ich hab ja Verständnis für die „hysterische Eskalation“ des Herrn Veh, wenn man bedenkt, dass das Sascha Röslers „hähä-ätsch“ unter anderem aus Formulierungen wie „Hurensohn, komm doch, komm doch“ bestand. Das hat dann nämlich nichts mehr mit einem „Ätsch“ zu tun, sondern ist nur noch strunzdumme Aggression.

    • Der Herr Veh hat allerdings durch seine überflüssigen Aussagen vor dem Spiel so provoziert, dass mit Reaktionen zu rechnen war. Die Hysterie hat er ja irgendwie schon vor dem Spiel gepflegt.

      Dass Rösler diese Formulierung benutzt hat, habe ich nur gehört (Lippenleser?)aber bisher nicht bestätigt bekommen. Über Aggressionen jedweder Art muss sich Herr Veh nicht wundern, was nicht heisst, dass ich Formulierungen wie diese nicht gutheiße. Und der DFB (oder/und auch sein eigener Verein) sollte Rösler – wenn es so zutrifft- auch angemessen zur Verantwortung ziehen, da gibt es für mich auch keine Diskussion.

      Aber abgesehen davon, was sagen Sie denn zu den Tatsachenentscheidungen und dem anderen Zeuch in dem Blogpost? Meinung?

      • Wenn ich mal dazwischen quatschen darf: Mit Verlaub, aber hier verwechseln Sie Ursache und Wirkung. Die Kausalkette hat der liebe Herr Rösler mit seinem Verhalten in der Vergangenheit in Gang gesetzt… ich habe am Millerntor selten so einen unsymapthischen Spieler erleben dürfen…

        • Für eine Fortsetzung der Kausalkette auf die Art und Weise sollte sich allerdings ein Mann wie Veh zu schade sein. Das hat so was von Sandkasten und mit der Schippe die Burg zerkloppen. Und wenn man von Kausalkette spricht, dann ziehen wir sie doch mal an der anderen Seite auf: strikte Sanktionen gegen die Röslers dieser Ligen mit Hilfe des Fernsehbeweises wären das Übel an der Wurzel bekämpft?

          • Ja, souverän war Vehs Verhalten nach dem Spiel, bzw in den Tagen danach nicht unbedingt, ändert aber nichts an der klaren Rollenverteilung von gut und böse. Taten > Worte. Und das Verhalten eines Röslers bringt mich schon seit Monaten massiv zum Kotzen… von daher kann ich Vehs Austicken durchaus verstehen.

            Zum Fernsehbeweis folgt noch ein Kommentar… schonmal vorab: Grundsätzlich stimme ich Ihnen vollkommen zu.🙂

  2. Stp1910 sagte am :

    Bei der Technik gebe ich Ihnen recht. Schlimm dass TV-Zuschauer und nach zwei SMS auch Stadionbesucher dem SR einfach überlegen sind wenn es um die Analyse geht.

    Und bei dem was man so Drecksack nennt, gibt es auch Unterschiede.

    • Jo, da gibt es auch den, den man fast liebevoll als Drecksack bezeichnet. Und den miesen Drecksack. Und und und. Bei Trainern übrigens auch. Veh zum Beispiel wäre allerdings in einer anderen Kategorie bei mir…

      Was die Technik angeht, ist ja auch besonders schlimm, dass nicht mal im Nachhinein krasse Fehleintscheidungen wie z.B. bei unberechtigten Platzverweisen und Spielsperren da nicht mal zurückgerudert wird. Pro forma statt zwei oder drei Spiele Sperre auf eine zu reduzieren, ist doch auch lächerlich.

  3. Ich bin ja kein Freund des Videobeweises, der Elfmeter für die Fortuna ist das beste Beispiel für die Sinnlosigkeit, denn auch danach gibt es eben geteilte Meinungen.
    Und bzgl der roten Karten: Die für de Camargo gegen Lehmann damals war völlig berechtigt, die für Hubnik dieses Mal ebenfalls. Beide stürmen gegen den anderen und berühren ihn mit dem Kopf am Kopf, da darf es eigentlich keine zwei Meinungen geben.
    Allerdings hätten eben sowohl Lehmann damals als auch de Camargo jetzt nachträglich gesperrt werden müssen… aber auch nur dann, wenn man sowas konsequent macht und auch bei Schwalben, die zu Elfern führen durchzieht, und genau da liegt die Inkonsequenz der handelnden Verbände (ist ja nicht nur der DFB).

    Insofern also volle Zustimmung zur Kernaussage: Mehr Verständnis für Schiedsrichter und deren eventuellen Fehlentscheidungen, die gehören dazu.
    Dies gilt natürlich nicht für den im Stadion befindlichen Fan, der darf (und muss) den Schiri natürlich bepöbeln dürfen🙂

    • Aus der eigenen Videobeweiserfahrung kann ich sagen, dass es Situationen gibt, wo nicht mal das Videobetrachten zu einer eindeutigen Entscheidung führt. Bei Vorfällen, die aber als eindeutig zu bewerten sind, kann man sich die Diskussionen danach immerhin sparen. Und die Vögel, die Schauspieleinlagen im Standardrepertoire haben, würden sich vielleicht nach ein, zweimal überlegen, ob sie es riskieren.

      Yep, Lehmann hätte eine bekommen müssen und de Camargo jetzt auch. Bei Hubnik bin ich mir nicht so einig mit mir selbst, könnte aber mit Rot leben, obwohl ich mit Gelb zufriedener wäre.

      Was mich so nervt, ist das Brych jetzt medial und „fanial“ hingerichtet wird, weil er dummerweise zwei blöde Situationen kurz hintereinander hatte. Wobei er im Eintracht/Düsseldorf sowieso nichts hätte richtig machen können. Elfer für Düsseldorf war blöd, kein Elfer und die Düsseldorfer wären ausgeflippt. Eine Lose-Lose-Situation für den Dr.

      Ich halte ihn wirklich für einen der besten Bundesligaschiedsrichter (nicht nur wegen damals😉 ) und bin sehr unzufrieden mit den Reaktionen.

      Und natürlich sehe ich das im Stadion als Selbstpöbler ganz anders😉

  4. Nikolay sagte am :

    Genau diese Situationen, die auch nach Jahren noch diskutiert werden (das Wembley-Tor, Lampards Lattenknaller 2010, die „Hand Gottes“ 1986 etc.) sind es, die auch nach vielen Jahren noch diskutiert werden, die den Fussball und seine Geschichte ausmachen. Was waere aus der Hand Gottes – Legende geworden, wenn ein Videobeweis die Situation bereits 1986 aufgeklaert haette? Videobeweis, Ballchips, Torkameras, all das nimmt dem Fussball das schoene an ihm. Ich moechte mich auch Morgen noch ueber vermeintliche oder offensichtliche Fehlentscheidungen aufregen, ueber das „ich habe fertig“ lachen oder auch ueber einen Herrn Brych diskutieren koennen. Die Technik, sei sie noch so gut, macht den Fussball „steril“ und das darf m.E. nicht passieren.

    • Hm. Wenn ich dann einen Felix Brych, dem es an Selbstbewusstsein nicht mangelt, sagen höre, dass der Druck auf die Schiedsrichter immer größer wird und es schwer ist, damit immer so umzugehen, über Rafati gesagt wird, dass für ihn der Druck zuviel war (hörensagen) und dass heute viel, viel mehr Geld dahintersteckt als früher, bin ich da nicht so sicher. Letztlich stehen sie immer dumm da, die Schiris. Nur mit deutlich mehr Konsequenzen, weil die Millionen dahinterstehen.

      Ich seh da auch die Menschen dahinter. Und das zunehmend mit Besorgnis. Früher war „Schiri, wir wissen, wo Dein Auto steht“ noch ein Scherz. Heute wäre ich da nicht mehr so sicher.

      • Nikolay sagte am :

        Was den Druck auf Schiedsrichter betrifft, da haben Sie leider Recht, aber das ist nun mal so in der Yes-We-Can-Gesellschaft.
        Was mit der Einfuehrung von technischen Hilfsmittel erreicht werden soll, ist ein hoeherer Grad an Gerechtigkeit. Nur erscheint mir der Begriff „Gerechtigkeit“ in diesem Zusammenhang absolut sinnlos, denn wir muessten ja erstmal entscheiden, was genau ist „gerecht“ im Fussball? Geht es darum, dass Fouls gleich geahndet werden, dann stellt sich die Frage, was bedeutet „gleich“? Welches Foul (Spielsituation) ist Spielentscheidend und was ist „Firlefanz“?
        Fussball ist ein Spiel, und gerade weil es ein Spiel ist, in dem der Zufall ein große Rolle spielt, müssen wir Fehlentscheidungen der Schiedrichter hinnehmen. Von der Aufregung darueber lebt das Spiel. Und ich „heule auch nicht rum“ wenn mal ein Fehler gemacht wird, das heb ich mir fuer was „bedeutenderes“ auf.🙂 Hier geht es immer noch um ein Spiel!
        Was die „Fallsucht“ im Fussball betrifft. Tony Pullis, Manager von Stoke City kennt die „schuldigen“:-)
        Stoke City manager Tony Pulis believes cheating is a growing disease in English football, with players copying the bad examples set in continental Europe.
        Pulis, speaking before his side host Valencia in the first leg of their Europa League tie on Thursday, urged the FA to take tougher action against offenders.
        ‚I cannot stand the sight of players rolling around. It really goes against the grain of British football,‘ he said. ‚But from what I’ve seen abroad and, in a few cases here, it’s a growing disease. Players aren’t even touched and they’re falling over. It puts enormous pressure on referees.

        • Im Grunde haben Sie Recht. Fussball ist ein Spiel. Theoretisch. In diesem Spiel geht es um Millionen, da verliert es den spielerischen Charakter. Eine Wettmafia verdient sich goldene Nasen mit „Fehlentscheidungen“, Spieler und Schiedsrichter stehen unter erheblichem Druck auch ohne eklatante Vorfälle.

          Unter „Firlefanz“ verstehe ich z.B. nicht ad hoc spielentscheidende Situationen. nichts, wo es um nicht anerkannte Tore oder Platzverweise oder gelbrote Karten geht. Ich traue den amtierenden Schiedsrichtern auch zu, dass sie dieses Hilfsmittel nur in Notfällen -und zwar genau diesen- benutzen.

          So gesehen, ist jeder Sport ein Spiel. So ist es auch ist es auch Eishockey, Football, Westernreiten😉 … und dort wird in Zweifelsfällen der Videobeweis zu Rate gezogen. Der Gerechtigkeit wegen. Und nochmal: fast noch wichtiger wäre mir die „After Game“-Gerechtigkeit durch Aufhebung falscher Tatsachenentscheidungen beim DFB. Das ist nämlich schreiend ungerecht, wenn jemand, der NICHTS getan hat, ein Spiel gesperrt bleibt. Zum Beispiel.

          Und Pulis hat das gut verstanden, dass durch die Schauspieltruppen das Problem immer größer wird. Dem sollte man einen riegel vorschieben. Das Video würde helfen…

  5. Ich bin ja ein großer Freund von technischer Unterstüztung und moderner Regulierung. Der Fernsehbeweis ist da nur ein Anfang. Blödes Lieblingsbeispiel von mir: Abseits. Der Mensch ist gar nicht in der Lage, zwei Dinge gleichzeitig konzentriert zu beachten. Das heißt: Entweder der SRA guckt auf den Ballführenden Spieler (was ja wohl seine Hauptaufgabe ist), ODER er guckt auf die möglicherweise im Abseits stehenden Spieler. Beides geht nicht. Guckt er hin- und her, verpasst er jedes Mal mindestens 0,2 Sekunden, vermutlich eher mehr.

    Fernsehbeweis wäre das Mindeste, aber auch eine Aushebelung der Tatsachenentscheidung fände ich angebracht. Nur sperren sich da ja scheints alle Verbände gemeinsam. Als der DFB (fast fortschrittlich…) mal eine Tatsachenentscheidung revidiert hat (war das die Möller-Schwalbe? Oder das Nichttor der Bayern gegen Nürnberg oder so?), gab es gleich Mecker von der UEFA. Die Tatsachenentscheidung ist denen HEILIG. Nun mag man spekulieren warum.. Sind das einfach alles alte Männer, denen alles was sie nicht kennen Angst macht? Oder… oder…oder?

    Und.. na klar wird auch der TV-Beweis nicht in jeder Situation helfen, aber als SR fände ich es schon sehr angenehm, wenn ich die OPTION hätte, mehr Gewissheit zu erzielen. 100% gehen halt nicht, aber aus den jetzigen geschätzt 50% mal 80% zu machen, wäre ja doch ein Qualitätssprung…

    Ach und zu Rösler: Das Problem sind nicht die Spieler, die sowas machen. Das Problem sind die SR und das dahintersteckende System, das sowas ermöglicht. Als Spieler sollen die Herren gerne versuchen, die Regeln soweit auszureizen, wie sie es können. Das ist blöde gesagt ihr Job. Aber es wäre prima, wenn SR-A-System da effizienter (oder im akuten Fall Fortuna DDorf überhaupt mal) reagieren würden.

    • Eben. Und auch ein Sascha Rösler würde es sich zweimal überlegen, ob er den Videobeweis riskiert.

      In „meiner“ Sportart gibt es auch noch Tatsachenentscheidungen genug, da wird nicht ständig Video geschaut. Eben nur in besonders kitzligen Situationen, wo es um Meisterschaften, sieg oder „nur“ Platzierung oder eben um viel Geld geht.
      Das finde ich auch richtig. Wenn ich keinen Fehler gemacht habe, möchte ich auch nicht dafür bestraft werden. Oder fehlerfrei verlieren.

  6. sparschaeler sagte am :

    kurz zu rösler, auch wenn er hier nicht das eigentliche thema ist. die provokationen im vorfeld sind von veh ausgegangen. ich habe dazu keine aussagen von rösler gelesen. das es zum ende des spiels zu einer reaktion von ihm richtung ffm bank kam, kann ich gut nachvollziehen. ich hätte das genauso gemacht.
    einen tag später legt der veh in einer pk noch mal nach, von rösler habe ich wieder nichs dazu gehört.
    wer sich hier nicht richtig verhält ist einzig und allein der veh. für seine aussagen das er sich von rösler betrogen fühlt + das der spieler eine schande ist, muss er dringend sanktioniert werden.

    und ganz nebenbei, würde rösler beim fcsp spielen, wäre er ein gefeierter spieler.

    zu der brych schelte, er hat sich in beiden spielen völlig korrekt verhalten. beim pokalspiel bin ich auch davon ausgegangen das hubnik mit anlauf eine kopfnuss verteilt hat. erst in der zeitlupe war klar das es umgekehrt war. darauf kann man leider reinfallen. wenn der fernsehbeweis nicht erlaubt ist muss der schauspieler nachträglich gesperrt werden. da aber dies auch nicht getan wird, bleibt eben alles wie es ist. beim montagsspiel war es ein elfmeter nach den geltenden regeln. das ist die diskussion bereits beendet.

    vielleicht steigt eine mannschaft diese saison nicht auf oder ab wg. einer strittigen szene die sich im nachhinein als fehlentscheidung herausstellt. wenn das den fcsp betrifft möchte ich aber auch kein geheule hören von denen hören, die einen fernsehbeweis ablehnen.

    • Aber einer ist immer der Dumme und da liegt der Schiri halt am nächsten.

      Wenn man immer so wüsste, wer keine Fernsehbeweisführung will und dann später jammert, wäre das sicher interessant. Vereinsunabhängig.😉

  7. Pingback: Düsseldorfer Theater | STP1910

  8. astro sagte am :

    Die Beobachtung des Monitors könnte auch vom 4. oder notfalls einem neu eingeführten 5. Offiziellen übernommen werden. Der signalisiert dann dem Schiri über Funk, wenn etwas problematisch ist – das heißt, es wäre im Prinzip erstmal nur eine „weitere Perspektive“, ähnlich, wie auch die SRA eine andere Perspektive als der SR haben. Gleichzeitig kann sich der SR besser auf das Spiel konzentrieren, als ständig zu überlegen, ob er für die letzte kitzlige, aber nicht spielentscheidende Situation erst zum Spielfeldrand läuft, die Technik startet, den genauen Punkt sucht und dabei schon von allen möglichen Spielern und Trainern umringt wird.

    Eine grundlegende Problematik ist schließlich, daß schon ein eigentlich harmloser unfairer, aber nicht geahndeter Ballverlust deutliche Folgen haben kann.

    • Eine praktikable Lösung, an den 4. Offiziellen dachte ich auch.

      Sicher, auch harmlose Vorfälle können folgen haben, aber wenn man es zumindest für die eklatanten Aufreger nutzen würde, wären wir schon ein Stück weiter.

  9. sparschaeler sagte am :

    da fällt mir gerade noch ein, beim letzten superbowl wie auch in den jahren zuvor gab es nicht eine strittige schiedsrichter entscheindung die noch tage danach für diskussionen gesorgt hat.
    im letzten endspiel gab es eine szene die sich die die schiedsrichter nachträglich angesehen haben. warum das da funktioniert was beim fussball nicht sein darf, entzieht sich meiner kenntnis.

    den 4.offiziellen mehr einzubinden, würde sinn machen. anstatt nur die trainer zu beobachen sollte sich er sich diese szenen ansehen um dem feldschiedsrichter hilfestellung geben zu können.

  10. Der Vergleich mit dem American Football hinkt enorm. Hier ist das Spiel ist das Spiel eben immer nach Sekunden angehalten. Ok, die bei Einberufung der Videoauswertung nun nicht mehr runterlaufende Zeit wäre ein gewisses Gegenargument. Aber im Prinzip hat man hier einfach die Gelegenheit, das Spiel mal eben anzuhalten.

    Torchip und direktes Signal für einen Ball hinter welcher Linie auch immer wäre für mich vorstellbar. Aber Videoauswertung ist kompliziert zu organisieren, ohne das Spiel komplizierter zu machen Klar kann man für alles Wege finden, aber das gibt tausend neue Regularien. Der 4. Offizielle kann bei einem weiterlaufenden Spiel (nicht gegebenes Tor oder Elfmeter) nicht ewig auf irgendein Video schauen. Der hat andere Sachen zu tun. Wenn eine weitere Person das übernimmt, hätte der dann die Hoheit einen unter Umständen laufenden vielversprechenden Gegenangriff zu unterbrechen? Da können sie gleich befestigte Unterstände für den Videomann bauen.

    Auswertung bei unterbrochenem Spiel? Ich weiß nicht… Für mich wiegt am meisten das mit verhinderten Legenden. Auch wenn die Schiedsrichter einem weiterleiten können.

    Und nochmal zu Düsseldorf. Der Assistent soll eine bessere Sicht auf diese Foulszene gehabt haben?

    • Es ist ja auch nicht die Rede davon, wegen jedem Firlefanz das Spiel zu unterbrechen. Aber wenn man sich diese Diskussionen, Rudelbildungen und Zetereien am Spielfledrand bei manchen Entscheidungen anschaut, sind die auch nicht weniger zeitintensiv.

      Aber in erster Linie wäre mir persönlich dran gelegen, diese Unrechtsentscheidungen wenigstens nachträglich korrekt zu korrigieren mit dem Fernsehbeweis. Das wäre ja immerhin schon mal etwas, Stichwort: rote Karten zu Unrecht.

    • sparschaeler sagte am :

      bei der szene in berlin war das spiel bereits unterbrochen. da war zeit sich die szene kurz anzusehen.

      bin gespannt, was passiert wenn ein verein aufgrund so einer fehlentscheidung absteigt, nicht meister wird oder ein endspiel verliert. ich hoffe es passiert zeitnah und einem der top vereine.

      wenn man dagegen ist einen videobeweis einzuführen, sollte man auch das ewige rumgenöle über die sr entscheidungen unterlassen.

  11. So, mit ein bisschen Verzögerung noch der versprochene Kommentar zum Thema Videobeweis:

    Wie ich schon schrieb, kann ich Ihnen im Großen und Ganzen komplett zustimmen, es gibt für mich nichts was grundlegend gegen dieses technische Hilfsmittel spricht, allerhöchstens Detailfragen (wann und wie genau der Beweis eingesetzt wird. Nur bei Gelb/Rot? Toren? Wie beim Tennis auf Zuruf? etc ). Und selbst diese Detailsfragen verschwinden komplett bei nachträglichen Betrachtungen von bestimmten Aktionen. Warum der DFB da immernoch einen quasi-Freispruch mit einem Spiel Sperre bestrafen muss, ist mir unbegreiflich. Leider fehlt mir an dieser Stelle das Wissen, wie solche Sachen in anderen Ländern gehandhabt werden… ist nur der DFB so strikt an die Tatsachenentscheidung gebunden? Meckert ansonsten die UEFA? Die Fifa?

    Und um Ihre Frage („strikte Sanktionen gegen die Röslers dieser Ligen mit Hilfe des Fernsehbeweises wären das Übel an der Wurzel bekämpft?“) von weiter oben zu beantworten: Ja, ich bin überzeugt, dass technische Hilfsmittel das Problem zumindest eindämmen würden. Wobei es natürlich auch stärker zu einer moralischen Abstrafung der Röslers, Jarolims & Co kommen muss. So lange solch unsportliches Verhalten als „So ein Typ brauch man in der Mannschaft“, „Schlitzohr“, „Neben dem Platz ein ganz Lieber!“ (bitte beachten, es geht mir hier nicht um Härte im Zweikampf, sondern um Unsportlichkeit) von den eigenen Anhängern schöngeredet wird, dürfte es schwierig werden mit der Wurzelbehandlung.

    Ich möchte noch schnell einen Gedanken von weiter oben aufgreifen, da man diesen von Fernsehbeweisgegner immer wieder hört: Ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum es plötzlich keinen Diskussionsstoff mehr geben sollte, ja, ganz im Gegenteil wäre ich sehr froh, wenn man sich nicht darüber streiten müsste, ob der Ball nun drinne war oder nicht, sondern sich stattdessen fragt, welches taktisches System das bessere war, welcher Spieler überzeugt hat, was für einen Bock sich der Torwart geleistet hat etc etc. Ein Videobeweis würde gerade nicht das Schöne vom Fußball entfernen, sondern ihm etwas Schönheit zurückgeben.

    • Genau, nämlich diese unschönen Diskussion könnte man sich meinetwegen wirklich sparen. Tagelang sind die Medien voll davon, stundenlang wird im Doppelpass über diese eine Aktion diskutiert – nerv!

  12. Ach, noch ein Nachtrag:

    Ist

    Jetzt tut es mir nicht nur um Dr. Felix Brych leid, der in meinem Herzen eine Legende bleibt durch seine Entscheidung beim legendären Pokalspiel gegen Werder: es wird gespielt. Kommentar des Juristen, der gegen Protest der verwöhnten Bremer für eines der denkwürdigsten Spiele jemals sorgte: „Fußball ist Freiluftsport!“

    vs

    Dabei wird wohl ganz gerne vergessen, dass da kein Kleingeld auf dem Platz steht und Verletzungen bei den teuren Stars einen erheblichen geldwerten und sporterfolglichen Nachteil bringen für den Verein. Witterungsbedingte Schwierigkeiten sind in einem gewissen Rahmen normal, aer auch der Rahmen kann mal gesprengt werden und das war wohl in Kiel der Fall. […] Denn Spielansetzungen wie diese an Orten wie diesen sind Entscheidungen, die man nicht klaglos hinnehmen muss.

    nicht ein gewisser Widerspruch?
    😉

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