Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Dies und jenes und das und dies, nicht nur #fcsp

Manchmal kann ich einfach nicht strukturiert. Zur Zeit ist es wieder so weit.

Erzgebirge Aue : FC Sankt Pauli 2:1 – Aue hat verdient gewonnen. Nicht weil sie über weite Strecken die bessere Mannschaft waren, sondern weil sie, wo es drauf ankam, die bessere Mannschaft waren. Unser Spiel würde ich so im mittleren Zweitligabereich ansiedeln und wenn sich das nicht noch wesentlich ändert, sind wir da, wo wir sind, auch goldrichtig. Mal davon abgesehen, dass ich drei andere Mannschaften heißer auf Direktaufstieg und Relegation handeln würde, gehen mir diese „letzte Viertelstunde-Gegentore“ (mittlerweile sind es schon 8 Stück) wirklich auf die Nerven. Die Rapid- Viertelstunde finde ich super, die St. Pauli-Viertelstunde ätzt.

Auch ätzend fanden wahrscheinlich unsere Profis ihre Rückreise von Aue. Unvorsichtigerweise wurde offenbar die Polizei nicht darüber informiert, dass statt im Mannschaftsbus per Zug gereist werden sollte, dementsprechend frohlockten Anhänger von Lok Leipzig über eine relativ polizeifreie Spielzone auf dem Hauptbahnhof (Achtung, Konzernlink!) , sie selbst waren auch auf der Rückreise von einem Spiel. Vielleicht hätte unseren Profis mal jemand sagen sollen, dass es ein wenig gewagt ist, in manchen Gebieten im St. Pauli Trainingsanzug aufzutreten. Auch wenn der eine oder andere der Meinung ist, dass es ja auch eindeutig keine gute Idee ist, zum Beispiel nachts in einer leicht erkennbaren Kleingruppe nach Rostock zu fahren –und das anscheinend normal findet-, finde ich das genauso wenig natürlich wie dass eine Fußballmannschaft scheinbar auch nicht überall in Trainingsanzügen unterwegs sein darf. Solche Zustände quasi als Normalzustände zu klassifizieren und die, die wahrscheinlich zu naiv/einfältig/dumm sind zu glauben, dass es doch eigentlich nur um Fussball geht und vielleicht auch bei ihren eigenen Vereinen solche Verhaltensmuster gar nicht kennen, als selbst schuld zu belächeln, ist irgendwie … bedenklich. Selbst Christian Bönig wundert sich, dass es offenbar nicht möglich ist, überall so unbehelligt durch die Lande zu ziehen. Willkommen in der Welt der mitreisenden Fans, Herr Bönig. Aber letztendlich lernen sie es ja alle… irgendwann. Auswärts oder auch zu Hause.

Sicher, ich halte mich auch nicht in ausgewiesenen und bekannten Gefahrenzonen auf, wenn ich es vermeiden kann, aber langsam fehlt mir eine Übersichtskarte, wo ich wann warum und wie genau so nicht sein darf. Das ist Fußball hier!

Wie gut, dass der DFB nicht für Strafen am Leipziger Bahnhof verantwortlich zeichnet, es wäre ein Teilausschluss der Mannschaft beim nächsten Spiel durchaus möglich gewesen, gerade Herr Boll, der das ja alles besser wissen müsste und die Kollegen ja mal hätte vorwarnen können und nix gemacht hat (böswilliger Eventtourismus?) dürfte mit mindestens einem Spiel Sperre rechnen. Analog zu Podolski, der ja auch nix gemacht hat.

Konnte ja auch keiner wissen, dass Aue Air Base schon geschlossen hatte und diese erstligaambitionierten Spieler unbedingt ICE fahren wollten, wenn sie schon nicht fliegen durften. Nachlässig vom Verein.

 Entschuldigung, ich kann diesen DFB einfach nicht mehr ernst nehmen, das führt dann zu solchen Sachen….

Schade, dass es, wenn ich nicht falsch liege, wohl nicht zu einem Relegationsduell zwischen dem HSV formerly known as Nummer 1 im Norden kommen wird. Der HSV scheint sich mehr Mühe zu geben, das verwirklichen zu wollen als wir. Schön wäre aber auch eine Relegation HSV gegen Greuther Fürth. Würde mich zum Mitsummen der Kleeblatthymne bereiterklären und wer die kennt, weiß, was das für ein Opfer ist.

Apropos Opfer: der Herr Fink aka Noch-Trainer des HSV, hatte ja gerade erst eine großartige Idee: Bußgeld in die Mannschaftskasse für Gegentore. Zur Zeit sieht es allerdings nicht so aus, als wäre für die Mannschaft mehr drin als ein SMS bei McDo und das müsste schon jemand mitleidssponsern. Aber ist als Gegenprogramm zu vergnatzten Ansagen, die anscheinend auch nichts bringen oder zu in dunkelsten Szenarien heraufbeschworene Abstiegsdrohungen mal was anderes. Was ganz anderes.

Dann habe ich hier dank Herrn @keanofcu noch einen Artikel über Jugendkultur, im speziellen die Ultras, gelesen, dem – sogar- ich in großen Teilen zustimmen kann. Die historischen Zitate sind ganz groß, Zeiten ändern sich, manches aber eben nie.

Bedenklich fand ich die stellenweise arge Vermischung zwischen den Gewaltbereiten und den Ultras, zwischen Revolutionären und tumben Toren.

Und auch

Ein gewisses Maß von Toleranz und Freiheit gehört zur Definition von Demokratie, für alles andere gibt es Regeln und Gesetze. Gegen Täter, nicht gegen Jugendbewegungen mit tausenden Mitgliedern.

Ein ganz gefährliche Aussage, wie ich finde, wenn man das „Jugend“ vor Bewegung weg lässt. Und die Anzahl der Mitglieder finde ich auch nicht unbedingt relevant, eine Bewegung rechtfertigt sich nicht durch eine erhebliche Anzahl von Mitgliedern, sie kann dadurch sogar eher noch gruseliger werden. Jugend rechtfertigt vieles, auch vieles, was in dem Bericht angeführt wird und vieles werden auch einige der Älteren unter uns rückblickend auf die eigene Jugend wiederentdecken. Aber auch Jugend kann Täter sein. Und auch unter den Ultras gibt es viele, die das jugendliche Alter schon längst hinter sich gelassen haben. Zumindest laut Personalausweis, was einige angeht.

Aber auch dieser Autor hat leider keine wirklich brauchbaren Vorschläge, wie man die, die unter dem Deckmantel der revolutionären Jugend (positiv gemeint) tumben Toren und Schläger heraussortiert. Wie viele andere auch, bei denen man immer nur liest, wie es nicht geht, aber nie, wie es geht. Bisher ist das mit der Selbstreinigung nicht zufriedenstellend gelaufen, auch weil man sich gerne mal untereinander solidarisch schützt, wo man vielleicht abgrenzen sollte. Schwierig. Insbesondere, wo ja immer noch das Urteil des DFB gegen den Kassenrollenwerfer aussteht. Wenn diesem -und damit uns allen- vom DFB signalisiert wird, dass ehrliches Gerademachen nichts wert ist, dann wird sich der DFB noch wundern. Und wir alle uns mit.

Wie auch immer, der Artikel ist lesenswert. Schon wegen der Zitate durch die Jahrtausende.

Meinen persönlichen Vogel abgeschossen hat allerdings das Aktuelle Sportstudio des ZDF inklusive seines Sprechers Michael Steinbrecher. Warum, lesen Sie am besten bei @heinzkamke im Blog und stellungnehmend dazu natürlich auch beim Blog Aktion Libero.
 
An besagter Twitterdiskussion mit dem @ZDFSportstudio war ich beteiligt, als es erst hiess, man habe kein sendefähiges Foto und dann plötzlich nur noch lapidar in der Sendung erklärt wurde, man wolle solchem Schwachsinn kein Forum bieten. Wenn man zukünftig Schwachsinn wie Platzstürmen, Auseinandersetzungen zwischen Fussballfans, Pyroshows und ähnlichem auch kein Forum mehr bietet – ok. Aber bisher war man sich nicht zu preiswert, diesen Themen mit sendefähigen Fotos und Bildaufnahmen zu unterlegen und sich über den Schwachsinn forumsartig zu echauffieren. Sorry, ZDF Sportstudio, da mag ich ein Moralapostel sein -wird mir ja öfter gerne mal attestiert- aber dann ist das eben so. Schwachsinn macht man durch weitestgehend unter den Teppich kehren nicht besser. Das Anprangern von menschenfeindlichen -in diesem Fall homophoben- Sprüchen auf großen Bannern empfinde ich als Verpflichtung. Hat nicht Herr Zwanziger sich das Thema ans Revers getackert? Und nicht drüber reden oder mal eben in zwei Nebensätzen hilft?

Und sicher haben nicht 72.000 BVB-Fans dieses Banner hochgehalten und die Aussagen, ob es im Block zu Randalen unter den Fans wegen der Banneraufschrift oder der Sichtbehinderung wegen des Banners gekommen sind, lassen eine Wertung derer, die drumrumstanden nicht eindeutig zu. Fakt ist, es wurde von wahrscheinlich mehr als einem angefertigt, ins Stadion gebracht (man könnte sich vorher sowas ja mal zeigen lassen als Ordner, oder? Die Stadionordnung des BVB gibt das ja her…), von etlichen entrollt und nach Kommentaren auf diversen anderen Plattformen ist anzunehmen, dass es von etlichen auch goutiert wird. Und dagegen muss man vorgehen. Egal, ob beim BVB gegen Homophobie, beim FC Kaiserslautern gegen antisemitische Sprüche, bei anderen gegen Rassismus – und jeder Verein hat sie, diese widerwärtigen, ekelhaften… sorry… Gestalten. Wir auch. Sie trauen sich vielleicht nur nicht ganz so unterm Stein hervor. Nichtsdestoweniger gibt es auch bei uns -und das aus Gründen- vereinsseitig schon mahnende Aufrufe, wenn Sie mal das Kleingedruckte unter der Auswärtskartenbestellung und dem Zahlungshinweis lesen.

So. Das wars erstmal.

EDIT: nicht ganz. Das ZDF hat reagiert, Artikel von Ronny Blaschke hier.

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13 Gedanken zu „Dies und jenes und das und dies, nicht nur #fcsp

  1. Wegen Zeitmangel nur schnell ein Hinweis auf einen Tippfehler:

    „An besagter Twitterdiskussion mit dem @ZDFSportstudio war ich beteiligt, als es erst hiess, man gabe kein sendefähiges Foto“

    gabe = habe?!

    Mehr folgt dann wohl nachher.

  2. wenn man das so liest , und der dikatorische fussball bund mit seiner nordkoreanischen „rechtssprechung“ würde nicht mal ansatzweise erwähnt, braucht man den fussball immer weniger.

    glücklicherweise hat die radsportsaison begonnen!!

    • Da, jetzt habe ich wegen dem einen oder anderen Modefotografen -falls er überhaupt hier noch liest- extra den Text kurz gehalten, und schon wieder Vorwürfe. Ja, ich habe nur kurz den Poldi erwähnt und ja, der Herr Niersbach hätte für seine Äußerungen zum Thema auch noch eine Breitseite verdient, aber…

      Glücklicherweise ist die Reitsportsaison nie vorbei.

  3. Den Ordnern, die sich das Banner nicht vorher haben zeigen lassen, würde ich in diesem Fall keinen Vorwurf machen – dies war die Heimkurve und solange hier nicht derartiges wegen ähnlicher Vorkommnisse in letzter Zeit zu befürchten war, kann und sollte man den Fans durchaus auch einen gewissen Vertrauensvorschuß geben – zumal das Entrollen eines riesigen Transparentes Platz erfordert und nicht immer so einfach und schnell geht, als daß ein solcher Vorgang IMMER sein müßte. Nun aber zumindest für einige Zeit in dieser Kurve sicherlich.

    Erschreckend, wie die Abstufung bei der Einordnung von Fehlverhalten vorgenommen wird – ich erinnere hier nur an den „schw… Sau“ Austausch mit unterschiedlicher Einschätzung und ähnliches – siehe auch http://www.zeit.de/sport/2011-04/homophobie-dfb-zwanziger-walther-ahrens/seite-2 – hier sollte sich DRINGEND etwas ändern. Am besten in Kombination mit der Erstellung eines nachvollziehbaren Sanktionenkatalogs bei neuer Gewichtung der einzelnen Taten. Für wen ein fahrlässiger da letztlich nicht gewollter Wurf von Konfetti/Kassenrolle(n) schwerer wiegt als vorsätzliche Homophobie, für den kommt eh jede Hilfe zu spät.

    • Gut, an den Vertrauensvorschuss kann man dann auch einen Haken machen in der Rubrik „verspielt“.

      Ich finde es immer noch bedauerlich, dass Andreas Rüttenauer bei den aktiven Fans nicht mehr Unterstützung und Gehör gefunden hat, um es dem DFB wenigstens so unangenehm wie irgendmöglich zu machen. Dieser Niersbach wird den Herrn Zwanziger noch in den Schatten stellen, da würde ich wetten.

      Den nachvollziehbaren Strafmaßnahmenkatalog wird es erst geben, wenn mal so ein Poldi-Ding gegen Robben oder Ribery oder ähnliche Konsorten läuft. Wie wahrscheinlich das hingegen ist, können Sie sich ausrechnen.

      Auch unser FCSP -ich orakel jetzt mal- wird das nicht bis zur allerletzten bitteren Konsequenz durchziehen. Was ich persönlich schade finde. Aber das ist meine Meinung.

  4. Trifft mich irgendwie persönlich, weil ich diesen Verein seit Kindertagen immer sehr mochte und beim Auswärtsspiel in der letzten Saison dort sehr viele nette Fans kennengelernt habe. Leider auch ein paar Idioten, aber die findet man bei uns ebenfalls. Ich hoffe, dass dieses homophobe und faschistoide Pack, anders kann und will ich die nicht bezeichnen, über kurz oder lang aus allen Stadien verschwindet.
    Frommer Wunsch, ich weiß, aber wir haben das auch mal geschafft. Love Borussia – Hate Fascism klebt auch in Dortmund.

    • Verstehe ich gut, ich war kurz davor, meinen Jahrhundertschal mit einem Schwatzgelben zu tauschen, ich habs aber dann doch nicht übers Herz gebracht.

      Ja, Idioten haben alle, bei manchen ist es irgendwie besonders… bedauerlich.

      Es gibt genügend Borussen, die dagegen angehen können und es hoffentlich auch tun.

  5. Passt zwar nicht unbedingt zum aktuellen Artikel, aber ich will Euch diesen Beitrag nicht vorenthalten. Die Medien stürzen sich immer gerne unreflektiert auf die „Ultras“ und in Fan-Diskussionen (off- und online) werden diese Gruppierungen
    auch immer gerne argumentativ in’s Rampenlicht gerückt.

    In Frankfurt führen wir ja auch derzeit erhitzte Debatten… egal – lest einfach mal rein: http://www.publikative.org/2012/03/11/ultras-wer-mit-dem-feuer-spielt

  6. Nikolay sagte am :

    Leider kamen heute zusaetzlich zu den hier von Ihnen angesprochenen Bannern vom Wochenende, die ja schon schlimm genug waren, auch noch die vom Fuerther Mergim Mavraj geaeusserten Rassismus Vorwuerfe gegenueber Kevin Grosskreutz hinzu (er soll nach dem gestrigen Pokalspiel Gerald Asamoah beleidigt haben) Hoffentlich ist es doch nicht so weit gekommen. Ansonsten danke fuer den wie immer interessanten Beitrag.

    • Ich hoffe ja, dass dem nicht so ist. Dem entgegen spricht, dass ich Mergum Mavraj eigentlich für keinen halte, der das einfach so sagt, wenn nichts dran war. Und Großkreutz – schon betrüblich, dass man es da nicht für völlig undenkbar hält, dass er sowas gesagt haben _könnte_. Wobei Jürgen Klopp wohl mittlerweile eingeräumt hat, dass da „Worte gefallen sind, die so nicht in Ordnung waren.“, rassistischen Hintergrund schliesst er an anderer Stelle aber explizit aus … Hm.
      Bisher aber alles nur Spekulation. Was auch immer er da in Springteufel-Manier abgezogen hat vor Asamoah (das Bild dazu hier http://cdn3.spiegel.de/images/image-330586-videopanoplayer-qddf.jpg), es war überflüssig. Hätte er sich mal lieber mit seinen Kumpels gefreut, wären die Zeitungen heute voll von Bildern der jubelnden Borussen stattdessen.

      http://www.kicker.de/news/video/1185857/video_bueskens-attackiert-grosskreutz.html

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