Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

7 Fragen und ein Regenschirm – Hallo, Herr Dr. Stenger, diese Polizeiwache da…

Worum es insgesamt geht, lesen Sie am besten bei den Sozialromantikern nach, die Petition hat mittlerweile 1.661 Zeichner.

Ich frage mich, wo diese 1.661 Zeichner die letzten fünf+ Jahre waren, denn die Planungen für dieses Projekt laufen schon länger, aber es ist müßig, über verlorene Zeit zu sinnieren. Der Ist-Zustand: die Wache kommt. Nun gab es daraufhin Stürme der Empörung, heiße Diskussionen auf Facebook, twitter und Blogbeiträge, es wurden Vorschläge gemacht, die von Ticketpreiserhöhung über Spendenaktionen gingen – alles gut und schön, aber mir war es wichtig, erstmal ein paar Fragen beantwortet zu bekommen, die für mich die Situation, den Handlungsbedarf sowie die Handlungsmöglichkeiten klarer machen.

Da ich schon immer der Ansicht war, dass Spekulationen, was-wäre-wenns, Annahmen, Mutmaßungen und Wünsche nicht sonderlich weit bringen, wenn man nicht an die Quelle geht, habe ich Herrn Dr. Gernot Stenger einfach mal angeschrieben. Als ich das das letzte Mal gemacht habe, hat das gut funktioniert und ich habe ihm folgende Fragen gestellt (es sind nur sechs Fragen, aber die Reminiszenz an die vor Urzeiten erfolgreiche gleichnamige Fernsehsendung mochte ich einfach).

1. Sind die Mietverträge für die Polizeiwache schon unterschrieben, wenn ja, welche Laufzeit haben sie und können sie unter Umständen -definiere welche- vorzeitig gekündigt werden?

Der Mietvertrag ist noch nicht unterschrieben, aber er wird voraussichtlich eine Festlaufzeit von 20 Jahren haben. Dies beruht auf den alten Absprachen mit der Freien Hansestadt Hamburg (FHH), die uns damals den Zuschuß von 5,5 Mio gewährt hat.

2. Die von Ihnen genannte Summe von EUR 600.000 umfasst genau welche Kosten?

Die 600.000 Euro sind ein im günstigsten Fall klaffendes Loch in der Finanzierung des Umbaus der alten Domwache. Der betrag kann auf 1,1 Mio ansteigen, wenn einige günstige Prämissen nicht haltbar wären, z.B , daß wir keine zusätzliche Fläche vom Domreferat benötigen. Es kommt eine jährliche Unterdeckung von bis zu 30.000 Euro hinzu, die noch mal größer wird, wenn wir keine Museumszuschüsse bekommen.

3. Wenn es den Fans gelänge, durch eine Spenden-/Sammelaktion die nötige Summe x (?) aufzubringen, um die Kosten für eine Errichtung der Domwache zu tragen, wäre ein Auszug dann möglich?

Ein Auszug wäre möglich, aber unwahrscheinlich. Deshalb war ich auch so da hinterher, denn man müßte später zusehen, wie man die dann verlassenen Räume wieder nutzt. Ich könnte im Moment den Fans auch nicht zuverlässig sagen, was wir wirklich benötigen, und jährlich neu zu kommen mit Sammelaktionen halte ich nicht für seriös.

4. Wurden Maßnahme angedacht seitens ds Vereins, die erforderliche Summe über eine Erhöhung der Eintrittspreise abzufangen bzw. wäre es möglich, durch einen Mitgliederentscheid auf der JHV einen späteren Auszug der Polizei zu arrangieren?

Wir haben natürlich auch auf eine Erhöhung geschaut, aber die müßten wir on Top zumuten, wir haben wie üblich erhöht und/oder umgruppiert, und wir haben erhöht, um die Kosten für die Klappsitze (berechtigte Forderung der Stadionbau AG) aufzubringen. Ein Mitgliederentscheid muß mE auch Rücksicht darauf nehmen, daß der Verein sich 2006/2007 verpflichtet hat gegenüber der FHH. Die Stadionwache in der Gegengerade ist ja absolut nicht neu, das steht seit über 5 Jahren fest, ich habe „nur“ versucht, das nochmal aufzubohren, und die vielgescholtene Polizei war flexibel genug, mir dafür grünes Licht zu geben !

5. Welche Erfordernisse wären noch zu bedenken, um einen Einzug zu verhindern bzw. einen Wiederauszug zu erreichen und um welchen Gesamtbetrag und welche erforderlichen Genehmigungen würde es sich da handeln?

Siehe oben. Wir brauchen außer den Finanzen noch die Genehmigung der FHH, der DKB, wir müssen vermutlich Fläche vom Dom bekommen, die Polizei müßte der zeitlichen Verschiebung zustimmen, die Sprinkenhof AG als Eigentümer müßte mitspielen (auch die waren in den Gesprächen sehr entgegenkommend, allerdings auch im eigenen Interesse !), und wir müßten die Klippe umschiffen, daß wir eine neue Finanzierung für Infrastruktur auf uns nehmen, die bei der Anleihe nicht angekündigt war.

6. Wäre im Falle eines Wiederaufstiegs eine Budgetplanung diesbezüglich eine Option?

Das könnte sich so ergeben, wäre dann eine Maßnahme, die ich vermutlich mit dem Umbau der NordT in Zusammenhang bringen würde, denn dann wären wir auch zB beim Museum weiter, könnten auf deren Miete schielen, vielleicht in Ruhe ein anderes Konzept für die bereits gebaute Wache entwerfen usw. Soll heißen : Ich gebe noch lange nicht auf, aber im Moment müssen wir das so laufen lassen.

Und nun die Frage an mich 7. Was nun?

Nichts nun. Ich sehe anhand dieser Ausführungen wenig Möglichkeiten, das Projekt Domwache zu diesem Zeitpunkt noch zu verhindern. Das hätte man früher angehen müssen -und ich meine nicht alle 4.678 Zeichner, sondern die, die dem Verein und der Planung dieses Projekts näher standen zu einem Zeitpunkt, wo man eventuell noch Änderungsmöglichkeiten gehabt hätte.

Was mich aber mehr umtreibt, ist die Frage, wie hoch denn zum Beispiel die Beteiligung an einer Sependenaktion wäre. Wieviele St. Paulianer (und damit meine ich alle, die ins Stadion gehen) sich überhaupt daran stören, dass die Polizei dort einzieht. Wievielen wäre es so wichtig, dass sie dafür eine Ticketpreiserhöhung in wohlwollend in Betracht ziehen würden?

Und was nun, da es wohl -zunächst- unabwendbar ist? Wird man vielleicht die zwangsweise entstandene Möglichkeit nutzen, um etwas mehr den Dialog zu suchen mit Team Green/Blue? Wäre es eine Option, aus der Not eine Tugend zu machen? Es heisst immer, wir müssen reden. Dann sollten wir das auch tun. Gerade, weil das Verhältnis zur Polizei in den letzten Monaten stimmungsmäßig ungefähr da angekommen ist, wo es nicht mehr weiter abwärts geht.

Wenn man Dinge nicht mehr ändern kann (Errichtung der Domwache), sollte man, statt blindem Aktionismus zu verfallen, der am Ende ohnehin ausser Folklore nichts bringt, vielleicht eher Konzepte entwickeln, wie man sich den Feind zum Freund macht. Zumindest den in direkten Umfeld. Wenn man den Feind nicht besiegen kann, verbünde man sich mit ihm. Sunzi hat zwar im Original gesagt, man solle ihm dann ausweichen, aber ich tendiere mehr zu Napoleons Auslegung.

Man kann natürlich auch den Jolly Rouge herauskramen, der Vollständigkeit halber und um den Protest zu zementieren, aber ich persönlich tendiere mittlerweile mehr zum Dialog. Dem Dialog des Unvermeidlichen. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Das mag dem einen oder anderen zu pragmatisch, zu bourgeois, zu wenig kriegerisch erscheinen, aber das mag an den Erfahrungen des Lebens liegen, dass manche Dinge im eher Stillen vorangetrieben durchaus erfolgreicher sein können als großes Römpömpöm. Zumal wir ja auch nicht mehr wirklich die Wahl haben.

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11 Gedanken zu „7 Fragen und ein Regenschirm – Hallo, Herr Dr. Stenger, diese Polizeiwache da…

  1. astro sagte am :

    Wie willst Du mit jemandem in den Dialog treten, der nicht reden will?

    • Also diese Polizisten, die da einziehen, sind erklärterweise redeunwillig? Ich weiss, ACAB, aber schere ebensowenig Polizisten über einen Kamm wie alle Fans Randalierer und Zündler sind.

      Wenn sie da einziehen, wird das keine BFE Eutin sein, sondern Bollers Kollegen. More or less. Spricht man denen per se Dialogbereitschaft ab? Hm.

      • astro sagte am :

        Ich bin durchaus der Meinung, daß ein Dialog gut und sinnvoll wäre, aber dann auf Augenhöhe. Allerdings hilft der auf der unteren Ebene (einzelne, persönlich bestimmt ganz nette Polizisten) nicht wirklich, es geht um deren Führung, Einsatzleitung, im Zweifel auch den verantwortlichen Senator. Und was von der Mischpoke zu halten ist hat man ja an den Äußerungen nach der Nazi-Blockade gemerkt.
        Natürlich wurde alles richtig gemacht, natürlich wurde sich nicht bei den Opfern entschuldigt, natürlich wird es keine Konsequenzen haben, daß einer friedlichen Demonstrantin der Schädel gebrochen wurde. Seit Schill in HH an die Macht gekommen ist, kannst Du die Polizei hier getrost in die Tonne treten.

        Und Boller ist meines Wissens bei der Kripo, ob der da mal sitzen wird…?

        • Ich meinte Typen wie den Boller, natürlich sitzt der da nicht.

          Ok, dann treten wir die Polizei in Hamburg in die Tonne, dissen die Polizisten, die in der Domwache sitzen werden, aufs Äußerste, machen die Situation vor Ort für alle Beteiligten so unerträglich wie möglich und dann… haben wir den Salat in der Tat direkt vor der Haustür. Die Bemühungen, das auf der obersten Ebene anzusetzen, sind offenbar in großem Stil gescheitert, dann können wir die unwichtige untere Ebene, die direkt neben uns sitzt, ja gleich mitzerfleischen. Gar keine Verbündeten sind besser als ein paar. Diese Logik ist nicht so ganz meine. Aber gut, darum diskutieren wir ja hier.

          • astro sagte am :

            Also ich habe nicht geschrieben, daß man die „dissen“ soll. Es ging nur an den Dialog, an den ich eben nicht glaube. Es gab diverse Angebote zum Dialog von Fanseite. Bisher ist in diese Richtung aber nix passiert und z. B. der Überfall der BFE Eutin auf das Jolly ist auch nach 3 Jahren nicht aufgeklärt. Das ist systembedingt und in diesem System hängen auch die Polizisten der Stadion/Domwache, da kann man noch so viele Tassen Kaffee mit denen trinken, wogegen natürlich trotzdem nichts einzuwenden ist.
            Übrigens hat ein guter Bekannter von mir nicht gerade positive Erfahrung in der Domwache gemacht, ist allerdings schon ein paar Jährchen her.

  2. Wenn ich Antwort 6 richtig verstehe müssen wir also spätestens 2014 aufsteigen, dann hätten wir die Chance die Wache evtl. in den Neubau der NT zu verlegen um dann mit der Fläche der demnächst kommenden (in diesem Fall ja provisorischen) GG-Wache das Museum zu vergrößern? Da bin ich ja gespannt.
    Für mich klingt das eher wie: Wir bauen das jetzt erst mal, weil wir eh nicht anders können, und dann gucken wir in den nächsten Jahren mal wie sich das entwickelt und ob sich noch jemand drüber aufregt.
    Ich für meinen Teil kann garantieren, dass ich eine Wache in meinem Wohnzimmer auch in ein paar Jahren noch Scheiße finde. Egal wie sich das entwickelt.

    • So in etwa würde ich die Antwort auch verstehen. Und auch, wie es klingt.
      Ich fürchte, in ein paar Jahren wird es noch ganz andere Dinge geben, über die man sich aufregen wird. Inbesondere, wenn das mit dem Aufstieg klappt.

      Offline auch diskutiert, es regen sich einfach zu wenige und zu spät auf. Das ist eine Entwicklung, die mich mehr besorgt im Gesamtzusammenhang und nicht zwingend nur auf dieses Thema bezogen.

  3. Pingback: Kann sich der #FCSP eine (interne) Stadionwache leisten? « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  4. Interessant finde ich auch den Punkt „eine jährliche Unterdeckung von bis zu 30.000 Euro“ – macht also eine Miete von EUR 2.500 im Monat. Die könnte man sicher auch bei dieser Fläche und diesem Ort von einem geeigneten anderen Mieter erhalten, wenn nicht noch weitaus mehr. Und selbst wenn nicht, das wäre durch 6 Cent Preisaufschlag pro Spiel und Karte in einer Saison auch wieder auszugleichen und dürfte nun wirklich nicht unmöglich sein.

    • astro sagte am :

      Achtung, relevant ist anscheinend in erster Linie dieses Dokument: https://www.buergerschaft-hh.de/Parldok/Cache/BA801E1CDEF4C6E0BF0107A0.pdf Aus dem geht hervor, daß eine kommerzielle Verwendung des Stadions außerhalb der typischen Aktivitäten eines Fußballvereins untersagt ist bzw. zu einer Entschädigung gegenüber der Stadt führt.
      Da z. B. einfach ein Restaurant reinbauen wäre also nicht möglich.

      • Interessanter link. Danke. Aber da lese ich was von einem Zustimmungserfordernis und einer Nachleistungsverpflichtung in einer wertentsprechenden Höhe. All das ist auch eine Frage der Verhandlung. Sprich, will die Stadt die Wache auch aus Sicherheitsaspekten extern haben, hat sie auch ein Interesse daran bzw. sollte es haben, daß der FCSP die Fläche auf eine Weise nutzt, die auch Steuergelder in die Kasse spült. Es wäre jetzt kaum so, als daß die erzielte Miete 1:1 an die Stadt abzugeben wäre. All das kann man ja erfragen und nach dem dann erzielten Ergebnis vorgehen. Es ist ein Erschwernis, aber kein totales Hindernis.

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