Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Pokal, Liga und anderes Gesummsel

DFB-Pokal also eine Runde weiter. Preiset die Herren! Das war ein kurzes Stimmungshoch, dem aber der Ligaalltag ernüchternd auf dem Fuße folgt. Über die Spiele kann man als Zuhausesitzer weniger sagen als wenn man sie im Stadion live gesehen hat, aber der Eindruck einer nicht engagierten Truppe (mit Einzelausnahmen) scheint kein örtlich begrenzter zu sein. Ich gebe zu, ich bin gelangweilt. Der Fußball, den der FC St. Pauli im Moment spielt, langweilt mich. Ich entdecke Verhaltensweisen an mir, die vor ein, zwei, drei und mehr Jahren undenkbar gewesen wären. Da hätte ich mir die Herzklappen verbeult, um rechtzeitig zum Spiel am AFM-Radio zu sitzen, eine Fußballkneipe zu entern, einen Stream zu suchen. Und heute? Komm ich halt zu spät. Oder gar nicht. Schaue es mir später an. Wenn überhaupt. Fahre bei schönem Wetter lieber auf den Ponyhof nach der ersten Halbzeit, um später festzustellen, dass ich nichts verpasst habe.

Ich werde mit den neuen Spielern emotional nicht warm und kann dem Konzept von André Schubert -sofern es eines ist- nichts abgewinnen. Ich bereite mir das Vergnügen, den HSV zu belächeln für das frühe Pokal-Aus, für den gewaltig vergeigten Auftakt gegen eine nicht sonderlich starke Nürnberger Mannschaft und sehe interessiert zu, wie der andere Hamburger Fussballverein -meiner- eine Liga weiter unten nichts als das Erreichen der 2. Pokalrunde voraus hat. Immerhin waren wir so bescheiden, nicht gleich die Einkünfte der ersten drei Runden mit einzuplanen, weil ein Weiterkommen eher in die Rubrik „would be nice, but…“ einzuordnen war. Nun haben wir es geschafft und in der nächsten Runde fahren wir nach Stuttgart. Und dass wir in der momentanen Verfassung nichts reißen werden- ich gehe einfach mal davon aus. Und das Schlimme ist: ich leide zur Zeit nicht. Ich hatte schon vor Monaten das Gefühl, dass irgendwas nicht läuft und das habe ich noch, diesmal aber mit Belegen. Es läuft nicht. Und wie mir mal ein weiser alter Mann sagte: wer nichts erwartet, wird nicht enttäuscht. Demzufolge bin ich ziemlich gelassen und verlagere den Schwerpunkt meines sportlichen Lebens auf die Do-it-yourself-Seite.

Das mag Sie als Fussballfan nicht weiter interessieren, aber ich habe einen Hochleistungssportler auf dem Ponyhof stehen, der mir täglich zeigt, wie man sich engagiert einsetzt. Der seinen Job ernstnimmt, der sich motivieren lässt und trotz seines fortgeschrittenen Alters högschde Konzentration an den Tag legt. Woran liegt das? Ich versuche ihn als Trainer täglich zu motivieren. Ich achte darauf, dass seine Kondition meinen Anforderungen entspricht. Ich sorge für alternativen Freizeitausgleich und achte auf ausgewogene Ernährung. Ich verschaffe ihm Erfolgserlebnisse und angemessene Belohnung. Aber ich erwarte dafür, dass er 22 Stunden am Tag Freizeit hat, in den zwei Stunden, in denen ich mit ihm arbeite, Einsatz. Wenn die Grundbedingungen stimmen, erwarte ich Einsatz. Und da ich davon ausgehe, dass die Grundbedingungen beim Team des FC St. Pauli stimmen, mangelt es mir am Ende an ebendiesem Einsatz. Und an der Motivation. Das soll nicht heißen, Schubert raus, wie es schon mehr als vereinzelt gefordert wird. Obwohl es mir lieber gewesen wäre, statt Schulte wäre Schubert gegangen, aber das ist ja nun kalter Kaffee. Ich glaube nicht, dass seine Vorstellungen, die sicherlich den hohen Ansprüchen, die der Verein geäußert hat, mit dieser Truppe durchführbar sind. Ich habe weder den Eindruck, dass die Zusammenstellung gelungen ist noch, dass sein Konzept funktioniert. Man wirft ihm Paderbornisierung vor, Beamtenfußball und dergleichen. Ich glaube nicht, dass er das will, aber ich glaube, dass bei der Mannschaftszusammensuchung weniger darauf geachtet wurde, dass es nicht nur sportlich, sondern auch menschlich passt. Ich vermisse die Emotionen, das Gefühl der „11 Freunde“, den Spaß am Fußball. Wo ist er hin, der Spaß? Heute irgendwie für mich unvorstellbar, dass diese Mannschaft zusammen Torjubel einstudiert. Die Leichtigkeit, die Freude ist dahin. Zumindest kommt es mir so vor.

Wir Fans gehen ja überall mit hin, wenn uns wenigstens der Kampf und der Wille gezeigt wird. Das Gewinnenmüssen war es beim FC St. Pauli nie so. Aber auch davon sehe ich nichts. Emotionslos runtergespielt und das nicht mal gut. Gestern in der Sportschau fiel vom Kommentator des Spiels der für mich passendste Satz: „Was ist bloß mit dem FC St. Pauli los? Nichts.“ Genau. Nichts ist mit uns los. Und dieses lähmende Gefühl überträgt sich zur Zeit auch auf mich. Und das, wo mir erstmals wieder eine Dauerkarte ins Haus steht. Ich müsste hibbeln und vor Aufregung umherspringen, wann sie denn nun endlich kommt, die Dauerkarte und mich auf das erste Heimspiel nach Jahren mit Dauerkarte auf der neuen Gegengerade freuen wie Bolle. Und? Mein vordringlichster Gedanke beim Thema Dauerkarte: jedes zweite Wochenende wird sie billiger. Und mit dem Bloggen hier ist es ähnlich wie bei den Spielern: ich bin lustlos, motivationslos und ideenlos. Frage mich nach dem Sinn des Ganzen hier, so ähnlich wie @heinzkamke dort. Es gibt zur Zeit wenig, dass ich im Fußball-Kontext wirklich mit großem Interesse verfolge, ich folge kaum Links, lese wenig bis gar keine anderen Blogs… ok, das mag dem Umstand geschuldet sein, dass mich das restliche Leben zur Zeit sehr in Beschlag nimmt, aber dennoch, es ist etwas anders im Moment. Bei der Mannschaft wie auch bei mir.

Ich glaube nicht, dass es letztendlich um den Abstieg geht, den Klassenerhalt werden wir schon schaffen, aber das angestrebte Ziel der ersten fünfzehn wird sich die Vereinsführung abschminken können. Selbst die moderaten 25 von Helmut Schulte werden schwer bis eher unwahrscheinlich. Macht mir aber nichts. Erstmals selbst begutachten werde ich diese Truppe, die mir einfach nicht ins Herz gehen will, in Köln. Und vielleicht ergreifen sie mich ja dort. Wenigstens ein bisschen.

Aber halt, etwas wichtiges gibt es doch: das AFM-Radio, dass mich seit Jahren überall hin begleitet, braucht Spenden. Und wenn jemand mein mühsam verdientes Geld verdient, dann sind es Wolf Schmidt&Co. DAS ist Herz, DAS ist Leidenschaft und eine braunweiße Welt ohne das AFM-Webradio ist möglich, aber unvorstellbar. Selbst Muddi mit ihren 70 Jahren hat spontan noch was draufgelegt, seit ich sie in Dubai zwangsver-AFMt habe, ist sie selbst leidenschaftliche Anhängerin und hört sogar ohne mich zu🙂

Bitte hier entlang für Einzelheiten und vor allem die Bankverbindung. Ein geschätzer Mit-Twitterer wollte als Basisbetrag die 19,10 plus für jedes geschossene Tor vom letzten Samstag mit extra 10 Euro spenden. Vielleicht macht er es ja auch für die zwei Cottbusser Tore. Einfach, weil sie es verdienen! Walk on!

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16 Gedanken zu „Pokal, Liga und anderes Gesummsel

  1. unverlierbar sagte am :

    Ich war ja am letzten Dienstag mal wieder beim Training an der Kollaustrasse. Es war eine gute Stimmung auf dem Platz, wir haben Florian Bruns noch schnell zum Geburtstag gratuliert. Als letzter kam Andre Schubert auf den Platz und die Stimmung kippte, es wurde frostig. Das Programm wurde still und lustlos runtergespult. Mich wundert die Leistung in Cottbus nicht. Ich bleibe dabei Schubert muss weg.

  2. Pingback: Politik gehört dazu – und #FCSP im Pokal und in Cottbus « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  3. Nikolay sagte am :

    Jetzt, wo meine Internetverbindung endlich steht, bitte nicht wieder an ein aufhoeren hier im Blog denken🙂 Allerdings haben Sie Recht es ist weniger die Enttaeuschung ueber das verlorene Spiel gestern, als das Gefuehl, dass im Moment einfach nichts zusammenlaeuft in der Mannschaft. Deswegen finde ich den Kommentar von „unverlierbar “ doch sehr bezeichnend. Trotzdem Kopf hoch, Sie haben ja einen „Hochleistungssportler“, um den man Sie beneiden kann🙂

  4. ihre einlassungen kann ich nachvollziehen, ich verfolge den fussball zur zeit nur noch aus gewohnheit. die gestrige niederlage war das erste spiel des fcsp das ich in dieser saison gesehen habe und es hat mich wenig berührt. wenn ich mich nicht mal mehr ärgere war das meistens der anfang vom ende. ich hoffe ich kann noch mal den schalter umlegen, die mannschaft sollte das, ganz unabhängig von mir, beim nächsten spiel unbedingt tun.

  5. Schon wieder einer Meinung, schlimm🙂

  6. Zitronenjette20 sagte am :

    Finde mich in Ihrem Blogbetrag wieder.Haben mich sonst Wackelstreams total hibbelig gemacht,war es jetzt wie oben beschrieben…Nunja,schauen wir auf Sandhausen.Ach ja,und fein weiter bloggen,nä?!😉

    • Die Sinnfrage stellt man sich immer mal, aber über kurz oder lang muß ich mit meinem Gedankendingens halt doch immer wo hin und was eignete sich besser als das Blog/die Blogs? Ich bin beruhigt, dass es mir mit meiner Nichtaufregung nicht alleine so geht.

  7. Naja der personelle Verlust der letzten Jahren ist einfach zu stark…
    Es fehlen Typen die man unterstützen mag. Volzy mochte man, naki mochte man irgendwie, fabio, Ralle, lelle, egi, kruse und Hennings sowieso…
    Also haben wir Typen auf der einen Seite und sportlich mit Sobiech und Zambrano auf der anderen Seite Qualität verloren.
    Ich gehe von nem mittelmäßigen Jahr aus, vielleicht auch gar nicht so schlecht, da man dann die Chance hat, sich mal wieder um den Verein im Stadtteil zu kümmern und nicht mehr alles dem Erfolg zu Opfern..

    • Identifikationsfiguren ist das Zauberwort. Also verloren auf der ganzen Linie. Und wenn man sich die Beobachtungen von Herrn unverlierbar mal durch den Kopf gehen lässt, befürchte ich, dass dieser Mannschaft auch der Wille zur Identifikationsfigurenbildung fehlt. Wies sagte jemand auf Twitter? „Ein Chef, der nicht in sich selbst ruht, kann einem jeden Job verleiden.“

      Eine fatale Situation. Hm.

      • Ich fürchte das momentan der Ehrgeiz im Verein und dem Umfeld so hoch ist, das man den Verein und das was ihn seit 25 Jahren ausmacht vergisst.

        Vielleicht muss man wieder absteigen, damit man wieder auf den Boden gesetzt wird…

  8. Maren sagte am :

    Als Jemand, der sooo furchtbar lange noch nicht mit Herz und Seele dabei ist, habe ich meine Emotionslosigkeit erstmal damit erklärt, dass ich wohl doch einfach nur ein Erfolgsfan bin.
    Aber dank dieses Blogeintrages ist mir bewusst geworden, wie sehr es mich doch innerlich wurmt. Aber so sehr man auch versucht, sich vom Hocker reißen zu lassen, da kommt einfach nichts von der Mannschaft. Traurig aber wahr…

  9. Pingback: Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Fremdenlegion

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