Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Braunweiß met Schwarzweißblau – mit ohne Ball!

Ich wollte ja schon länger mal einen ganz bestimmten Artikel aus ganz bestimmten Gründen schreiben, aber irgendwie kam immer was dazwischen. Aber nachdem am vergangengen Wochenende zwei meiner geschätzten HSV-Follower wieder mal dokumentiert haben, dass Fußball durchaus mehr ist als nur Rivalität zwischen den Farben, muss ich noch ein Ereignis aus der letzten Saison erzählen. Serviehinweis: wer nun an alten Feindbildern zu sehr hängt und meint, wir brauchen alle mehr Haß, sollte exakt HIER aufhören zu lesen.

Vor etwa zweieinhalb Jahren stieß ich durch Zufall -und Interesse- auf das Blog eines HSV-Fans. Natürlich liest man auch hin und wieder über St. Ellingen nach, so auch dieses Blog. Die Lektüre war interessant, gut geschrieben, zeugte von Fußballsachverstand und auch einem wachen Kopf dahinter. Umso überraschter war ich, als ich feststellte, dass diese sehr „erwachsene“ und ausgefeilte Schreibe einem zu dieser Zeit 16jährigen gehörte und da ich weiß, wie man sich als Blogneuling über Feedback freut, habe ich ihn kontaktiert. Aus diesem Kontakt entspannt sich ein sehr reger Mailaustausch über Fußball an sich und natürlich die beiden Vereine im Speziellen.

Irgendwann entstand die Idee, dass man ja auch einmal gemeinsam ans Millertor gehen könnte, damit er sich mal ein Bild davon machen kann, wie das so bei uns ist. Es ergab sich dann tatsächlich aber erst im letzten Spiel der letzten Saison, das „um die goldene Zitrone“-Spiel gegen Paderborn.
Wir trafen uns mit dem Rest der Bezugsgruppe wie immer am üblichen Treffpunkt, selbstverständlich stellte ich ihn als „die Gastraute“ des heutigen Spieltags vor, er wurde begutachtet, innerhalb weniger Sekunden für gut befunden und außer ein paar wenigen Flachsereien war das Thema dann auch schon durch.

Erstmals seit sechs Jahren mal wieder auf der Haupttrbüne, bedauerlicherweise im Block direkt neben den Gästen angesiedelt, mussten wir -ich gebe zu, auf Irrwegen- erstmal die richtige Anstehschlange finden. Dem HSV-Blogger war das wohl ungewohnt ungeordnet, um es vorsichtig auszudrücken, in St. Ellingen ist das mit dem Einlass offenbar sortierter. Ich beobachtete auch, wie er sich umschaute. Das Publikum ist beim FC St. Pauli anscheinend doch etwas… bunter, anders kann ich mir den Gesichtsausdruck nicht erklären🙂

Bei einem gepflegten Astra sahen wir ein gepflegtes Spiel, mein geschätzter Begleiter wurde sogar das eine oder andere Mal beim Anfeuern der Braunweißen erwischt, sie hatten aber auch einen guten Tag erwischt. Der ausgelassenen Stimmung konnte er sich auch gar nicht entziehen, spätestens, als es ein paar halbentkleidete Paderborner (was ja nun wirklich niemand sehen wollte) total originell fanden, das übliche „Scheiß St. Pauli“ anzustimmen. Außer einem fröhlichen Winken aus dem Eck und einem „Scheiß St. Pauli“ als Antwort nahm das erwartungsgemäß keiner aus unserer Kurve ernst, was wie schon bei anderen Gelegenheiten die Paderborner Gesichter passend zur Idee machte: dumm.

Wir hatten Spaß und ich habe auch zwischendurch völlig vergessen, dass ich ja eine Raute neben mir hatte. Zumindest waren wir voll konzentriert auf das Geschehen auf dem Rasen und guckten beide einfach… Fussball. Mit all seinen am Millerntor üblichen Randerscheinungen.

Nach dem Spiel traf der HSV-Blogger dann an der Domschänke den Rest der Bezugsgruppe, unter anderem einen Herrn im Schabenkostüm (Zecke war aus)

und viele andere entspannte Fans auf ein après-Astra. Natürlich entwickelten sich ein paar Unterhaltungen über die jeweiligen Vereine, Unterschiede, Spannungen etc. Aber wir kamen alle überein, dass es auch so prima geht. So wie an diesem Tag. Ich freue mich, dass es also tatsächlich zu dem lang geplanten Besuch von @bloghsv kam, der hier unter „Und täglich grüßt das Murmeltier“ immer noch genauso interessant bloggt wie am Anfang.

Ich hab ihn gebeten, doch mal kurz aus seiner Sicht den Besuch am Millerntor kurz zu beschreiben. Hier sein „Auswärtsbericht“:

Am Ende eines jeden Tages steckt unter jedem getragenen Trikot auch nur ein Mensch. Das war schon immer mein Credo und in der letzten Saison hatte ich nun endlich die Chance, selbiges zu überprüfen.

Mit der geschätzten Jekylla stand ich schon länger in Kontakt. Für viele Leute trennen uns aufgrund ‚unserer‘ Vereine Welten, aber ich finde uns eint die Heimatstadt der Vereine.
Ich, ein Fan vom Hamburger Sportverein.
Sie, ein Fan von Sankt Pauli.
Blau und Schwarz gegen Braun und Weiß. So sagt man jedenfalls.

Schon früh wurde der Plan eines Stadionbesuchs ‚bei d e m anderen Verein‘ geschmiedet.
Am Ende der letzten Saison konnte dieser Plan endlich umgesetzt werden. Letzter Spieltag, letztes Heimspiel. Ort: Millerntor. Gegner: SC Paderborn.

Die Chancen auf den Relegationsplatz waren nur noch minimal, allenfalls ein extrem hoher Sieg hätte bei passender Konstellation gereicht.

Egal, ich war einfach baff, vom Kontrast. Ich kann das nicht an Details wie den Fans oder anderen Dingen in Stadionnähe festmachen.
Dieser Stadionbesuch fühlte sich aber einfach ganz anders an.
Als wir nach überstandenem hektischen Gewusel endlich unsere Plätze einnahmen, konnte ich das Stadion selber ausführlich betrachten.

Wenn man vorher nur den Volkspark kannte, war das ein Kulturschock, doch das meine ich nicht negativ. Ich mag beide Stadien, beide haben ihre Eigen- und Schönheiten.

Das Spiel war genauso hochklassig wie der Plan an sich. Sankt Pauli gewann mit 5:0, die Paderborner hatten wenig zu melden. Und ich war mittendrin.

Daumen hoch für die Coolness der Hamburger, wenn die Paderborner ein ‚Scheiß Sankt Pauli‘ anstimmten. Beifall gab es für diese Rufe. Unbezahlbar waren die Gesichter der verdutzten Paderborner Fans. Später schlossen sich die Fans von Sankt Pauli den Schmähgesängen sogar an! Sowas hatte ich noch nicht erlebt.
Ich glaube ich werde nie wieder so verwirrte Gesichter sehen!🙂

Das gesamte Drumherum stimmte. Besondere Spieler wie beispielsweise ein Deniz Naki wurde verabschiedet, die Gegengerade offiziell verabschiedet, und ich war mittendrin.

An diesem Tag durfte ich viele neue Menschen kennenlernen. Die von einigen Personen so scharf verstandene Grenze zwischen beiden Vereinen verschwand an diesem Tag. Für mich existiert sie eigentlich gar nicht.

Selbstverständlich war ich an jenem Tag ‚DIE Raute!‘, aber bis auf berechtigten Flachs gab es nicht Einen, der irgendetwas auszusetzen hatte. Warum auch?! Unter jedem Trikot steckt nur ein Mensch.

Ich bin Jekylla dankbar für dieses Erlebnis. Gerne wieder.

Danke, Erik, ebenfalls gerne wieder😉

Einzelbeitrag-Navigation

5 Gedanken zu „Braunweiß met Schwarzweißblau – mit ohne Ball!

  1. geissy sagte am :

    Das ist der entspannte Umgang, wie ich ihn gar nicht besser propagieren könnte.
    Da dies leider zu wenige beherrschen, habe ich ja für mich die Konsequenz gezogen und gehe zu keinen Pflichtspielen des FCSP und insgesamt der 2. und 1. BL mehr. Zu viel Kontakt mit Idioten gehabt. Höhepunkt war ein Angriff auf mich vorm Köln-Spiel in der letzten Erstligasaison.
    Daher gehe ich nur noch zu Test- und Freundschaftsspielen und habe mich dem Amateurfußball verschrieben. Da habe ich bisher zumindest nie Stress mit Leuten gehabt, weil ich Vereinsfarben trug.
    Schöner Post, wie ja eigentlich immer🙂

    • Das hat wirklich auch sehr viel Spaß gemacht, leider ist das nicht die Regel. Aber umso erwähnenswerter, wenn es dann mal so gut klappt.
      Wenn man natürlich solche Erfahrungen gemacht hat wie Sie, ist die Konsequenz verständlich😦

  2. E. Griephan sagte am :

    Da ist das Ding! Was soll ich sagen, runde und gelungene Sache!🙂

  3. Pingback: Die Blogschau für Montag, den 3.September 2012 | Fokus Fussball

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: