Fabulous Sankt Pauli

.. ist die einzige Möglichkeit

Entweder Ihr seid St. Pauli … oder haut ab

Hier steckt sicherlich eine gute Absicht dahinter,

aber.. ich hab damit das eine oder andere Problem. Fühle ich mich jetzt als Gast angesprochen, weil ich im Viertel nicht wohne oder fühle ich mich als Mitredner angesprochen, weil ich oft auf St. Pauli bin? Dass dieses „raus aus unserem Viertel'“ mittlerweile eine gern genommene Redewendung von allen möglichen St. Pauli-Fans ist, von denen ein großer Teil dem Spieltagstourismus entspringt, befremdet mich relativ häufig in letzter Zeit. So impliziert auch dieser Flyer nicht das, was er sollte, nämlich dass man solche Menschen nicht im Stadion haben will. Das Stadion „gehört“ den St. Pauli Fans und da finde ich es auch legitim, diese Forderungen aufzustellen. Wobei, da wäre ich dann schon beim nächsten Punkt. Den Normen und Werten. Die ja -ob zu Recht oder Unrecht, sei mal dahingestellt- eher Ausdruck von bourgeoiser Spießigkeit sind, weil St. Pauli ja so anders ist, so bunt und so tolerant. Normen und Werte, damit darf man eigentlich nicht ankommen, ohne sich auf den folgenden Shitstorm vorzubereiten. Aber in dem Flyer sind Normen und Werte dann wieder (st.pauli-)gesellschaftsfähig. Weil wir sie aufstellen und definieren. Wir aus unserem Viertel.

Wo sind diese Leute eigentlich, wenn es Demonstrationen im Viertel gibt, Stichwort Gentrifizierung, BNQ etc etc.? Auf der Bürgerversammlung, die ich besuchte, habe ich gerade mal ein bekanntes Gesicht gesehen, das sich offensichtlich für die Belange „unseres“ Viertels interessiert. Die, die ich kenne, die solche Veranstaltungen und Demos besuchen, berichten in der Regel enttäuscht, dass sie niemanden von den „unser Viertel“-Rufern dort haben erspähen können. Woran liegt das? Ist es dann nicht doch nur „unser Viertel“, wenn wir da selbst nur zu Gast sind, an Spieltagen oder wenn mal eine FCSP-Veranstaltung stattfindet? Wieso habe ich so ein ungläubiges Staungefühl, wenn jemand aus dem Süden oder der Mitte Deutschlands mit „seinem Viertel“ argumentiert und wen oder was er da alles nicht haben will? Nennen Sie mich altmodisch, aber „mein Viertel“ ist das Viertel, in dem ich wohne, nicht das Viertel, das ich besuche. Ist so, als wenn mir hier einer aus Frankfurt würde erzählen wollen, was in „meinem Viertel“ abzugehen hat und was nicht und wer sich hier besser verp***** oder wer bleiben darf. Ist man ein besserer St. Pauli Fan, wenn man das Viertel als sein Eigen erklärt, aber gehört dann nicht auch Engagement dazu, dieses Viertel zu erhalten und sich außer durch den vierzehntäglichen Millerntorbesuch auch anders einzubringen? IM Viertel fürs Viertel?

Man kann und muss sich im Stadion gegen Sexismus artikulieren und man schafft es sogar, einen auf St. Pauli ansässigen und „eingeborenen“ Betrieb wie Susi´s Showbar aus dem Millerntor zu werfen, obwohl Susi´s Showbar und ihre Angestellten wahrscheinlich deutlich mehr St. Pauli sind als die Gegenrufer. Sie wohnen und arbeiten dort. In der Sexismus-Hochburg. Muss dann auch als Konsequenz eigentlich auch St. Pauli aus St. Pauli raus? Die Reeperbahn muss weg? Als sexistischste Meile überhaupt? Und mit ihr die ganzen Sexisten, die dieses Viertel zu einem großen Teil ausmachen und die mit ihren sexistischen Gewerben schon deutlich länger da sind als der Verein? Die rote Katze gleich mit?

Respektiert die Läden und wofür sie stehen

Die sexistischen Ausbeuterschuppen auch? Ist Sexismus nur im Stadion Scheiße und einen Steinwurf weiter gehört es zum Viertel? Und wie viele von den aufrechten Sexismusbekämpfern würde ich wohl in dem einen oder anderen Etablissement mal treffen, wenn ich es besuchte?

Das, was man nicht im Stadion haben will, ist eine Sache. Aber die Herrschaft über das Viertel zu proklamieren, indem man einfach ein „unser“ oder „mein“ davorsetzt, finde ich in gewisser Weise anmassend. Das ist ähnlich skurril, wie zu einer sowas von klassischen Eventveranstaltung wie dem „Tag der Legenden“ zu gehen und sich dann über die Eventtouristen mit ihren Klatschpappen zu amüsieren oder gar zu echauffieren. Wie albern ist sowas?

Letztendlich bin ich ja auch nur ein Gästefan. Ein Gast, der als Fan des FC St. Pauli ins Viertel kommt und oft da zu Gast wohnt. Der beim Türken Frühstücksbrötchen kauft und beim Aldi Zutaten fürs Abendessen, wo der Zigarettenmann weiß, welche Marke ich rauche und ich die Hunde aus dem Haus beim Namen kenne. Aber ich bin dennoch nur zu Gast. St. Pauli als mein Viertel zu bezeichnen, käme für mich nie in Frage. St. Pauli ist mein Verein und wird es auch für immer bleiben, aber mein Viertel kann es nur werden. Es ist es nicht.

Nochmal: die Absicht des Flyers ist sicher eine gute, die Unterzeichner dürfen auch mit Fug und Recht von „ihrem“ Viertel reden und die im ersten Satz aufgestellten Forderungen gelten im Grunde für das Umfeld jedes Fussballvereins, aber die Besucher aus Barmbek, Wandsbek, Alstertal, Eppendorf, Winterhude, Altona und und und sind und bleiben auch Gäste, die zwar von Hamburg als ihrer Stadt, aber nicht von St. Pauli als ihrem Viertel reden sollten. Oder sie ziehen halt hin. Und ertragen wie die St. Paulianer, die dort leben, die Eventtouristen beim Hafengeburtstag, beim Schlagermove, den Harley Days, den Cy Classics und so weiter. Und die Besoffenen ALLER Farben, die grölend morgens um vier am Fenster vorbeiziehen. Aber da zieht man sich gerne wieder in sein eigenes Viertel zurück, wo es beschaulicher ist. Und ruhiger. Und sauberer.

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26 Gedanken zu „Entweder Ihr seid St. Pauli … oder haut ab

  1. Linke Besitzstandswahrung finde ich immer verdächtig. Und den Unterschied zu Gated Communities sehe ich auch nicht.

  2. Wenigstens fühle ich mich jetzt nicht mehr so als alleiniger „Miesredner“. War ja auch nicht meine Absicht, aber der Flyer hinterlässt halt für mich an einigen Stellen ein Gschmäckle.

  3. Warum muss eigentlich alles auf die Goldwaage gelegt werden? Ich verstehe, was mit dem Flyer gemeint ist – und ich denke, sie verstehen es auch.

    • Ich sagte bereits, dass die eigentliche Absicht schon klar ist, dass mich aber -und nicht nur mich alleine- die „Normen und Werte“ und „unser Viertel“ und die damit verbundene Attitüde sehr irritiert, sondern dazu auch ein paar andere Dinge gehören, wie oben ausgeführt.

      Sie wissen doch selbst, wie auch die eigenen Worte in die Goldwaage gelegt werden, also muss man den Maßstab umgekehrt auch an sich legen lassen.

      P.S.: An dieser Stelle: Sie aus auswärtiger Fan, bezeichnen Sie St. Pauli als Ihr Viertel? Nur mal interessehalber.

  4. Guten Intensionen des Flyers hin oder her: ich möchte mich als „Gast“ und Fan des magischen FCs nicht ständig mit fussballfremden Themen auseinandersetzen. Es läuft sicherlich einiges falsch im Allgemeinen und auch speziell auf St.Pauli aber.. „DAS hier ist Fussball“ (-Fettes Brot).

    Früher sagen wir „Das hat mit Fuss, das hat mit Ball…“und poplistische Politiktapten zu kommentieren. Nun werden allgegenwärtig Forderungen gestellt, die im Tenor „Du bist mir nicht tolerant genug“ ausdrücken. Finde ich nicht gut.

    Und… was ich schon lange mal loswerden wollte: Wie kann man sich als „Freudenhaus der Liga“ und Piraten definieren und auf der anderen Seite „Werte und Normen“ einfordern und Susi ächten?

  5. Tscha… mir fehlt, was „deren“ Auftreten im Viertel angeht, zu viel Hintergrundwissen. „Deren“ heißt (ich hatte das vorher aber auch nicht verstanden), dass nicht irgendwer mit dem Plakat gemeint ist, und dass die, die es angeht, auch wissen, dass es sie angeht. Das „Free Gzuz“-Banner im Stadion stellt eben schon eine Verbindung her zwischen dem fcsp und dem Viertel mit eben jenen, ob es jetzt die 187er, die Warriorz oder wer auch immer ist. Also Straßenbandenzeugs mit eine Mischung aus Gangsterrapper-Atitüde, Kriminalität und Gewalt im fcsp-Gewand.

    Mir ist das alles sehr fern, es ist nicht meine Welt. Als Ordner vor ein paar Jahren Leute aus der Nordkurve rausholten, vor denen eigene (!) Fans Angst hatten, waren es wohl Leute eben jener Gruppen. Möglicherweise also Leute, die sich als fcsp-Fans definieren und (wobei die Frage ist, ob das in diesem Zusammenhang wirklich wichtig ist) wohl auch auf St. Pauli groß geworden sind oder dort leben, wer weiß.

    So, wie damit umgehen? Sind die Leute, die da aggressiv auf die Zäune Richtung Gästeblock steigen und gegnerische Fans und Ordner provozieren (und eigene Fans, wenn sie die da runter holen wollen) — sind die „St. Pauli“? Haben „die“ ein Recht, an dem „Werte-Canon“ zu rütteln, den „wir“ aufgestellt haben, nur weil sie „aus’m Viertel“ kommen? Oder weil sie sich als fcsp-Fans definieren? Haben wir das Recht, sie als „die“ auszugrenzen? Haben sie das Recht, andere auszugrenzen, die diese Form der Aggressivität nicht leben wollen, nicht im Viertel und nicht im Stadion? Oder müssen wir deren z.T. homophobe, sexistische Kackscheiße und ihren unerträglichen Machismo ertragen, nur weil sie (vielleicht) auf St. Pauli groß geworden sind?

    Wenn ich es richtig verstanden habe, sind dies die Fragen, die sich um das Plakat drehen. Und die Macher haben nach wohl wiederholtem Überschreiten bestimmter Grenzen eine für sich passende und (ich gucke mir die Logos unten drunter an) sicher nicht schnell aus der Hüfte geschossene Antwort gegeben: Haut ab! Ich kann damit leben. Genauso übrigens wie mit dem Widerspruch, der so sicher kommen musste wie das Amen in der Kirche, sonst wäre es nicht mehr „mein St. Pauli“ gewesen. 😉

    • Da stecken ja auch schon wieder ganz schön viele Widersprüche drin.

      Wieso muss man die Gewalttäter ausgrenzen, wieso müssen die raus aus dem Viertel? Die gehören auch zu dem Viertel wie zu ziemlich jedem Viertel eine bzw. mehrere solcher Gruppen gehören. Wäre es da nicht genauso eher Aufgabe, die irgendwo „abzuholen“ und zu integrieren als die rauszuschmeissen? Wo sollen die hin? Nach Jenfeld, Steilshoop oder in anderen Brennpunkten ghettoisiert?

      „Wir“ wollen ja auch die, die zuweilen als „sogenannte Fans“ bezeichnet werden, nicht mit Stadionverboten rausschmeißen und kriminalisieren, sondern über Fanarbeit etc. gegenwirken. Mir wird immer zu schnell mit zweierlei Maß gemessen. Wenn „wir“ beschliessen, etwas zu ächten und rauszuschmeißen, ist das voll ok, wenn andere mit Rausschmiss -Maßnahmen liebäugeln, ist das gleich die Gesetzeskeule, sind es die Moralapostel und die Spießbürger.

      Ich kann mit diesem Flyer leben und ich verstehe auch die Intention, aber was ich zwischen den Zeilen und auch vermehrt im nach außen getragenen Selbstverständnis beobachte, ist diese Erhöhung über andere durch das Viertel.

      Wie gesagt, was mich am meisten nervt, sind die Spieltagstouristen, die sich ansonsten einen Scheiß ums Viertel scheren, aber das „meinsmeinsmeins“-Lied kräftig mitsingen. St. Pauli, das Viertel, ist nicht nur das Millerntor. Oder die Domschänke. Oder U-Bahn St. Pauli. Das sind BNQ, das sind tanzende Türme, das sind die Esso-Häuser, das sind warme Abrisse, das viel mehr. Aber das scheint ja eher nur wenigen am Herzen zu liegen.

      • «…aber was ich zwischen den Zeilen und auch vermehrt im nach außen getragenen Selbstverständnis beobachte, ist diese Erhöhung über andere durch das Viertel.»

        Integration klingt immer gut und Leute, die sich nicht integrieren lassen wollen, sind mir prinzipiell erstmal sympathisch. Wenn sie einen egalitären Anspruch mitbringen, nicht einen elitären.

        Wenn es aber eben jene sind, die sich gerne über andere („scheiß Schwuchtel“) erheben? Wenn sie sich genau durch jene elitäre, egoistische Kackscheiße definieren, wenn Leute ggf. auch gar kein Interesse an Deeskalation haben, sondern eskalieren wollen, weil sie sich vor dieser Folie vorzüglich in Szene setzen können (vermarktet Gangsta-RAP-Zeuch dann auch noch mal doppelt gut)? Wenn Leute sich nicht um Konsens und Kompromisse bemühen wollen, sondern Ellenbogen zur Durchsetzung ihrer Interessen gegen Schwächere eben genau richtig finden?

        Ich verstehe ja, was Sie meinen, aber vielleicht müssen an irgendeinem Punkt auch Grenzen gezogen werden, egal, ob die (Möchtegern-)Gangsta nun „im Viertel“ leben oder nicht.

        Das Aufrechterhalten eines bestimmten Anspruchs mag mancher als elitär ansehen. Aber ich finde, es kommt doch sehr auf den Anspruch an, ob sich dieser nämlich emanzipiert und egalitär oder eben genau entgegengesetzt artikuliert.

        • „Wenn es aber eben jene sind, die sich gerne über andere („scheiß Schwuchtel“) erheben?“

          Ist halt ein klassisches Grundsatzproblem: Wie verhalte ich mich als toleranter Mensch gegenüber radikaler Intoleranz… Hier kommt es dann zwangsweise irgendwann zu einem inneren Interessenskonflikt.

        • Und Sie glauben, diese elitären, egoistischen Kackscheißer interessiert dieser Flyer?

          Es geht ja auch nicht nur um die Möchtegern-Gangster, sondern um alle, die meinen, mit dem passenden Pegel geht auf St. Pauli alles. Und da gibt es schon ein paar, die nicht unbedingt im Gangsta-Milieu zu finden sind. Aber ich habs ja oben schon dem Herrn Frittenbhuddist zu erklären versucht, dass mich das Getue rund um den Flyer, nämlich dieses „mein Viertel“ am meisten nervt. Da ist der Flyer jetzt nur on top. Kann sein, dass das nicht ganz durchkommt, aber so viel wie in den letzten Tagen habe ich noch nie von „unserem Viertel“ gelesen. Vermute da einen Zusammenhang, kann mich aber irren.

  6. Pingback: Tägliche Presseschau des magischen FC, 10.09.2012 | Blutgrätsche Deluxe

  7. „Wobei, da wäre ich dann schon beim nächsten Punkt. Den Normen und Werten. Die ja -ob zu Recht oder Unrecht, sei mal dahingestellt- eher Ausdruck von bourgeoiser Spießigkeit sind“

    Sehe ich anders. Gerade politische eher links stehende, progressive Kräfte haben und hatten starke Normen und Werte, nur eben (zumindest teilweise) andere, als die böse Bourgeoisie. Wobei ich (und das gilt jetzt überhaupt nicht Ihnen, sondern sei einfach mal allgemein gesagt) den Begriff „Bourgeoisie“ in einer (politischen) Diskussion, die über reine Phrasen hinausgeht, eh ziemlich unpassend finde, aber das ist eine Diskussion für sich.

    Zum eigentlichen Thema: Ich kann Ihre Bauchschmerzen nachvollziehen, bin da aber insgesamt etwas andere Meinung… wobei, eigentlich liegen wir gar nicht so weit auseinander, denn Sie haben ja vollkommen Recht: Ein paar Formulierungen sind, sagen wir es mal vorsichtig, unglücklich gewählt… und da ein Flyer wenig Platz bietet, ist die Fehlerquote dementsprechend hoch. Das kann man, ja, das muss man kritisieren, Sie wirken auf mich aber ein wenig so, als ob Sie hier mit einer gewissen Begeisterung die Zeilen zerpflücken, siehe als Beispiel hier die „Läden“ oder den Schlussabsatz, der für mich nach einem nicht ganz nachvollziehbaren Beißreflex klingt und den Sie sich hätten sparen können. Ja, der Flyer pauschalisiert, aber das machen Blogbetreiber ja auch ganz gerne.^^

    Aber bitte nicht falsch verstehen, rational betrachtet kann ich Ihnen wenig entgegnen, es ist auch mehr das Herz, als das Hirn, was am Meckern ist, denn die Intention des Flyers ist eine gute (worauf Sie ja auch hinweisen)… es hat sich ja leider in den letzten Jahren eine gewisse Expertenrunde für den „Schutz des Viertels“ entwickelt, die mir als Sankt Pauli – Fan extrem unangenehm ist. Als Stichwort sei hier 187 (mal stellvertretend für andere) genannt. Ganz extrem war das nach dem kleinen Derby in diesem Jahr, als eine Truppe von 30-40 (sehr) junger Herren, bis unter die Haare voll mit Testosteron, sowie diversen mehr oder weniger berauschenden Substanzen, die voller Freude darauf warteten, dass endlich ein bisschen Action passiert… Man habe ja gehört, dass die Stellinger doch dies und das geplant hätten. Und jetzt seien sie schon in der Nebenstraße… ALLE HIN DA!!1elf Und so weiter und so fort. Am Ende kam niemand, aber stattdessen wurde ein einsamer HSVer mit Fahne überfallen und eine HSV-Kneipe gestürmt. Hauptsache das Viertel geschützt. Nun ja. Für genau diese Menschen ist dieser Flyer gedacht und ich hoffe, dass er den einen oder anderen zum Nachdenken bringt… die Erfolgsaussichten dürften durch die gewählte Sprache größer sein, als durch ein politisch-philosophischen „Grundsatzgebrabbel“.

    „Wo sind diese Leute eigentlich, wenn es Demonstrationen im Viertel gibt, Stichwort Gentrifizierung, BNQ etc etc.?“

    Hier! Und das obwohl ich in Hamburg-Hamm und nicht auf Sankt Pauli lebe… jaja, ich weiß, ich war gar nicht gemeint.

    😉

    • Das mag schon sein, dass ich hier Zeilen zerpflücke und seziere, aber darauf muss ich ja auch immer umgekehrt gefasst sein, wenn ich hier schreibe.
      Von Begeisterung kann allerdings keine Rede sein, weil mich das so gar nicht begeistert.

      Was die bourgeoisen Spießer angeht, gerade diese Diskussion hatte ich hier in Verbindung mit Normen und Werten und ähnlichen Schlagwörtern schon des Öfteren, daher ist es sogar ganz aus der Nähe hergeholt. Bin ja selber einer.

      Und ja, der letzte Absatz war sehr persönlich, weil ich das oft genug persönlich miterlebe, wie die Unannehmlichkeiten, die das Viertel eben auch wegen dieser Eventüberfrachtung bietet und die ganze Problematik der Gentrifizierung gerade an vielen vorbeigeht, die das als ihr Viertel proklamieren. Und das ärgert mich und da beiß ich. Und auch mal stellvertretend für die, denen es täglich so geht, weil sie da wohnen, die wichtigen Anliegen des Viertels aber schön allein vertreten dürfen.

      Die, die gemeint waren, dürften sich ganz leicht angesprochen fühlen, da mache ich mir keine Sorgen.

      Ob dieser Flyer die zum Nachdenken bringt, an die er gerichtet ist, wer weiß das schon. Den anderen muss man es nicht sagen, die wissen das. Befürchte nur, dass genau die ihn eben auch lesen und die anderen nicht so. Aber das sind natürlich keine Vermutungen. Oder Befürchtungen. Oder so.

      • „Das mag schon sein, dass ich hier Zeilen zerpflücke und seziere, aber darauf muss ich ja auch immer umgekehrt gefasst sein, wenn ich hier schreibe.“

        In der Tat.^^

        „Was die bourgeoisen Spießer angeht, gerade diese Diskussion hatte ich hier in Verbindung mit Normen und Werten und ähnlichen Schlagwörtern schon des Öfteren, daher ist es sogar ganz aus der Nähe hergeholt. Bin ja selber einer.“

        Kenne ich doch auch alles… aber das ganze Thema sprengt den Umfang einer Kommentarleiste, außerdem bin ich gerade schlicht zu faul darüber länger schriftlich zu diskutieren… vielleicht ja dann nächste Woche verbal (so langsam muss eine To-Do-Liste aufgestellt werden. *g*).

        „Ob dieser Flyer die zum Nachdenken bringt, an die er gerichtet ist, wer weiß das schon. Den anderen muss man es nicht sagen, die wissen das. Befürchte nur, dass genau die ihn eben auch lesen und die anderen nicht so. Aber das sind natürlich keine Vermutungen.“

        Ich bin da auch skeptisch, habe aber durchaus Hoffnung. Ein bisschen.

  8. Das Dir Jekylla dieser Aufruf wieder einen negativen Blog-Beitrag wert war – nicht schlecht. Dein Aufzählen und mutwilliges Falschverstehen von eigentlich klaren Aussagen zeigt mal wieder des Geistes Kind. Da steckt doch schon ein persönliches Problem mit Institutionen und Menschen aus Verein und Umfeld dahinter?

    Dazu kommen dann noch ein paar nette Worte der „Politik-hat-im Stadion-nichts-zu-suchen“-Fraktion. Klasse! Stammtisch allez!

    Vielleicht wäre es dann mal sinnvoller, abseits vom Bäcker und Lebensmitteldiscounter, ein wenig über den eigenen Tellerrand zu sehen und sich mit der Verbindung des Vereins, dem Viertel, den Anwohnern und den Fans live und direkt auseinanderzusetzen. Mal so abseits von Internet und Hörensagen.

    Nichts für ungut, viel Spaß dann auf der GG.

    • Nun bin ich mit der Kritik ja nicht so ganz allein auf weiter Flur, auch anderen Bloggern war dieser Flyer den einen oder anderen kritischen Beitrag wert.

      Meine „Probleme“ sind ja immer eindeutig formuliert. Wenn ich ein Problem mit der Vereinsführung habe, schreibe ich das genauso wie wenn ich ein Problem mit den Fans habe. Oder mit dem Trainer. Ich schreibe aber auch, wenn ich etwas gut finde, was der Verein macht, er ist nicht nur das Feindbild. Und ich unterstütze auch Fanaktionen, die ich für unterstützenswert halte. Ich bin nicht so einseitig gepolt, dass prinzipiell der Verein und die Polizei die Bösen sind und die Fans sind immer gut.

      Dass man sich mit Kritik an Fans oder Fanaktionen nicht überall Freunde macht, ist mir schon klar, aber ich blogge nicht, um Blogger des Jahres zu werden, sondern weil ich mich über Meinungen, Empfindungen, Auffassungen und Fakten austauschen will. Gerne auch kontrovers, gerne auch mit Kritikern, die hier noch nie zum schweigen gebracht worden sind. Zensur gibt es hier nicht. Das ist aber noch nicht der Blümchen-Ponyhof, wo immer alles toll ist, weil FCSP draufsteht.

      Der kritische St. Pauli Fan erfreut sich nur der Beliebtheit, wenn sich die Kritik gegen den Verein, die Polizei, die Staatsmacht richtet, ansonsten sollte man sich das wohl verkneifen? Und genau das mache ich nicht.

      Wo das mit „Politik hat nichts im Stadion zu suchen“ steht, wüsste ich dann schon gerne, ich erinnere mich nicht, das jemals so formuliert zu haben. Im Gegenteil. Aber ich kann Ihnen ja auch nicht anlasten, dass Sie hier nicht regelmässig lesen, sonst wüssten Sie, dass diese Vermutung extrem weitgehergeholt ist. Und genau dahin auch zurück kann.

      Und was bitte mache ich anderes, als über den Tellerrand hinauszusehen, wenn mich interessiert, was im Viertel vor sich geht? Wenn ich von denen, die das als ihr Viertel betrachten, auch erwarte, dass sie sich für die Belange des Viertels einsetzen über den FCSP-Tellerrand hinaus? Dass ich mich auf St. Pauli nicht nur als Fussballbesucher aufhalte, können Sie ja nun auch nicht wissen, aber ich dachte, meine Erwähnungen von Alltagsdingen wie Bäcker, Einkaufen, Anwohner kennen würde eventuell darauf hindeuten, dass ich öfter auf St Pauli „wohne“ als so manch anderer. Und gerade deswegen ärgert mich das sehr, dass der Rest von St. Pauli ausserhalb des Fussballkosmos kaum jemanden interessiert.

      Das Internet ist neben dem Besuch von Heimspielen und Auswärtsspielen nichts anderes als ein Ort, wo ich die Dinge, die mich stören oder Dinge, die mir gefallen, artikuliere. Und genau eben abseits vom Internet und Hörensagen auch mal an die Quellen gehe. Persönlich. Auge in Auge. Aber auch das können Sie wohl nicht wissen, wenn Sie hier nicht regelmässig lesen. Den Schuh, nur nach Hörensagen zu publizieren, könnte sich der eine oder andere eher anziehen.

      Und ja, im Moment gibt es einiges, was mich stört. Dass gutbezahlte Vereinsangestellte sich gegenseitig Gedenksteine vors Stadion legen, dass 600 qm Fläche eine Polizeiwache werden sollen, statt was für ein Museum abzuzwacken. Dass jeder Hinz und Kunz plötzlich „sein Viertel“ entdeckt. Dass Normen und Werte plötzlich kein spießbürgerliches Verhalten mehr sind, sondern selbstverständlich. Wer weiß, vielleicht finde ich nächste Woche ja wieder was toll? Vielleicht, dass SOS St. Pauli mir mitteilt, dass sich total viele vom FCSP als Helfer gemeldet haben? Dass die Mannschaft in Köln oder in Frankfurt ein geiles Spiel gemacht hat?

      Außer dem Verein, dem ich seit über 6 Jahren hinterherreise, verbindet mich mit St. Pauli auch noch eine persönliche Beziehung, insofern fühle ich mich nicht angesprochen, wenn Sie mich auffordern, das Internet zu verlassen und mal rauszugehen. Ich bin da oft, da draußen.

      Ebenfalls nichts für ungut und danke, ich bin gespannt.

      Wegen einer kritischen (negativen? )und von der eigenen Meinung abweichenden Aussage gleich auf den Geisteszustand zu schließen, halte ich im Übrigen für ambitioniert. Nur weil Sie aus verschiedenen Gründen nicht viel über mich wissen, spreche ich Ihnen nicht automatisch partielle Gehirnuntätigkeit aus. Würde ich nie wagen, ich kenne Sie ja auch nicht. 😉

  9. da hier die meisten argumente bereits ausgetauscht sind nur soviel,

    alles immer mit diesem gut gemeint zu entschuldigen kann ich so nicht nachvollziehen. der text ist sicher nicht in 5 minuten entstanden und es haben den auch so einige abgenickt. daraus kann ich nur eine schlußfolgerung ziehen, der text ist genauso gemeint.
    der gut gemeine rat abzuhauen wenn man sich den selbst gestellten regeln auch außerhalb des stadion nicht unterwirft, erinnert mich an „wenn es dir hier nicht gefällt geh doch nach drüben“. interessant wird es dann, wenn sich anwohner nicht fügen. denen wird dann ein umzug empfohlen?

    btw, als langjähriger bewohner dieses viertels kenne ich mehr menschen für die der verein,außer der frage haben sie gewonnen, eine untergeordnete rolle spielt. die probleme die fans mit dem umfeld oder mit ihrem verein haben sind nicht die probleme der anwohner und wahrscheinlich verhält es sich umgekehrt ebenso. ich persönlich empfinde die kluft zwischen verein und viertel größer als manche es gerne hätten und immer wieder propagieren.

  10. Puh. Ich finde diese Diskussion so über wie unergiebig (jaja, aber ich nehme gerade dran teil. Ich weiß).

    Irgendwie… „Benehmen“ darf man nicht sagen. „Normen und Werte“ offenbar auch nicht (?). „Regeln“ dürfte auch schwierig sein. Also jeder, wie er will? Ist ja offenbar auch falsch. Das bzw. mein Problem mit dieser Diskussion ist so ein bisschen, dass es die im Rahmen linker Prozesse ja teils durchaus sinnvolle Diskussion über Begrifflichkeiten so dermaßen auf die Spitze treibt, dass es am Ende nur noch der Definierer selbst versteht.

    Man sollte sich doch nichts vormachen: Die Adressaten solcher Plakate (und der magische FC hat dazu mal zurecht gesagt, die seien halt plakativ, die Plakate) werden in der Regel eher nicht mit sozialwissenschaftlichem Kontext in die Sprach- und Textanalyse gehen. Die lesen die, wenn es gut läuft, und fangen, wenn es besser läuft, sogar an, drüber nachzudenken.

    Blöde gesagt: Ich muss die Sprache meiner Zielgruppe sprechen. Und die Zielgruppe sind hier – unterstelle ich gleich mal – weder Sie noch ich, sondern „andere“. Andere die qua Verhalten zumindest Indizien dafür liefern könnten, wie man sie evtl. eher nicht ansprechen sollte, wenn man ihre Aufmerksamkeit braucht.

    Und da ist ein „Respekt oder raus“ evtl. einfach angebrachter als ein wohlformulierter Ansatz der in Betracht zieht, dass ja eigentlich niemand „das Viertel“ ist, und Nichteinwohner auch unter strengsten Kriterien sich dazu nicht äußern dürften etc…

    Irgendwie diskutieren im Moment doch mal wieder ausschließlich Nichtgemeinte und vermutlich auch Nichtinitiatoren was, mit dem sie eigentlich nichts zu tun haben, oder?
    Eigentlich müsste man mal rauskriegen, was das in den Köpfen derjenigen auslöst, die gemeint sind. Und ob ein „Wir würden uns freuen, wenn Ihr friedlich miteinander und uns umgeht, gerade wenn der FC. St. Pauli seine Fussballspiele austrägt, in dem Stadtteil den wir während der Spiele als „unseren“ Begreifen, aber am Tag darauf ist das eher Duvenstedt…“ da wirklich zielführender ist…

    • Das ist doch genau das Problem. Auf der einen Seite wird stets und ständig um Begrifflichkeiten gerungen -also wenn ich mal von Normen und Werten spreche, geht das gar nicht oder auch Benehmen o.ä.- aber da ist das dann wieder ok.
      Sicher, es geht darum, wie man die Botschaft an den Empfänger bringt, aber Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die in erster Linie angesprochenen Gruppen dieser Flyer auch nur im geringsten interessiert?

      Und dann sind eben noch die anderen, wie Sie und ich (oder eben auch nicht, Sie und ich sprechen ja nicht von „unserem“ Viertel), die diese „mein Viertel“-Begrifflichkeit als ebensolche adaptieren und mit dem Viertel selbst nichts, aber auch gar nichts am Hut haben. Oder nicht sonderlich viel Das Viertel besteht auch für die mit dem Flyer nicht so angesprochenen Personenkreise aus mehr als aus dem Millerntor, das ist eben etwas, was mir in diesem Zusammenhang auch unangenehm auffällt. Wird aber dann als Keule benutzt.

      Und dann kommt man eben zum nächsten, wer sonst noch alles raus soll. Aus dem Viertel, aus dem Stadion, aus dem Verein…
      Deswegen auch die Sache mit Susi. Aber sowas geht dann wieder unter. Das hat alles so einen Besserfan-Touch, ein „du bist nicht St. Pauli“, ein „du verstehst St. Pauli nicht“. Da reagiere ich langsam vielleicht auch ein wenig allergisch. Mag sein.

      Aber die Begrifflichkeitsdiskussionen sind irgendwie selbst gezogen, also darf man sich nicht wundern, wenn das auch umgekehrt passiert.

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